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Mit Kindern & Jugendlichen am Klettersteig

Klettersteiggehen begeistert! - Es ist eine tolle Betätigung zwischen Wandern und Klettern, ohne dass man aufwendige Sicherungstechniken anwenden muss. Im Klettersteig lässt sich der Wunsch nach einem Outdoor-Abenteuer erfüllen und gleichzeitig die Faszination der Natur erleben. - Gerade deshalb sind Klettersteige auch für Kinder und Jugendliche ein ideales Terrain, um ihrem Bewegungsdrang gerecht zu werden.

Wer mit Kindern und Jugendlichen die flachen Wege verlassen will, sollte um die besonderen Bedürfnisse der Heranwachsenden wissen und die bereits vorhandenen Fährigkeiten richtig einschätzen können. So werden sie nicht überfordert und sie entwickelt eine vielleicht lebenslange Freude am Unterwegssein in der Natur. 

  

 

Frühes Schulkindalter (6 bis 9 Jahre)

Durch die Einschulung wird der geistige und soziale Horizont von Kindern stark erweitert. Das Bewegungsrepertoire und die konditionellen Fähigkeiten verbessern sich stetig.

 

Familien können nun mit ihrem Nachwuchs wandern, bouldern und einfache, kurze Klettersteige begehen:

 

Empfohlene Touren

  • maximaler Schwierigkeitsgrad: B (Buchstabenskala), K 2 (HüslerSkala), MD (media difficolta, ITA), PD (peu difficile, FRA)
  • Höhenmeter inklusive Klettersteig: max. 500m
  • Gesamtzeitdauer: max. 4h
  • ideal: Zustieg ≤30 Min, einfacher Abstieg ≤ 45 Min

 

Außerdem: 

  • Besser ohne oder nur mit sehr leichtem Rucksack
  • Körpergröße beachten, v.a. bei Quergängen und Trittstiften
 

Spätes Schulkindalter (9 bis 14 Jahre)

Kognition und das Reflexion nehmen zu. Die Kinder sind nun in der „Schlüsselphase“ für das Bewegungslernen! Persönliche Interessen beginnen sich auszuprägen, die Körperproportionen harmonisieren mehr und mehr.

 

Kinder können nun bereits schwierigere und mittellange Klettersteige begehen:

 

Empfohlene Touren

  • maximaler Schwierigkeitsgrad: C (Buchstabenskala), K 3 (HüslerSkala), D (difficile, ITA), D (difficile, FRA)
  • Höhenmeter inklusive Klettersteig: max 1000m
  • Gesamtzeitdauer: max 6h
  • ideal: Zustieg ≤60 Min, einfacher Abstieg ≤ 60 Min
 

Jugendalter (14 bis 17 Jahre)

In der Pubertät treten wandelnde Interessen und Gefühlslagen auf. Fast alle Bergsportdisziplinen können betrieben werden, wobei die Selbständigkeit und Selbstverantwortung gefördert werden sollen.

 

Zu Schwierigkeitsgrad, Gesamtzeitdauer und Höhenmetern erfolgt keine Angabe, da das Können sehr unterschiedlich sein kann. Übermut und falsche Selbsteinschätzung müssen in diesem Alter berücksichtigt werden.

 

Allgemein gilt:

Die angegebenen Richtwerte können unter- und auch behutsam überschritten werden. Im Vordergrund muss immer die Sicherheit und Passung an die Kondition zzgl. eines „Puffers“ stehen. Eltern müssen ihre eigenen Ambitionen zurückstellen und die Tour nach den Bedürfnissen ihrer Schutzbefohlenen ausrichten.

 

  • Zu- und Abstieg können durch absturzgefährliches Gelände führen. Solche Touren meiden bzw. nur mit trittsicheren und schwindelfreien Kindern begehen und sichern (Handfassung, kurzes Seil, paralleles Gehen).
  • Zeitbedarf großzügig und mit zusätzlichen Pausen planen.
  • Klettersteige nur in ausgeruhtem Zustand angehen, ausreichend trinken und essen.
  • Die schwierigsten Stellen des Klettersteigs sollten eher am Anfang sein, Notabstiegsmöglichkeiten einplanen.
 

Ausrüstung

Klettersteigset

Zur Sicherung wird ein Klettersteigset verwendet. Dieses besteht aus einem Fangstoßdämpfer und zwei Sicherungssträngen mit je einem Karabiner mit hoher Bruchfestigkeit. Nachdem das Set mit Hilfe einer Einbindeschlaufe am Anseilpunkt des Klettergurts befestigt ist, können sich Kinder am Drahtseil mit den selbstverriegelnden Klettersteigkarabinern einklinken.

