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Longlines – Klettern (fast) ohne Ende

Vierzig alpine Klettertouren beschreibt Adi Stocker in seinem Buch "Longlines". Eine Auswahl haben unser Redakteur Andi Dick und der Fotograf, Autor und Bergsteiger Ralf Gantzhorn (†) getestet, detailliert beschrieben sowie in Bild und Audio aufbereitet. Mehr Infos zum Artikel in DAV Panorama 4/2020

 

Große Klettereien ab zwanzig Seillängen

In dem Buch „Longlines“ beschreibt der Autor Adi Stocker 40 alpine Kletterrouten mit über 500 Metern Länge (oder mehr als 20 Seillängen) in den Nördlichen Kalkalpen – vom Rätikon im Westen bis zum Gesäuse im Osten. Die Schwierigkeiten bewegen sich zwischen dem fünften und neunten UIAA-Grad. Jede ist auf ihre Art besonders und empfehlenswert; es gibt alpine Klassiker, mehr oder weniger saniert, wilde Abenteuerrouten und ordentlich gesicherte alpine Sportklettereien. Das Buch bietet jeweils einen Hintergrund-Text, alle nötigen Infos zu den technischen Details, Wandfoto und detailreiches Topo.

 

Beste Zeit: Ende Juni bis Mitte September.  

 

Kleine Halt/Kaisergebirge (2116 m) – Nordwestwand „Via Aqua“

VII- (obl.), 800 Höhenmeter, 1000 Klettermeter auf 24 Seillängen.

Perfekte Alpinkletterei auf wunderbarem Fels mit großzügigen Erosionsrillen im oberen Teil. Abstieg über schwarzen Bergweg mit gesicherten Passagen. Gesamtzeit 9-11 Stunden ab Ausgangspunkt Hans-Berger-Haus; als Tagestrip von Kufstein 3-4 Stunden mehr.  

 

Hintere Platteinspitze/Lechtaler Alpen (2723 m) – Südwand „Plattenzauber“

VI+ (obl.), 600 Höhenmeter, 800 Klettermeter auf 20 Seillängen.

Nahezu südfranzösisch abgesicherte Sportklettertour in plattigem Gelände mit feinem Leistensteigen und einer luftigen Schlusspassage. Abstieg über schwarzen Bergweg mit gesicherten Steigpassagen. Gesamtzeit 7-8 Stunden ab Ausgangspunkt Muttekopfhütte. Als Tagestrip ca. 2 Stunden mehr; dann besser vom Parkplatz Latschenhütte starten.  

 

Großer Bratschenkopf/Hochköniggruppe (2857 m) – Südwand „Freier als Paul Preuss“

VII (obl.), 800 Höhenmeter, 1150 Klettermeter auf 28 Seillängen.

Legendärer Neo-Klassiker mit nur spärlicher Absicherung. Die vorhandenen sogenannten Sigibolts entsprechen nicht den Normen und sind leider unberechenbar! Abstieg zunächst weglos, dann auf Wanderweg. Gesamtzeit: 12-14 Stunden, Ausgangspunkt: Arthurhaus. Wer sich nach der Tour keine 3-4 Stunden kniefressenden Abstieg antun möchte, kann auf dem Matrashaus am Hochkönig übernachten (ca. 1 Stunde). Wer es laut genug bekannt gibt, bekommt dort ein Freibier.  

 

Sulzfluh/Rätikon (ca. 2550 m) – Südwand „Kathedrale“

VII- (obl.), 500 Höhenmeter, 750 Klettermeter auf 19 Seillängen.

Mit schönen Erosionsplatten und einem pfiffigen Abschluss durch ein riesiges Felsloch. Gut abgesicherte Sportklettertour, für die insgesamt rund 9 Stunden einzuplanen sind. Abstieg über Wanderweg. Ausgangspunkt: St. Antönien/Partnun (kostenpflichtiger Parkplatz), evtl. Berggasthaus Sulzfluh. Wer dort bucht, kann mit dem Auto rauffahren, was eine knappe halbe Stunde spart. Fußgänger können von dort mit großen Leih-Rollern (5 SFr) runterfahren.  

 

Hochwand/Mieminger Kette (2719 m) – Nordwand „Nice Work Boys“

VIII (VII obl.), 700 Höhenmeter, 910 Klettermeter auf 26 Seillängen.

