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Bis 2100 wahrscheinlich keine Alpengletscher mehr

10.04.2019, 09:17 Uhr

Gegen Ende des Jahrhunderts könnten Eisflächen und Gletscherzungen in den Alpen der Vergangenheit angehören: 94% des heutigen Eisvolumens der Gletscher ist dann wahrscheinlich abgeschmolzen.

Keine großen Gletscherflächen mehr

Gletscher sind die wohl wichtigsten Klimazeiger in den Alpen und vom Klimawandel am stärksten betroffen. Bis Ende des Jahrhunderts könnten die Alpen so gut wie eisfrei sein. Das bestätigt eine aktuelle Studie Schweizer Forscher in der Fachzeitschrift The Cryosphere.

  • 50% weniger Eis bis 2050: Selbst bei einer Erderwärmung von unter 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Level (IPCC-Klimaszenario RCP2.6), würde laut Studie bis Mitte des Jahrhunderts nur mehr die Hälfte des Gletschervolumens vorhanden sein.
  • Mehr als 90% des Eisvolumens von heute wird 2100 verschwunden sein, nimmt man die realistischere Klimaentwicklung mit einer Erwärmung von 2,6 bis 4,8 °C bis Ende des Jahrhunderts an. Selbst beim günstigsten Szenario liegt der Eisverlust bei über 70%.

In den Alpen geht damit nicht nur ein zentrales Landschaftselement verloren, sondern viel mehr ein wichtiger Wasserspeicher. Gletscher liefern Wasser in trockenen Sommermonaten: diese zuverlässige Wasserquelle wird dann ausbleiben. 

 

335 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr weltweit

Die Gletscherschmelze ist aber auch - oder viel mehr- global ein Problem: pro Jahr schmelzen weltweit 335 Milliarden Tonnen an Eis. Seit 1961 sind das gesamt unvorstellbare 9.000 Milliarden Tonnen Eis. Im Schnitt ist die globale Gletscherschmelze für den Meeresspiegelanstieg von einem Millimeter pro Jahr verantwortlich. Zu dieser Erkenntnis kamen Schweizer Forscher der Universität Zürich in ihrer Forschung, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Laut Zemp, führender Glaziologe an der Universität Zürich, gehe global pro Jahr dreimal das verbleibende Gletschervolumen der Alpen verloren. Seit 1961 bis heute kam es durch die Gletscherschmelze zu einem Meeresspiegelanstieg von 27 mm. Damit sind Gletscher für 25-30 % des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich.