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Öffis clever nutzen

07.06.2022, 12:10 Uhr

Der neue Netzplan für den Bergsommer so dicht gewebt, wie noch nie zuvor. Er lädt ein zur klimabewussten Anfahrt mit gutem Emissionsgewissen – und besonders auch zu ausgetüftelten Überschreitungen und Durchquerungen. Michael Vitzthum aus München erreicht seit gut zehn Jahren seine Bergziele praktisch ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und hat die Verbindungen in akribischer Arbeit zu einer Art Netzplan zusammengestellt. Hier gibt er noch Tipps aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz.

Text und Grafik: Michael Vitzthum

 

Tipps & Tricks

  • Apps erleichtern erheblich die Planung, nahezu alle Tickets lassen sich über einen jeweiligen Account online buchen. Die Verbindungsvorschläge mehrerer Apps vergleichen. Teilweise werden unterschiedliche Routenvorschläge und nicht alle Haltestellen angezeigt. Bei Überschreitungen auch mal die Gegenrichtung checken – manchmal sind dann die Fahrzeiten günstiger.
  • Für die schnelle Buchung von Online-Tickets jeweils einen Account für die jeweilige App anlegen.

  • In allen Alpenregionen gibt es günstige Tickets für Einzelreisende und Gruppen: z.B. Bayernticket, Regiotickets, Tageskarten etc. Bei weiterer Anreise bieten DB und ÖBB häufig Sparpreise und Gruppenfahrkarten an. Generell gilt: Je mehr Personen zusammen reisen, desto günstiger. Unbedingt Fahrpreise vergleichen (mithilfe der Apps): Bei grenzüberschreitenden Touren können jeweilige Inland-Tickets günstiger sein. Bei längeren internationalen Fernverbindungen Ticketangebote der Anbieter vergleichen (DB, ÖBB, Trainline).

  • Zeitpuffer einplanen, vor allem beim Umsteigen. Erste und letzte Tagesverbindung checken. Verspätungs- und Störungscheck vor dem Aufbruch und auch mal zwischendurch von unterwegs.

  • Bei Überschreitungen ergeben sich manchmal bessere Fahrmöglichkeiten, wenn man die Richtung der Tour einfach mal umdreht (falls möglich).
  • Leichtes, mobiles Gepäck, nur das Material mitnehmen, was man unbedingt braucht. Ein leichter Rucksack macht die Tour auch wesentlich entspannter. Bei gleichem Start- und Zielbahnhof Schließfächer recherchieren (Stationssuche DB).
  • Bei längeren Wartezeiten oder Verspätungen cool bleiben und die Zeit kreativ nützen, z. B. für Einkehr oder Einkauf.

 

Die Karte ist Ergebnis zahlreicher Touren und vieler Stunden, die Michael Vitzthum vor dem Computer verbracht hat. Wer Interesse hat, die Karte (zum Beispiel für die Sektionsarbeit) zu verwenden, kann eine Mail an dav-panorama@alpenverein.de schreiben, wir stellen dann den Kontakt her. (Klicken zum Vergrößern)

 

Apps zum Abfahren

Touren mit Öffis brauchen mehr Planung, aber mit den richtigen Apps ist es ein Kinderspiel. Diese helfen dabei:

 

DB Navigator

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Deutschland und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Fahrrad Fernverkehr national)

 

München Navigator

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt München, Buchung von regionalen Online-Tickets und Fahrradtageskarten (MVV & Bayern)

 

Trainline

Bahn- und Busverbindungen international, Buchung von Online-Tickets

 

Bayern Fahrplan

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Bayern, Download von Netzplänen

 

ÖBB

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Österreich und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Bus, Fahrradkarten national & international)

 

VVT Smart Ride

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Tirol, sehr detaillierte Kartenansicht mit allen Haltestellen

 

alpenvereinaktiv

Tourenplanung im gesamten Alpenraum

 

