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Der Frühlings-Enzian

Kleiner (Berg-)Frühlingsbote

Als eine der kleinsten und konkurrenzschwächsten Enzianarten blüht der Frühlings-Enzian in einem kräftigen blau bis purpur.

Typisch ... Frühlings-Enzian

Der Frühlings-Enzian zeigt sich als einer der ersten Farbtupfer in Gebirgswiesen, wo er meist zwischen April und Juni blüht. Bei fortlaufend milder Witterung blüht er mitunter nochmals im Herbst.

 

Die ausdauernd krautige Pflanze ist meist nur wenige Zentimeter hoch, bei Idealbedingungen kann sie auch bis zu 15 Zentimeter Höhe erreichen. Sie hat einen kurzen, kantigen Stängel, der aufrecht wächst.

 

Die meist dunkelblaue Blüte hat eine röhrenförmige Krone mit fünf ausgebreiteten Zipfeln ausgebildet, zwischen denen jeweils ein kleiner zweiteiliger Zahn mit weißer Zeichnung sitzt. Mitunter leicht verwechseln kann man den Frühlings-Enzian mit dem Bayerischen Enzian; allerdings ist der Frühlings-Enzian bereits wieder am Verblühen, wenn der Bayerische Enzian allmählich mit dem Blühen beginnt. 

 

Alpen-Botanik-Talk

Der Frühlings-Enzian heißt

  • Wissenschaftlich: Gentiana verna
  • Englisch: spring gentian
  • Französisch: gentiane de printemps
  • Italienisch: genziana primavera
  • Slowenisch: Goryczka wiosenna
 

Kleine Kulturgeschichte des Frühlings-Enzian

Der Frühlings-Enzian ist im Volksmund unter einer Unzahl von Namen bekannt, zu den geläufigsten zählen„Rauchfangkehrer“ oder „Himmelsbläueli“. Oder auch Schusternägele, denn seine kurzen, kantigen Stängel erinnerten die Menschen einst an Holznägel, mit denen der Schuster früher die Sohle an den Schuh nagelte.

 

Aufgrund starker Düngung ist auch der Frühlings-Enzian mehr und mehr auf dem Rückzug und steht daher – wie alle anderen Enzianarten auch – in Deutschland unter Naturschutz. Seit 1996 ist er als „gefährdet“ auf der Roten Liste geführt.

 

In Bayern gilt der Frühlings-Enzian als „gefährdet“, jedoch mit starken regionalen Unterschieden: Weit verbreitet und ungefährdet ist er in den Alpen. In Ostbayern hingegen ist er vom Aussterben bedroht, denn eine extensive Beweidung der Landschaft findet vielerorts nicht mehr statt, die Landschaft verbuscht. Durch das Entbuschen und eine nachfolgende Wiederbeweidung sollen inzwischen wichtige Lebensräume für den Frühlings-Enzian und andere seltene Arten wieder hergestellt werden.

 

Wusstest du, dass ...

  • ... der Frühlings-Enzian eine von etwa 300 bis 4000 Enzianarten ist, die nahezu weltweit vorkommen. In den Alpen gedeihen etwa 35 Enzianarten. 
  • ... der Frühlings-Enzian als Zeigerpflanze für stickstoffarme Böden gilt. Gefährdet ist er vor allem durch die Eutrophierung von Böden, also durch die Anreicherung von Nährstoffen durch (Über-)Düngung.
  • ... der Frühlings-Enzian – anders als der Gelbe Enzian (aus dem auch der Enzianschnaps gewonnen wird) – leicht giftig ist.
  • sich um den Frühlings-Enzian einiger Aberglaube rankt. So trägt er auch den Namen Wetter- oder Blitznägele bzw. Hausabbrenner – vielerorts war man davon überzeugt, dass der Blitz einschlage, wo man die Pflanze mit ins Haus nimmt.
  • ... im Aberglauben auch Sommersprossen mit dem Frühlings-Enzian in Verbindung gebracht werden: Wahlweise werden sie ferngehalten, wenn man sie das Badewasser von kleinen Kindern wirft (rund um Beilngries in der Oberpfalz) oder man bekommt Sommersprossen („Roßmucken“), wenn man am Frühlingsenzian riecht (in Schwaben und Altbayern).
 

Literaturempfehlung

  • Plakat „Geschützte Alpenpflanzen“, DAV/ÖAV/AVS (Hrsg.)
  • „Naturführer Alpenblumen“ von Christine Jaitner, Verlag KOMPASS-Karten, ISBN 978-3854915720

 

Weitere Literatur rund ums Pflanzenbestimmen gibt es auch im DAV Shop.

 

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