Sonntagmorgen, Valentinstag: Während graue Wolken über den Gipfeln hingen und manche Windböe den Schnee über die Hänge trieb, waren mehr als 100 Engagierte in den Bayerischen Alpen und im Bayerischen Wald unterwegs – mit einem klaren Ziel: Aufklären, sensibilisieren, ins Gespräch kommen. Beim 11. Aktionstag „Natürlich auf Tour“ informierten Gebietsbetreuende und Ehrenamtliche der DAV-Sektionen und die Bergwacht Skitourengeher*innen, Schneeschuhwandernde und Winterspaziergänger*innen darüber, wie sich Natur und Wintersport besser vereinbaren lassen.
Perspektivwechsel
Zur Sensibilisierung ein einfacher Perspektivwechsel: Wie fühlt es sich für Wildtiere wohl an, wenn Menschen „nur kurz“ durch ihre Rückzugsräume ziehen? Vielleicht wie für uns, wenn wir gerade gemütlich beim Sonntagsfrühstück sitzen, plötzlich jemand Unbekannter die Tür aufreißt und am Esstisch vorbei durch den Raum stürmt.
Was absurd klingt, ist für Wildtiere im Winter Realität: Wenn Wintersportler*innen Schutzgebiete betreten, bedeutet das für viele Arten akuten Stress. Die Tiere verharren länger in Deckung und nehmen weniger Nahrung auf oder flüchten panisch. So kostet jede Störung wertvolle Energie – Energie, die im Winter überlebenswichtig ist.
Hintergrundwissen vermitteln
Deshalb gelten für die Wald-Wild-Schongebiete seit 2024 feste Schutzzeiträume: vom 15. Dezember bis 30. April. Auch bei geringer Schneelage sollen diese sensiblen Bereiche gemieden werden. „Vor allem die vom Aussterben bedrohten Raufußhühner, wie das Birkhuhn, geraten auch bei wenig Schnee in Überlebensnot, weil sie keine schützenden Schneehöhlen finden“, erklärt Simon Eisele, Naturschutzexperte beim DAV.
„Natürlich geht es uns um den Schutz der Tiere“, betont Eisele. „Aber eben auch darum, Bergsport weiterhin zu ermöglichen. Wo freiwillige Rücksichtnahme funktioniert, braucht es keine Verbote. Ich wünsche mir, dass wir uns möglichst viel Vernunft und freiwilligen Verzicht bewahren – und dadurch möglichst wenige Betretungsverbote nötig sind.“
Unterwegs für die Natur
An beliebten Aufstiegen standen an Informationsständen am Aktionstag Freiwillige bereit, um Fragen zu beantworten, Kartenmaterial zu zeigen und Tipps zur naturverträglichen Tourenplanung zu geben. Und wer sich aktiv beteiligte, konnte sich über kleine Gewinne freuen: Unter anderem wurden erstmals Tourenführer mit dem Gütesiegel „Natürlich auf Tour“ verlost. Dazu gab es mancherorts heißen Kaffee, Tee und kalorienreiche Snacks – eine kleine Stärkung bei ungemütlichem Wetter.
Witterungsbedingt war insgesamt weniger los in den Bergen und an den Ständen als in den Vorjahren. Im Karwendel, im Chiemgau und am Arber musste der Aktionstag gleich ganz verschoben werden.
Einfach „Danke!“
Wer solche naturverträglichen Routen wählt, beweist Verantwortung auf dem Berg. Beim 11. Aktionstag war daher einmal mehr der Dank an alle zu hören, die im Sinne des "Natürlich auf Tour"-Gedankens eigenverantwortlich Rücksicht nehmen und die Wald-Wild-Schongebiete respektieren. So helfen wir gemeinsam, dass Wildtiere gut durch den Winter kommen – und Bergsport auch in Zukunft naturverträglich möglich bleibt.
Weitere Informationen
Der Aktionstag ist Bestandteil eines Programms, das Natur- und Bergsportinteressen seit drei Jahrzehnten miteinander verbindet: In rund 180 Exkursionen wurden bisher Lösungen erarbeitet, wie Touren naturverträglicher gestaltet werden können. Heute umfasst das Konzept rund 500 empfohlene naturverträgliche Skitouren, 250 Schneeschuhrouten und 350 ausgewiesene Wald-Wild-Schongebiete.
Während Routenempfehlungen vor Ort bereits seit Längerem deutlich gekennzeichnet sind, hält das Konzept zunehmend auch in Tourenliteratur Einzug: ist sie im Sinne dieser Standards angelegt – etwa mit Hinweisen zu öffentlicher Anreise, Schutzgebieten und Hintergrundinformationen zu Wildtieren im Winter – bekommt sie vom DAV das Gütesiegel „Natürlich auf Tour“. Für alle, die aktiv im Winter in den Bergen unterwegs sind, ist es so einmal mehr einfach, sich umfassend zu informierend.