logo-dav-116x55px

LVS-Geräte-Test 2017/18: Testkriterien

Die Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins hat die am Markt verfügbaren Lawinenverschüttetensuchgeräte (LVS) getestet. Hier erfahren Sie alle Details zu den Kriterien.

Der LVS-Gerätetest ist in die einzelnen Suchphasen Signal-, Grob- und Feinsuche aufgeteilt. Zusätzlich haben wir das Lösen von Mehr-Personen-Verschüttungen und die Gruppencheck-Funktion überprüft. Sowohl die Testszenarien als auch die Bewertungskriterien wurden mit dem Fokus einer objektiven, praxisnahen Perspektive gewählt.

 

Signalsuche

Bei der Signalsuche spielt die Empfangsreichweite eines LVS Gerätes eine wichtige Rolle. Allgemein kann man die Reichweite in drei Koppellagen unterteilen (koaxiale oder x-Antennen-, y-Antennen- und z-Antennen-Koppellage). Im Test wurden alle drei Reichweiten ermittelt (Abb.1). Die angegebenen Werte in der Übersichtstabelle sind die Reichweiten in x-, y- und z-Richtung gemittelt über drei Messungen, bei denen eine konstantes und stabiles Signal vorhanden war. Letztlich muss die Reichweite aber immer im Zusammenhang mit der Qualität der Grobsuche gesehen werden. Ein früher Erstempfang ist nur dann hilfreich, wenn das Signal dann auch sofort gut zu verfolgen ist.

 

Hintergrundinformation Suchstreifen

Für die gerätespezifische Angabe der Suchstreifenbreite gibt es seit 2009 eine Empfehlung der internationalen Kommission für alpines Rettungswesen (IKAR). Dahinter liegt die Idee die Suchstreifenbreite so zu wählen, dass sie für die wahrscheinlichsten Verschüttungsszenarien die optimale Abwägung zwischen kurzem Laufweg und Empfangswahrscheinlichkeit darstellt. Das heißt, dass bei Verwendung der angegebenen Suchstreifenbreite bei der Signalsuche die meisten Lawinenverschütteten schneller gefunden werden. Gleichzeitig wird hier akzeptiert, dass bei ungünstigen aber unwahrscheinlicheren Szenarien Verschütte in der ersten Signalsuche übersehen werden können und daher evtl. nachgesucht werden muss.

 

Dem gegenüber steht die bisherige Empfehlung des DAV Lehrteams, eine Standard-Suchstreifenbreite von 20 Metern einzuhalten über die nur versierte Suchern hinausgehen sollten. Dahinter liegt die Überlegung, dass eine einheitliche Basisempfehlung für alle Geräte und Suchszenarien leichter zu vermitteln sei und der mögliche Zeitgewinn das Risiko einer aufwendigen Nachsuche nicht gerechtfertigt wäre. Nur versierte Retter, die ihr Gerät kennen, sollten von der Suchstreifenbreite von 20 Metern abweichen und so die Signalsuche zeitlich optimieren. Ein versierter Retter kennt die Suchstreifenbreite des Herstellers seines Geräts, hat Strategien parat, falls eine erste Signalsuche nicht alle Verschütteten detektiert und weiß um die gerätespezifische Reichweitenreduktion nach dem Markieren eines Senders, um diese für die eventuell nötige weitere Suche berücksichtigen zu können.

 

Grobsuche

Diese Suchphase beginnt mit dem Erstempfang und endet, wenn man sich bis auf etwa fünf Meter an den verschütteten Sender angenähert hat. Bewertet wurde die Verfolgbarkeit des Sendesignals entlang der Feldlinie bei horizontaler sowie bei senkrechter Sendeantenne (Abb. 2).

Zu Beginn wurde die Grobsuche mit einem seitlichen Versatz von 25m getestet. Konnte man sich bei diesem seitlichen Versatz mit einem LVS-Gerät nicht zuverlässig annähern, wurde im nächsten Lauf der Versatz in Schritten von 5 Meter reduziert. Ziel war es einen Versatz zu finden, bei dem die Auffindung des Senders zuverlässig funktionierte.

 

Kriterien:

Bewertet wurde, bis zu welchem seitlichen Versatz zum Sender die Qualitätskriterien für eine zuverlässige Annäherung vollständig, und bis wohin nur teilweise erfüllt sind.

 

Vollständig erfüllt sind die Qualitätskriterien, wenn

  • der Sender erkannt wird,
  • eine klare und eindeutige Richtungsinfo gegeben wird sowie
  • die Annäherung schnell und direkt möglich ist (Pfeil + Anzeigewerte stabil).

Teilweise erfüllt sind die Qualitätskriterien, wenn

  • der Sender erkannt wird,
  • die Annäherung möglich ist, jedoch
  • kleine Sprünge des Richtungspfeils/der Anzeigewerte auftreten.

