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Alpine Unfall-Bilanz 2020

ÖKAS berichtet von weniger Toten und mehr Verletzten am Berg

18.01.2021, 16:52 Uhr

Das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit (ÖKAS) hat seine jährliche Alpinunfallstatistik veröffentlicht. 2020 sind insgesamt 261 Personen in den österreichischen Bergen umgekommen, 7466 wurden verletzt gerettet. Damit ging die Todeszahl im Zehnjahresmittel leicht nach unten, die Anzahl der Verletzten stieg im Vergleich zu 2019 um rund 500.

Die Bergwacht Bayern verzeichnet ähnliche Ergebnisse. Auch hier ging die Zahl der tödlichen Unfälle erfreulicherweise leicht zurück, ausrücken musste die Bergwacht dennoch häufiger als in vergangenen Jahren. Auch der Einfluss der Corona-Pandemie ist deutlich zu spüren: In Bayern, Österreich, aber auch der Schweiz, waren die Unfallzahlen im März und April aufgrund des Lockdowns vergleichsweise niedrig.

 

Wandern und Bergsteigen mit den höchsten absoluten Zahlen

261 tödliche Unfälle zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2020 in Österreichs Bergen, das zeigt die Alpinunfallstatistik vom ÖKAS. Das Zehnjahresmittel liegt bei 290 Toten pro Jahr. Die Opfer waren 2020 mit 84% größtenteils männlich, aber auch 42 Frauen fanden ihren Tod am Berg. Mit 98 Toten war Wandern und Bergsteigen die Bergsportdisziplin mit den meisten Unfalltoten, gefolgt von tödlichen Unfällen auf der Piste/Skiroute mit 30 Toten.

Die Anzahl der Verletzten am Berg stieg dagegen im Vergleich zu 2019 um 500 auf 7466 Personen. In diesem Bereich liegt das Zehnjahresmittel bei 7.525.
Insgesamt gab es im Jahr 2020 11.290 Einsätze, also geringfügig weniger als im Zehnjahresmittel mit 11.446. Und das obwohl der Coronabedingte Lockdown im März und April die Einsatzzahlen deutlich senkte: Es verunfallten knapp 1200 Personen weniger als im langjährigen Mittel.

 

Wie sah es in Bayern aus?

Die Bergwacht Bayern betrachtete die Saison vom 1. Dezember 2019 bis zum 31. Oktober 2020. In diesem Zeitraum wurden 7791 Einsätze gezählt und damit ein leichter Rückgang verglichen mit den Jahren 2018 und 2019. 

 

Der Rückgang beschränkt sich allerdings vor allem auf die Wintersaison und besonders den Zeitraum März und April 2020. Gründe dafür sind die geringe Schneelage und wie bereits erwähnt der Lockdown im Rahmen der Corona-Pandemie. Gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen Jahre ist ein Rückgang der Einsatzzahlen im März und April 2020 von rund 54% festzustellen.

 

In der Sommersaison vom 1. Mai bis 31. Oktober 2020 erreichten die Einsätze einen negativen Spitzenwert von 3482. Seit 2017 steigen die Zahlen kontinuierlich an, 2020 waren es nun rund 650 mehr als vor drei Jahren. Wie in Österreich gab es auch in Bayern die meisten Einsätze beim Wandern und Bergsteigen, nämlich 1865. Mit 781 Einsätzen stiegen die Unfälle beim Mountainbiken und auch beim Klettern und am Klettersteig gingen die Zahlen hoch: Mit 139 Einsätzen (davon 58 am Klettersteig und 81 beim Klettern) gab es 2020 über 20 Einsätze mehr als noch 2019. 

Besonders hoch waren die Einsatzzahlen im Juli, August und September. Auch in Bayern ist die Anzahl tödlicher Ausgänge zurückgegangen: 63 Personen starben 2020 in den Bayerischen Alpen und Mittelgebirgen, 2019 waren es 87. Dabei sank der Anteil ausländischer Verunfallter sicher auch wegen der Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie noch weiter: von 6,09% in 2019 auf 3,22% in 2020.

 

 

Eine Analyse der Einsatzstatistik mit allen Zahlen gibt es im PDF:  Bergwacht Bayern-Analyse Einsatzstatistik Sommer 2020 Zahlen final [580 kb]

 

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