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Mark Synnott: Free Solo im Yosemite

Sonstiges

05.07.2019, 11:34 Uhr

Als Alex Honnold den „Free Rider“ (900 m, IX+) am El Capitan ohne Sicherung kletterte, schockierte und faszinierte er die Kletterszene weltweit. Der Autor des Buchs zur Tat hat ihn jahrelang begleitet.

Ist dies das Buch zum Film? Zum oskargekrönten „Free Solo“? Jedenfalls ist es ein Gegenstück, denn es kommt – ungewöhnlich für ein heutiges Bergbuch, und doch merkt man es erst überrascht im Rückblick – ohne ein einziges Foto aus (abgesehen vom Titelbild). Nein, es ist nicht das Buch zum Film. Beides sind selbständige Werke, die faszinieren können und die ihre eigene Logik haben. Das Kino-Dokumentar-Epos des Ehepaars Chin folgt dem Protagonisten Alex Honnold hautnah, bis hinein in seinen Wohnwagen und in die Beziehung zu seiner Freundin, und dann auf Fingerspitzennähe in der Wand – so eng, dass man im Kino den Chalkbag vermisst. Im Buch nehmen die 3:56 Stunden von Honnolds Free Solo im „Free Rider“ etwas mehr als zehn Seiten (von 480) ein, und selbst dabei geht es mehr um Hintergründe und Wenn+Aber der einzelnen Stellen als um eine Schilderung von Bewegungen, die man ohnehin im Internet anschauen kann.

 

Mark Synnott, selbst einer der profiliertesten Bigwallkletterer und Alpinisten der USA, war als Reporter für „National Geographic“ über viele Jahre hinweg mit Alex Honnold unterwegs; spätestens als dieser zum ersten Mal davon redete, einen großen Bigwall am El Capitan free solo zu klettern, war das Langzeitprojekt auch für das Medienunternehmen geboren. So schildert er mit dem Verständnis eines Experten den Werdegang dieses Ausnahmetalents und zeichnet nach, wie viel Vorbereitung, Abwägung und Planung hinter dieser Begehung stand, die die Kletterszene weltweit fasziniert und erschreckt hat.

 

Hautnah am Geschehen

Doch Synnotts Werk macht auch klar, dass die Geschichte größer ist. Sie begann nicht mit Alex Honnold und sie wird wohl auch nicht mit ihm enden. In einem faszinierenden Rundumschlag rollt er den US-Alpinismus der letzten 30, 40 Jahre auf, zeichnet Höhepunkte, Sackgassen und Streitigkeiten, schildert exzentrische Superathleten, dominante Heroen und stille Leistungsträger. Die Übersetzung zeigt leider nicht entsprechendes Detailverständnis, das Wichtigste kommt dennoch rüber: dass großer Alpinismus immer ein Spiel an den Grenzen des persönlich Denk- und Machbaren ist. Wenn Synnott gleichzeitig die Rolle der immer präsenteren Medien im modernen Profialpinismus skizziert, bringt er das Buch damit zu einer ungeahnten Pointe: Noch selten war eine Kamera so nahe dran an einer alpinistischen Leistung von Weltformat. Und noch selten konnte man deshalb verstehen, worauf es eigentlich ankommt: Sich frei zu machen von Beobachtung und extrinsischer Motivation oder Leistungsdruck – sondern zu tun, wofür man bereit ist.

 

Kurzcheck

Sprache
Spannung
Menschen verstehen

Info

Besonders geeignet für … Sportfans, die auch die Hintergründe von Spitzenleistungen verstehen wollen. 

 

Mark Synnott: Free Solo im Yosemite – Alex Honnolds unglaubliche Begehung am El Capitan, Bergwelten, 2019, 480 S., 24,-- Euro

 

ISBN: 9783711200075

Thoma/Ducke: Tirol

Reiseführer

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Man muss ja nicht immer Bergsteigen. Für die Tage abseits der hohen Ziele haben zwei Reisejournalistinnen jede Menge Tipps für gute Zeiten in Tirol gesammelt. Tiroler sind grantige Sepplhutträger, die lästige Piefkes mit überteuerten Germknödeln und Jagatee abzocken? Vorurteile können täuschen. Empathisch geschriebene Wander- und Reiseführer helfen, damit aufzuräumen und mehr von Land und Leuten wahrzunehmen als nur die Oberfläche. Natascha Thoma und Isa Ducke liefern mit ihrem Reiseführer für Tirol nicht wirklich Bergtouren-Infos, eher Anregungen zum Kulturprogramm für Ruhetage. Doch man könnte sich glatt wünschen, dass der Urlaub genug solche beinhaltet – denn dem Buch ist anzumerken, mit wie viel Liebe, Akribie und Begeisterung die Autorinnen ihre Informationen recherchiert und zusammengetragen haben. 

