logo-dav-116x55px

Herbstwandern: Vorsicht vor Schneefeldern und Eis

Herbstlich ist es geworden in den letzten Tagen. Auch die Temperaturen und Niederschlagsmengen prognostizieren ein baldiges Ende der Wandersaison. Daher nutzen viele die letzten schönen Tage für Ausflüge in die Berge. Aber Vorsicht: Auf nordseitigen oder höher gelegenen Wegen kann bereits Schnee liegen. Tipps zur Tourenplanung und zum Begehen von Schneefeldern gibt DAV-Bergsportexperte Stefan Winter.

Jedes Jahr kommt es im Herbst zu Unfällen, weil die saisontypischen Gefahren unterschätzt werden – sogar von erfahrenen Bergwanderinnen und -wanderern: "An sonnigen Tagen ist es im Tal noch richtig warm, da denkt niemand daran, dass auf dem Berg bereits Schnee liegen kann", so Stefan Winter, Ressortleiter Sportentwicklung beim DAV. „Wer auf einem harten, steilen Schneefeld ausrutscht, erreicht schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit wie im freien Fall“, warnt der Experte. Der beste Weg führt darum an Schnee und Eis vorbei. Ist das nicht auf sicherem Wege möglich, sollte man keine gewagten Ausweichmanöver starten, sondern im Zweifelsfall umkehren.

 

Tourenplanung

Bereits bei der Auswahl der Touren überprüft man am besten deren Eignung für den Herbst: Höhere Gipfel ab 2500 Metern Höhe sind derzeit oft nur noch mit Zusatzausrüstung in Form von Tourenstöcken und (Leicht-)Steigeisen oder Grödeln sicher zu begehen oder sogar mit Pickel. Am besten konzentrieren sich Bergwanderer auf südseitige Hänge: Hier kann sich der Schnee nicht so lange halten und auch eisige Passagen tauen früher auf. "Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt deshalb auf sonnenbeschienen Wegen und wählt Gipfel unter 2000 Metern", rät Stefan Winter.

 

Die Länge der Tour spielt im Herbst ebenfalls eine wichtige Rolle: Im Oktober ist der Tag im Schnitt 4,5 Stunden kürzer als im Juli. Zudem wird es nach Sonnenuntergang schnell kalt. Stefan Winter: "Wer eine lange Tour im Herbst plant, sollte sich im Vorfeld auf niedrigere Temperaturen einstellen – und warme Kleidung mitnehmen. Für den Fall, dass man in die Dunkelheit gerät, ist im Herbst eine Stirn- oder Taschenlampe Pflicht". Generell rät der Experte, entsprechend früh aufzubrechen und eine kurze Tour zu wählen – oder frühzeitig umzudrehen.

 

So begeht man Schneefelder

Wollen Bergwanderer ein Schneefeld begehen, sollten sie zunächst darauf achten, dass die obere Schneedecke aufgeweicht ist. Nur dann kann man mit dem Bergschuhrand einen Tritt in den Schnee kerben. Stellt sich bereits bei den ersten Schritten heraus, dass die Tritte nicht sicher sind, empfiehlt Experte Stefan Winter umzudrehen. Auf durchgefrorenen oder vereisten Passagen müssen unbedingt Steigeisen und Pickel oder Grödel benutzt werden: Normale Wanderstöcke reichen dort nicht mehr aus! Sie können das Begehen von Schneefeldern zwar erleichtern, kommt man allerdings ins Rutschen, bieten sie keine Sicherheit. Weitere Gefahren drohen an den Rändern von Schneefeldern: Sind diese aufgeweicht, kann man einbrechen und sich den Knöchel oder Unterschenkel verletzen.

 

Was tun, wenn man rutscht? Am besten sofort in Bauchlage drehen und sich in die Liegestützposition drücken. Nur so ist es möglich, abzubremsen.

 

Die richtige Ausrüstung für Herbsttouren

Im Herbst müssen Bergsteigerinnen und Wanderer ihre Ausrüstung anpassen. Zusätzlich zur Ausrüstung im Sommer sollten diese Gegenstände den Weg in den Rucksack finden:

 

  • Stirnlampe
  • warme Zusatzkleidung (Wechselshirt, Handschuhe, Mütze, Hardshell, Pullover)
  • je nach Bedingungen und Tour: Grödel oder Steigeisen und Pickel
  • feste Bergstiefel zum Schlagen von Tritten mit der Zehenkappe (mit Zustiegsschuhen ist das nicht möglich)
  • Tee / Proviant (einige Hütten jetzt bereits geschlossen)

 

 

 

Weitere Tipps für Touren im Herbst gibt es in den nachfolgenden Artikeln.

 

Alpenvereinshütten beenden Sommersaison 2020

Aktuelle Schließzeiten der Hütten

Mehr erfahren
Auch im Herbst lohnt es sich noch unsere Hütten zu besuchen – welche noch geöffnet sind, zeigen wir hier!

Herbsttouren in den Bayerischen Alpen

Tipps von Allgäu bis Berchtesgaden

Mehr erfahren
Der Herbst ist eine wunderbare Zeit für Bergsportlerinnen und Bergsportler: Intensive Farben, klare Luft und eine gute Weitsicht machen den besonderen Reiz aus. Und besonders schön ist es, wenn die ersten Gipfel in weiß erstrahlen...

Hochtouren: 10 DAV-Empfehlungen

Mehr erfahren
Bergsteigen im Hochgebirge ist ein großartiges Naturerlebnis, bietet Gemeinschaft und Abenteuer. Die Empfehlungen des DAV dienen dazu, sich vor den vielfältigen alpinen Gefahren zu schützen. Die praktischen Grundlagen lernst Du in Fels- und Eiskursen, die nötige Erfahrung sammelst Du Schritt für Schritt.

Bergwandern: 10 DAV-Empfehlungen

Mehr erfahren
Das Bergsteigen und Wandern gehört zweifelsfrei zu den beliebtesten Bergsportarten im DAV. Kein Wunder: Die Bewegung in der freien Natur hält fit, fördert das Gemeinschaftsgefühl und schafft tolle Erlebnisse. Die folgenden Empfehlungen der alpinen Vereine dienen dazu, Bergwanderungen möglichst sicher und genussvoll zu gestalten.

BergwanderCard: Hilfe zur Tourenplanung

Planen Sie die für Sie passenden Touren

Mehr erfahren
Die BergwanderCard ist ein praktisches Hilfsmittel zur Tourenplanung. Mit ihrer Hilfe lernen Bergsportlerinnen und Bergsportler, ihr persönliches Können korrekt einzuschätzen und die passenden Touren auszuwählen. Den Anstoß zur Entwicklung der BergwanderCard gab eine Untersuchung von Bergwanderinnen und Bergwanderern im Jahr 2005 durch die Sicherheitsforschung des DAV. Ergebnis: Knapp zwei Drittel der Befragten hatten eine Tour gewählt, die sie angemessen bewältigten. Hingegen waren 39 Prozent der untersuchten Bergsportlerinnen und Bergsportler entweder konditionell und/oder seitens der Trittsicherheit überfordert. Die DAV-Sicherheitsforschung möchte diesen Anteil durch die BergwanderCard senken. Wer die BergwanderCard konsequent anwendet, lernt, sich selbst und seine Touren richtig einzuschätzen.