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Lexikon des Bergsteigens

Wandern, Bergwandern, Bergsteigen? Die Unterscheidung dieser Bergsportformen wird unter Bergbegeisterten gern und häufig diskutiert. Einig sind sich viele doch in einem Punkt: Wandern findet auf gesicherten und befestigten Wegen ohne Hilfsmittel statt. Beim Bergsteigen geht es auch im freien Gelände hinauf. Der Untergrund, teilweise Fels, Firn oder Eis, gebietet den Einsatz der Hände, wenn nicht sogar technischer Hilfsmittel.

Mehr als nur pures Steigen

Nun gehört zum Bergsteigen jedoch nicht nur das pure Steigen den Berg hinauf. Was die Definition des Bergsteigens angeht, können wir uns vielleicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: Bergsteigen ist etwas, das draußen stattfindet, in der Natur, mit unserem Körper, unserer Seele, ja, einfach mit uns. Wie wir das anstellen, dafür gibt es so viele Möglichkeiten wie Fels im Gebirge. Bei einer Bergtour kommt zum Beispiel häufig auch mal ein Klettersteig dazu, auch kleinere Klettereien können auf dem Weg zum Gipfel anstehen. Wenn es höher hinauf geht, sind auch Gletscherquerungen zu meistern. Hochtouren sind eine weitere Spielform des Bergsteigens. Im folgenden Lexikon versuchen wir, diese vielen Facetten abzubilden und euch mit den wichtigsten Begriffen dieser wunderbaren Sportart vertraut zu machen.

 

Bergsteigen – Wo, wie, warum?

  • Bergsteigen ist einerseits die Weiterführung des (Berg)Wanderns und kann Klettersteige und kleine Klettereien beinhalten, andererseits stellt es die Basis für Hochtouren im Gelände auf über 3000 Metern Höhe mit spaltenreichen Gletschern, Eisflanken und Firngraten beziehungsweise im Mixedgelände (Eis und Fels) dar.
  • Blockgelände: Schutthalden mit großen Steinen.
  • Bei Expeditionen geht es um das Bergsteigen in großen Höhen oder abgelegenen Regionen, häufig verbunden mit einem Entdeckungs- oder Forschungsauftrag.
  • Exponiert sind Stellen, die zu einer, zu zwei oder mehreren Seiten steil abfallen. Hier herrscht eine potenzielle Absturzgefahr. Das können Steige, Grate oder auch Gipfel sein. 
  • Gefahren: Wer sich in exponiertem Gelände, in Schnee, Fels und Eis bewegt, geht gewisse Risiken ein. Auf Gefahren durch Steinschlag, Gletscherspalten, Lawinen oder Schneefelder sollte ich beim Bergsteigen also vorbereitet sein. Volle Aufmerksamkeit erfordern ausgesetzte und absturzgefährliche Stellen zu jeder Zeit.
  • Auf Hochtour ist man als Seilschaft oder Gruppe unterschiedlichen Geländearten ausgesetzt; eigenverantwortlich muss man sich in Schnee, Eis und Fels zurechtfinden. "Dünne" Luft (geringerer Sauerstoffpartialdruck) und kalte Temperaturen machen die Unternehmungen deutlich anspruchsvoller als in mittleren Höhen. Gurt, Seil, Steigeisen und Pickel gehören fest zur Ausrüstung und müssen richtig eingesetzt werden.
  • Bei der Höhenkrankheit handelt es sich um ein physiologisches und neurologisches Syndrom, das in großen Höhen – teilweise schon ab 2000 Meter – auftreten kann. Symptome sind Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Schwäche, Atemnot, Schwindel, Tachykardie, Benommenheit bis zur Apathie, Tinnitus und Schlafstörungen. Wer bei Symptomen nicht zügig in niedrigere Höhen zurückkehrt, riskiert eine Eskalation bis hin zu den lebensbedrohlichen Krankheiten Höhenlungenödem und Höhenhirnödem.
  • Klettersteig/Via Ferrata/Eisenweg: Route durch eine natürliche Felswand, die mit technischen Installationen (Stahlleitern, Drahtseile, Eisenbügel etc.) zur Sicherung und Fortbewegung versehen ist, die einen Durchstieg auch für sportliche Nichtkletternde ermöglichen.
  • "Schema 3x3": Drei Phasen für die Tourenplanung: zu Hause, vor Ort und auf Tour. In jeder stellt man sich die jeweils wichtigen Fragen zu Gelände (Schwierigkeiten, Infrastruktur), Verhältnissen (Wetter, äußere Bedingungen) und Mensch (persönliches Können und Erfahrung, Tagesform, Gruppendynamik).
  • Schrofen: steiles, felsiges mit Gras und Geröll durchsetztes Gelände.
  • Seven Summits: bekanntes Bergsteiger-Sammler-Ziel. Zu den Seven Summits der Welt zählen der Mount Everest (8848m) in Asien, der Aconcagua (6962m) in Südamerika, der Denali (6168m) in Alaska/Nordamerika, der Kibo (5895m) in Afrika, der Elbrus (5642m) in Europa, der Mount Vinson (4892m) in der Antarktis die Carstensz-Pyramide (4884m) in Ozeanien. Eine Stufe kleiner angehen kann man es mit den Seven Summits der Alpen.
  • Trekking: mehrtägige Wanderungen unter Verzicht auf feste Unterkünfte und mit Zelt, teilweise abseits von Infrastruktur wie Straßen oder Wegen. Trekking ist zu Fuß als Weitwandern, aber auch als Wanderreiten, mit dem Fahrrad, dem Kanu, Tourenski, Langlaufski oder Schneeschuhen möglich.
 