Zusammengefasst wurde die Bewertung folgendermaßen:

  • ++ Wenn bei 25m Versatz die Qualitätskriterien vollständig erfüllt sind
  • + Wenn bei 20m Versatz die Qualitätskriterien vollständig und bei 25m Versatz teilweise erfüllt sind
  • 0 Wenn bei 15m Versatz die Qualitätskriterien vollständig und bei 20m Versatz teilweise erfüllt sind
  • - Wenn bei 15m Versatz die Qualitätskriterien teilweise erfüllt waren.
  • -- Wenn bei 10m Versatz die Qualitätskriterien teilweise erfüllt waren.

In der Grobsuche treten deutliche Qualitätsunterschiede der LVS Geräte zutage. Gute Geräte zeichnen sich durch eine zuverlässige Richtungsanzeige ab dem Punkt des Erstempfangs, sowie eine eindeutige Richtungsführung in den Nahbereich des Verschütteten aus - unabhängig von der Antennenlage des Senders. Unterschiede zwischen verschiedenen Geräten zeigten sich vor allem im Fernbereich der Grobsuche bei einer Entfernungsanzeige über 20 - 25; darunter funktionierten fast alle Geräte sehr zufriedenstellend.

 

Feinsuche

Die Feinsuche ist der nächste Schritt nach der Grobsuche. Im Nahbereich (etwa 5 Meter Umreis um den Verschütten, abhängig von der Verschüttungstiefe) wird der Punkt mit dem geringsten Anzeigewert, das sogenannte Distanz-Minimum, bestimmt. Getestet wurden die Geräte in der Feinsuche in zwei Szenarien. Zum einen mit einer Verschüttungstiefe von 0,8 Metern und waagrechter Senderlage, was dem Wert einer typischen Verschüttung entspricht (Quelle: typische Schifahrerlawine, Jürg Schweizer, bergundsteigen 1/00). Zum zweiten bei einer tiefen Verschüttung (tiefer als 1,5 Meter) sowohl mit senkrechter als auch mit waagrechter Sendeantenne.

 

Kriterien:

  • der Bereich mit dem kleinsten Anzeigewert (Minimum) liegt innerhalb eines Radius von 0,5 Metern über dem Sender
  • der Anzeigewert weicht maximal um ± 1,5 (AW) von der realen Verschüttungstiefe ab
  • Der Feinsuchmodus ist aktiv und es gibt keine irreführenden Richtungspfeile
  • das Gerät zeigt schnell den Anzeigewert an einer neuen Position an
  • der Anzeigewert bleibt stabil auch wenn das Gerät verdreht wird
  • die Akustik unterstützt die Suche und passt zu Anzeigewerte.

Im 0,8-m-Szenario wurden die Geräte hinsichtlich der oben aufgeführten Kriterien verglichen. Die Bewertungen zur Tiefen Verschüttung mit senkrechtem Sender und mit waagrechtem Sender wurden für die Übersichtstabelle in einer Spalte zusammengefasst.

 

Achtung!

In dieser Suchphase werden die meisten Fehler begangen und es wird am meisten Zeit verloren. Die am häufigsten beobachteten Fehler sind, dass das Gerät zu schnell bewegt wird, die erste Gerade beim Einkreuzen nicht lang bzw. weit genug gemacht oder zu oft abgesucht wird. Besonders in dieser Phase muss sich jeder Suchende exakt auf die optimale Arbeitsgeschwindigkeit des verwendeten Geräts einstellen. Training ist hier besonders wichtig!

 

Mehr-Personen-Verschüttung (MPV)

Als Mehr-Personen-Verschüttung wird bezeichnet, wenn ein Retter mehrere Verschüttete in einer Lawine finden will, ohne die Sender ausschalten zu können. Bei mehreren Rettern kann so nach der Ortung des ersten Verschütteten die Suche fortgesetzt werden, während andere Retter den ersten Georteten noch ausgraben. Im Test ist diese Suchphase die komplexeste Bewertungskategorie. Besonders wenn sich die Signale überlagern, gibt es sehr viel Varianz wie die Sendepulse zeitlich zueinander geordnet sind. Deshalb wurden die Geräte in drei Verschiedenen Szenarios und mit mehreren Wiederholungen getestet.

 

Beim ersten Szenario waren zwei Sender im Abstand von 80 Meter zu finden. Die Signale der beiden Sender überlagern sich dabei nicht. Die Frage war, ob der zweite Sender gefunden werden kann, nachdem der erste markiert wurde. Hier gab es in der Vergangenheit Geräte, die mit dem Markieren auch alle weiteren Sender unterdrücken, die neue in den Empfangsbereich kommen. Im Test hatte aber kein Gerät Schwierigkeit den zweiten Sender zu erkennen.

 

Im zweiten Szenario überlagern sich die Signale von zwei Sendern. Der eine liegt in koaxialer Antennen-Koppellage im Laufweg des Suchenden, der zweite Sender in y-Antennen-Koppellage 15 Meter dahinter.

 

Im dritten Szenario waren drei sich überlagernde Sender zu finden. Zwei Sender davon lagen im Umkreis von zwei Metern und Einer in etwa sieben Metern Abstand zu den anderen.