 

Bei den Fangstoßdämpfern unterscheidet man zwei Arten:

  • Reibungsbremsen mit Bremselement, Bremsseil und abschließender Durchlaufsperre. - Im Sturzfall läuft ein Seil oder Band durch eine Bremse, wobei durch Reibung die Sturzenergie körperverträglich abgebaut wird.
  • Bandfalldämpfer mit gefaltetem Band inklusive Reißnaht und Aufbewahrungstasche. - Das bandartige Gewebe ist so verwebt, dass es im Sturzfall „wie eine Ziehharmonika“ aufreißt und dadurch die Sturzenergie durch intervallartige Bandverlängerung abgebaut wird.

 

Y- oder V-Design?

Moderne Klettersteigsets können mit beiden Sicherungssträngen ins Drahtseil eingehängt werden, so dass bei Versagen der zweite Strang sichern kann. Da ein so in Gebrauch eingehängtes Set aussieht wie ein „Y“, spricht man auch von Y-Sets.

Bei den noch im Unlauf befindlichen V-Systemen ist ein Sicherungsarm gleichzeitig das Bremsstück, weshalb immer nur ein Karabiner in das Drahtseil eingehängt werden darf. Dieses System wird wegen der möglichen Fehlbedienung nicht empfohlen und entspricht nicht der aktuellen UIAA-Norm.

 

Anwendungsregeln

  • Fangstoßdämpfer sind exakt eingestellt und dürfen nicht verändert werden.
  • Das Seil oder Band muss ungestört, in voller Länge in die Bremse einlaufen können.
  • Sets nur entsprechend der Bedienungsanleitung gebrauchen.
  • Nach einem Sturz das Set aussondern, auch wenn kein Schaden zu sehen ist.
  • Keinesfalls selbstgebaute Sets verwenden.

 

Hinweise & Kriterien für Nutzung und Auswahl   

Die Norm für Klettersteigsets sieht ein Fallgewicht von 80 kg vor, das von Kindern bei weitem nicht erreicht wird. Dies hat zur Folge, dass das Auslösen der Bremsfunktion kaum möglich ist und ein Sturz sehr hart wird. Allein dies ist schon Grund genug, dass Kinder auf Klettersteigen nicht stürzen dürfen!

Geraffte Schlauchbänder mit eingenähtem Gummi als Sicherungsstränge sind im Handling deutlich einfacher, bei Bandfalldämpfern hängt kein störendes Bremsseil zwischen den noch kurzen Kinderbeinen, Karabiner- und Handgröße sollten zusammen passen, Metallkreisel am Beginn der Sicherungsarme verhindern das „Verwursteln“ derselben. 

 

Selbstsicherung

Das Prinzip des „ständig gesichert Seins“ durch zwei immer eingehängte Karabiner am Drahtseil ist für Kinder leicht verständlich und auch die „lückenlose“ Umhängetechnik stellt kein Problem dar. Schwierig wird es, wenn das Umhängen im Steilgelände mit anstrengendem Halten verbunden ist. Hier fehlt oft die nötige Kraft. Entweder hält das Kind sich zur Entlastung mit dem Arm über die Ellenbogenbeuge fest oder man hilft hier als Begleiter schnell aus.

 

Helm

Kinder nur mit Helm klettern lassen! Dieser schützt nicht nur vor Steinschlag durch Vorausgehende, sondern auch vor Anprall des Kopfes am Fels. Nur Bergsteigerschutzhelme verwenden. Den Helm schon im Wandfußbereich bzw. am Einstieg anlegen!

 

Gurt

Kinder können zusätzlich zum Sitzgurt mit einem Brustgurt angeseilt werden, um ein eventuelles Herausrutschen aus dem Sitzgurt beim Abkippen des Oberkörpers nach hinten nach einem Sturz zu vermeiden. Dieser kann einzeln angezogen und mit einem Verbindungsstück (Achterband aus Schlauchband mit mindestens drei Kennfäden) mit dem Sitzgurt kombiniert werden oder bereits in einen sogenannten Komplettgurt fest integriert sein.

Beide Anseilsysteme haben Vor- und Nachteile: Beim zusätzliche Brustgurt sind extra Handgriffe nötig, die Verbindung mit dem Sitzgurt muss exakt abgestimmt sein, der Hängekomfort ist dafür gut. Der Komplettgurt ist zum Anlegen einfacher, die Hängeposition ist dagegen nicht komfortabel. Bei der Wahl des Gurtes ist entscheidend, dass die Schulterbänder nicht über die Schultern seitlich herunterrutschen können und alle Bänder exakt auf die Körperproportionen eingestellt sind. Klettersteigerfahrene Kinder und Jugendliche, die eine ausgeprägte Hüfte haben, können auch nur mit einem Sitzgurt klettern.

 

Handschuhe

Spezielle Handschuhe mit abgeschnittenen Fingerkuppen sorgen für den Schutz der Haut gegen Blasen, Abrieb und Stichverletzungen durch freistehende spitze Drahtseillitzen und halten warm.

