Der Öffi-Netzplan von Michael Vitzthum ist das Ergebnis jahrelanger Recherche und Expertise. Wer die Karte privat oder für die Sektionsarbeit verwenden möchte, schreibt eine Mail an dav-panorama@alpenverein.de, wir stellen dann den Kontakt her. Feedback und Infos zu neuen Linien oder Angeboten sind immer willkommen.
Gute Nachrichten für sanften Bergsport: Das Liniennetz der öffentlichen Verkehrsmittel wächst immer weiter und damit wird auch der Netzplan größer und detailreicher, jedes Jahr kommen neue Linien hinzu. Das dichte Angebot von Bahnen & Bussen erstreckt sich vom Salzburger Land über Bayern und Tirol bis ins Engadin, jenseits des Alpenhauptkamms von Osttirol bis ins Trentino. Also genau die Regionen, in denen wir gerne und häufig unterwegs sind. Mit unserer Mobilität haben wir gleichzeitig auch einen mächtigen Hebel in der Hand, denn bei der An- und Abreise zu unseren Touren entstehen die mit Abstand meisten Emissionen. Je öfter wir das Auto stehen lassen, desto größer ist die positive Wirkung, die wir dadurch entfalten. Mehr Klimaschutz, Gelassenheit und Rücksichtnahme, weniger Verkehrsdruck, Stress und Egoismus – davon profitieren wir alle und besonders unsere geliebten Berge. Wir können mit jeder Tour sofort damit beginnen, es war noch nie so einfach wie jetzt.
Mit jeder Öffi-Tour mindern wir den Verkehrsdruck, nehmen Rücksicht auf die lokale Bevölkerung und halten unseren Fußabdruck klein. Eine viel sanftere Art des Unterwegsseins wird so möglich. Anreise, Tour und Heimfahrt fügen sich zu einem ganzheitlichen Erlebnis zusammen, den Klimaschutz nehmen wir automatisch mit.
Machen wir uns doch gleichzeitig auch noch einen der schönsten Vorteile zunutze, den die Öffis bieten: Wir gehen gehen mit ihnen auf "Bergsafari". Dann nehmen wir uns die große Freiheit, nicht zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen, sondern einfach an einer anderen Haltestelle wieder einzusteigen. Egal, ob wir eine Tagestour machen oder länger unterwegs sind – völlig andere Erlebnisse im Gebirge werden möglich. Wir sind weit weg von den immer gleichen Routen, überfüllten Parkplätzen und genervten Anwohner*innen. Allein die Fülle der Verbindungen eröffnet so viele neue und unbekannte Tourenmöglichkeiten, ein Bergsommer reicht gar nicht aus, um alles zu erkunden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Die Tour beginnt schon daheim, wir starten mit fertig gepackter Ausrüstung direkt an der Haustür. Am Bahnhof treffen wir unsere Mitreisenden und dann geht es gemeinsam los ins Gebirge. Die Fahrzeit wird gut genützt, wir frühstücken, besprechen Tourendetails oder lassen einfach nur die Landschaft am Fenster vorbeiziehen. Wenn sich die Türen an der Haltestelle öffnen, laufen wir einfach los. Die Neugier ist groß, wo wir am Ende wieder einsteigen werden. Auf der Rückfahrt können wir entspannt die müden Füße ausstrecken und das gemeinsam Erlebte nochmal Revue passieren lassen. Wir werden alle sicher nach Hause chauffiert, niemand muss sich müde hinters Steuer in den Stau auf der Heimreise klemmen. Was für ein Luxus.
Wir spüren keinen Verzicht, sondern im Gegenteil eine Bereicherung. Viele neue Touren abseits der immer gleichen Routen werden möglich, weil wir nicht mehr zum Parkplatz zurück müssen. In dieser Freiheit liegt einer der unschlagbaren Vorteile der Öffis.
Grenzenlos unterwegs mit dem Bus
MVV Bergbus: Der MVV betreibt inzwischen dauerhaft beide Bergbuslinien, die der Alpenverein einst als Pilotprojekt erfolgreich gestartet hat. Eine Route führt in die Ammergauer und Allgäuer Alpen bis nach Pfronten und zur Wieskirche, die andere Richtung Mangfallgebirge und schließt die Lücke zwischen Bayrischzell und Thiersee in Tirol. Vom Spitzingsee fährt die MVV Linie 365 bis zur Johannesbrücke in der Valepp. Der Bus verkehrt in den Sommermonaten bis einschließlich 1. November stündlich am Wochenende und an Feiertagen. Damit sind auch abgelegene Bergziele wie z.B. der Schinder oder das Hintere Sonnwendjoch mit Öffis gut erreichbar.
