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Kitzbüheler Spaziergang

Nein, ein Spaziergang – wie wir diese Tour benannt haben – ist das natürlich nicht. Aber zumindest zeitweise erlauben die grünen Kämme zwischen Fieberbrunn, Kitzbühel, Saalbach und Zell am See traumhaftes Schlendern mit Aussicht.

Infos

Charakter: Mehrtagestour durch grünes Wandergelände mit prächtiger Aussicht. Die ersten Etappen lassen sich durch Übernachtungen auf Wildseeloderhaus und Hochwildalm nach individueller Vorliebe mehr oder weniger lang gestalten; die Etappe von der Bochumer zur Bürglhütte ist dann schon deutlich länger – und der Pinzgauer Spaziergang als ungewöhnlich lange letzte Etappe fordert auf jeden Fall eine sehr gute Kondition. Die gehtechnischen Anforderungen beschränken sich, wenn man die leichtesten Varianten wählt, auf kurze mittelschwere Passagen (rot, T3). Bei jeder Etappe lassen sich aber anspruchsvollere Alternativen (rot bis schwarz, T3-T4) einbauen, die die Gehzeiten entsprechend verlängern; für die Klettersteige an Marokka (B/C), Henne (B-D) und Tristkogel (D) braucht man Gurt, Klettersteigset und Helm. Durch die relativ niedrigen Gipfelhöhen sollte die Route von Mitte Juni bis Oktober begehbar sein.

 

Ausgangspunkt: Fieberbrunn (780 m); per Bahn über Wörgl erreichbar, dann Bus zur Seilbahn-Talstation.

 

Endpunkt: Zell am See (758 m); Bahn- oder Busverbindung zurück nach Fieberbrunn und Wörgl oder nach Salzburg.

 

Alpenvereinaktiv: Diese Tour gibt es auch im Tourenportal alpenvereinaktiv.com

 

Informationen:

 

Hütten

 

Etappen

1) Fieberbrunn, Seilbahn zum Lärchfilzkogel (1654 m) – Wildalm (1560 m) –Marokka-Klettersteig (B/C) – Marokka (1952 m) – Henne-Klettersteig (B, Varianten C-D) – Henne (2078 m) – Wildseeloderhaus (1854 m) – Wildseeloder (2118 m, 1 Std.) – Wildseeloderhaus; 940 Hm auf, 740 Hm ab, ca. 7 Std.

 

Mit der Seilbahn von Fieberbrunn (erste Fahrt 8.30 Uhr) in zwei Etappen zum Lärchfilzkogel (1654 m), kurzer Abstieg zur Wildalm (1560 m), dann weiter Richtung Wildseeloderhaus; nach der großen Serpentine in der Mulde vor dem letzten Aufstieg zweigt ein Pfad nach links zum „Marokker“-Klettersteig ab und führt durch steile Grasflanken zu befestigten Holzplattformen am Einstieg (ca. 1820 m), wo man sich herrichten kann. In der AV-Karte ist der Name Marokka nicht eingetragen; der Gipfel ist das Kreuz rechts neben dem Namen Wildseeloderhaus. Der Klettersteig führt durch die schattige Flanke, bei Nässe etwas rutschig, mit einer netten optionalen Hängebrücke, die letzten Meter zum Gipfel (1952 m) bieten schöne Kletterei in griffigem Fels, wenn man sie sich nicht durch das Drahtseil verderben lässt. 100 HM ab, 400 HM auf

 

Vom Gipfel ebenfalls mit Drahtseilhilfe kurz felsig hinunter, dann auf Weg in einen Sattel, von dem aus man nach links ca. 150 Höhenmeter absteigt (Wanderweg), bis man auf der Piste zur Liftstation Reckmoos aufsteigen kann und bald danach zum Einstieg (1900 m) des Henne-Klettersteigs kommt. Nach gemütlichem Beginn zweigen die Optionen „Da Rassig“ (C) und „Da Zache“ (D) rechts in die Flanke ab, der „Panoramasteig“ folgt weiter dem Grat ohne große Schwierigkeiten (A); kurz vor Schluss gibt’s die optionale steilere Variante „Da Luftig“ (B), dann geht es aussichtsreich zum Gipfel (2078 m). 150 Hm ab, 280 Hm auf. Abstieg auf Wanderweg (blau) zum Wildsee und Wildseeloderhaus (1854 m, 230 HM ab); wer hier übernachtet, kann am Nachmittag als Apero auf den Wildseeloder (2118 m) steigen (265 Hm) – am schönsten mit Abstieg nach Süden und Rückweg am See entlang.