 

Zusatzsicherung

In manchen Situationen kann es ratsam sein, das Kind mit einem zusätzlichen Seil (Einfachseil , ca. 20 Meter Länge) nachzusichern:

  • Längere schwierige steile Passagen (ab C), in denen durch den Begleiter keine direkte Hilfe mehr möglich ist.
  • Absturzgelände in denen ein Drahtseil fehlt
  • Auf Wunsch des Kindes, bei Angst, zur moralischen Unterstützung und Zughilfe

Das mit Sackstich- oder Achterknoten direkt ins Seil eingebundene nachsteigende Kind sollte die Klettersteigsetsicherung dennoch ausführen, kann aber bei Bedarf (Kraftmangel, Zeitnot) auch entfallen – sofern keine Pendelgefahr besteht. Anderenfalls muss vor Quergängen eine Expressschlinge als Zwischensicherung eingehängt werden. Selbstverständlich muss der Standplatz (ein Sicherungsstift) hundertprozentig sicher sein. Die Sicherung erfolgt über einen HMS-Karabiner, der entweder direkt oder besser in eine kurze vernähte Bandschlinge als bewegbares Verbindungselement eingehängt wird. Selbstverständlich muss der Erwachsene auch immer selbst gesichert sein. Bei Quergängen muss das Kind das Klettersteigset zwingend weiter einhängen. Zum besseren Seilverlauf können auch hier Expressschlingen als Zwischensicherungen dienen.

 

Begleitung

Grundsätzlich sollte man als Begleiter eines Kindes direkt hinter dem Kind steigen. Die Wegfindung stellt durch das vorgegebene Drahtseil kein Problem dar und man gerät nicht in Versuchung schnell mal ein Stück voraus zu gehen. Vor allem kann man von hinten jederzeit etwas Schub und Tritthilfe geben oder die am Drahtseil heruntergerutschten Karabiner hochreichen bzw. umhängen. Im schlimmsten Fall können auch kleine „Wackler“ abgefangen werden. Bei anderen Konstellationen wie der grundsätzlichen 1 Erwachsener:1 Kind empfehlen sich folgende Reihungen.

 

Kind (K)

K oder K

K

K

Erwachsener (E)

K E

E

E

E K

K

K

E

K

E

 

Erwachsene, die mit ihren Kindern häufig unterwegs sind, können diese oft selber gut einschätzen, so dass auch eine individuelle Taktik gewählt werden kann, z.B. dass der Erwachsene vorausgeht. Letztendlich hängt die gewählte Reihung auch vom Gelände ab. So kann man beispielsweise auf einer senkrechten Leiter von hinten nicht so gut agieren wie im gestuften Gelände. Entscheidend ist, dass die Erwachsenen jederzeit dem Kind helfen können und sich ganz auf das Tempo, die Gefühlslage und Besonderheiten des Kindes einstellen. Nicht vergessen werden darf auch die eigene Sicherung!

 

 

 

Geeignete Klettersteige für Kinder in Deutschland:

Frühes Schulkindalter (6 bis 9 Jahre)

  • Ettaler Mandl (Ammergauer Alpen, A, bis 1633 m, Seilbahn ↨)
  • Konsteiner Klettersteig (Frankenjura, A)
  • Häntzschelstiege (Sächsische Schweiz, B)

 

Spätes Schulkindalter (9 bis 14 Jahre)

  • Mittenwalder Höhenweg (Karwendel, A bis B) bis 2384 m, Seilbahn ↑)
  • Hindelanger Klettersteig bis zur Hälfte (Allgäuer Alpen, B, bis 2280 m, Seilbahn ↨)
  • Alpspitzferrata (Wettersteingebirge, A bis B, bis 2620 m, Seilbahn ↨)

 

Jugendalter (14 bis 17 Jahre)

  • Mindelheimer Klettersteig (Allgäuer Alpen, C, bis 2308 m, inkl. Hüttenübernachtung)
  • Mannlsteig – Schustersteig (Berchtesgadener Land, A bis B, bis 2522 m, Bus ↑)
 

Weitere Info & Downloads

Der Sturz ins Klettersteigset bedeutet für Kinder Lebensgefahr. Dieses Ergebnis einer Untersuchung der DAV-Sicherheitsforschung hat vor einigen Jahren Bewegung in die Bergsportszene und Herstellerwelt gebracht.

 

In den Downloads sind die wichtigsten Ergebnisse und der aktuelle Stand der Entwicklung zusammengefasst.

 

Erhebliche Mängel bei vielen Klettersteigsets

Zweite Rückrufaktion innerhalb eines halben Jahres

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Auch Klettersteigsets mit Reibungsbremse können alterungsbedingte Mängel aufweisen und bei einem Sturz im Extremfall reißen. Bitte überprüfen Sie ihr Set anhand unserer Liste.