Klimafreundlich zur Ski- & Schneeschuhtour

ÖV-Netzplan Winter

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Bergsport ohne Auto? Das geht auch in der kalten Jahreszeit wunderbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die brandneue Netzkarte des Öffi-Skitouren-Experten Michael Vitzthum zeigt das dichte Geflecht von Bahn- und Buslinien, die die Ostalpen vom Allgäu bis zum Berchtesgadener Land in den Wintermonaten durchziehen. Text und Grafik: Michael Vitzthum   Bis zum Alpenhauptkamm lassen sich mit dem Bahn- und Bus-Angebot etliche Regionen und Bergziele klimafreundlich erreichen und besonders bewusst erleben. Viele neue Tourenideen eröffnen sich beim Blick auf die Karte, sie ist geradezu eine Einladung zu Rundtouren, Überschreitungen und Durchquerungen, wenn es die Verhältnisse erlauben. Jede Ski- oder Schneeschuhtour mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz, denn bei der An- und Abreise haben wir Aktiven den mit Abstand größten Hebel zur Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks. Im Verkehrssektor steigen die Emissionen seit Jahren weiter an, sie sind unserer uneingeschränkten Mobilität geschuldet. Weniger Autos und dafür mehr öffentliche Verkehrsmittel bedeuten auch weniger Feinstaub, Mikroplastik, Lärm und Gestank auf unserem zum Teil oft sehr weiten Weg in die Berge und zurück. Immer mehr Individualverkehr bedeutet immer weiteren Ausbau der Infrastruktur mit Straßen, Tunneln und Parkplätzen, die noch mehr Verkehr anzieht – ein Teufelskreis, den wir gemeinsam durchbrechen können! 

„Das Bild im Kopf ist negativer als die Wirklichkeit“

Interview mit Michael Vitzthum

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Michael ist Skitourengeher und ein Exot. Denn zu den Ausgangspunkten seiner Touren fährt er öffentlich. Ein Gespräch über Kameradschaft, die Ambivalenz vieler Bergsportler und Après-Ski-Hits. Michael, du gehst seit 20 Jahren auf Skitour, seit zehn Jahren nur noch öffentlich. Hat sich in dieser Zeit etwas geändert ins Sachen Wintersport und öffentlicher Mobilität? Michael: Ja und nein. Einerseits sind viele Skitouren-Regionen mit Bus und Bahn besser erschlossen, als noch vor einigen Jahren oder gar Jahrzehnten. Andererseits fahren sie viel zu oft leer durch die Gegend. Sprich: das Angebot wäre da, es hapert an der Nachfrage.   Ist das denn so? Sind nicht die Bahnen gerade aus den Städten heraus oft unangenehm voll? Im Sommer schon. Zum Wandern und Bergsteigen öffentlich zu fahren, ist nicht mehr unüblich. Aber im Winter haben meine Leute und ich oft den ganzen Bus für uns allein. Andere Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer sehen wir nur ab und zu. 

Skitouren mit Bus und Bahn – und es geht doch!

#bergsportisnomotorsport!

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Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge zu fahren ist umständlich und unkomfortabel? Von wegen. Michael Vitzthum geht seit 20 Jahren Skitouren und organisiert seine Ausflüge seit zehn Jahren ohne Auto. Hier erklärt er, warum Bus, Bahn und Berg perfekt zusammenpassen. Wenn Michael am Startpunkt seiner Skitour ankommt, ist der Parkplatz meistens schon komplett voll. Aber das ist ihm egal, denn er ist ohne Auto angereist. Während andere jetzt beginnen würden zu fluchen und sich weiter auf die Suche nach einem Stellplatz machen, schnallt sich der Münchner die Tourenski an und geht los.   Statt sich mit dem Auto in den Stau zu stellen, fährt der 48-Jährige öffentlich. Zuerst von München mit dem Zug, dann weiter mit dem Bus. Häufig haben er oder die Gruppe, mit der er unterwegs ist, den Bus für sich allein. „Oft schimpfen Bergsportler, dass es zu wenig Angebote gibt. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn die Leute solche Möglichkeiten nicht nutzen, werden die Linien wieder eingestellt“, sagt Michael. Warum sich der ÖPNV bei den Winterbergsportlern nur zögerlich durchsetzt, liegt vielleicht an seiner Reputation. 

#machseinfach – Mobilität zum Berg besser denken

Bergpodcast Folge 09

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Mit gutem Gewissen in die Berge: diesem Thema widmet der DAV im Jubiläumsjahr unter dem Stichwort "Haltung zeigen" und mit der Kampagne "machseinfach – nachhaltig handeln" besondere Aufmerksamkeit. Ein wichtiges Thema ist dabei der Verkehr, denn dafür geht ein großer Teil unseres CO2-Ausstoßes drauf. Tatsächlich lässt sich auf dem Weg in die Berge viel CO2 einsparen, wenn wir zum Beispiel das Auto stehen lassen. Darüber sprechen wir in dieser Folge mit Naturschutz-Experten vom DAV. Und wir haben uns vom Gay Outdoor Club zeigen lassen, wie es gehen kann. Denn der GOC ist eine der DAV-Sektionen, die die meisten Touren mit den Öffentlichen macht.   

#machseinfach

Haltung zeigen in Natur- und Klimaschutz

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Mit der Kampagne #machseinfach zeigt der Deutsche Alpenverein, wie wir alle mit einfachen Mitteln einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten und selbst nachhaltig handeln können. Ihr werdet sehen: Oft reichen schon kleine Dinge.