Was ist das Besondere an Leichtbergstiefeln?
Wanderschuhe und Bergstiefel lassen sich mit Blick auf ihren Einsatzbereich in verschiedene Kategorien (A bis D) einordnen. Kategorie A beispielsweise umfasst Modelle, die eine weiche Sohle und einen niedrigen Schaft haben. Sie bieten Komfort auf einfachen Wanderwegen. Am anderen Ende der Skala steht Kategorie D. Hierzu gehören Exemplare mit steifer Sohle und hohem, stabilem Schaft für schwierige Westalpentouren oder Expeditionen. Bei der Einführung der Kategorien in den 1970er Jahren gab es noch keine modernen Leichtbergstiefel. Ihre Einordnung fällt schwer, denn sie bilden einen Kompromiss aus Stabilität und Agilität. Abgesehen von ihrem geringen Gewicht sind folgende Merkmale typisch:
weicher, mittelhoher Schaft für mehr Beweglichkeit
bedingt steigeisenfest für halbautomatische Steigeisen (vorne Körbchen, hinten Kipphebel)
im Vorfuß gebogene Sohle für gutes Abrollverhalten beim Gehen
Das können Leichtbergstiefel (nicht)!
Trotz steifer Sohle ermöglichen Leichtbergstiefel ein weiches und flexibles Laufgefühl. Sie eignen sich für Touren abseits befestigter Wege, für Gletscherbegehungen und für anspruchsvolles Felsgelände bis zum IV. Schwierigkeitsgrad (UIAA). Ob Weissmies-Überschreitung im Juli, ob Detmolder Klettersteig im August, ob Großvenediger Normalweg im September oder Jubiläumsgrat im Oktober, die Schuhe tun ihren Dienst. Sobald man aber mit einem sehr schweren Rucksack unterwegs ist, wird es problematisch. Hier geben Leichtbergstiefel wegen ihrer Beweglichkeit im Schaft nur wenig Unterstützung. Bei langen Wanderungen im Sommer auf befestigten Wegen sind Leichtbergstiefel ebenfalls fehl am Platz: zu wenig Komfort! Auch fürs Eisklettern oder schwere kombinierte Touren in Fels und Eis sind sie nicht besonders gut geeignet. Die erforderlichen Steigeisen mit Zehenbügel lassen sich nicht ordentlich montieren. Außerdem wirkt sich hier die für angenehmes Gehen konzipierte Sohlenkrümmung negativ aus.
Dafür eignen sich Leichtbergstiefel:
Touren mit vereisten Abschnitten
Touren im weglosen Gelände
Touren mit hauptsächlich flachen Gletscherpassagen
Felstouren mit Stellen bis zum IV. Grad (UIAA), z.B. Blockgelände, Grate
Touren mit leichtem Rucksack
Touren bei gemäßigten Temperaturen
Klettersteige
Dafür eignen sich Leichtbergstiefel weniger:
Eisklettern
Lange Wandertouren auf gut befestigten Wegen im Sommer
Touren mit langen Passagen im steilen Kombigelände (Fels + Eis)
Felstouren im V. Grad und schwerer
Touren mit schwerem Rucksack
Touren bei äußerst kalten Bedingungen
Expeditionen
Wie finde ich einen passenden Leichtbergstiefel?
Für die Passform entscheidend ist der Leisten – also das dreidimensionale Modell des Fußes, auf das der Schuh zugeschnitten wird. Der Leisten bestimmt nicht nur die Breite eines Schuhs, sondern auch den Platz für den Rist nach oben. Jeder Hersteller verwendet eigene Leisten, die sich von Modell zu Modell unterscheiden können. Um eine ausgiebige Anprobe kommt man daher nicht herum. Leichtbergstiefel dürfen nirgends drücken und sollten dennoch fest sitzen. Anders als bei Wanderschuhen wählt man nicht einfach eine ganze Nummer größer. Denn beim Klettern vermindert zu viel Platz im Zehenbereich die notwendige Sensibilität. Ein guter Zeitpunkt für den Schuhkauf ist der Nachmittag oder Abend. Im Laufe des Tages werden die Füße nämlich etwas größer. Bei der Anprobe sollte man mindestens zehn bis fünfzehn Minuten mit den Schuhen am Fuß herumlaufen. Nur dann kann man beurteilen, ob die Schuhe wirklich optimal passen.
Je nach Ausstattung kosten Leichtbergstiefel ca. zwischen 240 und 520 Euro.
Wie pflegt man Leichtbergstiefel?
Reinigen:
Nach der Tour Schmutz, Sand und Steine schnellstmöglich entfernen. Eine grobe Bürste kann dabei helfen.
Später Einlegesohlen und Schnürsenkel entfernen. Separat waschen.
Leichtbergstiefel mit viel lauwarmem Wasser auswaschen. Gerade für die Innenseite empfiehlt sich die Verwendung einer milden Waschlösung.
Trocknen lassen, dabei mit Zeitungspapier ausstopfen. Zeitungspapier wechseln, wenn es sich vollgesaugt hat. Große Hitze meiden!
Imprägnieren:
Imprägnierspray in zwei bis drei dünnen Schichten aus ca. zwanzig Zentimeter Entfernung aufsprühen.
Am besten über Nacht einwirken lassen. Viele Hersteller setzen mittlerweile auf Imprägnierungen ohne umwelt- und gesundheitsschädliche PFAS (PFC).