logo-dav-116x55px

Rückblick Sommersaison 2020

09.09.2020, 12:07 Uhr

Hüttenwirtsleute ziehen Bilanz

Durch die omnipräsente Covid-19 Pandemie, gestaltete sich der Sommer 2020 für alle Beteiligten anders als erwartet. Die Saison begann für viele Hütten etwas später als üblich und brachte einige Herausforderungen mit sich: sei es ein verstärkter Gästeansturm im Tagesgeschäft, Einnahmen-Defizite oder eine infrastrukturelle Herausforderung beim Umsetzen der Covid-19 Bestimmungen. Auch seitens der Hüttengäste kam es zu Herausforderungen beim Übernachten. Die unterschiedlichen Bestimmungen in den Ländern bei Beherbergung und Gastronomie führten oftmals zu Unstimmigkeiten vor Ort.

Oft sind die ohnehin stark frequentierten Regionen noch stärker besucht worden, was auf die Reisebeschränkungen und den dadurch gestiegenen Binnentourismus zurückzuführen ist. Vor allem die Hütten in Bayern hatten auf Grund der eher strengeren Vorgaben der Behörden besonders zu kämpfen: hier blieben auch einige Hütten für den Übernachtungsbetrieb den ganzen Sommer geschlossen - wirtschaftlich war dies nicht rentabel.  Das Gefühl der Ungewissheit war ein ständiger Begleiter. Nichtdestotrotz haben die meisten Hüttenwirtsleute ihr Potential genutzt, sich auf ihre Stärken besonnen und mit viel Kreativität das Beste aus der Saison herausgeholt.

 

"Für uns war die Sommersaison 2020 wirklich eine Herausforderung" - Hüttenwirtin Melanie Neurauter von der Braunschweiger Hütte, 2759m, Ötztaler Alpen

 

„ …wir gaben unser bestes aber auf einer Hütte ist es mit dem Abstand immer schwierig. Jeden Tag hatten wir ein mulmiges Gefühl im Bauch – Hoffentlich passiert nichts und wir können weiterarbeiten.“

Zumindest war laut Neurauter das Wetter gut und hat dem Personal einige geschäftige Tage auf der großen Hütte beschert.

„Zum Positiven hat sich entwickelt, dass die Matratzen abgetrennt wurden. Ich denke die Gäste waren zufrieden. Einige sind immer dabei die Bedenken haben (…)

Wir hoffen, dass die letzten Wochen noch gut verlaufen. Und so werden wir dieses Jahr mitnehmen und hoffen, dass es sich am Ende doch noch gelohnt hat“

 

„Die Wanderer freuen sich, wenn Sie einen der wenigen Schlafplätze ergattern.“ -Hüttenwirtin Sylvia Socher von der Rappenseehütte, 2091m, Allgäuer Alpen

 

„…Es ist auch gerade bestes Wanderwetter mit stabiler Wetterlage und bester Fernsicht. Wir können nur ein Drittel unserer Kapazität belegen. Diese Plätze sind auch noch den ganzen September ausgebucht. Die Anzahl unserer Übernachtungen richtet sich nach unserer kleinen Gaststube, in die wir mit 1,50 Abstand nur 70 Gäste unterbringen...“ Jetzt hängt laut Socher alles von der weiteren Witterung zum Saison-Abschluss ab.

 

„Wenn wir nicht selbst kreativ gewesen wären, wäre es schwierig geworden“ -Hüttenwirt Uwe Gruber von der Albert-Link Hütte, 1053m, Bayerische Voralpen

 

„Wir spiegeln nicht die typische Alpenvereinshütte wider. Uns besucht ein weites Spektrum von Gästen, wir sind durch die gute Erreichbarkeit nicht sehr Wetterabhängig und meist gut besucht gewesen-vor allem Im Tagesgeschäft. Die Übernachtungen sind dagegen stark eingebrochen, auch vor allem, weil viele Gruppen wie Schulklassen, Schulungsgruppen, Vereinsgruppen etc. weggefallen sind. Die Albert-Link Hütte zeichnet sich vor allem auch durch ihre Gemütlichkeit aus-das gesellige Beisammensein hat stark gelitten und das haben wir gemerkt. Wir konnten unsere Verluste durch neue Verkaufsmobile für unsere regionalen Produkte im Tal, Events und ein gutes Corona-Schutzkonzept zum Teil ausgleichen. Das ist elementar wichtig für uns, vor allem auch wegen der sozialen Verantwortung für unsere Mitarbeiter. Unser Spitzinghaus hatte es schon schwerer. Dort haben wir immer noch mit einem großen Defizit zu kämpfen. Was vor allem den wegfallenden Fortbildungsgruppen geschuldet ist.“-so zieht Gruber ein insgesamt positives Resümee. Sorgen macht Ihm der kommende Winter „…wie es dann, mit Abstands- und Hygieneregelungen, drinnen funktionieren soll wissen wir noch nicht.“

