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Wie funktioniert das? Erste-Hilfe-Sets

„Besser haben als brauchen!“ Das gilt für kaum einen Ausrüstungsgegenstand so sehr wie für das Erste-Hilfe-Set. Das Angebot an kleinen und großen Notfallpäckchen für den Bergsport ist mittlerweile enorm. Es gibt also keine Ausreden mehr, auf Erste-Hilfe-Material zu verzichten!

 

Was ist wichtig beim EH-Set für den Bergsport?

  • Robuste, wasserresistente Hülle
  • Übersichtlichkeit durch thematische Anordnung des Inhalts in verschiedenen Fächern
  • Eventuell Schlaufen oder Aufhängung für eine Befestigung am Klettergurt
  • Signalfarbe zum schnellen Auffinden
 

Wie lange hält das Material?

Sterilität, Elastizität und Klebefähigkeit gehen mit der Zeit verloren. Wenn kein Verfallsdatum erkennbar ist, sollte man das Sortiment spätestens dann austauschen, wenn die Verpackungen vergilben, zerfransen oder spröde werden. Wundauflagen und Verbandsmaterial kann man aber noch zum Üben weiterverwenden. Außenhülle des Päckchens gelegentlich auf Dichtheit prüfen!

 

Was fang ich damit an?

EH-Material nützt nur, wenn man damit umgehen kann. Also: Nach dem Kauf schauen, was drin ist und wo. Wer sein EH-Päckchen regelmäßig checkt, kann es leichter dem gewünschten Einsatz anpassen. Und: regelmäßig üben oder einen Kurs zur Outdoor-Notfallversorgung besuchen!

 

Welches Set für welchen Zweck?

  1. Mini-Päckchen für kurze Ausflüge ins Gelände: MTB-Feierabendrunde, Berglauf, Klettertour, … Es wiegt zwischen 150 und 200 Gramm und misst circa 11 x 12 x 3,5 Zentimeter. Preis: 12 - 25 Euro
  2. Standard-Päckchen für Tagestouren: Skitour, Wandern, MTB, Hochtour, … Das Standard-Päckchen wiegt zwischen 230 und 450 Gramm und misst ungefähr 14 x 9,5 x 6 Zentimeter. Preis: 30 - 45 Euro
  3. Erweitertes Päckchen für Mehrtagestouren, Durchquerung, Unternehmungen ohne Möglichkeit einer raschen Rückkehr ins Tal. Es wiegt zwischen 450 und 700 Gramm und misst circa 26 x 18 x 4,5 Zentimeter. Preis: 45 - 100 Euro

 

Was soll drin sein?

 

Mini-Päckchen

  • 1 Paar Einmalhandschuhe
  • 2 Verbandspäckchen (Druckverband für stark blutende Wunden)
  • 2 sterile Kompressen (Wundauflage zum Schutz von Wundflächen)
  • 1 Rettungsfolie (silberne Seite zum Patienten, goldene Seite nach außen)
  • 1 Taperolle (1 Meter)

 

Standard-Päckchen

  • 1 Paar Einmalhandschuhe
  • 1 Verbandspäckchen
  • 1 Mullbinde (elastisch)
  • 2 sterile Kompressen
  • 1 Rettungsfolie
  • 1 Taperolle
  • 1 Pflasterset (20 Stück, u.a. Fingerkuppen-, Fingerknöchelpflaster)
  • 2 Hautbildende Blasenpflaster (nur zur Regeneration)
  • 1 Dreieckstuch
  • 1 Beatmungstuch (für Reanimation)
  • 1 Zeckenkarte
  • 1 Pinzette (stabil)
  • 1 Traubenzucker
  • 1 kleine Schere (stabil)
  • 2 Desinfektionstüchlein (umstritten)

 

Erweitertes Päckchen

Ein erweitertes EH-Päckchen beinhaltet alles aus dem Standard-Päckchen, nur mehr davon, zum Beispiel 2 Paar Einmalhandschuhe, 4 Verbandspäckchen, 4 sterile Kompressen usw. Man kann auch zwei Standard-Päckchen nehmen und in der Gruppe aufteilen. Wegen der größeren Abmessungen bietet aber die Hülle eines erweiterten Päckchens mehr Platz für zusätzliche Ergänzungen.

 

Was kann noch mit?

Biwaksack

Ein 1-Personen-Biwaksack bietet mehr Schutz vor Unterkühlung als eine Rettungsdecke. Ein robuster 2-Personen-Biwaksack wiegt circa 350 Gramm und hat zwei große Vorteile:

  • Einpacken der verletzten Person ohne große Manipulation der Verletzung selbst,
  • Behelfsmittel zum liegenden Transport.

