Frau in roter Regenjacke, mit Rucksack und Handschuhen lächelt in die Kamera. Sie hält mit beiden Händen die über den Kopf gezogene Kapuze fest in einer Gebirgslandschaft mit Fluss.
Gut Lachen haben auch im schlechten Wetter – ganz ohne PFAS. Foto: AdobeStock/Maridav
Bis in alle Ewigkeit dicht?

High Performance ohne PFAS – Ein Guide

PFAS – lange gewissermaßen das Wundermittel für Regenjacken, die in Sturm, Schnee und Dauerregen zuverlässig dichthalten. Doch während sich ganze Generationen bei schlechtem Wetter darüber freuten trocken zu bleiben, messen Umweltbehörden seit Jahren weltweit steigende Konzentrationen von PFAS im Grundwasser, in Flüssen und selbst im Regen. Ein Problem, denn von der als Ewigkeitschemikalien bekannten Substanzgruppe gehen gesundheitliche Risiken aus. Einzelne Hersteller arbeiten daher seit Jahren an besseren Lösungen, wie ein Interview mit Vaude zeigt. Jetzt kommt ein weitreichendes europaweites Aus für die Ewigkeitschemikalien.

Einfach ein Traum: Während der Wind um die Felsen fegt und der Regen auf den Boden trommelt, hält dich deine Hardshell-Jacke von außen absolut trocken; gleichzeitig entweicht der Schweiß, denn das gute Teil ist atmungsaktiv. – Jahrzehntelang war dies gleichermaßen das Geheimnis und das Versprechen von PFAS; die sogenannten Ewigkeitschemikalien katapultierten Outdoor-Ausrüstung in die High-Performance-Liga.

Doch die synthetischen Helden haben eine Schattenseite: Sie zerfallen nicht, reichern sich stattdessen in Seen, Böden und in Organismen an. Wissenschaftliche Untersuchungen legen immer wieder nah: Von PFAS gehen gesundheitliche Risiken wie Krebs und Schilddrüsenerkrankungen aus, auch Leberschäden und Fruchtbarkeitsprobleme werden mit den Chemikalien in Verbindung gebracht. – Einfach ein Albtraum!

PFAS sind längst überall – sie reichern sich in Böden und Wasser an, über die Nahrung nimmt der Mensch die Ewigkeitschemikalien auf. Foto: AdobeStock/Francesco Scatena

Heute ist klar: Ausrüstung soll performen, aber nachhaltig. Das nötige Hintergrundwissen liefert dieser Guide: Warum rockten PFAS? Wo lauern die wahren Fallen? Sollte die alte Regenjacke in den Müll? Wie krempeln PFAS-freie Alternativen inzwischen die Branche um?

Die große Erfolgsgeschichte: PFAS als Wundermittel der Outdoor-Branche

PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (früher oft PFC genannt, eine weniger umfassende Bezeichnung). Es handelt sich um eine Familie von etwa 10.000 Chemikalien, deren Moleküle durch Kohlenstoff-Fluor-Bindungen stabilisiert sind. Entdeckt in den 1930er-Jahren, industriell genutzt ab den 1940ern (zum Beispiel Teflon 1938), traten sie ab den 1970ern einen wahren Siegeszug in der Textilbranche an. Ihre herausragenden Eigenschaften: sie sind extrem wasser-, öl-, fett- und schmutzabweisend; außerdem sind sie sehr hitzebeständig, reaktionsträge und reibungsarm. Gerade in Kombination finden sich diese Eigenschaften bei traditionellen Materialien nicht. Klar, dass jeder Hersteller von Rang und Namen auf PFAS setzte.

Zu den wichtigsten PFAS-Anwendungen in Outdoor-Produkten zählen:

  • DWR-Imprägnierungen (Durable Water Repellent und also dauerhaft wasserabweisend): Dabei lässt ein unsichtbarer Film auf der Außenschicht (beispielsweise Nylon oder Polyester) Wasser zu Perlen kondensieren und abrollen. Ob Schlamm von der Wanderung oder Schneematsch an den Schuhen – während ansonsten Feuchtigkeit durch Kapillaren ins Gewebe eindringt, gleitet mit DWR-Impgrägnierung alles problemlos ab.

  • Wasserdichte Membranen: PTFE (zum Beispiel Gore-Tex Classic) werden als Laminate in Hardshells eingesetzt: Mikroporen (mit einer Größe von 3 Mikrometer) blocken Wassertropfen (100+ Mikrometer) ab, gleichzeitig lassen sie Dampf durch.

  • Weiteres: Neben Schuhen und Kleidung sind auch Zeltböden, Skifelle, Handschuhe oder Rucksack-Regenhüllen PFAS-haltig, selbst Kleber und Nähte profitierten von den Substanzen.​

Praktisch alle älteren Skiwachse beinhalten PFAS. Sie sollten daher nicht aufgebraucht, sondern restlos entsorgt werden. Foto: AdobeStock/rodimovpavel

Ziemlich jeder namhafte Hersteller schwor jahrzehntelang auf die exzellenten Eigenschaften und mit ihnen all jene, die die Produkte in der Freizeit und immer stärker auch im Alltag nutzten: Funktionskleidung und Schuhe, ebenso wie viele kleine und große Outdoorhelferlein – alles wurde langlebiger und pflegeleichter, immer neue Superlative zu Wassersäulen & Co lösten einander ab.