 

Bewertet wurde zum Einen, ob ein Gerät eine Mehr-Personen-Verschüttung zuverlässig anzeigt und ob dem Benutzer Informationen hierzu (Anzahl empfangener Sender, Entfer-nung, Richtung) gegeben werden. 
 
Zum zweiten wurde bewertet wie gut das Gerät den Suchenden beim Lösen einer Mehr-Personenverschüttung unterstützt.

 

Kriterien:

Beim Erkennen einer Mehr-Personen-Verschüttung wurde bewertet wie schnell alle Sender im Empfangsraum des Gerätes angezeigt werden.

Bei der Kategorie Lösen einer Mehr-Personen-Verschüttung wurde bewertet, ob eine Direktverfolgung möglich ist, ob das Ausblenden (Markieren) gefundener Sender stabil und zügig funktioniert, ob alle Sender erkannt werden und wie schnell und zuverlässig das Gerät in der Situation insgesamt funktioniert.

Insgesamt ist das Lösen einer komplexen Mehr-Personen-Verschüttung mit Sicherheit die größte technische Herausforderung für ein LVS-Gerät. Die Funktion sollte jedoch nicht überbewertet werden, da es relativ selten überhaupt zu einer komplexen Mehr-Personen-Verschüttung kommt. Passiert es dann doch einmal, kann auch eine geräteunabhängige Strategie (Dreikreismethode oder Mikrosuchstreifen) zielführend sein. Wichtig ist hierfür, dass das Gerät möglichst exakte Informationen über die Verschüttetensituation liefert, damit vom Anwender das richtige Vorgehen gewählt werden kann.

 

Gruppencheck

Die Gruppencheck-Funktion ist das erste Mal in unserem Test mit aufgenommen. Da der Gruppencheck standardmäßig am Anfang jeder Tour steht, ist er eine wichtige Funktion. Er sollte einfach zu aktivieren sein, Sender klar unterscheiden können und Fehler zuverlässig anzeigen. Um die Funktion zu testen wurde mit den Geräten ein Gruppencheck-Parcours absolviert (Abbildung 13).

 

  • Erste Aufgabe war ein korrekt durchgeführter Check von zwei Sendern im Abstand von zwei Metern um die Funktion bei korrekter Handhabung zu testen.
  • Zweite Aufgabe stellten zwei Sender im Abstand von nur einem Meter dar. In der Praxis werden die geforderten Abstände (zwischen zwei und 5 Meter, je nach Hersteller) nämlich nicht immer eingehalten. Sind die Sender klar zu unterscheiden oder besteht Verwechslungsgefahr? Ist es eindeutig zu erkennen, wenn eines der beiden Geräte nicht sendet? Gibt es eine Fehlermeldung, dass die Sender zu nahe beieinander sind?
  • Die dritte Aufgabe stellte ein Sender mit 1/3 abgebrochener Antenne dar. Zeigt das Gerät eine Fehlermeldung? Wenn ja, wie detailliert ist diese?
  • Vierte Aufgabe war ein Sender, der mit 457,1 kHz - also außerhalb der Normfrequenz – sendete. Zeigt das Gerät eine Fehlermeldung? Wenn ja, wie detailliert ist diese?
  • Die letzte Aufgabe im Parcour war ein Sender, der mit einer Periode von 1400ms und somit außerhalb der genormten Sende-Periodendauer sendete. Hier wieder: zeigt das Gerät eine Fehlermeldung? Wenn ja, wie detailliert ist diese?

 

Kriterien:

Wichtigster Punkt für die Bewertung war die eindeutige Unterscheidbarkeit der Sender. Die größte Gefahr in der Praxis ist nämlich, dass jemand vergisst sein LVS Gerät überhaupt einzuschalten. Dieser Anwenderfehler muss bei einem Gruppencheck einfach und eindeutig erkennbar sein. Die Unterscheidbarkeit wurde als eindeutig bewertet, wenn über einen Anzeigewert oder ein akustisches Signal im Nahbereich die Rückmeldung erfolgt, dass auch genau das gerade gecheckte Gerät das Empfangene Signal sendet. Wenn die Signalzuordnung nicht eindeutig möglich war, dann konnte das Gerät in dieser Kategorie nicht mehr als gut bewertet werden.

Bei den Aufgaben zu Gerätefehlern wurde letztlich bewertet, ob das Gerät den Fehler erkennt und sichtbar macht.

 

In der Tabelle wurde dann die Einzelbewertung zu einer zusammengefasst. Besonderheiten sind in den Gerätebeschreibungen aufgeführt.

Nicht bewertet wurde, wie intuitiv der Gruppencheck aktiviert werden kann. Hier gibt es zwar bei einigen Geräten Hürden, die ohne Bedienungsanleitung nur schwer überwunden werden können, aber wer sein Gerät einmal kennt, kann die Gruppencheck-Funktion bei allen Geräten aktivieren. Eine Bewertung des Einschaltvorgangs erschien uns als zu subjektiv. Erwähnenswerte Beobachtungen sind in den Geräteberschreibungen aufgeführt.