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Fels für Alle!

Führer Klettern

04.09.2019, 14:23 Uhr

Die ganzen Alpen sind erobert? Von wegen! Noch immer finden fleißige Erschließer Neutouren und machen den Führerautoren Arbeit. Hier ein gutes Dutzend gelungene Sammlungen neuer Ziele.

 

 

 

Elbsandstein plaisir

Elbsandstein = Gruselheim? Das muss nicht sein. Zwar ist das „sächsische Bergsteigen“ im Nationalpark Elbsandsteingebirge zu Recht berüchtigt für seine strengen Regeln und anspruchsvolle Absicherung mit Ringen in weiten Abständen, die mit selbst zu legenden Sanduhr- und Knotenschlingen ergänzt werden müssen. Doch wer bereit ist, guten Sicherheitsabstand zu seiner persönlichen Grenze zu halten, und gute Berater hat, der kann dort ganz Großes erleben. Dass man wirklich „plaisir“ findet, wie es der Panico-Titel behauptet, möge man lieber mit einer gewissen Restskepsis aufnehmen. Doch auf jeden Fall haben der Fotograf Helmut Schulze und der begabte Topozeichner Valentin Hölker eine schöne Auswahl von Routen zusammengestellt, die alpin sozialisierte „Bergsteiger“ klettern können sollten. Die bekommen zu Anfang eine von schöner und kritischer Selbstironie geprägte Einführung in sächsische Besonderheiten, dann gute Übersichtsskizzen und Topos – vor allem aber zu jedem Gipfel und jeder Route ausführliche Charakterisierungen und Tipps zur Absicherung. Also: Auf ins Abenteuer!

 

Helmut Schulze/Valentin Hölker: Elbsandstein plaisir, Panico Verlag, 2019, 368 S., 34,80 Euro

 

Kletterführer Elbtal

Im tschechischen Elbtal, so munkelt man, sei die Absicherung teils fast modern – auch das ist ein wenig übertrieben. Gerade mal 40 Routen bezeichnen die Autoren als „quasi sportkletterartig“ gesichert, 434 als „gut, aber teilweise luftig und mit Runouts“ – 877 dagegen sind „anspruchsvolll, weite Stürze möglich“, 751 „traditionell, abenteuerlich und teilweise gefährlich“ und 126 „schlecht“. Dennoch ist das übersichtliche Werk mit GPS-Daten, QR-Codes und schönen Topos auch nach Ansicht des Gebietskenners Lutz Zybell „eine große Bereicherung“ – denn es bietet eine topaktuelle Übersicht über ein richtig spannendes Gebiet. Die Absicherungsqualität ist mit Symbolen gekennzeichnet, die traditionell bedingt uneinheitlichen Schwierigkeitsangaben haben die Autoren homogenisiert und parallel ins „französische“ übersetzt, individuelle Charakterisierungen zu jeder Route erleichtern die Auswahl des angemessenen Ziels. Nur eins ist schade: Unter dem siebten bis achten (UIAA-)Grad ist nicht viel zu holen.

 

Gerald Krug/Jörg Andreas: Kletterführer Elbtal, Geoquest Verlag, 2018/19, 528 S., 39,90 Euro

 

Best of Salzburger Land 1

Mit dem Titel „Best of“ machte der Kletterverlag Panico vor einigen Jahren klar, dass sich die Kletterwelt und ihre Ansprüche gewandelt haben: Nur die besten Klettereien, und möglichst mit guter Absicherung, schafften es in die Auswahlführer. Die erste Auflage war getrennt nach Schwierigkeiten. Die neue Ausgabe unterteilt der Autor Rudi Kühberger nach Gebieten: Band 1 reicht von den Chiemgauer Alpen (nur der Urlkopf ist erfasst) bis zum Hochkönig, dazu gibt es einige bisher kaum beschriebene Gneis- und Granitschmankerl aus den Hohen Tauern (die allerdings meist selbst abzusichern sind). Zusätzlich sind in einem downloadbaren Ebook 59 weitere Routen beschrieben. Alles im bewährten Panico-Stil, mit allen Basisinfos per Icons, weiteren Angaben plus Charakterisierung per Text, mit Infos vollgepackten Topos (am besten hochvergrößern) – und zusätzlich gibt es noch eine Verbalbeschreibung des Routenverlaufs wie aus alten AV-Führern bekannt; Gesamteindruck: gelungen!