 

2) Wildseeloderhaus – Jufenhöhe (1890 m) – Windroaf (1781 m) – Bischof (2127 m) – Mesnerhöhe (2048 m) – Sonnspitze (2062 m) – Henlabjoch (1860 m) – Staffkogel (2115 m) – Oberreiter Joch (ca. 1870 m) – Saalkogel (2006 m) – Rauber (1972 m) – Bochumer Hütte (1432 m); 990 Hm auf, 1410 Hm ab, 7-9 Std.

 

Vom Wildseeloderhaus oder (wenn man nicht übernachtet) direkt vom Henne-Abstieg zur Wildseenieder (1933 m) und weiter zur Jufenhöhe (1890 m, von der Henne 220 Hm ab, 30 Hm auf). Von hier kann man auf den Hohen Mahdstein (2063 m) steigen, das letzte Stück auf steilem Pfad (T4), Abstieg nach Süden pfadlos, ausgesetzt und steil (T6, I). Oder man quert auf teils schlecht erkennbarem Wanderweg westlich des Hohen zum Niederen Mahdstein (1899 m, kein Gipfel) und durch Latschen weiter zum Windroaf (1781 m, 110 Hm ab). Nach Westen durch den Hang queren und an der Kranzlacke vorbei zum Bischofsjoch (1908 m, 70 Hm ab, 200 Hm auf). Ab hier zwei Varianten:

 

Wers gemütlich mag, steigt 350 Hm ab zur Hochwildalm (1557 m, Naturfreunde, Übernachtungsmöglichkeit, 3-5 Std. vom Wildseeloderhaus). Von hier weiter zuerst auf Schotter-, dann Wanderweg zu Sonnenfelderalm und Staffalm, dann den Talkessel ausgehen bis hinauf auf den Kamm (ca. 1770 m) zwischen Hahnkampl und Rauber, von wo es nur noch bergab geht zur Bochumer Hütte (1432 m; 530 HM ab, 400 Hm auf, 3-5 Std. ab Hochwildalm). In der Karte in DAV Panorama 4/19 so dargestellt.

 

Lohnender, aber anspruchsvoller (mittelschwer, rot, T3-4) folgt man vom Bischofsjoch dem Kammweg auf den Bischof (2127 m), dann auf Pfadspuren nach Süden absteigen und dem Kamm folgend über die Mesnerhöhe zur Sonnspitze (2062 m). Abstieg zum Henlabjoch (1860 m), dann unter dem Staffkogel durchqueren ins Oberreiter Joch (1870 m), von wo man noch den Abstecher auf den Staffkogel (2115 m) machen kann. Vom Oberreiter Joch letzter Aufstieg zum Saalkogel (2006 m), dann über Saaljoch und Oberkaseralm oder über den Rauber Abstieg zur Bochumer Hütte (1432 m).

 

3) Bochumer Hütte (1430 m) –Tristkogel-Klettersteig (D) – Tristkogel (2095 m) – Tor (1931 m) – Gamshag (2178 m) – Teufelssprung (2174 m) – Scharte (1999 m) – Mittagskogel (2057 m) – Schusterscharte (1985 m) – evtl. Schusterkogel (2207 m) – Schlaberstatt (2048 m) – Geißstein (2363 m) – Bürglhütte (1699 m); 1460 Hm auf, 1190 Hm ab, 8-10 Std., ohne Klettersteig ca. 2 Std. weniger

 

Von der Bochumer Hütte teils auf Wander-, teils auf Fahrweg zur Oberkaseralm, wo der Zustieg zum Tristkogel-Klettersteig abzweigt; Einstieg auf ca. 1870 m (460 Hm auf, 1 – 1 ½ Std.). Der Klettersteig (D) führt teils spektakulär steil mit Leitern und Stiften durch die Westwand, im oberen Teil auch ziemlich grasig, auf den letzten fünf Metern zum Gipfel heißt es nochmal Fels anpacken (180 Hm auf, 1-2 Std.).

