logo-dav-116x55px

Gemeinsam über Berge - Inklusion im DAV

Wie können Bergbegeisterte trotz Handicap große alpine Abenteuer erleben? In einem Pilotprojekt des DAV sind zwölf Menschen über die Alpen gewandert und haben hohe Pässe und Behinderungen überwunden. Mehr Infos zur Tour im Artikel in DAV Panorama 6/18, S.106f.

Von der Vorbereitung zur erfolgreichen Tour

In der Vorbereitung hatten der Hochtourenführer Sascha Mache, die selbst von Geburt an körperbehinderte Diplompädagogin Anke Hinrichs und die Erlebnispädagogin Christiane Werchau aus über 60 Bewerbungen möglichst unterschiedliche Personen ausgewählt, die Hälfte hat gesundheitliche Einschränkungen wie Multiple Sklerose, Diabetes, cerebrale Bewegungsstörung, Sehbehinderung oder einen erfolgreich behandelten Hirntumor. Um herauszufinden wie die Gruppe am besten gemeinsam unterwegs sein kann, erprobten sie auf Übungstouren, in welchen Teams sich die einzelnen gegenseitig unterstützen können. Nach der letzten Test-Tour war klar, dass die Gruppe deutlich länger als die üblichen Gehzeiten brauchen würde, aber mit der nötigen Zeit jedes Hindernis überwinden konnte: ausgesetzte Passagen, kettenversicherte Felsstufen, Altschneefelder oder Blockgelände. So gelang der Gruppe als gut eingespieltem Team Ende August 2018 auf einer 10-tägigen Tour die Überschreitung des Hauptkamms in den Schweizer Alpen. Es gab unterwegs weder Unfälle noch größere Blessuren und sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten die Tour komplett durchgehen.

 

Was ist und was kann Inklusion im DAV?

Mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland 2009 war ein Perspektivenwechsel verbunden. Die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung sowie ihre selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe in der Gesellschaft, kurz gesagt die Inklusion von Menschen mit Behinderung, wurden als elementare Ziele benannt. Das Positionspapier „Inklusion leben!“ möchte Möglichkeiten und Chancen für ein Miteinander im DAV aufzeigen.

Der Deutsche Alpenverein und die Jugend des Deutschen Alpenvereins greifen den Inklusionsgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention ebenso auf und möchten ihn im Bergsport, Bergsteigen und Alpinismus umsetzen. Als Sport- und Naturschutzverband sowie als Jugendverband sind DAV und JDAV jedoch weder sonder- noch heilpädagogischer Fachverband. Die Kompetenzen des Alpenvereins liegen in der Bergsportausübung. Hier begreifen DAV und JDAV Menschen mit einer Behinderung als wertvolle Mitglieder ihrer Gruppen. Dazu bedarf es vor allem einer Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung, die Vielfalt und Heterogenität als Bestandteil unserer Gesellschaft anerkennt und als Bereicherung erlebt. Echte Teilhabe geht aber über ein bloßes Mit-Mach-Angebot (Teilnahme) hinaus. Menschen mit Behinderung sollen auch die Chance haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen. Der DAV hat in diesem Prozess im November 2014 ein Positionspapier verabschiedet.

In Sachen inklusiver Öffnung des Bergsports wurden JDAV und DAV bereits aktiv: Neben den unterschiedlichen Angeboten durch einzelne Sektionen vor Ort, bietet die JDAV das integrative Jugendkursangebot "No limits" mit Sommer- und Winterprogramm an, der DAV bietet Ausbildung zum Trainer C Klettern für Menschen mit Behinderungen an.

 

Mehr Infos zum Thema Inklusion in DAV und JDAV und zu den Positionspapieren