Mehrere Personen verbrennen Schnittgut von einer Schwendaktion am Berg.
Schwenden am Geigelstein: gemeinsamer Einsatz vor großartiger Kulisse. Foto: Andrea Kohl
Gemeinsame Schwendaktion am Geigelstein

Starker Einsatz für den Blumenberg

Mit Motorsäge, Astschere und viel Muskelkraft für den Erhalt der Almflächen: Bei einer gemeinsamen Schwendaktion der Bergbauern Wast Pertl und Sebastian Steinbeißer mit dem Arbeitskreis Bergsteigerdorf Sachrang und dem Deutschen Alpenverein packten im September viele Freiwillige am Geigelstein kräftig mit an.

Text von Andrea Kohl, Arbeitskreis Bergsteigerdorf Sachrang

Der Geigelstein gilt als „Blumenberg des Chiemgaus“ – und das kommt nicht von ungefähr. Auf seinen weitläufigen Almflächen wachsen Enziane, Orchideen und Arnika, während Murmeltiere, Steinadler, Auer- und Birkhühner sowie zahlreiche seltene Schmetterlingsarten hier einen wertvollen Lebensraum finden. Was viele nicht wissen: die Almen sind keine Naturlandschaft, sondern wurden von Menschenhand geschaffen. Sie sind eine Kulturlandschaft, entstanden durch die Almwirtschaft – das über Jahrhunderte lange Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur. Hier konnte sich eine einzigartige und schützenswerte Artenvielfalt entwickeln. Damit diese besondere Landschaft erhalten bleibt, müssen die Almflächen bewirtschaftet und regelmäßig gepflegt werden.

Eine wichtige Aufgabe dabei ist das sogenannte Schwenden. Dabei werden aufkommende Nadel- und Laubbäume, Latschenkiefern, Farne und Sträucher zurückgeschnitten oder entfernt. Denn werden Almflächen nicht ausreichend beweidet und gepflegt, breiten sich Gehölze und Büsche immer weiter aus. Die offenen Weideflächen würden dadurch nach und nach verschwinden – und mit ihnen der Lebensraum vieler typischer Pflanzen und Tiere.

Generationenübergreifende Teamarbeit

Am 12. September hieß es deshalb oberhalb der Oberkaseralm: Ärmel hochkrempeln, Handschuhe anziehen und anpacken. Unter der Leitung von Biobauer Wast Pertl und Almbauer Sebastian Steinbeißer machten sich 15 Freiwillige an die Arbeit, mit dabei auch fünf hochmotivierte Helfer des Deutschen Alpenvereins. Gemeinsam ging es an den steilen Hang unterhalb des Geigelstein-Gipfels. Vier Stunden lang wurde bei Sonnenschein und leichtem Wind kräftig gearbeitet. Die abgeschnittenen Zweige wurden in bester Teamarbeit zu den Feuern weitergereicht, wo sie verbrannt wurden. Dadurch wird verhindert, dass sich das Schnittgut über die Weidefläche verteilt. Dass unterschiedliche Generationen zusammenkamen, machte den Einsatz besonders schön: Die Teilnehmenden waren zwischen zehn und über 70 Jahre alt. Alle leisteten ihren Beitrag – und schnell wurde deutlich, dass bei einer solchen Gemeinschaftsaktion viele Hände tatsächlich viel bewegen können.

Der Bewirtschafter der Oberkaseralm, Sebastian Steinbeißer, zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Einsatz der hochmotivierten Gruppe. Nach einem halben Tag am steilen Hang war die Freude über eine wohlverdiente Pause entsprechend groß. Bei einer reichhaltigen Brotzeit und Getränken auf der Oberkaser Alm und vielen Gesprächen über Fragen zu Almwirtschaft und Naturschutz klang der gemeinsame Arbeitseinsatz gemütlich aus.

Als Erst-Schwenderin hab ich gemerkt: Die Latschen und Wurzelstöcke geben sich nicht kampflos geschlagen. Aber der Einsatz am Hang, das Miteinander in der Gruppe und am Ende die Brotzeit mit Blick auf den Geigelstein lohnt jede Anstrengung. Man merkt sofort, warum diese Flächen so besonders sind – und dass es sich lohnt, dafür mit anzupacken. Mein Dank geht an Wast, Sebastian und das ganze Team, dass ich bei dieser Erfahrung dabei sein durfte.
- Constanze Daamen, freiwillige Helferin bei der Schwendaktion

Anpacken für die Artenvielfalt

Die Aktion steht beispielhaft für ein zentrales Anliegen der deutschen Bergsteigerdörfer Kreuth, Ramsau, Schleching und Sachrang: der Erhalt der traditionellen Almwirtschaft und damit der gewachsenen alpinen Kulturlandschaft mit ihrem einzigartigen Artenreichtum. Extensive Beweidung und regelmäßiges Schwenden sind nicht nur für die Almwirtschaft wichtig, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.

Gleichzeitig wird bei solchen gemeinsamen Arbeitseinsätzen deutlich, dass die besondere Kulturlandschaft im Naturschutzgebiet Geigelstein keine Selbstverständlichkeit ist. Ihr Erhalt braucht auch heute engagierte Menschen, die mit anpacken. Für die Teilnehmer dürfte deshalb neben müden Armen und Beinen vor allem eines geblieben sein: das gute Gefühl, gemeinsam etwas für den „Blumenberg des Chiemgaus“ getan zu haben. Beim nächsten Einsatz wollen alle wieder mit dabei sein!

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