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Herbstwandern: Tipps für Touren in den Bergen

Bunte Blätter färben die Berge, morgendlicher Nebel liegt wie ein weißes Meer in den Tälern, und darüber strahlt goldenes Licht vom Himmel: Der Herbst gilt vielen als die ideale Wanderzeit. So schön diese Jahreszeit auch ist, sie hat auch ihre Tücken: Die bunten Blätter am Boden erhöhen die Rutschgefahr, morgendlicher Nebel erschwert die Orientierung und das goldene Licht – das verschwindet recht schnell hinter dem Horizont. Dann wird es dunkel – und kalt. Damit Wanderer und Wanderinnen vor allem die schönen Seiten des Herbstes erleben können, gibt DAV-Bergsportexperte Stefan Winter Tipps zur Tourenplanung und zur Risikominimierung unterwegs.

Tourenplanung: Diese Besonderheiten birgt der Herbst

Bereits bei der Auswahl der Touren überprüft man am besten deren Eignung für den Herbst: Gipfel ab 2000 Metern Höhe sind oft nur noch mit Zusatzausrüstung in Form von Tourenstöcken und (Leicht-)Steigeisen, Pickeln oder Grödeln sicher zu begehen. Die aktuelle Lage beschreibt der DAV-Bergbericht. Er wird jeden Donnerstag veröffentlicht. Auch Webcam-Bilder der vergangenen Tage geben Auskunft über die Situation in den Bergen. Neben der Höhenlage spielt auch die Exposition eine Rolle. Am besten konzentrieren sich Bergwanderer auf südseitige Hänge: Hier kann sich der Schnee nicht so lange halten und auch eisige Passagen tauen früher auf. "Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt deshalb auf sonnenbeschienen Wegen und wählt Gipfel unter 2000 Meter", rät der Ressortleiter Sportentwicklung beim DAV, Stefan Winter.

 

Die Länge der Tour spielt im Herbst ebenfalls eine wichtige Rolle: Im Oktober ist der Tag im Schnitt 4,5 Stunden kürzer als im Juli. Zudem wird es nach Sonnenuntergang schnell kalt. Stefan Winter: "Wer eine lange Tour im Herbst plant, sollte sich im Vorfeld auf niedrigere Temperaturen einstellen – und warme Kleidung mitnehmen. Für den Fall, dass man in die Dunkelheit gerät, ist im Herbst eine Stirn- oder Taschenlampe Pflicht". Generell rät der Experte, entsprechend früh aufzubrechen und eine kurze Tour zu wählen – oder frühzeitig umzudrehen.

 

Unterwegs im Herbst: Darauf müssen Wanderer achten

Jedes Jahr kommt es im Herbst zu Unfällen, weil die saisontypischen Gefahren unterschätzt werden – sogar von routinierten Bergwanderinnen und -wanderern: "An sonnigen Tagen ist es im Tal noch richtig warm, da denkt niemand daran, dass auf dem Berg bereits Schnee liegen kann", so Stefan Winter. Manchmal kann es aber auch genau umgekehrt sein: Oben ist es wärmer als im Tal. Winter: "Man spricht dann von Inversionswetterlage." Dieses Wetterphänomen kann vor allem beim Abstieg zum Problem werden: Man steigt verschwitzt vom sonnigen Gipfel in den kalten, schattigen Bergwald ab. In diesem liegt dann nasses Laub auf dem Boden, es wird rutschig – und kalt.

 

Neben feuchtem Laub laden im herbstlichen Gebirge auch Schneefelder und Eis zu Rutschpartien ein. Das Problem: „Wer auf einem harten, steilen Schneefeld ausrutscht, erreicht schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit wie im freien Fall“, warnt der Experte. Der beste Weg führt darum an Schnee und Eis vorbei. Ist das nicht auf sicherem Wege möglich, sollte man keine gewagten Ausweichmanöver starten, sondern im Zweifelsfall umkehren. Je nach Tour bieten sich hier Grödel, Steigeisen oder sogar ein Pickel an. Hohe Schuhe mit fester Kappe erleichtern das Treten von Stufen und verringern die Gefahr des Umknickens.

 

Schneefelder bringen aber noch weitere Probleme mit sich: So kann man beispielsweise sich zum Beispiel verletzen, wenn man in der Bewegung durch den Schnee bricht und auf einem Stein landet. Der Schnee verdeckt den Untergrund und so sieht man scharfkantigen Steine, Löcher und größere Felsbrocken nicht mehr. Besonders problematisch ist dies auf Karstflächen und zugeschneiten Latschengebieten. Stöcke mit großen Tellern (sogenannten Wintertellern) bieten Halt und erlauben das bessere Ertasten des Untergrunds, das Einsinken des Menschen verhindern sie indes nicht. Weitere Gefahren drohen an den Rändern von Schneefeldern: Sind diese aufgeweicht, kann man einbrechen und sich den Knöchel oder Unterschenkel verletzen.