 

Auch der Abstieg zum Tor (1938 m, 160 Hm ab, 20 Min.) hat eine kurze ausgesetzte Stelle (T3); der direkte Wanderweg von der Oberkaseralm ins Tor ist einfach und rund 2 Std. kürzer. Statt nun nur durch Almgelände zur Scharte 1999 zu queren, führt die viel lohnendere Variante vorbei am hübschen Torsee auf den Gamshag (2178 m), über einen grasigen Aussichtskamm zum Teufelssprung (2174 m) und dann steil, kurz felsig (T4) hinunter in die Scharte (1999 m, 290 Hm auf, 210 Hm ab, 2 – 2 ½ Std.).

 

Der Weiterweg zur Schusterscharte (1985 m, 90 Hm auf, 100 Hm ab) hat nur eine kurze felsige Stelle kurz vor dem Mittagskogel. Überschüssige Kräfte kann man am Westkamm des Schusterkogel (2207 m, T4) auslassen, oder man quert direkt zum Sattel Schlaberstatt (2048 m, 70 HM auf) unter dem Geißstein. Nun unter dessen Nordostflanke schuttig queren, um die Kante herum und dann bald rechts ab und auf dem „Wandsteig“ (rot, T3) die grasige Steilflanke hinaufsteigen. Zuletzt auf dem schuttigen Südkamm zum Geißstein (2363 m, 320 Hm auf, ca. 2 ½ Std. ab der Scharte 1999). Der Abstieg zur Bürglhütte (1699 m, 690 Hm ab, 1 Std.) folgt zunächst wieder dem Südkamm, biegt dann nach rechts ab und zieht durch die steile Südflanke hinunter zur Hütte.

 

4) Pinzgauer Spaziergang: Bürglhütte (1699 m) – Murnauer Scharte (1959 m) – Sommertor (1939 m) – Rohrertörl (1918 m) – Kettingtörl (1780 m) – Schmittenhöhe (1965 m) – Seilbahn nach Zell am See (757 m); ca. 1100 Hm auf, 900 Hm ab, ca. 25 km, 7-10 Std.

 

Extremvariante Pinzgauer Gipfelgang: Bürglhütte (1699 m) – Murnauer Scharte (1959 m) – Manlitzkogel (2247 m) – Sommertor (1939 m) – Bärensteigkopf (2225 m) – Medalscharte (2058 m) – Hochkogel (2249 m) – Klinglertörl (2059 m) – Zirmkogel (2215 m) – Klammscharte (1993 m) – Oberer Gernkogel (2175 m) – Rohrertörl (1918 m) – Maurerkogel (2074 m) – Kesselscharte (1844 m) – Kettingkopf (1865 m) – Kettingtor (1780 m) – Schmittenhöhe (1965 m); ca. 1900 HM auf, ca. 1700 HM ab, ca. 12 Std.

 

Die letzte Etappe ist sehr lang; ein früher Aufbruch ist sinnvoll, will man die letzte Talfahrt von der Schmittenhöhe (1965 m, bis Mitte September 17 Uhr, bis Mitte Oktober 16.30) erwischen – oder man plant eine Übernachtung auf der komfortablen Pinzgauer Hütte (1704 m) kurz vor dem letzten Gegenanstieg zur Schmittenhöhe. Schon am „Pinzgauer Spaziergang“ (T2-3), der unterhalb des Gipfelkamms den Hängen entlangwandert, kommen durch viel Auf und Ab rund 1100 Höhenmeter Aufstieg (940 Hm ab) und 25 km Gehstrecke zusammen, für die 7-10 Stunden zu rechnen sind. Übersteigt man alle Gipfel (T4, kurze Drahtseilstellen), summieren sich rund 1900 Hm Auf- und 1700 Hm Abstieg zu ca. 12 Stunden Gehzeit. Im Sommertor (1939 m), Klinglertörl (2059 m) und Rohrertörl (1918 m) – sie liegen auf ca. 25/50/75% der Strecke – kann man zwischen Gipfel- und Spaziergang wechseln. Die Sonnbergalm (1925 m) auf ca. 40% der Strecke bietet einen einfachen Gastbetrieb.

 

Geht man über die Gipfel, sind die ersten beiden Viertel der Strecke die anspruchsvollsten. Am Manlitzkogel (2267 m) und am Hochsaalbachkogel (2212 m) ist es kurz felsig, am letzteren gibt es sogar ein paar Drahtseile. Ab dem Klinglertörl sind die Gipfel einfacher, aber steiles Gras und kurze Schutt- oder Schrofenpassagen können gelegentlich vorkommen. Wer auf „fair means“ steht, kann natürlich auch durchs Skigebiet nach Zell am See (757 m) absteigen.