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Tiere der Alpen

Ein Kurzführer

Etwa 30.000 Arten sind in den Alpen beheimatet, davon mehr als 80 Säugetierarten. Mit Gipfeln, die mehr als 4.000 Meter in die Höhe ragen und einer Fläche von etwa 200.000 Quadratkilometern sind die Alpen das wichtigste mitteleuropäische Gebirge. 1.300 Kilometer spannt sich der Alpenbogen von Österreich nach Frankreich. Diese große Ausdehnung sowie die verschiedenen Höhenstufen und Mikroklimata bieten Lebensräume für unterschiedlichste Tiere.

Lebensstrategien und Anpassung

Die Tiere haben sich dem speziellen Lebensraum Alpen auf bestmögliche Art angepasst. So haben sie unterschiedliche Mechanismen entwickelt, um über den harten Winter zu kommen: 

 

Einige, wie das Murmeltier, halten Winterschlaf. Viele der in den Alpen lebenden Tiere bleiben aber auch im Winter aktiv, so der Steinbock und die Gämse, das Rotwild und der Schneehase oder auch Vögel wie das Schneehuhn. Diese Arten haben eine besondere Wärmeisolierung entwickelt: Sie werden entweder durch ein extrem dichtes Haar- bzw. Federkleid oder durch eine dicke Fettschicht vor der Kälte geschützt. Während die Gämsen in der kalten Jahreszeit in die Tallagen ziehen, bleibt zum Beispiel der Steinbock im Hochgebirge und profitiert dort von den nahrhaften Pflanzen der Hochlagen, die viel Eiweiß und Mineralstoffe enthalten.

 

Schutz der Alpentiere

Mit dem Vordringen des Menschen in die Alpen wurden und werden viele Tiere auf immer kleinere Lebensräume zurückgedrängt. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben verschiedene Schutz- und Auswilderungsmaßnahmen jedoch auch dazu beigetragen, dass sich Populationen einzelner, besonders gefährdeter Arten wieder erholen konnten:

 

So war der Alpensteinbock zu Beginn des 19. Jahrhundert nahezu ausgestorben, da er schonungslos bejagt wurde. Dank entschlossener Schutzmaßnahmen im Gebiet des italienischen Gran Paradio durch das Haus Savoyen überlebte dort eine Kolonie mit etwa 100 Tieren. Stetige Auswilderungen von Tieren aus dieser Region führten dazu, dass sich der Steinbock alpenweit wieder erholt hat.

 

Wieder auf dem langsamen Vormarsch sind auch Raubtiere wie Luchs, Braunbär und Wolf. Unter den Vögeln ist der Bartgeier – mit bis zu drei Metern Spannweite der größte Vogel der Alpen – das wohl bekannteste Beispiel: In den Alpen war er als Brutvogel Anfang des 20. Jahrhundert bereits ausgestorben; mit internationalen Wiederansiedlungsprojekten ist es seit den 1980er Jahren gelungen, dass der Bartgeier heute wieder in den Alpen heimisch ist.

 

Nicht zu vergessen: Die Wasserwelt. Entlang der Alpenflüsse finden sich besonders dynamische Lebensräume. In den noch jungen Projekten soll unter anderem die Seeforelle, die durch die Begradigung der Flüsse selten geworden ist, wieder breiter angesiedelt werden.

 

Schutzprojekte

Informationen zu wichtigen Alpen-(Arten-)Schutzprojekten finden sich unter anderem hier:

 

Alpentiere beobachten

Das Gebirge ist ein besonders empfindliches Ökosystem, in dem viele Arten äußerst empfindlich auf Störungen reagieren. Bei jedem Bergausflug, speziell bei Exkursionen, die das Beobachten von Tieren zum Ziel haben, sollte lautes Sprechen und Rufen vermieden und sich stattdessen leise und ruhig verständigt werden.

 

Um auf einer Tour Tiere zu beobachten, hat man idealerweise ein Fernglas dabei (möglichst hell, z. Bsp. 8 x 20 oder größer). An einem festen Beobachtungspunkt bietet sich ein Spektiv an.

 

Um die Tiere nicht zu stören, sollte man ihnen immer eine Fluchtdistanz einräumen. Speziell im Winter sollten die Tiere in ihren Lebensräumen idealerweise gar nicht gestört werden.