 

Stichwort Boden: Ist er bedeckt, erkennt man in der Regel auch den Weg nicht mehr. Gerade bei großflächig zugeschneiten Ebenen kann dadurch die Orientierung erschwert werden. Tipp: Nach Steinmännern, Schildern und Wegmarkierungen Ausschau halten, das GPS benutzen – oder: im Zweifel einfach umkehren und auf den eigenen Spuren zurück ins Tal steigen. Die "Flucht nach vorne" ist keine kluge Strategie.

 

Größere Schneefelder bergen noch ein weiteres Risiko: Das ständige Einsinken, Fuß heben und Spur austreten kostet sehr viel Kraft. Wer seine Kondition nicht richtig einschätzt, macht bald schlapp und wird schlimmstenfalls ein Fall für die Bergwacht. "Teilweise ist es schon vorgekommen, dass Wanderinnen und Wanderer so entkräftet waren, dass sie nichtmal mehr in ihren eigenen Spuren zurückgehen konnten", so Winter. Was dagegen hilft: Schneeschuhe! Sie verhindern das Einsinken und bieten Sicherheit auf Schneefeldern. Hat man keine dabei, hilft nur ein ehrlicher Blick auf sich selbst und die Gruppe: Kann man das Schneefeld meistern und hat dann noch genug Kraft für den gesamten Rückweg – oder dreht man besser sofort um? Entscheidet man sich für den Weg über den Schnee, hilft der nächste Absatz weiter.

 

So begeht man Schneefelder

Wollen Bergwanderer ein Schneefeld begehen, sollten sie zunächst darauf achten, dass die obere Schneedecke aufgeweicht ist. Nur dann kann man mit dem Bergschuhrand einen Tritt in den Schnee kerben. Stellt sich bereits bei den ersten Schritten heraus, dass die Tritte nicht sicher sind, empfiehlt Experte Stefan Winter umzudrehen. Auf durchgefrorenen oder vereisten Passagen müssen unbedingt Steigeisen oder Grödel benutzt werden – am besten in Kombination mit einem Pickel: Normale Wanderstöcke reichen dort nicht mehr aus! Sie können das Begehen von Schneefeldern zwar erleichtern, kommt man allerdings ins Rutschen, bieten sie keine Sicherheit.

 

Was tun, wenn man rutscht? Am besten sofort in Bauchlage drehen und sich in die Liegestützposition drücken. Nur so ist es möglich, abzubremsen. Tipp: Handschuhe anziehen! Selbst im vermeintlich weichen Schnee schürft man sich schnell die Haut auf.

 

Lawinen: Eine Gefahr auch im Herbst

Wo Schnee liegt, da herrscht unter Umständen auch Lawinengefahr – selbst im Herbst! Da der Lawinenlagebericht erst bei ausreichender Schneelage erstellt wird, ist es an jedem Bergwanderer selbst, die Lawinengefahr einzuschätzen. Generell kann man sagen, dass Lawinen erst ab einer Fläche von 20 mal 20 Metern auftreten, manchmal aber auch darunter. Auch muss der Hang eine gewisse Steilheit aufweisen, in der Regel über 30 Grad. Woher weiß man, ob der Hang so steil ist? Wenn man nicht mehr (oder nur mit großen Schwierigkeiten) geradeaus den Hang aufsteigen kann, sondern in Serpentinen nach oben gehen muss.

 

Die richtige Ausrüstung für Herbsttouren

Im Herbst müssen Bergsteigerinnen und Wanderer ihre Ausrüstung anpassen. Zusätzlich zur Ausrüstung im Sommer sollten diese Gegenstände den Weg in den Rucksack finden:

 

  • Stirnlampe
  • Zusatzkleidung (Wechselshirt, Handschuhe, Mütze, Hardshell, warme Jacke, Gamaschen)
  • je nach Bedingungen und Tour: Grödel oder Steigeisen und Pickel
  • feste Bergstiefel zum Schlagen von Tritten mit der Zehenkappe (mit Zustiegsschuhen ist das nicht möglich)
  • ggf. Stöcke mit großen Tellern
 

Weitere Tipps für Touren im Herbst gibt es in den nachfolgenden Artikeln.

 

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