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Skitourengehen - worauf kommt es an?

Das Skitourengehen boomt - kein Wunder: Was gibt es schöneres als den Aufstieg aus eigenen Kräften zu bewältigen, nur um dann mit weiten Hängen und eine menge Pulverschnee belohnt zu werden?

Klingt perfekt, ganz so einfach ist es aber natürlich nicht. Um beim Skibergsteigen freundlich, umsichtig und naturverträglich unterwegs zu sein, muss man einiges beachten. Besonders, wenn man gerade erst mit dem Sport beginnt, kann das ganz schön überfordernd sein. Deshalb erklären wir euch, worauf es bei einer rundum gelungenen Tour ankommt. Angela Kreß ist selbst Skitouren-Anfängerin und nimmt euch in dieser Folge mit ans Riedberger Horn. Mit vielen Fragen im Gepäck spricht sie dabei mit: 

  • Manfred Scheuermann, DAV Naturschutzexperte und leidenschaftlicher Skitourengeher
  • Tobias Lienemann, Geschäftsführer der Grasgehren-Lifte
  • Jennifer Klemm, Projektmanagerin "Besucherlenkung und Naturschutz" im Naturpark Nagelfluhkette

Noch mehr Infos zum Naturverträglichen Tourengehen findet ihr unter alpenverein.de/natuerlich-winter.

 

Das Transkript zur Folge

Angela Kress: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Bergpodcast, schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Diesmal geht's um Wintersport genauer gesagt geht´s um´s Skitourengehen - nicht ohne Grund, denn die Sportart boomt. Immer mehr Menschen tauschen die Alpinski gern mal gegen die Tourenski und erhoffen sich Freiheit Abenteuer und Naturgenuss. Für die perfekte Tour gibt es aber natürlich einiges zu beachten. Auch ich selbst habe mir übrigens vor einiger Zeit Tourenski zugelegt und mich gefragt, wie man sich am besten an das Tourengehen herantasten kann. Wie plane ich meine Unternehmung möglichst umsichtig um sicher unterwegs zu sein? Wie kann man dazu beitragen, dass sich im Skigebiet alle die dort Sport treiben gut verstehen? Und natürlich auch wie kann gerade im freien Gelände die Natur möglichst gut geschützt werden vor allem wenn der Trend anhält und immer mehr Leute das skibergsteigen anfangen? Mit diesen Fragen im Gepäck bin ich in dieser Folge selbst auf Skitour gegangen. Bevor es los ging habe ich mich mit Manfred Scheuermann getroffen. Er ist DAV Naturschutz Experte, selbst begeisterter Skitourengeher und hat mich bei meiner Vorbereitung unterstützt. Bei bestem Wetter hat es mich dann ins Allgäu ans Riedbergerhorn verschlagen wo ich mit Tobias Lienemann und Jennifer Klemm sprechen durfte: Tobi ist Geschäftsführer vom Berg-Naturerlebnis Grasgehren zu dem auch das Skigebiet dort gehört und Jenny ist beim Naturpark Nagelfluh Kette für Besucherlenkung und Naturschutz zuständig. Alle zusammen haben mir erzählt worauf´s bei einer gelungenen Tour ankommt. Viel Spaß.

 

AK: Hallo Manfred, schön dass es klappt heute mit unserem Interview. Ich habe gehört ich bin bei dir an der richtigen Adresse, wenn es um Tourenplanung geht.

Manfred Scheuermann DAV: Hallo Angela, schön, dass wir uns treffen. Ja du kannst mich gerne fragen ich bin da und gebe dir gerne Auskunft.

AK: Sehr gut, genau also ich bin eher Einsteigerin. Ich habe es ein paar mal gemacht aber noch nicht oft und ich glaube es geht vielen Leuten gerade so, dass sie es gerne mal ausprobieren und vielleicht noch nicht so viel auf der Piste mit Skitourengehen unterwegs waren oder auch im Gelände. Also erstmal: Welche Ausrüstung brauche ich denn?