 

DAV-Empfehlungen und Hinweise für naturverträglichen Wintersport finden sich in dieser Übersicht.

 

Alpentier-Porträts

Zu einigen besonders bekannten oder besonders schutzbedürftigen Alpentieren nachfolgend Kurz-Porträts:

 

Geologie und Böden

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Geologie und Gebirgsbildung Die Alpen sind vor etwa fünfzig Millionen Jahren durch das Zusammentreffen der europäischen Platte mit einem Teile der afrikanischen Platte entstanden. Somit sind die Alpen ein sehr junges Gebirge. Weite Teile der Voralpen an der westlichen und östlichen Randlage bestehen aus Kalkgestein, die Gebirgsstöcke der West- und Zentralalpen sind, mit kleinräumigen Ausnahmen, aus kristallinen Gesteinen wie Gneis oder Granit. Die Eiszeiten übten den größten Einfluss auf das heutige Landschaftsbild aus: Täler wurden durch das Abschmelzen der Gletscher ausgeschürft und verbreitert. Terrassen, Moränen und viele weitere eiszeitliche Landschaftsformen sind so entstanden. Alpine Böden Neben der mineralogische Zusammensetzung des Untergrunds sind vor allem das Klima und die Vegetation für die alpine Bodenbildung hauptverantwortlich. Besonders in den Höhenlagen können sich Böden aufgrund der starken Temperaturwechsel nur schwer bilden. Die meisten alpinen Böden sind sehr jung, insbesondere weil die Gletscher der letzten Eiszeit fast alle älteren Reste weggeschliffen haben.  

Wasser in den Alpen

Alpine Flüsse und Wasserkraft

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Flüsse und Bäche beeinflussen in besonderem Maß das Relief der Gebirgslandschaft. Das Wasser der Alpen speist die großen Flüsse Po, Rhône, Rhein und Donau. Die Rhône entspringt im Talschluss des Wallis, nur wenige Kilometer von der Rheinquelle entfernt. In den Po entwässern fast alle Flüsse südlich des Alpenhauptkamms. Der Inn entspringt erstaunlich weit südlich im Engadin und mündet, wie auch die Drau und ihre Zuflüsse, in die Donau. Die Wassermenge, die durch Gebirgsbäche und -flüsse in Richtung der großen Ströme des Flachlands fließt, ist stark von der Jahreszeit abhängig. Im Winter wird das Wasser als Schnee gebunden, um dann mit der Schneeschmelze in großen Mengen abzufließen. Da die Hochgebirgsböden wenig Speichervermögen besitzen, fließt das Wasser fast ungehindert ab. Wenn dazu starke Niederschläge kommen, kann dies zu katastrophalen Hochwässern und Murenabgängen führen. 

Höhenstufen der Alpen

Alpenpflanzen

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Abhängig von den sinkenden Temperaturen und dem steigenden Niederschlag mit zunehmender Höhe wechselt auch die Vegetation. Auf Grund dessen bilden sich in den Alpen auf kleinem Raum verschiedene Vegetationszonen, welche Höhenstufen genannt werden. So erlebt man, wenn man in die Berge geht, je nach Höhenstufe, charakteristische Veränderungen der Pflanzenwelt. Diese im Gebirge vertikal gestaffelten Naturräume sind der Abfolge der Landschaftsgürtel von den mittleren Breiten zu den Polen ähnlich. So kann man während einer Wanderung vom Talboden über die Bergwaldstufe bis zu felsigen Gipfelbereichen mit Pionierpflanzen unterschiedliche Lebensräume betrachten. Teilweise sind die Grenzen dieser Höhenstufen deutlich zu erkennen, zum Beispiel die Baumgrenze. Klima und Exposition führen zu starken Unterschieden in der Höhenausdehnung der einzelnen Zonen. So weist zum Beispiel eine nach Norden gerichtete Fläche aufgrund der mangelnden Sonneneinstrahlung niedrigere Temperaturen auf als die südwärts exponierte Fläche. Auch das Mesoklima der Alpen führt zu unterschiedlichen Ausprägungen der Zonen. Die Durchschnittstemperatur in den Randlagen der Alpen ist ca. 1°C niedriger, sodass die einzelnen Vegetationsstufen in geringere Höhen als in den zentralen Alpen vordingen können.