Von links nach rechts Die drei DAV-Vizepräsidentinnen Melanie Grimm, Annika Quantz und Burgi Beste.
Starke Frauen an der DAV-Spitze: die drei Vizepräsidentinnen Melanie Grimm, Annika Quantz und Burgi Beste (v.l.n.r.). Foto: DAV/Tobias Hase
Vizepräsidentinnen im Gespräch

Aufstieg mit Perspektive: Warum der DAV mehr Frauen braucht

Wir haben gefragt: Wie erleben Frauen ihr Ehrenamt? Was treibt sie an, Verantwortung zu übernehmen – und was hält manche vielleicht noch zurück? Für unsere Vizepräsidentinnen Annika Quantz, Burgi Beste und Melanie Grimm entsteht die Motivation oft aus Überzeugung, aus Gemeinschaft – und manchmal auch durch den Wunsch, nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass strukturelle Hürden bestehen bleiben. Und so stellt sich die dringliche Frage nach der Zukunft: Wie gelingt es, mehr Frauen für ehrenamtliche Aufgaben bis ins Präsidium zu gewinnen? Klar ist: Der DAV ist in Bewegung – doch es braucht weiterhin gezielte Förderung, sichtbare Vorbilder und eine Kultur, die neue Perspektiven nicht als Störung begreift, sondern als Chance. Denn Vielfalt stärkt den Verein und entscheidet mit darüber, wie er sich in Zukunft weiterentwickelt.

edelweiss_regenbogenfarbe_4c.png DAV

Ihr seid alle drei Vizepräsidentinnen. Was ist eure Motivation für diese große ehrenamtliche Aufgabe? Gibt es etwas, worauf ihr besonders stolz seid? Und müsst ihr gelegentlich auch mal fluchen?

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Meine Motivation war es, mich für den Bergsport und speziell für den Leistungssport stark zu machen. Und ich finde, dass ich da vieles begleiten konnte. Klar, es gibt die eine oder andere Situation, wo man auch mal tüchtig flucht und sagt „warum tust du dir das eigentlich an? Du könntest deine Zeit auch anders verbringen.“ Aber letztendlich hat einfach der Spaß an der Arbeit überwogen. Aber auch die Lust, mit einem Team zusammenzuarbeiten. Das hat mich dann bei der Stange gehalten.

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Meine Motivation ist einfach konkret in diesen Versammlungen entstanden. Wenn du da mit richtig vielen Leuten bist – bei uns in der JDAV sind das gerne mal um die sechshundert – dann streitet man sich stundenlang um irgendeine Position, das gibt mir richtig viel Kraft.

Aber es ist nicht immer einfach. Also zum Thema Fluchen: Ja, zum Beispiel bei schlechten Zugverbindungen. Und auch das Thema Zeit ist oft frustrierend. Was man alles absagen muss und dass man klare Prioritäten setzen muss. Das macht mich manchmal ein bisschen traurig. Da sehe ich schon einen Haken, den ich aber auch im Vorfeld kannte.

Mein Erfolg ist, dass ich versuche, dieses Ehrenamt Menschen grundsätzlich zu ermöglichen und es zu öffnen.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Bei mir war das mit der Motivation so eine Sache: Eigentlich wollte ich gar nicht Vizepräsidentin werden. Bis ich dann irgendwann bei einer erneuten Anfrage für mich entschieden habe, dass es nicht richtig ist, nur zu konsumieren und Leistungen in Anspruch zu nehmen und die anderen machen zu lassen. Also habe ich mich für dieses Amt entschieden und wollte es ausprobieren. Meine Position und meine Aufgaben musste ich mir dann tatsächlich auch erst mal erarbeiten. Aber ich hatte dabei nie das Gefühl, dass ich allein bin – sowohl mit den Präsidiumskollegen als auch mit den Hauptamtlichen. Irgendwo war immer jemand, der sich auskannte oder mit dem man sich austauschen konnte.

Stolz bin ich auf den Umbau der Bundesgeschäftsstelle und die Modernisierung des Alpinen Museums. Da stecken schon eine Menge Herzblut drin und auch eine Menge Nerven.

Die ehrenamtliche Arbeit im Präsidium wird nicht leichter: viele Krisen, viele ganz große Aufgaben, die erschwerten Bedingungen, die Ansprüche und der Ton von außen. Und der zeitliche Aufwand ist einfach immens.