MS: Ja du solltest natürlich eine Skitourenausrüstung haben, die auch gut funktioniert oder nicht das älteste, Gebrauchte, sondern wirklich eine, die einigermaßen gut funktioniert. Dann, das heißt Skier, Tourenski mit Tourenbindung Fälle und die Skistöcke natürlich. Dann brauchst du natürlich etwas zum Anziehen, Jacke, Skihose, Rucksack. Mütze Handschuhe ganz klar und für den Notfall auch die Lawinen Notfallausrüstung das ist ein LVS Gerät, eine Schaufel und eine Sonde - mit dem du aber auch umgehen lernen musst, weil diese Geräte müssen ganz bestimmt verwendet werden. Das muss man trainieren. Also das ist mal so die Grundausrüstung, die in den Rucksack gehört - natürlich auch noch die Rucksackapotheke, die Brotzeit, möglichst von einem regionalen Imbiss vor Ort eingekauft möglichst ohne Verpackungen. Die Trinkflasche gehört natürlich auch in den Rucksack rein, also das ist mal so das Wesentliche was du brauchst. Bei den Handschuhen vielleicht zwei Paar - ein paar fürs rauf laufen, etwas dünner; runter, wenn es oben dann kalt wird dann was Wärmeres. Und die Skibrille, die Sonnenbrille auch nicht vergessen, weil das ist wichtig. Die Sonne scheint oft in den Bergen und da hat man auch die Reflektion des Schnees - also wichtig Sonnenschutz, auch Creme nicht vergessen. Also ist schon eine ganze Reihe was da was du brauchst um dann wirklich vernünftig unterwegs zu sein.

 

AK: Die Lawinen Notfallausrüstung - wie und wo lerne ich das dann am besten, wie gehe ich mit der um?

MS: Also du solltest auf jeden Fall mal einen Kurs machen z.b. bei einer DAV Sektion, da werden Kurse angeboten wo du auch sehr viel lernst über die Lawinengefahr. Auch darüber wie der Lawinenlagebericht zu interpretieren ist, aber du lernst auch zu trainieren, wie im Fall eines Notfalles vernünftig und gut vor allem sehr schnell mit der Lawinen Notfallausrüstung umgegangen wird weil du musst, wenn dein Partner schüttet worden ist, ihn sehr schnell wiederfinden. Nur dann hat der Menschen eine Chance. Du musst also sehr gut und sehr schnell damit umgehen können. Das muss gut trainiert werden, das muss man verinnerlichen regelrecht und dann funktioniert es auch. Also immer wieder trainieren damit das nicht in Vergessenheit gerät.

AK: Wie genau packe ich denn diese ganzen Sachen in meinen Rucksack rein? Gibt's da was, was ich beachten sollte?

MS: Also das LVS muss auf jeden Fall am Körper sein - entweder in einer speziellen Tasche die am Körper befestigt wurde oder in der Hosentasche, die dann einen Reißverschluss haben sollte. Der Rest gehört in Rucksack. Klar,am besten gleich mal unten die Apotheke rein, deine Jacke, je nachdem ob du beim Aufsteigen die Jacke anziehst - wahrscheinlich eher nicht. Handschuhe, ja je nachdem was du wie brauchst gehört halt, möglichst nach oben. Was auch nicht schlecht ist, je nachdem die Harscheisen nicht zu vergessen. Wenn der Schnee hart ist, gepresst oder im verharscht durch Regen oder sonstige Einflüsse, braucht man noch Harscheisen und die sollten natürlich auch gut erreichbar sein. Nicht irgendwo drinnen wo man ewig suchen muss, sondern oben drauf, damit man mal schnell dran kommt. Ja, so packt man den Rucksack. Nicht zuviel mitnehmen ist auch wichtig. Die Brotzeit, je nachdem wann man da mal die Gelegenheit dazu hat auch nicht ganz oben hin und dann ist man gut unterwegs - die Trinkflasche muss auch gut erreichbar sein. Dann ist der Rucksack richtig gepackt und da kannst du schöne Touren machen.

