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Was ist Lead-Klettern?

Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen.

Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.

 

Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert.

 

Regeln

Grundsätzlich gilt: Je höher ein Wettkämpfer klettert, umso besser. Die gemessene Höhe wird in Zahlen ausgedrückt: "42" bedeutet zum Beispiel, dass eine Athletin bis Griff 42 kam und diesen auch halten konnte. Das ist bereits ein sehr gutes Ergebnis: Routen sind typischerweise zwischen 40 und 50 Griffen lang. "42+" zeigt wiederum an, dass der Teilnehmer noch weitergreifen und den nächsthöheren Griff erreichen, aber nicht mehr festhalten konnte. Das beste Ergebnis ist aber keine Zahl, sondern ein Wort "Top". Es bedeutet, dass der Kletterer die gesamte Route klettern und das Seil in den oberen Umlenker einhängen konnte. Das Wunschergebnis aller Teilnehmer!  

 

Die Routen im Wettkampf müssen die minimale Länge von 15 Metern haben. In der Qualifikationsrunde gibt es zwei Touren, im Halbfinale und Finale jeweils eine. Bei diesen müssen im Vorstieg alle Zwischensicherungen selbst eingehängt werden. Geschieht das nicht, wird die Kletterin oder der Kletterer spätestens dann aus der Wand geholt, wenn sie oder er die darauffolgende Exe geklippt hat. Gewertet wird in diesem Fall die Höhe, von der aus sie oder er die vergessene Zwischensicherung noch hätte einhängen können.

 

Im Wettkampf wird in zwei Modi geklettert: In der Qualifikation im Flash-Modus, das heißt, die Starter wissen bereits zuvor, wie die beiden Touren geklettert werden sollen. Sie können sich ein Video anschauen, in dem diese vorgeklettert werden. Im Halbfinale und Finale wird dann im „Onsight“-Modus geklettert, also ohne zuvor jemanden in der Route gesehen zu haben. Die Starter haben nicht die Möglichkeit, aus den Fehlern der anderen zu lernen oder sich anzuschauen, wie eine schwierige Stelle gelöst wird. Das „Onsight“ gilt als „Königsdisziplin" des Kletterns.

 

Bereits eine Stunde vor dem Halbfinale und dem Finale müssen die Kletterinnen und Kletterer in eine Isolationszone (Iso). Die Zeit in der Iso nutzen die meisten, um sich noch einmal aufzuwärmen, sie dehnen sich oder machen Yoga. Auch die mentale Vorbereitung und die Fokussierung auf den Start gehören dazu.

 

Ablauf eines Wettkampfs

Nominierung:

Bei internationalen Wettkämpfen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Bundestrainer nominiert. Beziehungsweise haben sich bei Qualifikationswettkämpfen einen Platz für den Start bei einem Weltcup gesichert. Anders ist das auf nationaler Ebene: Bei der Deutschen Meisterschaft sind die Athletinnen und Athleten des Bundeskaders automatisch startberechtigt. Auch sind die Deutschen Meister aus dem Vorjahr gesetzt. Dazu kommen noch jeweils acht Starterinnen und Starter aus den drei Regionen Nord-Ost, Süd und West, diese müssen sich bei den jeweiligen Landesmeisterschaften qualifizieren.

 

Qualifikation:

Damen und Herren starten nicht gemeinsam, sondern zeitversetzt in zwei verschiedenen Wettkämpfen – und aufgeteilt in zwei Gruppen. Bei beispielsweise 100 Startern versuchen sich 50 an der ersten Qualitour, die anderen 50 an der Zweiten. Der 51. der Startliste ist der erste Starter in der zweiten Qualitour. Nach einer Pause, die mindestens 50 Minuten dauern muss, geht es für ihn dann als Ersten in der anderen Qualitour weiter. Die Startreihenfolge wird bei den Lead-Weltcups ausgelost. Jeder Athlet hat für eine Tour sechs Minuten Zeit. Nach Ablauf dieser Zeit kann er zwar noch weiterklettern, allerdings werden die dann gemachten Züge nicht mehr gewertet. Die beiden Touren werden anders bewertet, das heißt, dass es für die gleiche Höhe nicht unbedingt die gleiche Punktezahl gibt. Das kann bedeuten, dass ein Starter, der in einer Tour relativ weit vorne lag, in der anderen dagegen eher hinten, nach der Quali einen besseren Platz einnimmt, als ein Konkurrent, der sich bei beiden Touren im Mittelfeld platzierte. Für die nächste Runde, das Halbfinale, qualifizieren sich bei den Damen und bei den Herren die jeweils besten 26 Kletterinnen und Kletterer aus der Qualifikation.

 

Halbfinale:

Im Semifinale, das am Tag nach der Qualifikation stattfindet, wird eine Tour geklettert. Hier ist der 26. nach der Quali der erste Starter, die Erstplatzierte nach der Quali dann die letzte Starterin. Kurz vor dem Start haben die Athletinnen und Athleten sechs Minuten Zeit, sich gemeinsam die Route anzusehen und sich die Griffabfolgen einzuprägen. Manche benutzen dafür auch ein Fernglas. Dann geht es wieder zurück in die Iso und die Athletinnen und Athleten werden einzeln aufgerufen. Auch im Halbfinale hat jede Kletterin und jeder Kletterer sechs Minuten Zeit, um die Tour möglichst zu toppen. Damen und Herren starten in dieser Runde parallel. Die jeweils acht Besten sind dann im Finale dabei. Haben zwei oder mehr Kletterer die gleiche Höhe erreicht, ist das Vorrundenergebnis entscheidend: Der Bessere aus der Quali positioniert sich im Halbfinale auf dem vorderen Platz.

 

Finale:

Damen und Herren starten hier zeitversetzt, also in zwei Finals. Auch hier gibt es wie im Halbfinale eine Tour, die vor dem Beginn gemeinsam sechs Minuten lang besichtigt werden kann. Der Achtplatzierte nach dem Halbfinale ist dann als Erster am Start. Maximal sechs Minuten hat er Zeit, um die Route möglichst zu toppen, dann ist der nächste Starter an der Reihe. Diejenige oder derjenige, der am höchsten kommt, gewinnt. Bei Gleichstand zweier Kletterer wird das Vorrundenergebnis mit berücksichtigt, das heißt, derjenigen, der dort besser war, erhält die bessere Platzierung. Sollte es auch im Halbfinale einen Gleichstand gegeben haben, so entscheidet die benötigte Kletterzeit im Finale: Der Schnellere liegt vorne.

 

Amtierende Deutsche Meister sind bei den Damen Frederike Fell (DAV Freising) und bei den Herren David Firnenburg (DAV Rheinland-Köln). Die diesjährige Deutsche Meisterschaft wird am 9. November in Hilden ausgetragen.

 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Olympic Combined?

Das neue Wettkampfformat

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Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.   Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

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Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.