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Vorsicht vor Schneebruch

Tipps fürs winterliche In-den-(Gebirgs-)Wald-Gehen

„Zauberhaft, dieser Winterwald“ ist das, was wohl ausnahmslos jedem, der gerne in der Natur ist, in den Sinn kommt, wenn eine ordentliche Ladung Schnee gefallen ist. Keine Frage: Ein dick in Weiß gehüllter Wald sieht wildromantisch aus. Doch er kann dann auch (lebens-)gefährlich werden: wenn Bäume unter der Schneelast brechen.

Innerhalb weniger Stunden ein halber Meter Neuschnee - auch wenn dies für (höher) gelegene (Wintersport-)Orte nichts Außergewöhnliches ist, so führt eine solche Situation in tieferliegenden Regionen nahezu unumgänglich zu Problemen. Vor allem dann, wenn der Schnee in Regen übergeht und durchnässt wird. 

 

Was genau ist Schneebruch?

Als Schneebruch werden Baumschäden bezeichnet, die durch hohe Schnee- oder auch Eislasten entstehen. Dabei brechen Äste, Kronen oder Stämme; mitunter fallen die Bäume komplett um. Einen ähnlichen Effekt kann Eisregen verursachen, in diesem Fall spricht man von Eisbruch.

 

Was kann passieren?

Durch starke Schneefälle können Äste und Baumkronen abbrechen. Teilweise stürzen sie zu Boden, teilweise hängen sie noch in den Bäumen. Viele, mit Maschinen schwer erreichbare Waldabschnitte, können mitunter erst nach Ende des Winters vollständig geräumt werden.

 

Durch heftigen Wind können daher lose Äste vom Baum geschüttelt werden und auf vorbeigehende Spaziergänger und Wintersportlerinnen stürzen. Besondere Vorsicht sollten Waldbesucher in Gebieten walten lassen, die besonders stark vom Schnee betroffen sind.

 

Was ist das Problem?

Wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält, kann durch herunterfallende Äste ernsthaft verletzt oder sogar durch einen umstürzenden Baum erschlagen werden.

 

Wie lassen sich Unfälle vermeiden?

Fällt besonders viel Schnee, lässt man im Zweifel den Spaziergang, die Schneeschuhwanderung oder die Skitour bleiben, wenn der Weg durch Wald führt. Eine Alternative wäre eine angepasste Routenwahl (bspw. durch offenes Gelände im Tal). Ist die Gefahr für Schneebruch besonders hoch, warnen auch Behörden (wie beispielsweise die Bayerischen Staatsforsten).

 

Drei wichtige Tipps:

  • Sperrungen beachten beziehungsweise Wege mit augenscheinlichen Gefahren meiden.
  • Im Wald auf Hauptachsen bleiben, kleine Pfade oder Wege nicht benutzen.
  • Steht ein Baum auffällig schief, drum herum gehen statt unter ihm hindurch.

Ebenfalls bedenken: Schneebruch kann auch noch ohne Schnee zum Problem werden. - Wenn die abgebrochenen Äste zunächst in den Bäumen hängen bleiben und erst später, bei stärkerem Wind herabfallen.

 

Wann kommt es zu Schneebruch?

Schneebruch entsteht nach langanhaltenden, ergiebigen Schneefällen immer dann, wenn besonders nasser, schwerer Schnee auf den Bäumen lastet. Ist es kalt, ist der Schnee locker und leicht. Schneit es jedoch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, hat der Schnee einen hohen Wassergehalt und ein Vielfaches an Gewicht. Der häufige Wechsel von Frost und Tauwetter begünstigt Schneebruch ebenfalls. Selbst gesunde, stabile Bäume können unter der Schneelast zusammenbrechen.

 

Abhängig von den jeweiligen Temperaturen (und damit der Feuchtigkeit) variiert die Schneelast sehr stark. So wiegt ein Kubikmeter frischer Schnee weniger als ein Zentner; ein Kubikmeter Altschnee wiegt dahingegen ein Vielfaches. Konkret:  

  • Trockener, lockerer Neuschnee wiegt 30-50 kg/m3
  • Gebundener Neuschnee wiegt 50-100 kg/m3
  • Stark gebundener Neuschnee wiegt kg/m3
  • Trockener Altschnee wiegt 200-400 kg/m3
  • Feuchtnasser Altschnee wiegt 300-500 kg/m3
 

Wo ist besonders mit Schneebruch zu rechnen?

Vor allem in Mittel- und Hochgebirgen – in Höhen, in denen viel Schnee fallen kann. Mitunter ist dort nur eine einzelne Höhenlage von Schneebruch betroffen; denn unterhalb fiel der Niederschlag eventuell als Regen; oberhalb ist der Schnee leichter oder es gibt weniger Vegetation, die schneebruchgefährdet ist. Auch Mulden und Kessellagen sind für Schneebruch anfälliger.

 

Kann es in jedem Wald zu Schneebruch kommen?

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Nadelwälder eher als Laubwälder vom Schneebruch betroffen sind. Während die Laubbäume im Winter ihre Blätter abgeworfen haben und die kahlen Äste eine geringe Auflagefläche bieten, haben Nadelbäume aufgrund ihres dichten Nadelstandes eine große Oberfläche, auf der sich der Schnee sammeln kann. Doch auch einzelne Laubbaumarten können vermehrt von Schneebruch betroffen sein, wie beispielsweise Buchen, die bis ins Frühjahr hinein die Blätter vom Vorjahr tragen und damit ebenfalls eine große Oberfläche bieten.

 

Ab wann kann man wieder unbesorgt in den Wald?

Die Gefahr von Schneebruch bleibt bestehen, so lange schwerer, nasser Schnee auf den Baumkronen lastet. Äste oder größere Baumteile können auch noch Tage nach einer Wetterberuhigung abbrechen und aus großer Höhe auf den Boden stürzen. Deshalb gilt es, vor allem an windigen Tagen immer noch Vorsicht walten zu lassen. 

 

 

Letzlich gilt wie immer im Leben: Den gesunden Menschenverstand walten lassen und ernsten Gefahren möglichst aus dem Weg gehen.