 

„Trotz einigen Herausforderungen eine gute Saison“ - die Hüttenwirte Barbara Klingseis und Christoph Eder vom Taschachhaus, 2434m, Ötztaler Alpen

 

Sowohl im Übernachtungs- als auch im Tagesbetrieb haben die Wirtsleute vom Taschachhaus deutliche Einschnitte gespürt. „Bei uns war die Beeinflussung sehr stark, da wir ein striktes Hygiene- und Sicherheitskonzept gefahren sind“ -einschließlich reduzierter Übernachtungszahl. „die Umsetzung hat gut funktioniert - nur wenige Gäste sahen unsere Maßnahmen kritisch, die allermeisten Gäste waren um die Maßnahmen froh.“ Die Wirtsleute sind erleichtert, dass sie den Betrieb rechtzeitig aufnehmen konnten und so trotz Verlusten einen Strich unter eine positive Bilanz dieses Sommers ziehen können.

 

„Unvorhersehbar“ -Hüttenwirt Andreas Ruech vom Karwendelhaus, 1765m, Karwendel

 

„Auf Grund der Einschränkungen bei der Nächtigung sind die Nächtigungszahlen schon stark zurück gegangen“, berichtet Ruech. „Zum Anfang der Saison wussten wir nicht, ob und wie wir Aufsperren können oder auch ob unsere Mitarbeiter überhaupt über die Grenzen zu uns kommen können. Covid hat uns sicher viele Nerven gekostet. Von Trennwänden auf den Tischen, Masken die wir unseren Gästen zu Verfügung stellten und zusätzlichem Reinigungsaufwand, bis hin zu jeder Menge Desinfektionsmittel, waren und sind die Herausforderungen groß. Eine zusätzliche Belastung war sicherlich auch, dass wir nie wussten wie lange wir noch die Hütte geöffnet haben können oder ob es auf Grund von steigenden Infektionszahlen wieder zu einem Lockdown und damit einem früheren Saisonsende kommt. Das machte auch die Planung schwierig.“

 

„Stabiles Tagesgeschäft und ein neues Publikum“ -Hüttenwirtin Katrin Schmid von der Memminger Hütte, 2242m, Lechtaler Alpen

 

Auch für das Team der Memminger Hütte hielt die Sommersaison 2020 andersartige Erfahrungen bereit. Coronabedingt wurden Schlafplatzkapazitäten massiv eingeschränkt und Lagerplätze durch Trennwände in haushaltsgerechte Kojen unterteilt. Auch in den Aufenthaltsräumen wurden Abstands- und Hygienemaßnahmen installiert. Im Alltag war die Umsetzung der Maßnahmen an „hohe kosten- und personalaufwändige zusätzliche Arbeitsgänge, Materialien und Anschaffungen“ gebunden. Von den meisten Gästen wurde die konsequente Umsetzung begrüßt und gelobt, wenn auch leider nicht von allen. Oft wurden Maßnahme belächelt oder einfach ignoriert. Dazu kam das unterschiedliche Verständnis der Gäste hinsichtlich Hygieneregelungen und Verhaltensregeln auf engstem Raum. Dies hat jeden Tag zu einer neuen Herausforderung gemacht.“ Schmid berichtet von Schwierigkeiten bei der Differenzierung der deutschen und der österreichischen Corona-Maßnahmen. Vor allem im Hinblick auf die Abstandsregelungen bei der Übernachtung stieß sie häufig auf Unverständnis der Gäste. Auch die Art der Bergsteiger hätte sich teils gewandelt. Es seien „viele Gäste ohne jegliche Berg- oder Hüttenerfahrung“ oder feierfreudige Gruppen unterwegs. Das findet Sie in anspruchsvoller alpiner Umgebung höchst bedenklich. Noch mehr Müll als in den Vorjahren, ein unachtsamer Umgang mit dem Hütteninventar und Musik aus selbst mitgebrachten Musikboxen seien nichts Ungewöhnliches.

