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Klimafreundlich zur Ski- & Schneeschuhtour

Sanft unterwegs in den Schnee

Bergsport ohne Auto? Das geht auch in der kalten Jahreszeit wunderbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die brandneue Netzkarte des Öffi-Skitouren-Experten Michael Vitzthum zeigt das dichte Geflecht von Bahn- und Buslinien, die die Ostalpen vom Allgäu bis zum Berchtesgadener Land in den Wintermonaten durchziehen.

Text und Grafik: Michael Vitzthum

 

Bis zum Alpenhauptkamm lassen sich mit dem Bahn- und Bus-Angebot etliche Regionen und Bergziele klimafreundlich erreichen und besonders bewusst erleben. Viele neue Tourenideen eröffnen sich beim Blick auf die Karte, sie ist geradezu eine Einladung zu Rundtouren, Überschreitungen und Durchquerungen, wenn es die Verhältnisse erlauben. Jede Ski- oder Schneeschuhtour mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz, denn bei der An- und Abreise haben wir Aktiven den mit Abstand größten Hebel zur Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks. Im Verkehrssektor steigen die Emissionen seit Jahren weiter an, sie sind unserer uneingeschränkten Mobilität geschuldet. Weniger Autos und dafür mehr öffentliche Verkehrsmittel bedeuten auch weniger Feinstaub, Mikroplastik, Lärm und Gestank auf unserem zum Teil oft sehr weiten Weg in die Berge und zurück. Immer mehr Individualverkehr bedeutet immer weiteren Ausbau der Infrastruktur mit Straßen, Tunneln und Parkplätzen, die noch mehr Verkehr anzieht – ein Teufelskreis, den wir gemeinsam durchbrechen können!

 

Die Karte ist Ergebnis zahlreicher Touren und vieler Stunden, die Michael Vitzthum vor dem Computer verbracht hat. Wer Interesse hat, die Karte (zum Beispiel für die Sektionsarbeit) zu verwenden, kann eine Mail an dav-panorama[Klammeraffe]alpenverein[Punkt]de schreiben, wir stellen dann den Kontakt her. (Klicken zum Vergrößern)

 

Der Weg als Gemeinschaftserlebnis

Es ist ein Zeichen von Respekt und Rücksicht gegenüber den Menschen in den sensiblen Alpenregionen, wenn der Verkehrsdruck sinkt. Lokale Bahn- und Buslinien bleiben durch die häufige Benutzung auch für die Einheimischen erhalten und werden in Zukunft wieder ausgebaut statt eingestellt. Viele Tourismusorte, besonders die „Bergsteigerdörfer“, danken es mit einer  Gästekarte, mit der man das lokale Mobilitätsangebot und die vielen Skibusse zur Saison umsonst nutzen kann. Pensionen, Gasthöfe und Hotels freuen sich ebenfalls über längere Aufenthalte statt immer nur kurze Tagestrips. Wer mit Öffis zur Tour fährt, macht sich frei von festgelegten Start- und Zielpunkten und erlebt selbst bekannte Gebiete viel bewusster und intensiver. Auch mit Tourenski und Schneeschuhen lassen sich tolle Überschreitungen und Durchquerungen planen, abseits von Hotspots und Moderouten. In der Gruppe wird schon der Weg ins Gebirge zum Gemeinschaftserlebnis, beim Frühstück im Zug oder mit einer gemütlichen Brotzeit auf der Heimreise – entspannt und ohne Fahrstress. Man ist vielleicht manchmal länger unterwegs, aber diese Zeit ist geschenkt. Es sind auch diese "weichen" Faktoren, die den einfachen Ausflug zur Reise werden lassen – einfach mal ausprobieren!

 

So klappt’s mit den Öffis

  • Apps erleichtern die Planung, nahezu alle Tickets lassen sich über einen jeweiligen Account online buchen. Die Verbindungsvorschläge mehrerer Apps vergleichen. Bei Überschreitungen auch die Gegenrichtung checken – manchmal sind dann die Fahrzeiten günstiger.
  • In allen Alpenregionen gibt es günstige Tickets für Einzelreisende und Gruppen: z.B. Bayernticket, Regiotickets, Tageskarten etc. Bei weiterer Anreise bieten DB und ÖBB häufig Sparpreise und Gruppenfahrkarten an. Unbedingt Fahrpreise vergleichen (mithilfe der Apps): Bei grenzüberschreitenden Touren können jeweilige Inland-Tickets günstiger sein.
  • Zeitpuffer einplanen, vor allem zum Umsteigen und zur letzten Fahrt des Tages. Verspätungs- und Störungscheck vor dem Aufbruch und auch unterwegs.
  • Leichtes, mobiles Gepäck, am besten Tourenskistiefel schon beim Start anziehen und die Zeit im warmen Zug für Detailplanung, Lagecheck und Auffellen nutzen. Stöcke am Rucksack oder an den Ski befestigen. Bei gleichem Start- und Zielbahnhof Schließfächer recherchieren (bahnhof.de).
  • Wartezeiten bewusst nutzen für Einkehr und Einkauf, vor allem an kalten Tagen.
 