AK: Okay gut, Ausrüstung habe ich, ist alles im Rucksack drinnen. Jetzt brauche ich noch eine Tour - was würdest du mir denn empfehlen, wie und wo ich mich informiere, wo ich überhaupt hingehen kann?

MS: Ja das hängt natürlich in erster Linie von der Wetterlage ab. Von der Lawinenlage, der aktuellen Schneequalität - man sucht sich ein Ziel und wichtig ist, dass möglichst alles passt: Das Wetter schön, die Lawinengefahr überschaubar und der Schnee passt - und dann wählt man sich eine Region. Man überlegt sich natürlich, wie komme ich hin am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist es nah ist es gut erreichbar welche Verbindungen habe ich… Wenn ich mit dem Auto fahre, dann sollte ich natürlich auch möglich Fahrgemeinschaften bilden. Und dann suche ich mir eben eine passende Tour aus. Da habe ich, je nachdem wo ich auch wohne - das kommt drauf an ob ich in München wohne oder in Garmisch wohne oder jetzt eben Kempten - ganz andere Möglichkeiten je nachdem.

AK: Gibt's da von denen Gebieten vielleicht noch mal spezielle Sachen worauf ich achten sollte, gerade wenn ich Einsteigerin bin?

MS: Ja das kommt natürlich drauf an, ob du jetzt eine Pistentour vor hast oder ob du jetzt ins Tourengelände gehst. Wenn letzteres der Fall ist solltest du dich auf jeden Fall jemandem anschließend er sich auskennt, der Erfahrung hat, der die alpinen Gefahren richtig einschätzen kann. Es ist ganz wichtig: Alleine, wenn du keine Erfahrung hast, solltest du auf keinen Fall ins Gelände gehen. Im Pistenbereich kannst du natürlich durchaus eine Tour machen. Auf der ausgewiesenen Route im Skigebiet - aber auch da nicht das Skigebiet verlassen, sondern wirklich dort auf der Lawinen sicheren Route unterwegs sein. Das ist ganz wichtig und dann kommt´s natürlich drauf an, wie lange die Tour sein soll, wie anspruchsvoll, wie gut die Kondition ist - was man einfach vor hat und dann gibt's ja ganz eine große Auswahl. Also da auf jeden Fall einfach realistisch einschätzen, was ich kann und was ich schaffen kann. Auf keinen Fall sich überschätzen - das machen leider auch einige, die sich dann zu viel zutrauen. Lieber mal langsam anfangen, kleinere Touren ausprobieren und dann sich so nach und nach steigern, dann sieht man auch wie man wie man drauf ist, wie gut die Kondition ist wie man auch insgesamt hinbekommt und wie man mit der Ausrüstung klar kommt. Wenn man keine Erfahrung hat, muss man auch erstmal lernen mit der Ausrüstung gut umzugehen. Und da sind natürlich kleinere Touren wie z.b. bis Riedbergerhorn besser geeignet als jetzt längere Touren, in den Allgäuer Hochalpen oder sonst irgendwo, wo man dann wirklich alpine Erfahrung braucht und auch eine gute Kondition und vor allem auch Ausdauer, weil das längere Touren sind.

 

AK: Wenn ich Wert darauf lege, dass es vielleicht auch noch Naturverträglich ist, was ich da mache, hast du da einen Tipp für mich wo ich vielleicht hingehen kann?