 

Trotz alledem war die Saison besser als zuerst erwartet. „Die stabile Wetterlage bescherte uns glücklicherweise ein erhöhtes Tagesgeschäft und stete – wenn vergleichweise auch bedeutend geringere – Übernachtungsgäste.“

 

„Einfach kein freies Arbeiten“ -Hüttenwirt Anton Herrmann von der Bayreuther Hütte, 1576m, Rofan-Gebirge

 

Bis Mitte Juli lief es schleppend für die Bayreuther Hütte. „Aufgrund der Grenzschließung bis 15. Juni haben ausnahmslos alle Übernachtungsgäste in den Pfingstferien storniert.“ Bergauf ging es erst wieder im August. Trotz den Verlusten im Frühjahr konnten Sie die Verluste etwas ausbügeln. Über seine Gäste sagt er: „Die Gäste waren sehr zufrieden, da es ruhiger und entspannter war.“ Auch die Hygienemaßnahmen konnte er problemlos umsetzen, und hat dafür viel positives Feedback erhalten. Doch so eine Saison noch einmal zu absolvieren, meint er, darauf habe er keine große Lust.

 

„Das Hüttenjahr 2020 soll besonders und außergewöhnlich bleiben“-Hüttenwirtin Monika Schatzer von der Barmer Hütte, 2610m, Riesenferner-Gruppe

 

„Nach dem Ausbruch des Virus und dem anschließenden Lockdown war die Öffnung der Hütte anfangs fraglich. Doch am 28. Juni waren wir heilfroh endlich in die Saison starten zu können.

Eine ungewisse Zeit wartete auf uns. Die Bestimmungen und Maßnahmen zur Eindämmung des Virus waren leichter umsetzbar als zunächst angenommen. Dies verdanken wir sicherlich auch den Gästen und Besuchern der Hütte, welche ein vorbildliches Verhalten an den Tag legten. Das Einhalten der Hygienevorschriften bedeutete gleichzeitig aber auch eine größere Arbeitsbelastung. Das Reinigen und Desinfizieren nahm viel Zeit in Anspruch. Eine organisatorische Herausforderung war vor allem das Waschen der Bettlaken und Kissenbezüge.

Bezüglich der Nächtigungen auf der Hütte konnten wir dieses Jahr weniger verzeichnen als die Jahre zuvor. Grund dafür waren sicherlich auch die Vorschriften zur Belegung der Hütte und das Fehlen von größeren Gruppen (wie zum Beispiel  Alpenvereins – Gruppen). Allerdings besuchten uns mehr Tagesgäste.

Im Großen und Ganzen blicken wir zufrieden auf die Hüttensaison 2020 zurück.“

 

„Neue Bedingungen, viel Unterstützung und gut zu tun“- die Hüttenwirte Yvonne und Josef Temml vom Brünnsteinhaus, 1342m, Bayerische Voralpen

 

„Vor allem am Anfang war viel los, da Österreich seine Grenzen noch geschlossen hatte“, berichten die Wirtsleute Tremml. Die Umsetzung des Hygienekonzepts hatte sich nach einiger Zeit gut eingespielt. Es ist jedoch immer noch ein großer zusätzlicher Aufwand. Dazu zählt das Desinfizieren, das Waschen der Bettwäsche und vieles mehr. Die unterschiedliche Handhabung der Maßnahmen in den Ländern hat auch die Wirtsleute Tremml vor Herausforderungen in der Kommunikation mit den Gästen gestellt. Bedingt durch die Abstandsregelung im Gastraum hat sich auch das Angebot der Übernachtungsplätze um ein Drittel reduziert. Positiv waren durch das schöne Wetter ein gut laufendes Tagesgeschäft und sehr zufriedene Übernachtungsgäste. Hilfreich war für sie die Unterstützung, nicht nur durch Videokonferenzen des DAV, sondern auch durch Familie, Freunde, Bergwacht und Ehrenamtliche der Sektion, für die sie sehr dankbar sind.