Melanie weiß, dass Geschäfte an der Bar gemacht werden. Manchmal vielleicht auch im Café? Foto: Eva Schaeffer

Frauen haben definitiv immer noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als Männer. Zum einen glaube ich, weil die Gesamtsituation nach wie vor so ist, dass wir Frauen insgesamt mehr auch in anderen Bereichen eingesetzt sind, einschließlich der Carearbeit. Was ich glaube, was noch dazukommt ist, dass du dich als Frau beweisen musst. [...] Wir haben zwar ein Gefühl dafür, dass wir es können, postulieren das aber nicht.
- Melanie Grimm

edelweiss_regenbogenfarbe_4c.png DAV

Warst du eigentlich damals die einzige Frau im Präsidium, Melanie? Und was bedeutet es als Frau im Präsidium zu sein? Welche Herausforderungen gibt es – sind diese anders als bei den Kollegen?

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Ja, zuerst war ich tatsächlich alleine. Aber das Frausein in dieser Männerrunde war überhaupt nicht das Problem. Ich war es gewohnt, in vielen Bereichen als Frau aktiv zu sein, auch in größeren Männerrunden.

Frauen haben definitiv immer noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als Männer. Zum einen glaube ich, weil die Gesamtsituation nach wie vor so ist, dass wir Frauen mehr in anderen Bereichen eingesetzt sind, einschließlich der Carearbeit. Was noch dazukommt ist, dass du dich als Frau beweisen musst. Also während Männer oft einfach so daherkommen und sagen „Ich kann das, ich mach das.“ Und das glaubt man denen und merkt erst später, dass ganz viel heiße Luft dabei war. Ich glaube, das ist bei uns Frauen eher immer noch umgekehrt. Wir haben zwar ein Gefühl dafür, dass wir es können, postulieren das aber nicht. Und es wird, so mein Gefühl, auch eher erwartet, dass wir beweisen, was wir draufhaben. Und erst wenn man gesehen hat, dass man seine Rolle ausfüllen kann, hat man sich den Respekt der anderen auch wirklich erarbeitet.

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Grundsätzlich glaube ich auch, dass wir Frauen tatsächlich einfach ganz anders an solche Herausforderungen herangehen. Wir machen unseren Job und beweisen uns über die Ergebnisse. Wir erarbeiten uns damit quasi den Respekt für das, was wir tun.

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Ich würde sagen, dadurch, dass wir Frauen neue Blickwinkel einbringen, sind wir halt anstrengend. Wenn es uns nicht gäbe, könnte man glaube ich, relativ easy den Status quo einfach weiterverfolgen. Aber wenn da Frauen aufkreuzen – und wir drei sind alle nicht auf den Mund gefallen – und sagen, was wir wollen und für richtig halten, empfinden manche das als nervig. Man könnte das aber auch feiern: Das sind Leute, die neue Impulse einbringen.

Mir hat es auf jeden Fall geholfen, dass Burgi und Melanie schon mit dabei waren im Präsidium. Und dass ich auf einer Mädchenschule war. Ich war mein ganzes Schulleben immer nur unter Mädels. Das hat mich total empowert. Es gab überhaupt keine Scham und jeder relevante Posten an dieser Schule wurde natürlich auch von Mädels besetzt. Es stand überhaupt nicht zur Debatte, ob wir es können oder nicht, sondern wir haben es einfach gemacht. Mir ist dann erst später aufgefallen, im Studium und als ich auf der beruflichen Ebene mehr mit Männern zu tun hatte, dass da schon mal ein anderes Ego dahintersteckt.

Und deshalb finde ich es wahnsinnig wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig supporten und uns vielleicht auch ein bisschen innerlich verbünden. Auch wenn wir nicht bei allen Themen die gleiche Meinung haben. Aber im Präsidium zu wissen, wir sind da zu dritt, finde ich immer ein gutes Gefühl.

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Ich komme auch von einer Mädchenschule und ich habe danach in meinem Berufsleben ganz viel nur mit Frauen zu tun gehabt. Ich kann aus der Erfahrung heraus nur unterstreichen, was Annika gesagt hat. Dass wir einfach gezwungen waren, uns den Herausforderungen zu stellen, sie zu meistern und das als selbstverständlich zu nehmen.

Also ich habe nie das Gefühl gehabt, mich den Männern gegenüber beweisen zu müssen, sondern eher, dass ich die Aufgaben, die mir gestellt werden, meistern will.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

In einem Mädchenkontext sozialisiert zu sein, kenne ich nicht. Ich bin schon immer mit Jungs und Männern, auch als Vorbildern, konfrontiert gewesen. Ich hatte aber für mich persönlich nie das Gefühl, dass das eine Rolle spielt, ob ich Mann oder Frau bin, weil es irgendwie, wie Burgi sagte, für mich um die Sache geht.