Gut abgesicherte, großzügige Route; im ersten Teil genussvolles, aber unübersichtliches Erosionsgelände, knackig-steiler Aufschwung (6 SL), dann schöne Platten – und lange Abseilfahrt (oder großer alpiner Weiterweg und Abstieg). 11-13 Std. bei Zufahrt mit Rad, sonst 1 ½ Std. mehr. Ausgangspunkt: Parkplatz im Gaistal (Leutasch, kostenpflichtig). An der Zufahrt durchs Gaistal liegen die Gaistal- und die Tillfußalm, in denen man nach Voranmeldung übernachten kann.

 

Plattenspitze/Karwendel (2492 m) – Nordwand „Im Schatten der Sphinx“

VIII- (VI+ obl.), 800 Höhenmeter, 1100 Klettermeter auf 22 Seillängen.

Sehr ordentlich (wenn auch im leichten Gelände weiter) abgesicherte Kletterei an bombenfesten Erosionsplatten mit nur zwei schwierigeren Passagen/Seillängen. Im oberen Teil etwas splittrig, trotzdem lohnend. Abstieg durch Abseilen oder sehr langer alpiner Rückweg. Gesamtzeit 11-13 Stunden, Ausgangspunkt Alpengasthof Eng (Mautstraße).

 

Sonnjoch/Karwendel (2458 m) – Südwand „Herzschlag der Leidenschaft“

VIII+ (VI+ obl.), 1100 Höhenmeter, 1700 Klettermeter auf 32 Seillängen.

Sehr ordentlich gesichertes Unternehmen, im unteren Teil rustikales alpines Gelände, in der schweren Zone tolle Erosionskletterei, die Cruxpassagen sind eher kurz und nicht allzu hart bewertet. Nur fünf Minuten Zustieg, Abstieg auf schwarzem Wanderweg, Gesamtzeit 10-12 Stunden; Ausgangspunkt Parkplatz Gramaialm (Mautstraße, Übernachtungsmöglichkeit).

 

Breithorn/Loferer Steinberg (2413 m) – Nordostwand, „EndeNie“

VII- (obl.), 900 Höhenmeter, 1600 Klettermeter auf 38 Seillängen.

Gesuchte, aber genial gefundene Kletterei mit traumhaften Passagen an Erosionsstrukturen und etlichen verblüffend knackig-kraftigen Überhängen bei moderner, aber nicht banaler Absicherung und reeller Bewertung. Abstieg mit Abklettern und sehr langem, schwarzem Bergweg, leichter über die Schmidt-Zabierow-Hütte (Übernachtungsmöglichkeit). Gesamtzeit 14-15 Stunden, Ausgangspunkt Parkplatz zwischen Waidring und Lofer.

 

Die Hütten

  • Stripsenjochhaus, 1580 m; ÖAV. Zustieg in 1 ½ Stunden von der Griesneralm oder in vier Stunden von Kufstein. Bewirtschaftet Mitte Mai bis Anfang Oktober, Tel: +43/(0)664/355 90 94
  • Hans-Berger-Haus, 936 m, Naturfreunde. Zustieg von Kufstein in 2-3 Stunden. Bewirtschaftet von Anfang Mai bis Mitte Oktober, Tel: +43/(0)5372/625 75
  • Muttekopfhütte, 1934 m, ÖAV. Am schönsten wohl über den Drischlsteig, ausgehend von der Bergstation der Imster Bergbahnen (45 Min.) Bewirtschaftet von Ende Mai bis Anfang Oktober, Tel: +41/(0)664/123 69 28
  • Matrashaus, 2941 m, ÖTK. Zustieg in 5 - 6 Stunden vom Arthurhaus. Bewirtschaftet von Mitte Juni bis Mitte September, Tel: +43/(0)6467/75 66 
 

Longlines: Volle Bandbreite

DAV Panorama 4/2020

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Vom Klettern großer Linien in den Nördlichen Kalkalpen – Ralf Gantzhorn nimmt uns mit auf die ganz großen Klettereien, Touren, bei denen der Kletterspaß nicht aufhört, auch wenn man eigentlich schon genug hatte. html { scroll-behavior: smooth; } hr.first-paragraph-separator { display: none !important; } Plus zum Heft: Audio-Kommentare + Bildmaterial + Tourenauswahl + Tipps & Tricks  

Longlines als Aufgabe – Überlegungen zur Taktik

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Lange Klettertouren – Kletterer und Autor Adi Stocker prägte dafür den Begriff Longlines – sind die Königsklasse im alpinen Sportklettern; der Übergang zum echten großen Alpinismus ist fließend oder manchmal inklusive. Ein Projekt, an das sich nur gestandene und erfahrene Kletterer wagen sollten. Sechs Grundvoraussetzungen für die Kletterei ohne Ende. hr.first-paragraph-separator { display: none !important; }