MS: Also da ist ja z.b. auch das Riedbergerhorn gut geeignet - hier gibt es ein gutes Konzept, was auf soliden Beinen steht. Wir haben dafür zehn Jahren schon „Skibergsteigen umweltfreundlich“ umgesetzt und der Naturpark hat das Konzept über die Jahre weiterentwickelt. Es hat eine ganze Menge Veränderungen gegeben, man muss das immer wieder anpassen. Das hat man dort getan und man ist dort jetzt, wenn man sich an die Regeln hält, naturverträglich unterwegs. An die Regeln halten heißt schon mal bei der Vorbereitung schauen: Im Tourenportal oder auf der Alpenvereinskarte wo, liegen Waldwild-Schongebiete oder Wildschutzgebiete - da natürlich nicht hinein planen ganz klar. Vor Ort gibt's Informationstafeln, die muss unbedingt beachten, auch mal wirklich in Ruhe sich Zeit nehmen da drauf zu schauen nicht nur vorbeilaufen und einen Blick hinwerfen. Wirklich studieren was da drauf ist. Und dann wird man auch gelegentlich angesprochen - es gibt Ranger die im Gelände unterwegs sind, die mal ein kleines kurzes Gespräch führen das ist auf jeden Fall sehr hilfreich und man erfährt doch was über die Lebensbedingungen über die Anpassung, wie sich die Tiere im Winter da einfach angepasst haben an die rauen Bedingungen des Winters. Also diese ganzen Dinge zusammen, wenn man das beachtet dann, kann man auch sehr wohl naturverträglich unterwegs sein.

AK: Wie ist man dann beim Riedbergerhorn auf diese Aufstiegsroute gekommen? Wie war da der Prozess? Ist ja ein beliebter Tourenberg.

MS: Die Routen sind etabliert, man hat aber teilweise sie etwas modifizieren müssen aufgrund des gewachsenen Besucher Drucks. Es sind immer mehr Leute jetzt unterwegs, viel mehr als früher. Und da muss man schauen, dass die sensiblen Bereiche so jetzt insbesondere die Lebensräume der Birkhühner im Winter geschützt werden, dass da niemand rein fährt und nicht rein läuft - auch mit Schneeschuhen nicht oder zu Fuß. Das heißt die Routen die Naturverträgliches sind, werden jetzt in den Karten dargestellt. Sie werden auf den Informationstafeln dargestellt und man findet auch noch mal zusätzliche Stoppschilder im Gelände, dann am Rand der sensiblen Bereiche, also dort, wo man einfach nicht hinein soll. Also ich muss mich einfach orientieren vor Ort und muss mich gut vorbereiten, dann kann man am Riedbergerhorn sehr schön naturverträgliche Skitouren unternehmen.

AK: Würdest du sagen, damit ist das Riedbergerhorn vielleicht auch ein Beispiel sein für andere Gebiete?

MS: Ja es ist ja ein ganz beliebter Tourenberg, aber es gibt viele andere Tourenmöglichkeiten. Auch in dem Naturpark Nagelfluhkette gibt es sehr viele Möglichkeiten, weil es ja nicht nur das Riedberger Horn gibt, sondern das gesamte Gebiet - nicht nur das Oberallgäu sondern die gesamten bayerischen Alpen haben wir ja im Rahmen „Skibergsteigen umweltfreundlich“ Flächendeckend bearbeitet. Wir wissen, wo sensible Bereiche sind, wir haben Waldwild-Schongebiete ausgewiesen - insgesamt über 300 - und die sollten natürlich auf jeden Fall im Winter gemieden werden. Und wenn man sich gut vorbereitet kann man eigentlich überall Skitouren machen auch naturverträgliche selbstverständlich. Man muss halt die entsprechenden Vorbereitungsschritte tun, also alpenvereinskarte oder eben alpenvereinaktiv.com, da sind die Waldwild-Schongebiete und auch die Schutzgebiete hinterlegt, man kann sich gut vorbereiten.

AK: Super, dann herzlichen Dank Manfred für deine Tipps.

MS: ja gerne, ich wünsche auch dir vor allem viel Freude bei deinen Touren jetzt aktuell und natürlich auch in Zukunft. Pass vor allem auf, die Sicherheit spielt eine ganz große Rolle - die wichtigste eigentlich. Gut vorbereitet wirst du auch naturverträglich unterwegs sein und du wirst Spaß haben weil es eine ganz tolle Sache ist, im Winter Skitouren zu unternehmen.

