Eine junge Frau klettern an einer Felswand im Nachstieg hinauf.
Trotz einfacherer Passagen zwischendurch: beim Alpinklettern sind die Herausforderungen ungleich höher als im Sportklettern. Foto: Adobe Stock/Jakub Cejpek
Infos & Tipps

Alpinklettern: So geht’s

Mehrere Seillängen durch große Felswände oder entlang eines Grates zu klettern, ist für viele der Inbegriff des anspruchsvollen Alpinismus. Alpinklettern ist eine faszinierende und anspruchsvolle Bergsportdisziplin, die viel technisches Können, Ausdauer und eine sorgfältige Planung erfordert. Im Unterschied zum Sportklettern in der Halle oder am Fels ist das Alpinklettern wesentlich anspruchsvoller, die objektiven Gefahren und Herausforderungen sind vielfältig. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Aspekte des Alpinkletterns – von der erforderlichen Ausrüstung über die Vorbereitung bis zum sicheren Verhalten am Berg und dem Umgang mit Notfällen.

Alpinklettern ist eine der anspruchsvollsten Bergsportdisziplinen: Kletter- und Sicherungstechnik, die Routenfindung, wechselhaftes Wetter, die Höhe und Exponiertheit, die Anforderungen an die Kondition – Alpinklettern verlangt fast die komplette alpine Palette an Fähigkeiten und Wissen. Neben technischen Fähigkeiten sind vor allem Selbstständigkeit, Risikobewusstsein und Erfahrung in der Bergwelt gefragt. Ganz konkret heißt das:

  • Anders als beim Sportklettern, bei dem man meist auf gut abgesicherten Routen mit Bohrhaken unterwegs ist, erfordert Alpinklettern oftmals das selbstständige Legen von Zwischensicherungen und den Bau eines Standplatzes.

  • Die Grundanforderungen sind hoch, da auch der Umgang mit wechselnden alpinen Bedingungen wie Wetter, Schnee, Eis oder brüchigem Fels beherrscht werden muss.

  • Seil- und Sicherungstechniken entscheiden sich deutlich vom Sportklettern. Auch das sichere und zügige Abseilen über die Route oder Abseilpisten muss beherrscht werden.

  • Die sichere Orientierung und Routenfindung erfordern ein hohes Maß an Erfahrung; oft sind darüber hinaus der Zustieg und Abstieg beim Alpinklettern anspruchsvoll.

Faszination Alpinklettern: Vom Standplatz aus startet der Vorsteiger in die nächste Seillänge. Foto: DAV/Wolfgang Ehn

Ausrüstung

Die richtige Ausrüstung ist entscheidend für die Sicherheit. Zum Alpinkletter-Standard gehören:

  • Kletterhelm zum Schutz vor Steinschlag und vor dem Anschlagen am Fels im Falle eines Sturzes

  • Klettergurt, idealerweise speziell für alpine Touren mit ausreichend Materialschlaufen und bequemen Beinschlaufen (für Hängestände)

  • Sicherungs- und Abseilgerät

  • Expressschlingen, Bandschlingen, Schraub- und Einfachkarabiner, Reepschnüre und mobile Sicherungen wie beispielsweise Friends und Klemmkeile

  • Geeignete Kletterschuhe (bequeme Passform)

  • Geeignete Bergschuhe für Zu- und Abstieg, angepasst an die Tour und etwaige Gletscherpassagen

  • Eispickel und Steigeisen, wenn es das Gelände und die Bedingungen erfordern

  • Wetterfeste und wärmende Bekleidung

  • Rucksack mit Verpflegung, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Mobiltelefon und Karte

Vielgenutzte Kletterausrüstung. Foto: AdobeStock

Vorbereitung

Um sich an das "echte" Alpinklettern heranzutasten, ist der "Zwischenschritt" des Plaisirkletterns in gut gesicherten Mehrseillängen-Routen zu empfehlen. So kann man sich an die vielen neuen Aspekte der alpinen Umgebung und die Abläufe des Mehrseillängenkletterns gewöhnen. Plaisir-Routen sind mit gebohrten Zwischenhaken und Standplätzen gut abgesichert, das Legen eigener Sicherungen ist meist nicht nötig. Der Abstieg erfolgt meist über Steige oder gut eingerichtete Abseilpisten.

Beim Alpinklettern ist eine realistische Selbsteinschätzung essenziell. Man sollte Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln und sich nur langsam an die eigene Leistungsgrenze herantasten. Eine gründliche Tourenvorbereitung umfasst:

  • Detailstudium der geplanten Route und des Zu- und Abstieges inklusive Schwierigkeitsgrad, Länge und Absicherungssituation

  • Wetterbeobachtung und Risikoeinschätzung (Steinschlaggefahr, evtl. Schneesituation, Exposition…)

  • Körperliches und technisches Training, um Kletter- und Ausdauerniveau zu gewährleisten (die Sektionen bieten hierzu Kurse an)

  • Planung von Einkehr-/Rückzugs- und Notfallmöglichkeiten

  • Wissen über alpine Gefahren und Rettungsmaßnahmen

Auf Tour – Sicher Alpinklettern

Während der Tour ist ein umsichtiges Vorgehen wichtig und es gelten alle grundlegenden Kletterregeln:

  • Überprüfen der Ausrüstung sowie Partner-Check vor dem Start

  • Unterwegs Sicherungstechniken aufmerksam anwenden, da häufig mobile Sicherungen genutzt werden

  • Zügiges Bauen von sicheren Standplätzen

  • Lesen und Verstehen von Topos/Routenbeschreibungen für eine reibungslose Orientierung

  • Aufmerksamkeit für wechselnde Bedingungen und Tageszeiten, frühzeitiger Abbruch bei schwierigen Verhältnissen

  • Kommunikation und Teamarbeit in der Seilschaft

  • Beachten von grundsätzlichen Regeln im alpinen Gelände wie z.B. Steinschlag vermeiden, Überholen von Seilschaften nur nach Absprache

Einzelne Aspekte des Alpinkletterns sind in den folgenden Artikeln vertieft:

Im Notfall

Im alpinen Gelände ist das Risiko ernstzunehmender Notfälle gegeben – sei es durch einen unerwarteten Wetterumschwung oder einen Sturz. Wesentliche Verhaltensweisen sind in den folgenden Artikeln erklärt:

Literaturempfehlung

  • Alpin-Lehrplan, Band 5: „Klettern. Sicherung und Ausrüstung“, Rother (2023), ISBN: 978-3-7633-6110-6

  • „OEAV Seiltechnik“ von Michael Larcher und Heinz Zack, Herausgeber: OEAV (2022), ISBN 978-3-7022-4013-4

Diese und weitere Bücher sind im DAV Shop erhältlich. Hier gibt es eine Übersicht zu ausbildungsrelevanten Publikationen des DAV.