logo-dav-116x55px

Die Türkenbundlilie

Wilde Schöne

Lilium martagon ist eine Wildlilie, hierzulande wird sie Türkenbundlilie oder oft auch schlicht Türkenbund genannt. Sie ist eine der prächtigsten einheimischen Wildblumen – und eine Rarität.

Typisch ... Türkenbundlilie

Keine große Frage, woher der Name „Türkenbundlilie“ stammt: Der volkstümliche Name „Türkenbund“ weist auf das türkische Wort für Turban hin, an den die zurückgeschlagenen Blütenblätter fraglos erinnern.

 

Der Türkenbund ist zwischen 50 und 200 Zentimeter hoch. Die Blüten der Türkenbundlilie duften stark und mitunter etwas unangenehm nach Zimt. Sie sind meist fleischrosa, changieren aber auch von Kastanienbraun und Purpurrot über Violett bis hin zu – sehr selten – weiß; Blütezeit ist Mai bis Juli.

 

Alpen-Botanik-Talk

Die Türkenbundlilie heißt

  • Wissenschaftlich: Lilium martagon
  • Englisch: martagon lily
  • Französisch: lis martagon
  • Italienisch: Giglio martagone
 

Wo lohnt es sich Ausschau zu halten? – Vorkommen

Der Türkenbund ist in den Alpen in montanen bis subalpinen Höhen bis zumeist 1.500 Meter weit verbreitet, kommt jedoch nicht allzu häufig vor. Die winterharte Pflanze bevorzugt nährstoff- und mullreiche Böden in lichten Wäldern, auf Bergweisen und Grashalden.

 

Kleine Kulturgeschichte der Türkenbundlilie

Natürlich: Der Botaniker Carl von Linné hat die Türkenbundlilie ausführlich beschrieben und eingeordnet – auf sein 1753 erschienenes Buch Species Plantarum begründet sich noch heute die wissenschaftliche Nomenklatur in der Botanik. Der wissenschaftliche Name Lilium Martagon montanum (majus, floribus reflexis) wurde allerdings schon zuvor verwendet und ist im Englischen bereits 1477 belegt.

 

Auch wenn der Name meist mit dem türkischen martagan, einer im 15. Jahrhundert neuartigen Form des Turbans, in Verbindung gebracht wird, gibt es noch eine weitere Theorie. Demnach wird martagon auch mit dem Kriegsgott Mars assoziiert – Alchimisten glaubten, dieser stehe im Zusammenhang mit der Umwandlung von Metallen. Damit wiederum hängt auch ein weiterer der vielen Volksnamen der auffälligen Pflanze zusammen, Goldwurz: Die Zwiebel des Türkenbunds ist goldgelb und die Alchimisten hofften, mit Goldwurz unedle Metalle in Gold umwandeln zu können.

 

Darüber hinaus fand die Türkenbundlilie als medizinische Heilpflanze Verwendung, sie wurde beispielsweise gegen Hämorrhoiden gebraucht und überhaupt als Allzweck-Heilmittel angesehen.

 

Wusstest du, dass ...

  • ... die Türkenbundlilie die in freier Natur am weitest verbreitete Lilienart ist (das ändert jedoch nichts daran, dass sie unter Naturschutz steht).
  • ... der Türkenbund sogenannte Zugwurzeln hat. Diese Wurzeln bilden sich an der Unterseite der Pflanzenzwiebel und ziehen die Zwiebel bei Bedarf in tiefere Bodenschichten.
  • ... der Türkenbund vor allem abends und nachts seinen schweren, süßen Duft verströmt und damit vor allem langrüsselige Schmetterlinge anzieht, welche die Hauptbestäuber der Pflanze sind.
  • ... die kultivierte Form der Türkenbundlilie in Mitteleuropa neben der Feuerlilie und der Madonnenlilie aufgrund ihrer Farbvielfalt, Robustheit und Mehrjährigkeit eine der beliebtesten Gartenpflanzen ist.
  • ... der Türkenbund in Norddeutschland (Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) nicht vorkommt, in den Allgäuer Alpen derweil bis auf knapp 2.000 Meter Höhe zu finden ist.
 

Literaturempfehlung

  • Plakat „Geschützte Alpenpflanzen“, DAV/ÖAV/AVS (Hrsg.)
  • „Naturführer Alpenblumen“ von Christine Jaitner, Verlag KOMPASS-Karten, ISBN 978-3854915720

 

Weitere Literatur rund ums Pflanzenbestimmen gibt es auch im DAV Shop.

 

Andere geschützte Alpenpflanzen: zurück zur Kurzführer-Übersicht