Mit Freunden am besten und das einfach zu teilen, dann hat man herrliche Tage, viel Spaß dabei!

AK: Super, dann mache ich mich an die genauere Planung und dann auf dem Weg danke dir - tschüss.

 

AK: So, ich habe es geschafft. Ich bin in Grasgehren angekommen - super Wetter also strahlender Sonnenschein. Mein ganzes Equipment ist dabei, ich muss jetzt hier mal noch die Fälle auf die Skier drauf montieren, bisschen Sonnencreme brauche ich heute auf jeden Fall - eigentlich immer - und meine Skischuhe natürlich noch, so. Hier sind einige Leute unterwegs, die auch mit Skiern oder mit Schneeschuhen hier hoch laufen. Ich glaube ich werde einfach mal ein paar von denen fragen, was sie eigentlich so besonders finden an dem Sport, warum sie das machen.

P1: Natur, wenig Menschen abseits. Nicht anstehen am Lift, keine Maske.

P2: Luft und vor allem, wenn ich den Berg erreiche da hast du Glücksgefühle und das ist gigantisch.

P3: Wir können uns in der Natur bewegen, bei dem Kaiserwetter. Wir können im T-Shirt im Winter unterwegs zu sein, das ist natürlich ein Traum.

AK: Gut, dann schaue ich mal, wo ich den Tobias und die Jenny hier finde. Hallo Tobi, hallo Jenny hallo, schön dass es klappt und dann noch bei so einem Wetter. Mega, gutem Termin gewählt. Wir stehen jetzt hier eigentlich schon im Skigebiet unten zwischen Bergwacht und dem Kassenhäuschen. Ein Restaurant habe ich hier auch noch, die Berghütte. Genau Tobi, vielleicht kannst du erstmal bisschen erzählen - ich bin ja heute hier, weil ihr ein ganz spezielles Konzept hier fahrt. Es ging eine Zeitlang mal drum ob eine Skischaukel gemacht wird - die ist vom Tisch, die wird nicht kommen, ihr fahrt ein neues Konzept. Wie sieht es denn aus?

Tobias Lienemann: Also wir befinden uns ja inmitten des Skigebiets Grasgehren. Vor 50 Jahren haben 28 einheimische Familien hier Liftanlagen gebaut. Und diese Liftanlagen sind immer noch im Besitz dieser Familien und wir haben uns jetzt überlegt ein neues Konzept zu entwickeln, um mehrere Interessensgruppen hier im Kessel zusammenzuführen - zum einen halt die Einheimischen zum anderen aber auch der Naturpark Nagelfluhkette, der ein wichtiger Partner für uns geworden ist und natürlich auch die Grundstückseigentümer. Da haben wir dann zusammen auch mit den Naturschutzverbänden versucht irgendwie einen Kompromiss zu finden, um ein Berg Naturerlebnis hier neu zu schaffen.

AK: Was ist denn so Berg Naturerlebnis, was konkret stelle ich mir darunter vor?

TL: Ja, das Wichtigste ist, dass wir so alle Interessensgruppen an einem Tisch haben also damit die Naturschutz-Interessen in Zukunft hier berücksichtigt werden. Die sportlichen Interessengruppen, die verschiedenen Sportarten werden hier berücksichtigt wie Skitourengehen wie Schneeschuhwandern wie Ski alpin und Schlittenfahren also alles, was man so im Schnee erleben kann soll hier eine Rolle spielen. Und wir wollen eigentlich so ein kleines Wimmelbuch hier schaffen.

AK: Wie klappt es denn so im Alltag im täglichen Betrieb, dass die dann alle hier sind und sich alle gut vertragen?