Und dann hatte ich so ein Aha-Erlebnis bei einem Führungskräfte-Training beim DOSB. Da ging es um Kommunikation. Kommunizieren Männer anders als Frauen? Kommt es auch auf bestimmte Symboliken an? Wer sitzt wo am Tisch, wer steht im Protokoll vorne? Ab da habe ich alles anders betrachtet: Ich habe mir manche Dinge nicht mehr mit so viel Herzblut und Wut angeguckt. Ich habe dann einfach mitgespielt. Ich weiß zum Beispiel auch, dass Geschäfte an der Bar gemacht werden. Da kannst du noch so gut vorbereitet sein, wenn du nicht vorher an der Bar deine Sachen platziert hast, brauchst du damit am nächsten Tag auch nicht in die Hauptversammlung gehen.

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Es gibt bestimmte Dinge, bei denen Frauen und Männer tatsächlich anders ticken und funktionieren. Ich glaube, wenn man es geblickt hat, muss man es nicht akzeptieren, aber verstehen, dass es so ist. Und dann kann man entweder sagen okay, ich gehe mit ganz viel Engagement dagegen an und versuche das zu ändern. Oder ich versuche mir meinen Weg in diesem Spiel zu bahnen. Und ich glaube, da ticken wir alle ein bisschen unterschiedlich – vor allem auch je nach Generation. Ich würde sagen, ich habe schon ganz gut meinen Weg gefunden, dass ich in den Spiegel gucken und sagen kann, ich verbiege mich nicht zu sehr.

"Du musst dir überlegen, was für dich in deiner Prioritätsliste oben ist." Für Annika natürlich auch mal die Berge. Foto: Viola Jung

Ich habe keinen anderen Bereich in meinem Leben, in dem ich so viel Selbstwirksamkeit erfahre wie in meinem Amt als Vizepräsidentin.
- Annika Quantz

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Wie bekommt ihr alles unter einen Hut (falls das überhaupt gelingt…)? Beruf, Familie, Hobbys… Oder anders gefragt, wenn ihr vorher gerne in die Berge gegangen seid, könnt ihr das immer noch so machen und genießen?

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Also die Flexibilität seitens meines Arbeitgebers hat mir sehr geholfen. Da möchte ich an die Arbeitslandschaft appellieren, dass das Thema Ehrenamt mehr im Arbeitsleben berücksichtigt werden muss. Und dass es dafür vielleicht doch langfristig oder mittelfristig einen festgelegten Ausgleich geben sollte. Eine Arbeitsreduktion, die ermöglicht, dass – egal ob Mann oder Frau – Leute, die eben noch jünger und noch nicht verrentet sind, auch solche anspruchsvollen Ehrenämter übernehmen können.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Bei mir gab es keinen Ausgleich. Es ist tatsächlich so, dass mein Arbeitgeber gesagt hat: „Sie können Minusstunden machen und Sie können bis zu 150 Stunden Plus ansammeln. Machen Sie damit, was Sie wollen oder nehmen Sie unbezahlten Urlaub.“ Aber eine Freistellung hat es in den gesamten zwölf Jahren nicht gegeben. Mit der Argumentation, dass das, was ich im Ehrenamt tue, nicht im direkten Zusammenhang mit meiner beruflichen Aufgabe steht.

Die Zeit für die Berge und vor allem die Zeit für Freunde wird immer knapper. Ich bin froh, dass ich nach zwölf Jahren Ehrenamtsarbeit noch welche habe.

Man muss sich schon ab und an die Frage stellen: „Wie belastbar ist auch mein Umfeld, sowohl im Job als auch der Freundes- und Familienkreis?“

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Meine Antwort auf die Frage ist: Nein, eigentlich klappt es nicht, alles zu vereinbaren. Du musst dir überlegen, was für dich auf deiner Prioritätsliste oben ist. Als ich angefangen habe, war ich jung und ehrgeizig und steckte in einem eher entspannteren Studiengang.

Mittlerweile habe ich angefangen zu arbeiten und die Zeit, die ich jetzt hier beim Interview verbringe, muss ich später nacharbeiten, weil ich mir auch beruflich was aufbauen will. Meine Karriere ist noch nicht am Ende, sondern die fängt gerade erst an und da will ich auch einen guten Job machen.

