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So geht das: Tourenplanung Basic für den Winter

Mit Plan durch den Winter

Der Winter naht mit großen Schritten. Egal, ob Skitourengehen, Freeriden oder Schneeschuhgehen: Wer sich ins weiße Vergnügen stürzt, sollte seine Ausflüge akkurat planen! Denn: „Wer genauer plant, irrt genauer!“, scherzte der Lawinenexperte Werner Munter.

 

Lawinenkundliche Planung

Für diesen im Winter entscheidenden Schritt ist immer der aktuelle Lawinenlagebericht (LLB) die Basis. Als Hilfsmittel dienen topographische Gebietskarte (ideal 1:25 000) und DAV Snowcard.

 

Schritt 1: Risikoeinschätzung mittels LLB und Snowcard – so geht´s im Detail:

 

a) Aktuelle Gefahrenstufe nach LLB für die relevante Region und Höhenlage klären.

b) Snowcard auf die Ansicht „ungünstig nach LLB“ kippen. Mittig in der Spalte der aktuellen Gefahrenstufe am Übergang Grün-Gelb die Steilheit auf der y-Achse ablesen. Ab dieser Hangsteilheit ist mit Gefahrenstellen zu rechnen.

c) Entlang des geplanten Routenverlaufs die Karte nach Bereichen absuchen, die diese Steilheit überschreiten. Sie lässt sich aus den Höhenlinien mittels Böschungsmaßstab ermitteln. Viele Tourenplanungs-Apps markieren steilere Hangbereiche in den Farben gelb (30-35°), orange (35-40°) und rot (>40°).

 

d) Durch die Snowcard-Betrachtung auf „ungünstig“ wurden alle potenziellen Gefahrenstellen der Route erfasst. Für diese Gefahrenstellen wird über die „Zusatzinfos“ des LLB beurteilt, ob man die Snowcard-Betrachtung für „günstig nach LLB“ anwenden darf. Durch diesen Filter erhält man je nach Steilheit die kritischen Passagen aus dem Farbspektrum der Snowcard: gelb-orange für erhöhtes, rot für großes Risiko. Bei risikobewusstem Verhalten sollte auf Touren mit „roten“ Passagen verzichtet werden oder eine Umgehung möglich sein.

e) Für „gelbe“ Passagen werden Checkpunkte festgesetzt, an denen man vor Ort entscheidet, ob die Passage begangen wird. Dank LLB weiß man, auf welche(s) Gefahrenmuster und -stellen besonders zu achten ist.

 

Schritt 2: Mit dem/den Hauptgefahrenmuster/n des Tages (laut LLB) kann man – je nach Wissenstand – die ermittelten Gefahrenstellen noch genauer einschätzen.

Schritt 3: Anhand der Einschätzung aus den beiden ersten Schritten wird eine erste Ja-Nein-Entscheidung gefällt. Welche Konsequenzen drohen bei einem Schneebrettabgang? Auch der Blick auf Mensch und Gruppe ist in der Planung wichtig: Gruppengröße und -können? Kenntnisse der einzelnen Personen?

Schritt 4: Wenn bislang die Entscheidung auf „weitergehen“ steht, überlegt man, ob dabei Vorsichtsmaßnahmen (Entlastungsabstände, einzeln fahren/gehen) nötig sind. Für den Fall, dass die Tendenz Richtung „nicht gehen“ ausfällt, sollte man einen Plan B in der Tasche haben!

Vor Ort und am Einzelhang wiederholt sich dieses Vorgehen Mantra-gleich. Hier lassen sich meist differenziertere Aussagen zu den verschiedenen Punkten treffen. Exakte Planung soll vor bösen Überraschungen schützen, endgültig entschieden wird vor Ort!

 

Die Snowcard ist das Werkzeug für die erste Risikoabschätzung. Auf der senkrechten Linie der LLB-Gefahrenstufe zeigen die Farben das statistische Risiko je nach Hangsteilheit an. Für Gelände, das nicht zu den „Gefahrenstellen“ des LLB zählt, darf man die Snowcard kippen – und die dann sichtbare Zuordnung für „günstig nach LLB“ verwenden.

 

Anforderungen und Ausrüstung

Neben dem Lawinencheck sind in der Planungsphase die Anforderungen ans technische Können in Aufstieg und Abfahrt abzuklären. Wie steil, wie lang, wie schwer? Dazu sind Führerliteratur und Tourenforen in der Regel gute Infoquellen. Die gewählte Tour sollte niemanden in der Gruppe überfordern, die Ausrüstung muss passen (und beherrscht werden). Die Notfallausrüstung aus VS-Gerät, Lawinenschaufel und Sonde braucht jedes Gruppenmitglied. Rechnet man mit längeren Steilhängen oder sehr harten Schneebedingungen, müssen Harscheisen in den Rucksack. Als Gruppenausrüstung sind immer ausreichend Biwaksäcke und Erste-Hilfe-Sets dabei.

 

Zeitplanung

Die Zeitplanung verläuft analog zum Sommer. Aus Karte und Führer oder Tourenplanungs-Apps (z.B. alpenvereinaktiv) ermittelt man die vertikale und horizontale Distanz. Eine Skitouren- oder Schneeschuhgruppe sollte ca. 300-400 Höhenmeter im Aufstieg und 4-5 Kilometer Strecke pro Stunde schaffen, je nachdem, ob Spurarbeit oder Tragepassagen angesagt sind. Die Gehzeit ist die Summe der beiden Werte, wobei man den niedrigeren Wert vorher halbiert. Zu diesem Wert kommen Pausen-, Umbau- und Abfahrtszeiten dazu. Der Zeitbedarf für die Abfahrt hängt stark ab von Fahrkönnen und Schneeverhältnissen, als Richtwert veranschlagt man ein Drittel der Aufstiegszeit (mit Schneeschuhen die Hälfte). Startzeit mit ausreichend Puffer (ca. 2 Stunden) wählen, so dass man vor Einbruch der Nacht sicher wieder zurück ist. Bei längeren Touren mit mehreren Auf- und Abfahrtspassagen ist ein Etappen-Zeitplan sinnvoll; dann kann man bei jedem Teilstück checken, ob man noch „im Plan“ ist.

 

Tipps zum cleveren Planen

  • LLB + Snowcard → kritische Steilheit = Gefahrenstellen
  • Gefahrenstelle durch günstig/ungünstig Raster → Checkpoints
  • Welche(s) Gefahrenmuster ist/sind momentan relevant?
  • Verzicht auf rote Bereiche (hohes Risiko)
  • Können & Ausrüstung muss zur Tourenanforderung passen!
  • Zeitplan mit Puffer erstellen
  • Unterwegs „auf Unvorbereitetes vorbereitet sein“
 

Text: Max Bolland (Dipl.-Sportwissenschaftler, Staatl. gepr. Berg- und Skiführer, Mitglied der DAV-Lehrteams Bergsteigen und Sportklettern, Leiter der Bergschule erlebnis-berg.com)

 

Illustration: Georg Sojer

 

Zuerst erschienen in DAV Panorama 01/19, aktualisiert von Andreas Dick 09/20

 

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