 

Rudi Kühberger: Best of Salzburger Land, Band 1, Panico Verlag, 2019, 504 S., 39,80 Euro

 

 

Best of Salzburger Land 2

Auch der zweite Band macht einen soliden Eindruck: gleiches Konzept, gleiche Ausführlichkeit, gleiche Akribie. Na klar, ist ja auch der gleiche Autor – und der hat viele der Routen selbst erstbegangen. Hier dürfen deutsche Gäste die Qualitäten des Dachsteinkalks in weiter östlich liegenden Bergen erforschen. Die Wände in Tennengebirge, Osterhorngruppe, Salzkammergut, Gosaukamm und dem westlichen Dachsteingebiet sind meist etwas kleiner, teils sind es nur ein paar Seillängen – die Monsterlinien der Dachstein-Südseite sind nicht enthalten (weil ja auch in der Steiermark…). Doch es gibt auch Längeres, so dass jeder, der mal was Neues kennenlernen will, eine reiche Auswahl hat. Plus Nachschub aus dem Ebook, das auch hier downloadbar ist und 43 zusätzliche Optionen bietet.

 

Rudi Kühberger: Best of Salzburger Land, Band 2, Panico Verlag, 2019, 504 S., 39,80 Euro

 

 

Kletterarena Dachstein West & Süd

Hier kommt das ganz große Kino! Klaus Hoi, legendärer Bergführerausbilder und Erschließer großartiger Routen (die er mittlerweile teils saniert und besser gesichert hat), und der Verlagschef Kurt Schall persönlich haben sich mit einigen weiteren Gebietsexperten zusammengetan, um „über 400 der besten Kletterrouten“ der Dachsteingruppe aufzubereiten. Darunter die ganz großen Hämmer in der 800 Meter hohen Dachstein-Südwand, die prallen Pfeiler am Koppenkarstein, spannende Schmankerl bei der Adamekhütte oder auch der nicht enden wollende Windlegergrat (48 SL, IV+) am Torstein. Die fortlaufende Darstellung wirkt nicht so sortiert wie bei Panico, wo jede Tour auf einer eigenen Seite startet, aber alle Infos inklusive aufsührlicher Charakterisierung von Stil und Absicherung sind geboten, Luftaufnahmen der Wände vermitteln beste Übersicht und die Topos enthalten etliche Detailangaben zu Wegmarken in der Route. Ein starkes Werk zu einem tollen Gebirge.

 

Klaus Hoi, Kurt Schall, Andreas Fischbacher, Michael Gruber, Hans Gapp: Kletterarena Dachstein West & Süd, Schall Verlag, 2. Auflage 2019, 528 S., 46 Euro

 

 

Maltatal

Malta – was? Nein, es geht hier nicht ums Wasserfallklettern, für das das Tal auf der Südseite des Tauernkamms unter Insidern bekannt ist. Für den Sommer gibt es hier jede Menge Urgesteinswände von Boulder- bis Mehrseillängenformat, die seit den 1980er Jahren erschlossen wurden und das Tal zu einer vielfältigen Empfehlung machen. Es gibt alle Expositionen, kühle Felsen im Wald und neben Wasserfällen, sonnige Platten über Almen und neben der riesigen Staumauer des Kölnbreinsees, Kinderrouten und Elfer. Seit der ersten Auflage 2015 ist noch einiges dazugekommen, und die Neuauflage hat der Autor nochmal zusätzlich angereichert. Am Mölltaler See kann man in entspannter Atmosphäre sportklettern und danach ins Wasser hupfen. Aber auch Freunde hochalpiner Wände werden bedient: mit netten Plattenklettereien am Hafner, mit dem langen leichten Winterleitengrat – und an der Hochalmspitze: zwei gehobene Genussrouten auf der Südseite, experimenteller Alpinismus gehobensten Anspruchs auf der Westseite. Der Autor ist ein Fels-Aficionado durch und durch, seine Liebe zum Gebiet hat er in akribische Topos und Beschreibungen gegossen. Von Geheimtipp kann man da bald nicht mehr reden.