Bergbus Eng: Diese Linie ins Karwendel ist inzwischen schon ein Klassiker und startet mit einem extra auf den Zug abgestimmten Fahrplan ab Bahnhof Lenggries. Besonders erfreulich: MVV-Tickets, Bayernticket und Deutschlandticket gelten bis zur Endhaltestelle Alpengasthof Eng in Tirol.
Alpenbus: Im großen MVV-Tarifgebiet, das sich entlang des Alpenrands von Kufstein bis Garmisch-Partenkirchen erstreckt, fährt der "Alpenbus", eine Expresslinie quer zu den Bergen. Sie verbindet Rosenheim mit Murnau ganzjährig im Stundentakt, werktags und am Wochenende. Viele attraktive Tourenmöglichkeiten werden damit entlang der Route zusätzlich erschlossen, ein Umweg über München ist nicht mehr nötig. Das spart Zeit und Geld. Auch als Zubringer zu einem der Bahnhöfe der Bayerischen Oberlandbahn nach Bayrischzell, Tegernsee oder Lenggries lohnt sich der Bus, die Fahrpläne sind aufeinander abgestimmt.
Wanderbus: Neben dem regulären Taktverkehr gibt es ergänzende Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Bergsportler*innen zugeschnitten sind. Der Regionalverkehr Oberbayern betreibt eine Reihe interessanter Freizeitbusse. Ebenfalls ist am Samerberg und in Reit im Winkl in den Chiemgauer Alpen ein Wanderbus unterwegs. Im Berchtesgadener Land der "Alm-Erlebnis-Bus" in den Nationalpark sowie die "Kehlsteinlinie". Teilweise sind extra Tickets nötig.
Sektionsbus: Die DAV-Sektionen in Kempten und Rosenheim bieten eigene Bergbus-Touren mit wechselnden Zielen ab den jeweiligen Stadtbahnhöfen an. Eine Anmeldung ist erforderlich, alle Infos zum Angebot und zur Buchung stehen auf der Website der Sektion.
Expressbus: Ab 2027 wird es eine schnelle und gut getaktete Expressbuslinie zwischen den Bahnhöfen Tegernsee und Jenbach geben, die Planungen laufen. Damit wird die Grenzregion rund um den Achensee endlich wieder optimal ans Öffinetz angeschlossen und viele neue Bergsafaris werden möglich.
Öffifahren wird belohnt: Freie Nacht fürs Klima
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Freie Nacht fürs Klima
Mit der Bahn klimafreundlich anreisen und dafür eine freie Übernachtung in einer DAV-Hütte abstauben: Ab 1. Mai können die "Freie Nacht fürs Klima"-Gutscheine eingelöst werden.
Mobil und kostenlos vor Ort
In vielen Bergregionen betreiben die Gemeinden zusätzlich eigene Dorf- und Wanderbuslinien sowie Ruftaxis, das Angebot wächst stetig. Ein Blick auf die Websites der Tourismusbüros gibt Auskunft über die jeweiligen Mobilitätsangebote von Ort. Oft gibt es ab einer Übernachtung schon eine Gästekarte, mit der man kostenlos in der Umgebung mit den Öffis fahren kann. Sogar für die Anreise kann dieses Angebot genützt werden und wird digital zugeschickt. Bei der Buchung einer Unterkunft unbedingt nachfragen.
Gemeinsam günstig unterwegs
Mit Öffis unterwegs zu sein ist preiswert, es gibt keine Parkplatz- und Mautgebühren. In der Gruppe lohnt es sich ganz besonders, je mehr Leute zusammen reisen, desto günstiger wird es für alle. Im MVV-Tarifgebiet gelten die besonders attraktiven Tagestickets für Einzelreisende und Gruppen. Damit lassen sich aktuell zwischen Kufstein und Garmisch sehr viele Tourenziele mit einem einheitlichen Tarif erreichen. Außerdem gibt es verschiedene MVV-Bonusangebote für Bergbahnen.
Für einzelne Fahrten über das MVV-Tarifgebiet hinaus, z.B. ins Allgäu oder nach Berchtesgaden bieten sich das Bayernticket oder spezielle Regiotickets an. Allerdings gelten hier teilweise werktägliche Zeitbeschränkungen. Das Deutschlandticket ist das flexibelste Angebot, es gilt fast uneingeschränkt auf allen regionalen Bahn- & Buslinien und rentiert sich schon bei wenigen Ausflügen im Monat. Es ist außerdem auf der Strecke der Außerfernbahn zwischen Garmisch und Pfronten (außer im Tiroler Binnenverkehr), sowie bis Salzburg und Kufstein gültig.
