Lawine aus Schnee und Staub rollt einen bewaldeten, verschneiten Berghang hinab.
Im Winter 2025/26 gab es mehr Lawinentote als in den Jahren zuvor. Foto: Denis Radermecker/AdobeStock
Bilanz der Lawinenwarndienste

141 Tote durch Lawinen – warum?

Warum starben in diesem Winter so viele Bergsportler*innen durch Lawinen? Und wie ist dies zu beurteilen? Wir werfen einen Blick in die Statistik und geben Antwort.

Im Winter 2025/26 starben 141 Menschen durch Lawinen (Stand: 9.4.2026), so lautet die Bilanz des European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss der europäischen Lawinenwarndienste. Das sind fast doppelt so viele wie im Winter davor. Zeigt sich hier eine gefährliche Tendenz? Werden in den kommenden Jahren mehr und mehr Menschen in Lawinen sterben? Eine solche Interpretation wäre vorschnell, wie die historischen Zahlen zeigen. „Langfristig sind in Europa seit 1986 signifikant abnehmende Todesfallzahlen durch Lawinenereignisse festzustellen“, erklärt Stefan Winter, Leiter des Ressorts Sportentwicklung beim DAV. Ein Blick in die Statistik klärt auch darüber auf: Heute sind viel mehr Menschen im winterlichen Gebirge unterwegs als in den vergangenen Jahrzehnten. „Außerdem sind im Längsschnitt immer Ausreißer zu verzeichnen, so wie zuletzt 2018“, unterstreicht Stefan Winter. In der Saison 2017/18 wurden 147 Tote gezählt, was vergleichbar mit diesem Winter ist.

Hohe Lawinengefahr trifft auf Schönwetter

Die meisten Lawinentoten gab es bisher in Italien: 40 Menschen verunglückten hier in den Schneemassen, gefolgt von Frankreich (32) und Österreich (31). Wie lässt sich dieser Anstieg gegenüber den vergangenen Jahren erklären? „Die hohe Zahl an Lawinentoten liegt in dieser Saison an einem sehr ungünstigen und somit für Schneesportler*innen gefährlichen Schneedeckenaufbau und mehreren Lawinenzeiten“, erklärt Stefan Winter. Von „Lawinenzeiten“ spricht man dann, wenn hohe Lawinengefahrenstufen und schönes Wetter zu beliebten touristischen Zeitpunkten wie Wochenenden und Feiertagen aufeinandertreffen. „In diesem Winter gab es dadurch häufig hohe Expositionszeiten für Schneesportler*innen“, so Stefan Winter.

Wenn Altschnee zum Problem wird

Es gibt unterschiedliche Arten von Lawinen, bedingt durch die jeweilige Schnee- und Wettersituation. Dieser Winter war besonders durch Altschnee geprägt. „Das ausgeprägte Altschneeproblem in dieser Saison hat zu zahlreichen und auch aus der Ex-Post-Perspektive überraschenden Lawinenauslösungen geführt, wie zum Beispiel Fernauslösungen“, so Stefan Winter.

Altschnee kann durch eine vorhandene Schwachschicht innerhalb der Schneedecke zum Problem werden. Eine bodennahe Schwachschicht begünstigt zum Beispiel bei einer niedrigen Schneehöhe Lawinenabgänge. Ebenso, wenn sich nach kalten, klaren Nächten kantige Kristalle an der Schneeoberfläche bilden, die dann von Neu- oder Triebschnee überlagert werden (Mehr zum Thema Altschneeprobleme unter www.bergundsteigen.com).

Voraussetzungen für einen Schneebrett-Abgang sind eine Hangneigung über 30 Grad (steilste Stelle), eine gebundene Schicht (etwa windverfrachteter Schnee) und eine Schwachschicht, die durch einen Initialbruch ausgelöst werden kann. Illustration: Georg Sojer

In der Lawinenkunde werden mehrere Lawinenarten unterschieden. Altschneeprobleme führen immer zu sogenannten Schneebrettlawinen, der gefährlichsten Lawinenart für Skifahrer*innen. Ob sich eine solche Lawine löst, ist davon abhängig, ob ein „Brett“ aus gebundenem Schnee auf einer ausgeprägten Schwachschicht liegt und der Hang über 30 Grad steil ist. Meistens führt ein Bruch, zum Beispiel durch eine*n Skifahrer*in, zum Abgang eines Schneebretts. Doch ein Bruch kann auch spontan von selbst, also ohne eine solche Zusatzbelastung, entstehen. Dies war in diesem Winter häufiger der Fall.