 

Gerhard Schaar: Maltatal, Panico Verlag, 2. Auflage 2019, 336 S., 34,80 Euro

 

 

Mello Boulder

Das Val di Mello auf der Bergell-Südseite war lange berüchtigt für kühn abgesicherte Reibungsklettereien und Bigwalls, doch an den vielen Blöcken im Tal wurde schon immer auch trainiert. Spätestens seit der Boulderevent „Melloblocco“ jährlich hunderte Boulderbegeisterte anzieht, ist die Erschließung explodiert: Seit der Erstauflage vor drei Jahren sind etliche hundert Boulder neu dazugekommen, und das ist „nur“ Stand 2018. Dieser Führer erfasst sie so übersichtlich wie heute möglich, mit Sektorenkarten, Fotos von den Blöcken und Linieneinzeichnungen. Hand-Symbole kennzeichnen die Einstiegsgriffe, ein Maßstab informiert über die Höhe des Blocks, nette Icons und Verbalbeschreibung charakterisieren jede Linie, dazu gibt es QR-Codes, die auf Navigationsangaben oder gar Videos von den Bouldern verweisen.

 

Andrea Pavan: Mello Boulder, Edizioni Versante Sud, 2. Ausgabe 2018, 516 S., 33 Euro

 

 

Valchiavenna

Vom Berninapass über den Maloja bis hinunter nach Chiavenna und wieder hinauf zum Splügenpass reicht das Gebiet dieses Führers, der Klettergarten- und Mehrseillängenrouten erfasst. Der Fels ist, nahe dem Bergell, meist Granit oder Gneis, die Strukturen sind aber sehr unterschiedlich und verheißen abwechslungsreiche Aufgaben. Viele Klettergärten sind talnah und schnell erreichbar, für die längeren Routen muss man auch mal ein bisschen marschieren. Sie sind dreiteilig bewertet: nach Schwierigkeit, Absicherung und Gesamtanspruch – ein modernes und etabliertes Konzept. Eine gute Quelle für Alternativen also, wenn es für die ganz großen Routen nicht stabil genug ist – viele Gebiete sind aber auch in der kälteren Zeit des Jahres als eigenständige Ziele anpeilbar.

 

Simone Manzi: Valchiavenna Rock, Edizioni Versante Sud, 2018, 400 S., 32 Euro

 

 

Arco

Heinz Grill hat das Mehrseillängenklettern im Sarcatal bei Arco in den letzten zehn Jahren in eine neue Dimension gehoben: Weit über hundert Routen in teils übersehenen Wänden hat er eröffnet, mit unglaublichem Gespür für schön kletterbare Strukturen, und seine Freunde haben sie hinterher von störendem Bewuchs und brüchigem Fels befreit und in einem Stil zwischen alpin und modern abgesichert – es braucht je nach Linie mal etwas Engagement, aber fast immer erlaubt es ein „rhythmisches, leichtes Klettern“, von dem Grill schwärmt. Die Aktivitäten des Yogalehrers haben auch Kritiker provoziert, seine Routen aber haben vielen Kletterern wunderbare Tage ermöglicht. In diesem Führer hat er fast hundert seiner besten und neuesten Kreationen zusammengestellt, teils an bisher kaum oder gar nicht bekannten Wänden, teils an den neuen Klassikern. Der etwas mysteriöse Titel „Kunst und Klettern“ erschließt sich aus den philosophisch-spirituellen Anmerkungen zu den einzelnen Routen – und vielleicht in der Bewegung selber.