 

Sam-Splint

Sam-Splints sind gepolsterte Aluschienen (verschiedene Größen, Standard: 11 x 91 Zentimeter, circa 130 Gramm). Sie lassen sich einfach verformen. Am gesunden Körperteil (z.B. Arm) anpassen, dann mit elastischen Binden am verletzten Körperteil fixieren.

 

Stirnlampe

Ein Unfall kostet immer Zeit; schnell kommt man in die Dunkelheit. Für Touren, die keinen Aufbruch bei Nacht erfordern, genügt eine Notfallstirnlampe (ab circa 30 Gramm).

 

Fettgaze

Zur Abdeckung von Schürfwunden, etwa bei Unfällen mit dem MTB.

 

Wundnahtstreifen

Für Platzwunden oder Schnitte – vorher säubern und desinfizieren! Vorsicht: nach Wundverschluss am selben Tag ärztlichen Rat einholen!

 

 

Was braucht’s nicht unbedingt?

Medikamente

Die Einnahme von Medikamenten ohne ärztliches Fachwissen ist problematisch. Scheinbar harmlose, rezeptfreie Medikamente, wie etwa Aspirin, im falschen Moment verabreicht, können gravierende Schäden verursachen. Wenn überhaupt, dann nur für den Eigenverbrauch – Weitergabe an Andere nur durch rechtlich definierte Profis!

 

Hautbildende Blasenpflaster

Nur zur Regeneration! Bei Aktivität verkleben sie mit Socken oder Kletterschuh, beim Ausziehen reißt die Blase auf. Abhilfe: längs übertapen.

 

Verbandklammern

Zur Fixierung eines Verbandes ist Tape besser geeignet, Klammern lösen sich bei Bewegung leichter (z.B. durch Reibung am Ärmel). Und ihre Hakenspitzen können die Einmalhandschuhe beschädigen.

 

Knicklicht

Einweg(!)-Produkt, das nach Knicken Licht abgibt; unnötig, wenn man eine (Mini-)Stirnlampe dabeihat.

 

Sitzunterlage

Als isolierende Sitzunterlage für Verletzte tut’s auch der Rucksack (Rückseite).

 

Was braucht’s auf großer Fahrt?

Fernab gut erschlossener Gebiete muss man auf vieles vorbereitet sein. Zusätzlich zum erweiterten EH-Päckchen sind je nach Region bestimmte Medikamente notwendig. Vorab vom Profi intensiv beraten lassen!

 

Und Corona?

Die Infektionsgefahr sollte nicht davon abhalten, bei Not- und Unfällen Erste Hilfe zu leisten. FFP2-Maske und Desinfektionsmittel ergänzen die Einmalhandschuhe im Set.

 

Text: Martin Prechtl ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und Mitglied des DAV-Lehrteams Bergsteigen. Er dankt Daniela Hornsteiner (danihornsteiner.de) für die Beratung.

 

Literaturtipp: Dani Hornsteiner, Erste Hilfe in Natur und Gebirge, 1. Auflage 2018, Euro 15,-, bestellbar unter office[Klammeraffe]danihornsteiner[Punkt]de

 

Illustrationen: Georg Sojer

 

Zuerst erschienen in DAV panorama 03/20, aktualisiert von Andreas Dick 03/21

 

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So geht das – Notfall Alpin

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Bei einem Notfall Erste Hilfe zu leisten, ist nicht (nur) Ehrensache, sondern gesetzliche Pflicht. Im alpinen Gelände können sich dabei komplexe Situationen ergeben und schwierige Entscheidung zu fällen sein. Grund genug, sich darüber Gedanken zu machen oder idealerweise einen Kurs „Erste Hilfe alpin“ zu besuchen. hr.first-paragraph-separator { display: none !important; } Im Umgang mit akut erkrankten oder verunfallten Personen sind Herz, Hand und Verstand gefragt. Der Helfer folgt einem festen Ablauf (= Erste-Hilfe-Algorithmus)!  

Erste Hilfe am Berg

Das kleine Einmaleins für Bergsportler*innen

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Bergsport boomt. In die Berge zu gehen ist gesund, fördert Ausdauer und Kraft, die Zeit in den Bergen tut Seele und Geist gut. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Bergsport auch gewisse Risiken mit sich bringt. Wenn ein Unfall passiert, ist organisierte Rettung im schlimmsten Fall weit weg. Deshalb sollten Bergsportler*innen das kleine Einmaleins der Ersten Hilfe kennen und anwenden können.