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„Gletscherweg Innergschlöß“: Neue Publikation und adaptierte Wegführung

Der ÖAV präsentiert einen neuen Naturkundlichen Führer

03.09.2018, 12:14 Uhr

Im August vor genau 40 Jahren wurde er vom Österreichischen Alpenverein im Nationalpark Hohe Tauern errichtet: Der Gletscherweg Innergschlöß. Ein Weg mit naturschutzpolitischem Symbolwert und atemberaubenden Blicken auf die Venedigergruppe und das Schlatenkees. Der starke Rückgang des Gletschers erforderte jedoch eine neue Wegführung – dieser zum Anlass wird nun eine gänzlich neue Bearbeitung des „Naturkundlichen Führers Gletscherweg Innergschlöß“ präsentiert. Text: Presseabteilung des ÖAV

Als erster Lehr- und Themenweg des heutigen Nationalparks Hohe Tauern wurde der Gletscherweg Innergschlöß am 13. August 1978 eröffnet. Der österreichische Alpenverein als Grundeigentümer und Wegehalter setzte mit diesem Schritt damals ein wichtiges naturschutzpolitisches Zeichen: „24 Gletscherbäche hätten zu jener Zeit im Rahmen des Kraftwerksprojektes Dorfertal/Matrei umgeleitet werden sollen, dagegen bildete sich ein breiter Widerstand“, so Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz beim Österreichischen Alpenverein. „Heute, 40 Jahre später, steht der Weg allen Naturinteressierten offen und bietet unverfälschte Naturerlebnisse und bäuerliche Kulturlandschaft in einer beeindruckenden Hochgebirgslandschaft. Außerdem macht der Weg die gewaltigen Kräfte sowie den Rückgang des Schlatenkeeses sichtbar.“

 

Rundum-Erlebnis im Herzstück des Nationalparks Hohe Tauern

Von einem der großartigsten Talschlüsse der Ostalpen, dem Innergschlöß, führt der Gletscherweg in die atemberaubende Gletscherregion der Venedigergruppe. Der Weg beginnt beim Tauernhaus Matrei, führt über alte Almdörfer bis zum Salzbodensee, weiter zum sogenannten „Auge Gottes“ – einem See mit einer Wollgrasinsel in der Mitte. Zum Finale geht es über die gewaltigen Seitenmoränen von 1850 und einen atemberaubend schönen Gletscherschliff zur Gletscherzunge des Schlatenkeeses, dem größten Gletscher Osttirols. Der Abstieg und Rückweg erfolgt über den Prager Hüttenweg, den der Alpenverein bereits 1872 errichtet hat.

 

Für den Rundwanderweg sind 610 Höhenmeter zu bewältigen und rund vier Stunden einzuplanen. Er führt zum größten Teil über den Grund des Alpenvereins, der „zum Zweck der Schaffung eines Naturschutzparkes“ im Jahre 1938 in dessen Besitz überging.

 

Das Gschlößtal wird an schönen Tagen im Sommer und bis Mitte Oktober täglich von hunderten Menschen besucht. Da die Wanderer die errichteten und vorgegebenen Pfade nutzen, leistet der Weg auch einen wichtigen Beitrag zur Besucherlenkung im Nationalpark.

 

„Der Gletscherweg zählt nicht umsonst zu den absoluten Wander-Klassikern in den Alpen. In einer Tageswanderung gibt es eine unglaubliche Vielfalt zu entdecken: Traditionelle Almwirtschaft, die Kraft des Wassers, einen Bergsee, Felsformationen und dann natürlich noch den so mächtig erscheinenden und doch so stark zurückweichenden Gletscher“ schwärmt Anna Brugger, 1. Vorsitzende der Sektion Matrei. Die Sektion, die am 1. September 2018 mit einem Fest ihr 140. Jubiläum sowie „30 Jahre Kesslerstadl“ feiert, zeichnet mit ihrem Wegbautrupp seit Eröffnung des Gletscherweges für die aufwändige Wegerhaltung und Pflege von Aussichtspunkten verantwortlich.

 

Druckfrischer Informationsführer

Um Wandernde am Gletscherweg bestmöglich mit Informationen zu Flora und Fauna im Herzstück der Hohen Tauern zu versorgen, wurde vom Österreichischen Alpenverein im Jahre 1978 erstmals der „Naturkundliche Führer Gletscherweg Innergschlöß“ herausgegeben. Dank dieser Publikation können sich Interessierte individuell und in Papierform über den Gletscher und die umliegenden Naturschönheiten informieren.

 

 

Dieser Tage hat der Alpenverein die fünfte Auflage der beliebten Publikation präsentiert. Die neue Wegführung aufgrund des Rückzugs des Schlatenkeeses ist in der Neubearbeitung detailliert wiedergegeben.

 

 

Hannes Schlosser, der Autor des Naturkundlichen Führers, hat den thematischen Fokus neben Informationen über Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt im aktuellen Büchlein auf die Gletscherwelt gerichtet. An insgesamt 18 Haltepunkten ist der Gletscherweg mit Nummern versehen – im Naturkundlichen Führer finden sich zu allen Punkten vertiefende Inhalte.

 

 

Finanziert wurde das Druckwerk aus Mitteln des ÖAV-Patenschaftsfonds.

 

Gletscherweg auf den Spuren des Klimawandels

„Der Gletscherweg Innergschlöß bietet nicht nur einen lohnenswerten Ausflug in die Kernzone des Nationalparks, sondern führt auch die Auswirkungen des Klimawandels klar vor Augen“, geht Florian Jurgeit vom Nationalpark Hohe Tauern Tirol auf die am Gletscherweg deutlich sichtbaren Auswirkungen der Erderwärmung ein. „Eindrucksvoll zeigt sich nicht nur die gestaltende Kraft der Gletscher in einer unberührten Landschaft – etwa in Form des Gletscherschliffs und der mächtigen Moränen –, sondern auch der Rückgang des ‚ewigen Eises' in den letzten 150 Jahren.“

 

 

Allein von 1990 bis 2017 hat das Schlatenkees über 460 Meter an Länge verloren. Wegadapatierungen mussten wiederholt durchgeführt werden, damit Wanderer das zurückweichende Zungenende des Gletschers nach wie vor erreichen können. Um die Rundwanderung weiterhin in einem Tag zu ermöglichen, wird der Weg dem Gletscher künftig nicht mehr auf Schritt und Tritt folgen – das Schlatenkees wird in Zukunft wohl nur mehr aus der Ferne bestaunt werden können.

 

 

Doch dem Rückgang des Gletschers kann auch etwas Positives abgewonnen werden: Der Gletscher gibt Naturschönheiten frei, die er bisher unter meterhohen Eismassen verborgen hatte: „Es ist spannend, die Veränderungen in der Landschaft über die Jahre zu beobachten, das betrifft nicht nur den Rückzug des Schlatenkeeses, sondern etwa auch den Pflanzenbewuchs beim Aufstieg entlang des Schlatenbaches oder vom Gletscher erst jüngst freigegebene bunte Felsformationen im Bereich des Gletscherschliffs", erklärt Autor Hannes Schlosser.

 

 

Der „Naturkundliche Führer Gletscherweg Innergschlöß“ ist im Nationalparkzentrum Matrei sowie in den Hütten und Gastbetrieben der Region erhältlich und kann online im Alpenvereinsshop (www.alpenverein.at/shop) bestellt werden. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des ÖAV.