 

Heinz Grill, Florian Kluckner: Kunst undKlettern, Idea Montagna, 2019, 240 S., 24 Euro

 

 

Alpine Ice

2009 brachte Mario Sertori seinen Führer „Alpine Ice“ heraus: die besten Eisklettergebiete der ganzen Alpen mit den wesentlichen Infos zu den wichtigsten und schönsten Linien. Für die aktualisierte Neuauflage hat er weitere Gebiete aufgenommen und inzwischen erstbegangene Routen ergänzt – das passte nicht mehr in einen Band. Band 1 erfasst nun Frankreich (incl. Gavarnie), die Schweiz und das westliche Italien bis zum Lago Maggiore; die östlicheren Gebiete mit Deutschland und Österreich sind in Band 2 zu finden. Die Infos sind etwas knapp: Es gibt eine Gebietsübersichtskarte plus allgemeine Hinweise, Übersichtsfotos und zu jeder Route die Kerndaten (Ausrichtung, Höhenlage, Schwierigkeit, Länge, Zustieg, Abstieg, Anmerkungen), teilweise auch Einzelfotos. Damit kommt man zurecht, wenn man alpine Erfahrung und etwas Gespür fürs Gelände hat; vereinzelte Ungenauigkeiten sind zu verzeihen. Wer öfter in ein Gebiet will, mag in örtlichen Spezialführern mehr Hilfe und weitere Routen finden – für einen ersten Kontakt bietet der „Sertori“ eine solide Grundlage.

 

Mario Sertori: Alpine Ice Band 1 + Band 2, Edizioni Versante Sud, 2. Ausgabe 2018, jeweils 512 S., 32 Euro

 

 

 

Eisklettern in Tirol

Auch dieser Führer ist eine Zweitauflage, und auch hier ist ein Haufen Neues dazugekommen (+50%). Auch wenn die spannendsten Zapfen und Glasuren nicht immer so kletterbar sein mögen, wie sie der Führer verzeichnet: Zumindest schafft er Überblick in dieser sehr lebendigen Sportart für Spezialisten – vom Wilden Kaiser bis zum Reschenpass. Zu jedem Gebiet gibt es eine Übersichtskarte und allgemeine Infos (auch zu generellem Charakter und Anspruch), dann Zugangskarten für die Teilsektoren und zu jedem Eisfall ein Foto mit Seillängeneinzeichnung und eine recht ausführliche Verbalbeschreibung samt Ernsthaftigkeitsbewertung. Die Angaben zu bester Zeit, Exposition und Höhenlage, vor allem aber die spezifischen „Bemerkungen“ erlauben eine Einschätzung, ob sich das Objekt der Begierde ziemlich sicher in einem Standardwinter bildet oder ob man Spezialverhältnisse abpassen und sich um Insider-Infos bemühen muss.

 

Axel Jentzsch-Rabl, Andreas Jentzsch, Bernhard Schiestl: Eiskletterführer Tirol, Alpinverlag Jentzsch-Rabl, 2. Auflage 2018, 512 S., 41,95 Euro

 

 

Hochtouren Westalpen

Was geht noch? Und wie lange noch? Diese Frage steht über allen alpinen Routen, die ins Gletscher- und Permafrostrevier führen – also für Hochtouren, auch in den Westalpen. In ihrem Vorwort berichten die Autoren über den schockierenden Frühsommer-Anblick des Montblancgebiets: Eiswände sind ausgeapert, Felslawinen fallen, Bergschründe klaffen. Dennoch ist dieses Buch kein Abgesang, sondern ein „trotzdem“. Für manche der beschriebenen Ziele wird man den richtigen Moment abwarten müssen, andere gehen wohl noch lange, etwa die gehobenen Genussklettereien an der Aiguille Dibona im Dauphine oder an den Nadeln von Chamonix. Jedenfalls sind die 101 beschriebenen Routen durchweg lohnende bis Traumziele und bieten für fast alle etwas, vom relativ einfachen Normalwegen wie auf Montblanc, Gran Paradiso und Monviso über sympathische (Sport-)Klettereien bis hin zu Courtes-Nordwand, Walkerpfeiler und Peuterey Integral. Gut 60 der Routen finden sich im Montblancgebiet – es ist einfach das beste Revier der Alpen. Dazu kommt der Monviso, 21 Routen im Dauphiné und 16 in den Grajischen Alpen. Alle sind mit Datenkasten, Charakterisierungstext und Verbalbeschreibung ausführlich erfasst, dazu gibt es tolle Bilder von Ralf Gantzhorn, wo möglich mit Routeneinzeichnung, und einige Kartenausschnitte. Also: nix wie los, solange es noch Eis gibt!