Eine Jacke überstand dann auch ohne Weiteres 50 Wäschen und weit mehr, performte bei Arktis-Touren. Der Preis? Unsichtbar – bis die Umweltbilanz auffiel.

Das wahre Drama: Warum PFAS zur Zeitbombe werden

PFAS sind persistente Schadstoffe, sie bauen sich also extrem langsam ab. Die Halbwertszeit liegt im besten Fall bei mehreren Jahrzehnten, oft dauert die Auflösung sogar Jahrhunderte bis hin zu eintausend Jahren. Weil die chemischen Verbindungen so stabil sind, reichern sie sich in der Nahrungskette an: vom Grundwasser bis in die Muttermilch. Erste deutliche Warnsignale gab in den späten 1990ern, 2001 gab es einen riesigen Skandal, weil das amerikanische Unternehmen DuPont mehrere Jahrzehnte Studienergebnisse geheim gehalten hatte, die zeigten, dass die Chemikalie PFOA, die bei der Herstellung von Teflon verwendet wird, bei Ratten Tumore verursacht; frühzeitig stand die Chemikalie außerdem im Verdacht, Leberzirrhose, Schilddrüsenstörungen, Immunsuppression und Unfruchtbarkeit bei Menschen zu begünstigen.

Die Revolution hat längst begonnen: High-Performance-Produkte ohne PFAS

Moderne Membranen, die ohne PFAS auskommen, tragen heute Namen wie Gore ePE, Ceplex Active, Sympatex, FutureLight, PolarTex Neo oder Dermizax. Die Produktversprechen sind dabei vielseitig: ist die eine besonders robust, ist die andere ein wahres Leichtgewicht, punktet die eine durch ihr hervorragendes Stretch-Verhalten, ist die andere besonders atmungsaktiv.

Waren es zunächst eher Puristen, die Outdoor-Produkte mit PFAS vermieden, gab es zuletzt immer mehr Hersteller, die Materialien ohne PFAS einsetzten. Einige von ihnen arbeiten seit Jahren an der Erforschung und Entwicklung von Produkten, bei denen alle schädlichen Substanzen aus dem Herstellungsprozess verbannt werden – aus Überzeugung und ohne gesetzliche Vorschriften. (Wie komplex dieses Umstellen auf Alternativen mitunter war, lässt weiter unten der Einblick bei Vaude erahnen, einer der Pioniere und offizieller, langjähriger DAV-Ausrüstungspartner.)  

2025 markierte in der EU den endgültigen offiziellen PFAS-Wendepunkt, denn Regularien wurden verabschiedet, die ab 2026 PFAS schrittweise aus immer mehr Waren gesetzlich verbannt. Zu den ersten betroffenen Produkten gehören auch Outdoor-Artikel wie Regenjacken.  

Hochfunktionale, zuverlässige Alternativen zu PFAS-belasteten Outdoor-Membranen sind heute bestens erprobt. Foto: AdobeStock/Ondra Vacek

Ende gut? – Weiter Lösungsturbo gefragt!

Trotz aller aktuellen Bemühungen, Schritt für Schritt PFAS aus Produkten zu beseitigen, werden viele Probleme auch mit den aktuellen Regularien noch nicht gelöst. Im Vergleich zu den bekannteren Industriezweigen läuft beispielsweise oft unter dem Radar, dass immer häufiger auch Obst und Gemüse PFAS-belastet ist, weil die Chemikalien in Pestiziden verwendet werden. Außerdem sind viele der PFAS noch gar nicht abschließend untersucht, so dass keine verlässliche Einschätzung möglich ist.

Weil absehbar ist, dass die Ewigkeitschemikalien vielerorts weiter für massiven Schaden Sorgen werden, haben inzwischen mehr als 100 Organisationen, darunter auch der DAV, ein an die EU-Kommission gerichtetes Manifest unterzeichnet, das unter anderem fordert, schnelle und effiziente Lösungen für auch bereits verschmutzte Böden oder Trinkwasser zu finden.   

Hohe Standards, hoher Aufwand: Aus Trinkwasser angereicherte PFAS sind nur extrem schwierig zu beseitigen. Und auch im klarstem Quellwasser aus den Bergen lassen sich die Ewigkeitschemikalien vermuten, denn sie waren zuletzt weltweit selbst an abgelegenen Orten zu finden. Foto: AdobeStock/grafxart

Mitunter braucht's die volle Montur! Nachhaltig ist, sie weiter zu nutzen, auch wenn Jacke & Co PFAS beinhalten – Soweit derzeit bekannt, gehen vom reinen Hautkontakt keine Gefahren aus. Foto: AdobeStock/Michael

 

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