TL: Naja, indem wir gut kommunizieren miteinander. Also wir haben auf unseren Informationstafeln auf unserer Internetseite auf allen Medien, mit allen Kommunikationsmitteln versucht, irgendwie diese Interessen auch abzubilden und miteinander zu vernetzen. Das ist eigentlich so das Wichtigste an dem und dann ist es natürlich auch so, dass wir uns regelmäßig treffen, um an diesem Konzept zu entwickeln und es weiterentwickeln wollen.

 

AK: Kannst du da so ein oder zwei Beispiele nennen was da z.b. jetzt vom Naturpark eingeflossen ist und was von Seite der Skifahrerinnen?

TL: Ja, also angefangen hat es letztlich mit den Infotafeln und den Waldwild-Schongebieten, die wir eingezeichnet haben mit verschiedenen aufstiegsrouten auf den Tafeln. Und aktuell in diesem Winter haben wir auch unsere Partner eingebunden in die Pistenlenkung - im Herzen des Naturparks haben wir alles ausgeschildert.

AK: Ok, so eine Tafel hängt ja jetzt hier auch am an der Ecke zur Bergwacht - ich glaube Jenny da kannst du vielleicht bisschen so beschreiben was ich jetzt auf dieser Tafel sehe – ich sehe im Prinzip ja das ganze Gebiet oder?

Jenny Klemm: Genau also das ist eine Orientierungstafel auf der wir uns im Gelände orientieren können - die hängt jetzt hier an der Bergwachthütte am Ausgangspunkt für Schneeschuhwanderer, Skitourengeher und unten anderem aber auch für die Pistenfahrer. Ich schließe jetzt eben an das an, was der Tobi gerade erzählt hat, also bei der räumlichen Enge geht es um die Interessensüberlagerungen. Der Skifahrer muss wissen, wo ist meine Piste und der Schneeschuhwanderer muss wissen, wo ist meine Route, dass ich zum Gipfel hoch komme. Am besten auch naturverträgliche die sensiblen Bereiche aussparen und das zeigt eben hier diese Tafel. Also die Lenkung der Sportler Sportlerinnen ist es A&O. Wir haben hier z.b. ganz zentral diese blaue Linie bzw. blau blauen Punkte. Das zeigt in der Legende hier eben an, dass es Skirouten bzw. Schneeschuh Routen die aufstiegsrouten sind. Für Einsteiger ist die Variante, die direkt auf den Sommer Wanderweg eben verläuft sich den Hang hoch schlängelt Richtung Kamm und dann oben am Kamm entlang zum Gipfel verläuft, die die wir am am besten eben empfehlen können, weil die moderate Steigung hat. Die ist ganz angenehm zum Gehen und man hat oben auf dem Kamm auch eine tolle Rundumsicht, in alle Richtungen - bei dem Wetter eben traumhaft. Und man spart eben auch hier die eingezeichneten Waldwild-Schongebiete, die hier eingefärbt sind, aus. Die Wahdwild-Schongebiete sind quasi sensible Bereiche in denen Wald aber auch Wild, also z.b. die Raufußhühner, Birkhuhn oder dann eben die Auerhühner je nach Höhenlage geschützt werden durch diese Wald mit Schongebiete. Es ist auf freiwilliger Basis aber funktioniert ganz gut durch die Mithilfe der Schneeschuhwanderer und der Skitourengeher, dass diese Bereiche daneben ausgespart bleiben und sich das ja die Raufußhühner dort aufhalten können. Hier drüben haben wir auch noch ein kleines bei Wildschongebiet - also wichtig ist: In diesem Wald Inseln halten sich die Raufußhühner auf. Auch angrenzend sieht man diese Erlen Bereiche grün eingefärbt. Das sind auch Bereiche wo die Raufußhühner oder die Birkhühner sich dann aufhalten zur Nahrungssuche, das heißt die fressen dann Knospen im Winter von den Erlen. Und da ist es gut wenn man die Bereiche ausspart, weil eine Störung von diesen sensiblen Tieren dann meistens dazu führt, dass sie sich lange versuchen Entdeckung zu halten, aber wenn man zu nahe kommt fliegen sie dann aufgeschreckt hoch und das ist natürlich mit einem wahnsinnigen Energieverlust verbunden. Gerade in der kalten Jahreszeit, wo sie ihre Energiereserven ja benötigen und durch diese karge Nahrung, das karge Nahrungsangebot ihre Energiereserven dann auch nicht so leicht auffüllen können.

