ein kleines Hilfsmittel mit großem Nutzen

Der Planzeiger für Alpenvereinskarten

Eine gute Tour beginnt mit einer guten Karte – und dem richtigen Werkzeug. Der DAV-Planzeiger hilft dabei, das Gelände schon vor dem ersten Schritt besser zu verstehen.

Wer regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, weiß: Eine gute Karte ist oft mehr wert als der beste Akku. Auch im Zeitalter von Smartphone und GPS bleiben Kartenkunde und Orientierungsfähigkeiten wichtige Grundlagen für sicheres Bergsteigen. Der Alpenvereins-Planzeiger wurde entwickelt, um genau dabei zu unterstützen. Er vereint mehrere Werkzeuge in einem handlichen Hilfsmittel und hilft sowohl bei der Tourenvorbereitung als auch bei der Orientierung unterwegs.

Doch welche Funktionen bietet der Planzeiger genau – und wann kommen sie in der Praxis zum Einsatz?

1. Maßstabsleisten – Entfernungen richtig einschätzen

Am Rand des Planzeigers befinden sich Maßstabsleisten für die häufig verwendeten Alpenvereinskarten im Maßstab 1:25.000 und 1:50.000. Damit können Entfernungen direkt auf der Karte gemessen werden.

Praktische Anwendung

Angenommen, eine geplante Wanderung führt von einer Hütte über einen Grat zu einem Gipfel. Mit der Maßstabsleiste lässt sich die tatsächliche Streckenlänge zwischen den Punkten bestimmen, indem man den Planzeiger mit der passenden Maßstabsleiste an die Route auf der Karte anlegt.

Dies hilft bei:

  • der Einschätzung der Gehzeit

  • der Planung von Pausen

  • der Berechnung des Tagespensums

  • der Wahl geeigneter Alternativrouten

Gerade bei alpinen Touren können wenige zusätzliche Kilometer mehrere Stunden Gehzeit bedeuten. Die Maßstabsleiste liefert hier eine deutlich genauere Grundlage als bloßes Schätzen.

2. Kartenwinkelmesser – Die richtige Richtung finden

Eine der wichtigsten Funktionen des Planzeigers ist der integrierte Kartenwinkelmesser. Mit ihm können Richtungen auf der Karte bestimmt und anschließend auf einen Kompass übertragen werden.

Wann ist das hilfreich?

Stellen wir uns vor, Nebel zieht auf und die Sicht beträgt nur noch wenige Meter. Der Weg ist kaum erkennbar, doch auf der Karte ist die Richtung zum nächsten Wegpunkt eindeutig eingezeichnet.

Mit dem Kartenwinkelmesser wird auf der Karte:

  1. eine Verbindungslinie mit der Peilschnur zwischen aktuellem Standort und Zielpunkt gezogen,

  2. der Winkel zur Nordrichtung der Karte bestimmt,

  3. dieser Winkel auf den Kompass übertragen,

  4. die Marschrichtung im Gelände verfolgt.

Dadurch kann auch bei schlechter Sicht oder in weglosen Bereichen sicher navigiert werden.

Zusätzlicher Lerneffekt

Der Planzeiger hilft außerdem beim Verständnis der Unterschiede zwischen:

  • geografischem Nord

  • Gitternord

  • Magnetnord

Diese Unterscheidung spielt insbesondere bei der Arbeit mit Karte und Kompass eine wichtige Rolle.

3. Winkel-Planzeiger – Exakte Standortbestimmung mit UTM-Koordinaten

Viele moderne Karten, GPS-Geräte und Rettungsorganisationen arbeiten mit dem UTM-Koordinatensystem. Der Winkel-Planzeiger ermöglicht das präzise Ablesen dieser Koordinaten auf der Karte.

Wann wird das benötigt?

Ein klassisches Beispiel ist ein Notfall:

Eine Person verletzt sich auf einer Skitour. Die Rettungsleitstelle fragt nach den genauen Koordinaten des Standorts.

Mit dem Winkel-Planzeiger wird:

  1. die Spitze des Planzeigers auf den Standort gesetzt,

  2. die waagrechte und senkrechte Skalierung an die Gitterlinien angepasst,

  3. der Abstand zu den nächstgelegenen Gitterlinien abgelesen,

  4. daraus der genaue Hoch- und Rechtswert bestimmt.

Dadurch lässt sich der Standort wesentlich präziser angeben als durch eine bloße Wegbeschreibung.

4. Quadrat-Planzeiger – Schnelle Orientierung im Kartengitter

Der Quadrat-Planzeiger dient ebenfalls der Koordinatenbestimmung, ist aber besonders für das Arbeiten innerhalb eines Kilometerquadrats gedacht. Er wird auf das Kartengitter aufgelegt und erleichtert die genaue Positionierung von Punkten.

Typische Einsatzsituationen

  • Übertragung von GPS-Koordinaten auf die Papierkarte

  • Auffinden eines gemeldeten Unfallortes

  • Orientierung bei Ausbildungsübungen

  • Kartenarbeit in alpinen Kursen

Gerade für Einsteiger ist diese Methode oft leichter verständlich als die Arbeit mit dem Winkel-Planzeiger.

5. Neigungsmaßstab – Hangneigungen erkennen und bewerten

Besonders für Skitourengeherinnen und Skitourengeher gehört der Neigungsmaßstab zu den wichtigsten Funktionen des Planzeigers. Mit ihm kann die Steilheit eines Hanges anhand der Höhenlinien auf der Karte abgeschätzt werden.

Warum ist das wichtig?

Die Hangneigung ist einer der entscheidenden Faktoren bei der Lawinenbeurteilung.

Viele Lawinen lösen sich in Bereichen zwischen etwa 30° und 45° Hangneigung aus. Wer diese Bereiche bereits bei der Tourenplanung erkennt, kann kritische Passagen identifizieren und Alternativen suchen.

Anwendung

  1. Die Skala wird auf zwei benachbarte Höhenlinien gelegt.

  2. Der Höhenlinienabstand wird mit der Skala verglichen.

  3. Die entsprechende Hangneigung kann direkt abgelesen werden.

So entsteht bereits zuhause ein erstes Bild über die Schwierigkeiten und Risiken einer Tour.

Anwendung im Gelände

Der Planzeiger kann zusätzlich als einfacher Neigungsmesser genutzt werden. Dazu wird ein Faden an der vorgesehenen Markierung befestigt. Durch das Anvisieren einer Hanglinie und das Ablesen des Ausschlags kann die Hangneigung direkt vor Ort bestimmt werden.

Fazit

Der Alpenvereins-Planzeiger ist weit mehr als ein Zubehör für Kartenliebhaber. Er ist ein vielseitiges Ausbildungs- und Praxiswerkzeug, das die klassischen Fähigkeiten der Orientierung fördert und gleichzeitig moderne Navigationssysteme sinnvoll ergänzt. Ob bei der Tourenplanung, auf Hochtour, beim Bergwandern oder auf Skitour – der Planzeiger hilft, Informationen aus der Karte präzise zu nutzen und fundierte Entscheidungen im Gelände zu treffen.

Gerade deshalb gehört er für viele erfahrene Bergsteigerinnen und Bergsteiger zur Standardausrüstung – nicht als Ersatz für digitale Hilfsmittel, sondern als verlässliche Ergänzung, wenn es darauf ankommt.

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