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Dieter Potschka: "Das Kriterium der Steilheit fehlt in der Formel"

Als Gipfelsammler (in den Chiemgauer Alpen) stehe ich vor dem selben Problem: welcher Gipfel ist ein Berg?

Die Recherchen im Internet haben mich nicht zu einem wirklich befriedigenden Ergebnis geführt; die zitierte Formel zur Berechnung des Eigenständigkeitswerts betont aber meiner Meinung nach zu sehr die Dominanz auf Kosten der absoluten Höhe und Steilheit (letztere ist dort gar kein Kriterium); zudem ist die Formel unnötig kompliziert.

 

Ich habe daher versucht selbst eine Formel aufzustellen, die meinem subjektives Empfinden eher entgegen kommt und mathematisch einfacher ist:
M = H *D * P * R(H)
M = „Mächtigkeit“ eines Berges
D = Dominanz, wie gehabt
P = Prägnanz, wie gehabt
H = Höhe NN
R = Reliefenergie
das alles in Kilometern

 

Der Begriff der Reliefenergie kommt neu hinzu, sie gibt den Höhenunterschied innerhalb einer bestimmten Strecke an;  in diesem Fall das Gefälle vom Gipfel zu einem x Meter entfernten Punkt. Doch welchen Wert für x nehmen? Ich halte es für elegant, für x die Höhe des Berges über NN einzusetzen. Ein Beispiel: Ein Berg ist 2000m hoch; der tiefste Punkt in 2000m Umkreis ist 987m; also ist die Reliefenergie R(H) 2000m – 987m = 1013m.
So bekommen absolute Höhe und Steilheit mehr Gewicht.

 

Zudem möchte ich den Wert für die Dominanz einschränken: D sollte nie größer sein als die Entfernung des auf den Meeresspiegel reduzierten Horizonts, vom Gipfel aus gesehen. Dieser Wert ist leicht über Pythagoras zu errechnen (z.B. Mount Everest 8848m: 335,86km Sichtweite; 1000m hoher Berg: 112,88km Sichtweite). So werden Inselberge nicht über Gebühr aufgewertet.
Ergibt sich nun aus der Formel ein Wert >= 1,00 so würde ich von einem eigenständigen Berg sprechen.

 

Zwischen 0,10 und 0,99 würde ich von einem Nebengipfel oder untergeordnetem Berg sprechen.
Als Rosenheimer habe ich nun den Gipfeln zwischen Inn und Prien (westliche Chiemgauer Alpen) Werte zugeordnet, und festgestellt dass diese mein subjektives Empfinden recht gut wiederspiegeln:
 
Berge wären in dieser Gruppe: Spitzstein (1,596*0,855*5,150*0,721 = 5,067), Kitzstein (1,558), Kranzhorn (1,202) und Hochries (1,195)
 
untergeordnete Berge wären: Pastaukopf (0,433), Zinnenberg (0,404),  Feichteck (0,250), Dandlberg (0,229), Riesenberg (0,112) und Aschauer Kopf (0,104)
 
In der Region habe ich auch Wendelstein (8,214) und Geigelstein (20,923) errechnet; Hauptberge wie der Großglockner dürften wesentlich größere Werte (um 5000) aufweisen.
 
Da es noch kein allgemein verbindliches Kriterium für einen „Berg“ zu geben scheint, wollte ich meine Erkenntnisse  der Allgemeinheit nicht vorenthalten.