Hütten schließen wegen Wassermangel, Zustiege zu Gipfeln werden schwieriger oder unmöglich, Gletscher verschwinden. Das alles hat teils drastische Auswirkungen auf die Alpenvereinshütten. – Ein paar Fragen an einen der beiden Autoren des Buchs, Matthias Ballweg, Erster Vorsitzender der Sektion Oberland:
Matthias, was hat euch initial zu dem Buch bewegt, gab es da einen ganz konkreten Anlass?
Anfang letzten Jahres habe ich vielen die Frage gestellt, ob man Hütten nicht in „rot/gelb/grün“ einteilen könnte in Bezug auf das Risiko durch Permafrost, Wassermangel, Gletscherschwund und so andere Kriterien. Die Antwort war meist nur Kopfschütteln und Schulterzucken.
Den Sektionen München und Oberland rutscht ja die Stüdlhütte vom Berg und dem Watzmannhaus geht das Wasser aus. Und ich hätte halt schon gern gewusst, wie das bei anderen Hütten so ist. Aber alle, die ich gefragt habe, konnten mir nur Anekdoten von Einzelhütten nennen. Niemand hatte eine strukturierte Übersicht.
Letztes Jahr im Sommer habe ich mit Bertram Kloss geschnappt, einen guten Freund und langjährig aktiven Ehrenamtler der Sektion (u. a. Delegierter, Winterraumchecker, etc.) und wir haben beschlossen, es selber zu machen und eine Übersicht zu schaffen, die für alle Alpenvereinshütten eine Einschätzung bietet, in Bezug auf das Risiko durch Permafrostschmelze, Wassermangel, und weitere Klimafolgen. Das war letztlich die Keimzelle für das Buch.
Ihr habt mit vielen Wirtsleuten bzw. Sektionen gesprochen: Wie ist die Stimmung, wie groß sind die Sorgen?
Die meisten, mit denen wir uns getroffen haben, haben sich damit schon recht intensiv auseinandergesetzt. Überall, wo schon mal eine Hütte wegen Wassermangel vorzeitig geschlossen hat, oder wo schon ein Riss in der Wand ist, weil sich der Boden bewegt, überlegen die Menschen, wie man damit umgehen kann. Selten mit großem Alarmismus, in der Regel sehr konstruktiv.
Gleichzeitig herrscht oft auch eine gewisse Hilflosigkeit, nicht überall ist klar, wie die Alternative zum aktuellen Betriebsmodell einer Hütte aussehen kann. Und wir haben auch viel Sorglosigkeit gesehen bei denen, die noch keine direkte Erfahrung mit Klimafolgen gemacht haben.
Vereinfacht gesagt: Wo die Quelle noch genug schüttet, dass die Dusche in der Hütte läuft, da können sich die Menschen nur sehr schwer vorstellen, dass sich das mal ändern könnte.
Wie seht ihr die Zukunft für Hütten und Bergsport, gibt es auch Anlass zur Hoffnung?
Klar gibt es Anlass zur Hoffnung. Die Botschaft des Buchs ist ja letztlich eine optimistische: Wenn wir es hinbekommen, als Bergsteigergemeinschaft auf diesen Wandel zu reagieren, dann werden wir weiterhin viel Freude am Berg haben.
Das Hochgebirge wird wieder wilder, eine Ära, die auch im Hochgebirge immer mehr Bequemlichkeit geschaffen hat, wird ihr Ende finden. Es wird nicht so leicht für den Alpenverein damit umzugehen, und über manchen Hüttenstandort werden wir anders nachdenken müssen. Aber darin liegt auch eine riesige Chance. Und wer Naturerfahrung und Selbsterfahrung in den Bergen sucht, wird diese auch weiterhin finden.