Wer nach Österreich und Italien reist, findet hier ähnliche Angebote im Regionalverkehr mit Tages- und Gruppentickets (VVT Tagesticket, ÖBB Einfach-Raus-Ticket), sogar grenzüberschreitend zwischen Tirol, Südtirol und Trentino (Euregio2plus Ticket). Wer häufiger in Österreich unterwegs ist, kann sich auch die recht günstige VorteilsCard der ÖBB zulegen, damit spart man auf den Normalpreis der Bahntickets 50 Prozent und kann alle Züge nützen.
Für längere Distanzen in die Alpenländer Österreich, Italien, Schweiz und Frankreich, sind die Europa Sparpreis Tickets der DB eine gute Wahl mit recht kulanten Stornoregelungen. Je früher man bucht, desto günstiger reist man. Auch hier gibt es spezielle Gruppenangebote.
So klappt's mit den Öffis
Apps erleichtern die Planung, nahezu alle Tickets lassen sich über einen jeweiligen Account online buchen. Die Verbindungsvorschläge mehrerer Apps vergleichen.
Wer zum ersten Mal eine Bergtour oder Bergsafari mit den Öffis unternimmt, wählt am besten eine Tour von Bahnhof zu Bahnhof und testet, ob es gut klappt. Bei weiteren, anspruchsvolleren Touren kann man dann Umsteigeverbindungen mit Busanschlüssen raussuchen. Bei Durchquerungen und Überschreitungen immer auch mal die Gegenrichtung checken, wenn es geländetechnisch möglich ist. Manchmal sind dann die Fahrzeiten & Anschlüsse besser.
Tarifoptionen für Einzelpersonen und Gruppen vergleichen (Verkehrsverbünde, Deutschlandticket, Ländertickets, etc.). Generell gilt: Je mehr Personen zusammen mit einem gemeinsamen Ticket reisen, desto günstiger. Fahrpreise vergleichen lohnt sich: Bei grenzüberschreitenden Reisen können jeweilige Inland-Tickets manchmal günstiger sein als eine durchgehende Fahrkarte. Bei langen Distanzen im Fernverkehr gibt es Sparpreise bei DB, ÖBB, Trenitalia, Trainline etc.
Zeitpuffer einplanen, vor allem zum Umsteigen und bei der letzten Fahrt des Tages. Verspätungs- und Störungscheck über die App vor dem Aufbruch und auch unterwegs. Besonders bei längeren Bergsafaris gilt: Umkehren ist immer eine Option.
Leichtes, handliches Gepäck bevorzugen. Nur so viel Material mitnehmen, wie man unbedingt braucht, inklusive der nötigen Sicherheitsausrüstung. Ein leichter Rucksack macht die Tour wesentlich entspannter. Bei gleichem Start- und Endpunkt kann ein Depot sinnvoll sein. Infos zu Schließfächern findet man unter bahnhof.de.
Die Zeit im Zug lässt sich gut für Detailplanung und Lagecheck der geplanten Tour nutzen. Längere Warte- und Umsteigezeiten eignen sich ideal für Einkehr und Einkauf.
Bei Verspätungen oder Fahrplanänderungen gelassen bleiben. Flexibel sein für mögliche Ausweichtouren.
Die wichtigsten Apps zum Abfahren
Touren mit Öffis brauchen mehr Planung, aber mit den richtigen Apps klappt es wunderbar. Eine kleine Auswahl:
DB Navigator
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Deutschland und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Fahrrad Fernverkehr national)München Navigator
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt München, Buchung von regionalen Online-Tickets und Fahrradtageskarten (MVV & Bayern)MVGO
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt MVV. Onlinebuchung (Bahn, Bus, Fahrrad, regionale Mobilitätsdienste)AVV Augsburg Mobil
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Augsburg. Kauf von regionalen Online- und Fahrradtickets, sowie vom BayernticketTrainline
Bahn- und Busverbindungen international, Buchung von Online-TicketsMoby
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Bayern, Download von NetzplänenÖBB
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Österreich und international, Buchung von Online-Tickets (Bahn, Bus, Fahrradkarten national & international)Salzburg Verkehr-App
Fahrplanverbindungen Österreichweit, Kauf von regionalen FahrkartenSBB
Fahrplanverbindungen mit Schwerpunkt Schweiz, nationale Online-Tickets (Bahn, Bus, Fahrrad)Südtirolmobil
Bus- und Bahnverbindungen in Südtirol. Einsicht in Ticketpreise. Entwerten von Fahrten mit dem Südtirol- und Euregio Family PassVVT Smart Ride
Bahn- und Busverbindungen mit Schwerpunkt Tirol, sehr detaillierte Kartenansicht mit allen Haltestellenalpenvereinaktiv.com
Tourenplanung im gesamten Alpenraum. App für Android und iOS