Und du brauchst ein gutes Umfeld, also Freund*innen, die dich sehen, dein Ehrenamt cool finden und dir nicht böse sind, wenn du mal wieder absagst und nicht mitkommst.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Bei Annika klingt es schon an und bei Burgi habe ich es auch schon rausgehört: Wir hätten ja alle längst das Ehrenamt hingeworfen, wenn es nicht am Ende doch einen Mehrwert hätte. Und den hat es definitiv. Wenn ich überlege, wie viele interessante Menschen, wie viele spannende Begegnungen ich in der Zeit gehabt habe, die ich sonst nie und nimmer gehabt hätte. Wie ich auf Themen schaue, wie ich über den Tellerrand meiner eigenen kleinen Bubble gucke, in Bezug auf Umweltschutz, in Bezug auf gesellschaftspolitische Themen, in Bezug auf so vieles. Obwohl wir parteipolitisch neutral sind, haben wir natürlich zu gesamtgesellschaftlichen Fragen auch eine Haltung und da ist es mir besonders wichtig, diese deutlich zu vertreten. Spätestens seit dem Jubiläumsjahr sind wir sehr, sehr klar – auch in Äußerungen, was unsere Werte, unsere Haltung, unsere politischen Ansichten betreffen in Bezug auf Vielfalt, auf Diversität, auf Miteinander. Wir wissen, dass wir uns ganz klar gegen Sachen stellen können, gegen Ausgrenzung, gegen Antisemitismus. Es ist so wichtig, auch da klare Aussagen zu treffen und es ist so schön, auch da die Möglichkeiten zu haben, gehört zu werden und zu gestalten.

Das ist etwas, was das Amt mit sich bringt: Dass man eben die Dinge nicht nur sieht und nicht nur die Verantwortung trägt, sondern dass man in dieser Verantwortung ja Möglichkeiten hat und dass man Netzwerke schaffen und Dinge anstoßen oder Verbindungen herstellen kann.

Und was ich persönlich ganz, ganz wichtig und ganz wertvoll finde, ist, dass ich ja all das, was ich dort an Erfahrungen mache und was ich dort lerne, auch ganz persönlich mitnehme.

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Ich würde es summieren unter Selbstwirksamkeit. Ich habe keinen anderen Bereich in meinem Leben, in dem ich so viel Selbstwirksamkeit erfahre wie in meinem Amt als Vizepräsidentin. Wir sitzen einfach am Hebel der Macht. Damit geht ganz viel Verantwortung einher, aber eben auch Gestaltungsmöglichkeiten.

Traut euch, liebe Frauen, traut euch! Probiert es einfach aus. Es kann ja nichts Schlimmes passieren.
- Melanie Grimm

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Im Präsidium sieht es momentan (noch?) gut aus, ansonsten sind wir mit Frauen in Ehrenämtern, auch in Führungspositionen, noch nicht so weit. Jetzt wird es in der Satzung verankert. Wie seht ihr das? Ist der DAV auf einem guten Weg? Was fehlt, was könnte man noch ändern?

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Ich glaube, bei Frauen kommt es schon eher auf die Ansprache an, die zeigen nicht von selbst auf, wir müssen sie finden. Und sie ein bisschen wie bei der Talentsuche ermutigen. Also wird es eine Hauptaufgabe sein, Frauen, Gleichstellung und Vielfalt zu fördern. Das müssen Präsidium und Geschäftsführung immer auf dem Zettel haben, auch in den nächsten Jahren.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Aus meiner Sicht ist das im Moment immer noch sehr stark ein Zufallsprodukt, ob eine Frau im Präsidium landet oder ob eine Frau Erste Vorsitzende einer Sektion wird. Ich glaube, dass wir das, so wie es jetzt auch angegangen wird, systematisch aufbauen müssen. Dass wir Angebote machen müssen, die Frauen wahrnehmen können, wenn sie denn motiviert sind, in solche Ämter einzusteigen. Und wir haben auch große Aufgaben vor uns, die wir strukturell angehen müssen und wo wir auch nicht nur auf Frauen und Männer gucken dürfen – das Spielfeld ist ja viel größer. Aber es bewegt sich was, und das macht mir Hoffnung. Und ansonsten traut euch, liebe Frauen, traut euch! Probiert es einfach aus. Es kann ja nichts Schlimmes passieren.