 

Hartmut Eberlein/Ralf Gantzhorn: Hochtouren Westalpen Band 2, Rother Verlag, 2018, 344 S., 34,90 Euro

 

 

Viel feiner Fels

Kletterführer

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Unglaublich, wie viel Fels es gibt - vor allem außerhalb Deutschlands. Und wie fleißig die Erschließer und Chronisten immer wieder neue Möglichkeiten auftun. Ein kleiner Ausschnitt aus der Menge der Neuerscheinungen und -auflagen.

Achim Pasold & Ralph Stöhr: Moderne Zeiten

Kletterführer

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Hat’s das gebraucht? Ein Auswahlbuch der hundert besten Alpinrouten ab dem siebten Grad? Ja, das hat’s gebraucht! Wenn nicht für jeden zum Nachmachen, so doch zum Nachempfinden, wie sich das Klettern in den letzten vierzig Jahren entwickelt hat. Mit der Neuauflage des „Extremen Fels“ reanimierte der Kletter-Kultverlag Panico eine Legende. Mit den „Longlines“ präsentierte er eine Auswahl moderner Alternativen für Felsenfresser. Nun hat sich der Chef Achim Pasold selber an Tastatur und Zeichenbrett gesetzt und einen Lebenstraum verwirklicht: „Moderne Zeiten“ versammelt 100 moderne Kult-Routen – das Beste, Wildeste, Schönste seit Eröffnung der Pumprisse und Erfindung des siebten Grades 1977. 

Grübler, Hangl, Neuner: Wetterstein-Süd

Kletterführer

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Die Neuauflage des Panico-Werkes ist so dick wie nie zuvor und bietet jede Menge Kletterstoff, von Klassiker bis Fast-Plaisir. Jede Bergsteigergeneration sucht nach neuen Wegen, weshalb Kletterführer immer wieder aktualisiert werden müssen. Wenn sich die Routen, wie etwa in den Südwänden der Schüsselkarspitze, netzartig über die Felsen verbreiten, weil durch die Bohrhaken (fast) alles kletterbar wird, müssen die Athleten weniger erschlossene Wände für ihren Klettersport finden. Dieser Entwicklung trägt das bislang umfangreichste Alpin-Führerwerk aus dem Panico-Verlag „Wetterstein-Süd“ Rechnung. 

Thomas Fischer: Klettern im Ruhrgebiet 4.0

Kletterführer

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Nachdem im Panorama Axel Klemmer das Ruhrgebiet vor einiger Zeit mal vorgestellt hat, folgt nun der Kletterführer von Thomas Fischer bereits in der 4. Auflage. Und da hat sich viel getan. Wer die älteren Auflagen kennt, wird erstaunt sein, was im Herzen des größten Bundeslandes so alles aus dem Boden geschossen ist und in Hallen geschraubt wurde. Diese Landschaft, früher mal Pott – von wegen der Kohle- und Stahlindustrie – genannt, ist heute nicht gerade eine grüne Lunge der Republik, aber auf jeden Fall mit viel mehr Natur, Felsen und Kletterhallen ausgestattet als man so denkt. So ist der neue Führer ein absolut geeignetes Buch, um alle diese vielen Spots kennenzulernen. Gerade auch als alter Ruhrgebietler bin ich bass erstaunt, was es da so alles gibt. Leider, so muss man feststellen, haben die Alpenvereine in NRW an der Naturschutzfront gegen das Klettern zweifellos ihr Waterloo erlebt. So ist gleichwohl zu begrüßen, dass dieses Buch auch einige, aus heutiger, strenger Naturschutzsicht völlig unsinnig gesperrte Gebiete ebenfalls kurz streift. In der nächsten Generation werden diese Felsen vielleicht nicht mehr als Müllhalden wilden Feierns im Wald, sondern als Kletterfelsen angesehen. 