AK: Dann ist da jetzt auch noch so was Grünes drum rum. Da steht flexibles Schongebeit – was ist das genau?

JK: Das flexible Schongebiet bezieht sich eben auch auf diese Bereiche mit dem grünen Erlengebüsch und solange diese Erlen eben frei liegen und nicht von Schnee bedeckt sind, ist es Nahrungsgebiet. Das heißt es ist solange, Schongebiet, wie der Schnee - so wie es momentan ist - eben zu niedrig ist, also man sieht die freiliegenden Erlengebüsche ganz gut. Die Ranger des Naturpark sind hier im Grasgehren Kessel immer wieder unterwegs, gerade wenn es wieder neu geschneit hat oder wenn sich die Wetterbedingungen, die Schneelage wieder verändert. Wir sind dann regelmäßiger unterwegs und es gibt eine Beschilderung noch mal im Gelände, dann hier mit einer kleineren Tafel um sich zu orientieren. Es gibt auch Richtungs-Wegweiser, die eben die Tour im Gelände angeben und weg weisen von den Erlen Gebüschen. Wenn dann der Schnee genug ist dann kommt auch die Stopptafel im Gelände, die dann wirklich ganz genau den Punkt angibt, wo man nicht fahren sollte wenn man naturvertäglich unterwegs sein möchte, die kommt dann auch wieder weg. Also das ist wirklich hier immer tagesaktuelle Zusammenarbeit

 

AK: Dann haben wir jetzt die Skitourengeherinnen und den Naturpark, die da quasi Naturverträgliches zusammen nebeneinander her sein können. Jetzt fehlen uns noch die Skifahrerinnen. Sehe ich die auch auf der Karte?

JK: Die Skifahrerinnen sieht man auch auf der Karte weil die Skipisten eingezeichnet sind - das die pinke Signatur. Also es ist eigentlich jeder Sport, der hier ausgeübt werden kann auch in den Karten und auch in der Informationskampagne berücksichtigt.

TL: Also vielleicht ist ganz wichtig zu sagen, dass wir uns hier in unserem schützenswerten Raum befinde und hier seit über 50 Jahren Sport und Natur in gewisser Weise im Einklang sind - sowie die Jenny das gerade gesagt hat. Wir haben hier hoch schützenswerte Räume und gleichzeitig funktioniert hier aber auch noch ein Pistenbetrieb. Ich glaube dieses Zusammenspiel ist ein ganz wesentliches Element im Grasgehren Kessel und das wollen wir noch - sage ich mal – ausbauen, wollen wir noch verbessern im Bereich der Besucherlenkung. Da ist uns ganz wichtig, neben dem naturschutzfachlichen halt auch diese Skitourengeher und die Schneeschuhwanderer auf der Piste zu lenken. Also irgendwie ein Angebot zu schaffen, dass sie auf den Wegen bleiben auf den Routen zum Riedberger Horn bleiben damit, damit wir dort auch irgendwie Sicherheit gewähren können auf der Piste.

AK: So ein bisschen aus deiner Erfahrungen, also hier täglich aus dem Skigebiet vielleicht auch von Feedback dass du bekommen hast: Wie gut funktioniert das denn und funktioniert es besser, seid ihr diese Besucherlenkung so gezielt macht?