Ausrüstung

  • Eispickel: Ausrüstungsgegenstand besonders für Hochtouren. Ein Eispickel bietet Gehunterstützung auf Fels, Schnee, Firn und Eis, er hilft beim Sondieren der Schneeauflage auf Gletscherspalten, beim Klettern im Eis, er bremst Stürze auf geneigten Schnee- oder Firnflächen mittels Pickelrettungsgriff ab, er dient als Anker zur Sicherung von Seilpartner*innen und zur Bergung von in Gletscherspalten Gestürzten.
  • Gamaschen: schließen direkt an das Schuhwerk an und bedecken Fuß und Bein zum Schutz vor Kälte, Schnee oder Schmutz.
  • Grödel: leichte Steigeisen, zum Beispiel für gelegentliche Querungen von nicht allzu steilen Schneefeldern.
  • Helme sollen Bergsteigende vor Steinschlag, Stürzen und Anprall schützen. Drei Helmkategorien bieten unterschiedliche Vorteile: Hartschalenhelme sind robust, dafür eher schwer. Inmold- oder Schaumhelme sind sehr leicht, dafür aber anfällig für Brüche. Ein guter Kompromiss ist ein Hybridhelm, der leichter und dabei fast so robust wie ein Hartschalenhelm ist. 
  • Karabiner benötigen Bergsteigende für das Einbinden des Kletterseiles ins Sicherungsgerät, für den Transport von Material und natürlich zum Sichern von Stürzen. Schnappkarabiner werden für alles, was schnell gehen muss, genutzt. 100-prozentige Sicherheit bieten dagegen Verschlusskarabiner.
  • Klettersteigset: Ausrüstung zur Selbstsicherung in Klettersteigen, Klettersteigset verbindet den Hüftgurt mit dem Drahtseil. Es wird im Hüftgurt fixiert und hat zwei "Arme", an deren Ende Sicherheitskarabiner befestigt sind, die nacheinander ins Drahtseil eingehakt werden. Der integrierte Falldämpfer puffert einen möglichen Sturz ab. 
  • Ein Mindestmaß an Knoten sollten Bergsteigende beherrschen. Dazu gehören der Achterknoten, der gerne als Einbindeknoten des Seils in den Hüftgurt verwendet wird. Als Verbindungsknoten wird häufig den Sackstich genutzt. Der Prusikknoten lässt sich in beide Richtungen verschieben, bei Belastung klemmt er. 
  • Seil: die Lebensversicherung von Alpinist*innen. Für den Gebrauch am Berg werden heute nur noch dynamische Seile genutzt, die in hohem Maß elastisch sind. Unterschieden wird je nach Einsatzgebiet zwischen Einfachseilen, Halbseilen und Zwillingsseilen. 
  • Steigeisen: Ausrüstungsgegenstand zur Befestigung am Schuh für eine sichere Fortbewegung auf Schnee- und Firnfeldern, Eisflächen und Gletschern.
 

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