Röger, Flemmig, Krug: Glück auf! Kletterführer Erzgebirge

Kletterführer

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Das Erzgebirge ist bekannt für sein Kunsthandwerk und als Wanderrevier. Nun zeigen drei Locals mit einem dicken und hervorragend gemachten Führer, dass es auch ein außergewöhnliches Kletterziel ist. Kann man einen Kletterführer besser machen? Anders gewiss. Aber es scheint schwer vorstellbar, dass Information vollständiger und übersichtlicher präsentiert werden kann. Da gibt es zu jeder Region Anfahrtskarten und Kurzübersichten. Dann zu jedem Felsen eine Karte, Zugangsbeschreibung und Tipps zu Übernachtung, Naturschutz und gutem Verhalten. Die Wandhöhe, Absicherung, Gesteinsart und was man sonst noch so wissen will, wird durch Symbole übersichtlich präsentiert, die wichtigsten Eigenheiten verbal beschrieben. Und zu den Fototopos (einmal auch Skizzen) gibt es eine Liste mit den Schwierigkeiten (sächsisch und UIAA), einer Sternewertung und Kurzkommentar. Außerdem findet man feine Detailhinweise, wie zur Kinderfreundlichkeit und Wetteranfälligkeit, oder ob Magnesia erlaubt ist oder nicht. Unübersehbar wurden die Führermacher aus dem GeoQuest-Verlag von der Leidenschaft getrieben, alle Klettermöglichkeiten im Erzgebirge penibel zu erfassen – nicht zuletzt, weil sie selber dort klettern. Dass das Spaß machen kann, zeigen viele animierende Kletterfotos, aber auch die Wandbilder. Da gibt es kleine Quacken oder „Murkel“, im Wald verborgen oder freistehend, aber auch mächtige Wände bis 60 Meter Höhe. Es gibt glatte Wände, runde Risse, überhängende Kanten. Verrückt verdrehte Türme und Zacken oder massige Brocken, die dahocken wie schuppige Kröten oder wie zweihundertjährige Elefanten mit aufgestapelten Hautfalten – die Wollsackverwitterung schafft ganz ungewöhnliche Formen im Granit und Gneis. 

Tim Jacobs: Buildering-Spots

Kletterführer

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Buildering ist für kletternde Städter eine Alternative zur überfüllten Halle – und auch ein bisschen Lebensart. Nun gibt es einen Führer zu Klettermöglichkeiten an Gebäuden in ganz Deutschland und darüber hinaus. Buildering? Klar: Climbing an Buildings – also Seilklettern oder Bouldern an öffentlichen Gebäuden. Ein Sport, so alt wie das Bergsteigen; schon Alpinpioniere trainierten Fingerkraft durch Quergänge an den Mauern ihrer Unis. Aber darf man das so einfach? Eine ganze Menge Disclaimer-Formulierungen in Kapitel „Hinweise zum Gebrauch“ belegen, dass die Rechtslage bestenfalls unklar ist. Zumindest an Brücken, Mauern oder Ruinen werde es meistens toleriert, berichtet der Autor – und zumindest solange keine Fußgänger oder Autofahrer behindert oder gefährdet werden. Auch hier gilt also: Mit Sinn und Verstand! Ohne überflüssige Spuren zu hinterlassen. Und am besten da, wo man auch selbst entspannt sein kann, also nicht direkt neben Straßen oder Gehwegen. Tim Jacobs ist seit Jahren ein leidenschaftlicher Antreiber der Buildering-„Bewegung“ – sofern es denn so eine gibt und seine Schätzungen dazu nicht genau so hanebüchen übertrieben sind wie die zur Anzahl der Kletterer und Boulderer in Deutschland. Fakt ist, dass es viele Vertikalfreunde in Deutschland gibt, auch in Städten mit altem Steinmauer-Bestand. Und dass viele davon auf Jacobs‘ Seite buildering-spots.de eine Menge solcher Möglichkeiten eingetragen haben.