Apps zum Abfahren

Touren mit Öffis brauchen mehr Planung, aber mit den richtigen Apps ist es ein Kinderspiel. Diese helfen dabei:

 

DB Navigator

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Deutschland und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Fahrrad Fernverkehr national)

 

München Navigator

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt München, Buchung von regionalen Online-Tickets und Fahrradtageskarten (MVV & Bayern)

 

AVV Augsburg Mobil

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Augsburg. Kauf von regionalen Online- und Fahrradtickets, sowie vom Bayernticket

 

Trainline

Bahn- und Busverbindungen international, Buchung von Online-Tickets

 

Bayern Fahrplan

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Bayern, Download von Netzplänen

 

ÖBB

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Österreich und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Bus, Fahrradkarten national & international)

 

Salzburgerverkehrs-App

Fahrplanverbindungen Österreichweit, Kau von regionalen Fahrkarten

 

Südtirolmobil

Bus- und Bahnverbindungen in Südtirol. Einsicht in Ticketpreise. Entwerten von Fahrten mit dem Südtirol- und Euregio Family Pass

 

VVT Smart Ride

Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Tirol, sehr detaillierte Kartenansicht mit allen Haltestellen

 

alpenvereinaktiv

Tourenplanung im gesamten Alpenraum

 

Öffis clever nutzen

ÖV-Netzplan Sommer

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Mit Bus und Bahn in die Berge Text und Grafik: Michael Vitzthum 

Die persönliche Klimastrategie

Klimaschutz – jeder Beitrag zählt

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Im Klimaschutz zählt jeder Beitrag, auch der eigene. Doch es gibt keine vorgefertigte Klimaschutzstrategie, die auf alle passt. Jeder muss für sich eine ganz eigene Strategie entwickeln. Doch wo fange ich an?   Deutschland hat sich bis 2050 ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das ist auch bitter nötig, denn durchschnittlich emittiert jeder Deutsche jährlich 11,17 Tonnen CO2. Damit liegen deutsche Durchschnittsbürger*innen deutlich über dem globalen Mittel, und auch deutlich über dem jährlichen EU-Wert von acht bis neun Tonnen CO2 pro Person. Doch warum ist unsere pro Kopf Emission so hoch? Zum einen liegt das am Konsumverhalten. „Unser ganzer Konsum ist sehr stark auf der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas ausgerichtet“, sagt Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum beim Umweltbundesamt (UBA). Außerdem sind Fleischkonsum und die damit verbundene Methanemissionen in Deutschland überdurchschnittlich hoch.   Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und um die Erderwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad zu halten, müssten die Emissionen auf 0 bis maximal 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr sinken.   Bis dahin muss also noch viel passieren. Politische Maßnahmen und unternehmerische Lösungen sind wichtige Bausteine in diesem Prozess, aber auch die „persönliche Klimaschutzstrategie“ jeder*s Einzelnen kann viel dazu beitragen, Treibhausgasemissionen zu senken und die Ausmaße des Klimawandels zu begrenzen. 

Mobilität von morgen

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Bereits im Mai 2019 hat sich die Kampagne #machseinfach damit befasst, was umwelt- und klimabewusst Autofahren heißt und wie man mit dem Auto "ökologisch" in die Berge anreisen kann.  2015 verpflichteten sich Deutschland und 194 weitere Staaten im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens, die Klimaerhitzung auf deutlich unter 2 °C, möglichst nur 1,5 °C, gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Dazu strebt Deutschland in seinem „Klimaschutzplan 2050“ an, bis 2050 weitestgehend Treibhausgasneutral zu werden. Heutzutage fällt ein Fünftel der CO2-Emissionen Deutschlands allein auf den Verkehr. Somit gilt auch hier die Devise: Vermeiden – reduzieren – kompensieren.