Reiner Knizia: L.A.M.A.

Kartenspiel

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Die eigenen Chancen richtig einschätzen aber auch die Mitspieler, etwas Glück, etwas zocken, das alles macht aus L.A.M.A. mehr als ein reines Ablagespiel. So ein Lama kann ganz schön lästig sein. So lästig, dass man es schnell wieder los sein möchte. Es spuckt nicht nur, es bringt auch Minuspunkte. Viele Minuspunkte. Und die will keiner haben. Lamas können aber auch Retter sein. Und sie tummeln sich nicht nur in der Bergwelt der Anden oder in einigen Gehegen an Alpenhängen, sondern auch auf Spieleabenden, beispielsweise auf einer Hütte. Im Prinzip ist alles ganz einfach: Jeder bekommt zum Start sechs Karten. Wer keine mehr hat, gewinnt die Partie. Die Gegner erhalten Minuspunkte in Form von Chips. Wer zuerst 40 Punkte hat, verliert.   Die Karten zeigen die Zahlen eins bis sechs oder ein Lama. Legen darf man nur den gleichen oder den um eins höheren Wert. Liegt eine sechs oben, dann bringt das Lama die Rettung, denn das darf da drauf. Und auf ein Lama darf noch ein Lama oder eine eins. Wer nicht ablegen kann, zieht nach.   Minuspunkte bringen am Ende die Werte auf den Karten auf der Hand. Aber jeder Wert nur einmal. Das heißt, wer eine Vier hat, erhält vier Minuspunkte. Wer drei Vierer hat, auch. Und der Sieger darf einen der Chips, mit denen die Punkte gezählt werden, zurück geben. Das kann ein Einer-Chip sein. Oder auch ein Zehner-Chip. 

Trevor Benjamin, Brett J. Gilbert: High Risk

Brettspiel

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Der Kampf ist gnadenlos. Alle wollen zum Gipfel, und wer im Weg ist – naja, Verluste gibt es überall. Das einfache Würfelspiel High Risk thematisiert das Rennen auf den höchsten Punkt der Erde. Der Wettlauf ist eröffnet. Bis zu vier Teams wollen als erste den höchsten Berg der Erde erklimmen. Der Wettbewerb ist hart. Rücksicht oder gar Kameradschaft am Berg sind hier Fremdwörter. Hängt der Gegner gerade in einer Felswand, die man selbst betreten möchte, schmeißt ihn der ambitionierte Bergsteiger einfach den Abhang runter. Je nach dem, wie viel Betrieb in der Bergflanke gerade herrscht, fällt das Opfer nur ein kleines Stück hinab oder gleich bis ins Biwak im Tal. Wer zuerst sein Team auf dem Gipfel hat, gewinnt. Dort dürfen sich übrigens – ebenso wie in den Biwaks – beliebig viele Alpinisten aufhalten.   Um nach oben zu kommen, brauchen die Spieler als Teamleiter vor allem Glück. Sie werfen sechs Würfel. Verschiedene Symbole geben an, ob die eigenen Kletterer weiter kommen und wenn ja, wie weit. Würfel mit Gefahrensymbolen darf man erneut werfen. Aber Vorsicht: Wer in seinem Wurf nur Gefahrensymbole hat, stürzt ab. 

Christiane und Uli Schrempp: Memento Mori

Kartenspiel

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Gletscher zur Erinnerung. „Memento Mori“ macht sie zum Merkspiel – und setzt ihnen gleichzeitig ein Denkmal. Erinnerung ist das Wichtigste bei Memory-Spielen – ist es dann zynisch, dass diese Variante namentlich an den Tod erinnert: und Gletscher zeigt? Vielleicht spielen wir dieses Spiel in 30 Jahren mit Wehmut. Doch schon heute zeigen viele Motive deutlich, wie die Gletscher schwinden, dokumentieren aber auch ihre Schönheit und Größe. Auch sonst kann man dank des Begleitheftes einiges Hintergründige über Gletscher lernen – und beim Spielen gibt es, wie für ein gutes Memory nötig, auch etliche Motive, die sich ähneln und so das Merken der 24 Bildpaare zur echten Aufgabe machen.   Nebeneffekt: Der Erlös geht vollständig in Aufforstungsprojekte von primaklima.org. 

