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Auf- und Abfellen auf Skitour

Ohne Felle fehlt etwas beim Skitourengehen. Denn erst Felle ermöglichen den Aufstieg am Berg. Nutzte man in früheren Zeiten echte Felle, beispielsweise von Seehunden oder Fischottern, so kommen heute neben Wolle der Angoraziege (Mohair) häufig Kunststoffe bei der Fellherstellung zum Einsatz. Allen ist eines gemeinsam: sie erfüllen sehr komplexe Anforderungen.

Wie ziehe ich Felle korrekt auf und ab?

Um mit den Tourenski den Aufstieg am verschneiten Berg zu meistern, klebt man sogenannte Felle unter die Ski. Auf diesen gleitet man nach vorne; gleichzeitig wird das Nach-hinten-Rutschen verhindert, denn die Härchen der Felle stellen sich bei solch einer Bewegung auf und stoppen den Ski sofort.

 

Hier nun die "klassischen" Schritte fürs Auf- und Abfellen: 

 

Auffellen

  • Fellspitze vom Netz bzw. von der Schutzfolie lösen.
  • Fellbügel über die Skispitze hängen.
  • Fell Stück für Stück vom Netz ziehen und unter leichtem Zug mittig sowie mit gleichmäßigem Abstand zur Kante auf den Ski kleben.
  • Sitz des Fells kontrollieren und kleine Unebenheiten glattstreichen.
  • Endhaken einhängen.
  • Achtung: Bei Fellsystemen, die über die Skispitzen gespannt werden, beginnt man mit dem Auffellen an den Ski-Enden.

 

Abfellen

  • Netz bzw. Folie bereithalten (Größe: rund ½ Länge des Fells).
  • Fell beginnend vom Ski-Ende abziehen und bis zur Hälfte vom Ski lösen.
  • Ski in den Schnee stecken und nun Fellende und Skispitze in einer Hand halten.
  • Netz von oben beginnend auf die Klebefläche des Fells legen.
  • Fell in der Mitte fassen und zur Skispitze hin hochziehen; dabei auf das Fell kleben.
  • Achtung: Bei Fellsystemen, die über die Skispitzen gespannt werden, beginnt man an diesen mit dem Abfellen.

 

Oft werden die Felle auch einfach ohne Schutzfolie aufeinandergelegt. Dies ist bei Adhäsionsfellen der Fall. Bei herkömmlichen Klebefellen gehen die Meinungen auseinander: während die einen die Schutzfolie akribisch einsetzen, kleben andere die Felle immer einfach aufeinander. Mitunter kann das direkte Aufeinanderkleben den Fellen schaden, andererseits empfehlen es manche Hersteller explizit. Hier gilt es, das eigene Material genau zu hinterfragen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Felle sauber und trocken gehalten und auch sonst gepflegt werden. 

 

7 Tipps: So hast du lange Freude an deinen Fellen

  • Nach jeder Tour trocknen, jedoch nie direkt auf der Heizung.
  • Lichtgeschützt und trocken lagern, Transport im Beutel.
  • Für besseres Haften am Ski bei Kälte anwärmen, z. B. am Körper; Skibelag mit Ärmel oder Tuch trocknen.
  • Fell nicht zu stark spannen.
  • Nicht durch Wasser oder über Fels gehen, nicht mit Mohairfellen auf Kunstschneepisten.
  • Aufgefellte Ski nicht in die Sonne stellen.
  • Wenn Fellkleber am Belag bleibt, mit Benzin entfernen; Belag regelmäßig wachsen.
 

Wie haften die Felle am Ski?

Beim Skitourengehen trifft man aktuell auf grundsätzlich drei Arten von Fellen: klassische Klebefelle, Adhäsionsfelle sowie Hybridfelle. Jeder dieser Felltypen erfüllt die komplexen Anforderungen des Skibergsteigens auf ganz eigene Weise und zeichnet sich dabei durch unterschiedliche Vor- und Nachteile aus:

 

Klassisches Klebefell
Die Ski-Seite des Fells ist mit einem Schmelzkleber auf Kunstharzbasis beschichtet.

 

  • + bewährtes System, Kleber erneuerbar

 

  • - schlechtere Haftwirkung bei Kälte und Verschmutzung
  • - evtl. Beschädigung ausgebesserter Stellen im Belag beim Abziehen eines Fells mit starkem Kleber
  • - insgesamt aufwendiges Handling

 

Adhäsionsfelle
Statt Schmelzkleber verwendet man zum Beispiel eine Silikonschicht. Molekulare Wechselwirkungen zwischen Ski und Fell schaffen den mechanischen Zusammenhalt auch ohne Klebstoff.

 

  • + einfaches Handling, kein ungewolltes Verkleben der Felle bei Wind
  • + unproblematisch bei Verschmutzung, mit Wasser abwaschbar

 

  • - schlechte Haftwirkung bei Feuchtigkeit und Nässe, bei bestimmten Skiwachsen oder bei Unebenheiten im Belag

 

Hybridfelle

Hybridfelle versuchen die Vorteile der Adhäsionsfelle mit jenen der klassischen Klebefelle zu verbinden.

 

  • + einfaches Handling
  • + wenig problematisch bei Verschmutzung
  • + akzeptable Haftwirkung bei Nässe, bei nahezu allen Skiwachsen und bei Unebenheiten im Belag

 

  • - hoher Preis
  • - nur zu empfehlen, wenn nicht mehrfach auf Tour auf- und abgefellt werden muss 
  • - mitunter problematisch bei (sehr) kalten Bedingungen
  • - Wiederaufbereitung nur eingeschränkt möglich
 

Hingeschaut: Das Geheimnis der Felle

Ein Standard-Skitourenfell hat einen Flor mit rund 1,5 Millionen feinen Härchen. Sie sind schräg in einen Trägerstoff eingewebt und zeigen in die gleiche Richtung. Beim Gehen gleiten die Härchen über die mikroskopischen Unebenheiten der Schneekristalle hinweg. Bei Belastung nach unten (Steigphase) verzahnen sich die Härchen mit den Schneekristallen.

 

Felle bestehen heute entweder aus Mohair, aus Synthetik oder einem Mix aus beidem. Eine weitere Alternative sind Schuppenfolien:

 

Mohair (Wolle der Angoraziege)

  • + geschmeidig auch bei tiefen Temperaturen
  • + sehr gutes Gleiten, sehr guter Halt im Aufstieg
  • + kaum Stollenbildung, weil wasserabweisend
  • + geringes Gewicht

 

  • - hoher Preis
  • - schneller Verschleiß, vor allem bei hartem Schnee (z. B. Harsch oder Kunstschneepisten)

 

Mixfelle (60-70% Mohair, 30-40% Synthetik)

  • + große Ähnlichkeit mit Mohairfellen
  • + langlebiger als Mohair

 

  • - schwerer und weniger geschmeidig als Mohair

 

Synthetik (z. B. Nylon)

  • + langlebig und robust
  • + günstiger Preis

 

  • - wenig geschmeidig bei Kälte
  • - schlechtere Gleiteigenschaften, weniger Halt im Aufstieg
  • - hohes Gewicht

 

Schuppenfolie
Hierbei handelt es sich nicht um Härchen, sondern um eine Kunststoffoberfläche mit Schuppenstruktur. 

  • + sehr gute Gleiteigenschaften, guter Halt in weichem Schnee

 

  • - weniger Halt im Aufstieg auf sehr hartem, steilem Untergrund

 

  • ± Die Langlebigkeit ist umstritten

 

 

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