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Bei uns in der JDAV haben wir eine Geschlechterquotierung. Wir nennen das auch nicht Frauenquote, sondern einfach Geschlechterquotierung. Und ich kann aus Erfahrung sagen, die Frauen, die ich finde, muss ich zwei, drei Mal überzeugen. Aber sie leisten die bessere, langfristigere, belastbarere Arbeit. Also ich kann es wirklich konkret daran festmachen. Dabei haben sie viel, viel mehr Selbstzweifel. Aber wenn sie sich dazu entscheiden, dann ziehen sie es auch wirklich durch, dann kannst du dich darauf verlassen.

Und aus diesem Grund ist die Geschlechterquotierung einfach super sinnvoll. Sie nimmt beide ein bisschen in die Pflicht. Die Männer müsseb ein paar Privilegien abtreten, das ist nicht immer selbstverständlich. Und die Frauen müssen ein bisschen angehauen werden so nach dem Motto „Hey, macht das, Ihr macht das unglaublich gut.“

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Und da sind wir wieder bei den Gestaltungsmöglichkeiten: Seitdem Annika und ich im Präsidium sind, legen wir den Finger in die Wunde. Ohne meinen Präsidiumskollegen zu nahe treten zu wollen: Ich glaube jetzt mal nicht, dass die Männer von sich aus auf den Gedanken kommen würden, „wir müssten jetzt mal ein bisschen Frauenförderung machen.“ Und das wiederum ist das Schöne am Ehrenamt: Man hat Verantwortung, aber man hat auch Möglichkeiten.

Burgi profitierte sehr von der Flexibilität ihres Arbeitgebers und macht natürlich auch mal Urlaub in den Bergen. Foto: privat

Ich finde wichtig, dass wir im Kontext unseres gesellschaftlichen Engagements noch mal Richtung Arbeitgeber vorstoßen, dem Ehrenamt mehr Gewicht zu geben und auch Leuten, die voll im Arbeitsleben stehen, ehrenamtliche Führungspositionen zu ermöglichen durch einen Ausgleich.
- Burgi Beste

edelweiss_regenbogenfarbe_4c.png DAV

Das ist eigentlich ein schöner Schlusssatz. Habt ihr noch was, was ihr gerne noch loswerden wollt oder den Frauen mitgeben wollt? Einen Gedanken, noch irgendeinen Wunsch für die Zukunft?

Porträt einer lächelnden Frau mit kurzen braunen Haaren, die eine blaue Bluse, eine schwarze Strickjacke und eine blaue Perlenkette trägt. Burgi

Also meinen Wunsch habe ich ja vorhin schon geäußert. Ich finde wichtig, dass wir im Kontext unseres gesellschaftlichen Engagements noch mal Richtung Arbeitgeber vorstoßen, dem Ehrenamt mehr Gewicht zu geben und auch Leuten, die voll im Arbeitsleben stehen, ehrenamtliche Führungspositionen zu ermöglichen durch einen Ausgleich. Wie auch immer.

Portrait von Melanie Grimm, Vizepräsidentin des DAV. Melanie

Ich starte da ein bisschen tiefer. Ich wünsche mir tatsächlich, dass wir mit dem, was wir getan haben, mit dem, das wir tun, mit dem, was wir heute auch hier erzählt haben, ein Stück Vorbild sein können und zeigen können: Ja, es ist nicht einfach, aber es geht. Und es macht vor allen Dingen Freude. Und es hat Selbstwirksamkeit und es macht viel Spaß, diese Dinge zu tun. Probiert es einfach aus!

Junge Frau mit kurzen blonden Haaren und weißem Pullover steht lächelnd vor einem modernen Innenraum mit Glaswänden. Annika

Wir wollen Frauen ein Stück Mut machen, sich zu trauen, nach vorne zu gehen und vielleicht auch wirklich von selbst mal aufzuzeigen. Zu sagen: Hey, das, was die können, kann ich schon lange oder ich kann es wenigstens.

Wer mir Mut macht, ist Andrea Händel als Geschäftsführerin, weil sie eine Frau ist, die einen unglaublich krassen Job macht, ohne dass sie sich in den Vordergrund stellt. Ich finde, wir haben eine schöne Kultur und ich fühle mich als Frau sehr wohl und habe das Gefühl, dass ich anerkannt und respektiert werde. Wir haben hier ein cooles Umfeld geschaffen, in dem man sich durchaus in ein Ehrenamt wagen sollte.

Dieses Interview führten Jonas Kassner und Janina Schimschar. Jonas konnte sich an keinen überflüssigen Satz erinnern und fand, dass das Gespräch sehr viel Substanz und ein sehr hohes Niveau hatte. GENAU WEIL er nur mit Frauen gesprochen hat, behauptete Janina.  

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