Ziva Novljan, Nathalie Morelle, Leentje Ann Sourbron: ClimCards

Kartenspiel

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Mit einem Kartenspiel will die Alpenkonvention das Thema Klimawandel, dessen Bedeutung für die Alpen und mögliche Schutzmaßnahmen für die Bergwelt in der Öffentlichkeit breiter bekannt machen. Die Alpen leiden stärker unter dem Klimawandel als der Rest Europas. Um zwei Grad haben sie sich bereits erwärmt im Vergleich zum späten 19. Jahrhundert. Höchste Zeit, die Bergregion zu schützen. Anfang April haben die Alpenstaaten die Deklaration von Innsbruck unterzeichnet, mit dem Ziel, die Alpen bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Wie das gehen könnte, bringt das Spiel ClimCards den Spielern näher.   Als politische Organisationen geben sie eines von zahlreichen Klimazielen vor und versuchen, dieses zu erreichen. Dazu können sie individuelle Aktionen ausspielen, wie die Reduktion des Strombedarfs des Privathaushalts. Oder politische Aktionen, die für alle Spieler gelten, wie die Berücksichtigung der Biodiversität in der Landwirtschaft. Es gewinnt, wer zuerst die Bedingungen des Klimaziels erreicht hat. Das kann sich allerdings im Laufe einer Partie mehrmals ändern, so dass hier eine hohe Flexibilität erforderlich ist. 

Ruhland/Jorda: Bergmenschen

Interviews

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Bergmenschen: Das müssen nicht nur alpine Spitzensportler*innen sein. Dieser Band sammelt Interviews aus dem „Bergsteiger“ – auch mit Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern; eine bunte, anregende Mischung. „Natürlich habe ich Ängste. Natürlich habe ich Zweifel. Es gib die Angst vor dem Fallen und die vor dem Scheitern, mit der wir alle im normalen Leben zu tun haben. Sie ist es, die uns davon abhält, großartige Dinge zu tun. … Aber es ist so wichtig, … Gründe zu finden, warum es möglich ist.“ Wenn Adam Ondra ganz freimütig über seine Ängste redet, dann ist das genau so geistreich wie sein gesamtes Auftreten. Nur: Die Frage danach muss man erst mal stellen, damit der Interviewpartner die Möglichkeit bekommt, auszupacken.   „Die Interviews gehen ans Eingemachte, an das, was Menschen in ihrem Innersten ausmacht“, schreibt der Autor Michael Ruhland im Vorwort zu seinem Buch, das Interviews sammelt, die er als Chefredakteur für den „Bergsteiger“ gemacht hat – manchmal stellten auch Kollegen die Fragen. Nicht jeder Interviewpartner lässt richtig viel raus, erzwingen kann man das auch nicht. Dennoch sind die Unterhaltungen meistens deutlich mehr als nur ein Nachvollziehen aktueller Spitzenleistungen, fragen nach Hintergründen, Einstellungen, persönlichen Wertungen. Und oft kommen tatsächlich inspirierende Aussagen, wie etwa von Ines Papert: „Ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Scheitern, sondern als Stärke, wenn ich es schaffe, nicht einzusteigen. Ein „vielleicht geht’s gut“ ist zu wenig. Ich muss mir sicher sein.“   Die Interviews entstanden im Lauf mehrerer Jahre. Es liegt in der Natur der Welt und des Sports, dass nicht mehr alle Gesprächspartner am Leben sind. Heiner Geißler starb einen natürlichen Tod, David Lama, Hansjörg Auer und Ueli Steck kamen nicht mehr von ihren Bergzielen zurück. Das gibt manchen Antworten eine ganz neue Dimension, etwa wenn Auer sagte: „Ich hoffe, dass ich mit 50, 60 nicht unbedingt noch vom Alpinismus leben muss, dass ich dann nicht mehr von Sponsoren abhängig bin und vielleicht auch ruhiger werde. Nicht mehr so extreme Sachen mache. Denn es ist ja immer Risiko dabei. Aufhören geht aber nicht, weil es deine Leidenschaft ist; das, was dich zum Leben motiviert.“ Oder bei Ueli Steck: „Irgendwann reicht es einfach nicht mehr, man will mehr. Und mehr, und mehr. Und das endet – wie bei einer Droge – tödlich. Da muss man rechtzeitig den Absprung schaffen.“