TL: Also es funktioniert wesentlich besser, denn viele Touristen kennen sich hier am Riedberger Horn nicht aus und versuchen einfach sich einen Weg aufs Riedberger Horn zu spuren. Und jetzt mit diesem Angebot, mit diesen Informationstafeln bieten wir halt diesen Gästen eine Aufstiegsroute an, die sehr gut angenommen wird. Das ist für uns ganz wichtig, weil wir ja auch mit Walzen mit Skidoo und Quad hier im Skigebiet unterwegs sind und gewisse Sicherheitsmaßnahmen halt auch hier ein eingehalten werden müssen. Da ist es eine große Hilfe.

 

AK: Okay gut dann würde ich sagen wir gehen mal ein kleines Stück los, die einfache Route würde ich wählen, weil ich bin ja Einsteigerin. Ok, kann losgehen. So wir sind ein kleines Stück weiter. Tobi, du hattest gerade schon gesagt, Stichwort Pistenraupen, die sind hier unterwegs damit die Pisten auch präpariert werden. Welchen Einfluss hat es auf die Sicherheit? Worauf muss man da einfach besonders achten und auch allgemein auf die Sicherheit - was gibt's da zu beachten?

TL: Unser Skigebietsparkplatz befindet sich auf 1500m Höhe, das bedeutet also wir finden uns dann auch schon wirklich in einem Raum, dass man sagen kann man muss ja aufs Wetter achten. Also man muss planen, bevor man eine Skitour macht. Ím organisierten Skiraum ist alles gut präpariert aber man wird als Skitourengeher und Schneeschuhwanderer sehr schnell ins offene Gelände kommen und deswegen ist eine Planung vor Tourenstart sehr wichtig: Wie ist das Wetter, wie ist die Ausrüstung und einfach, wie ist vielleicht die Rettungsnummer, die Nummer von dem Berg oder der Skiwacht. Solche Dinge sind mal allgemein sehr wichtig und spielen eine sehr große Rolle.

Ak: Und dann wahrscheinlich auch noch: Was kann ich selber genau, oder?

TL: Wir haben hier am rund ums Riedberger Horn sehr viele Einsteiger im Schneeschuhwandern und im Skitourengehen und die Selbstüberschätzung führt hier sehr schnell zu einer großen Gefahr - da hatten wir jetzt im Dezember ein Beispiel mit zwei Einsteiger im Skitourengeher. Sie kamem in eine Notlage, hatten den Wetterbericht im Vorfeld nicht gelesen und es kam zu einem Wetterumschwung. Wir mussten mit der Berg- und Skiwacht, mit unserem Betriebsleiter mit dem Betriebsfahrt und der Berghütte in Grasgehren die ganze Nacht diese zwei Personen aus dem Schneesturm retten. Es war eine lebensbedrohliche Situation. Da werden natürlich auch Ressourcen verbraucht, die nicht sein müssen, wenn der Skitourengeher oder der Schneeschuhwanderer sich im Vorfeld informiert. Wir befinden uns hier im Einstiegsbereich auf 1500m und da kann schon mal irgendwie sich das Wetter verändern in der kurzen Zeit und da würde ich auch dann bitten, dass alle sich im Vorfeld erstmal informieren in welchen Räumen Sie unterwegs sind. Ein weiterer Aspekt ist das Skitourengehen auf der Piste: Nach Skibetriebsende starten wir mit der Pisten Präparation und viele Walzen hängen an Drahtseilen. Und das ist lebensbedrohlich, wenn dann Skitourengeherinnen abfahren auf der Piste. Die ist natürlich super präpariert, aber diese Seile sind sehr gefährlich für alle die mit den Skiern abfahren. Und auch da gilt: Wenn präpariert wird, sollte man nicht auf der Piste unterwegs sein.

AK: Wenn ich jetzt als Einsteigerin hierherkomme, woher weiß ich das? Wie kann ich mich da informieren, ob direkt vor Ort gerade präpariert wird?

TL: Na ja gut also hier im Skigebiet gibt es - welch ein Glück - die Ski und Bergwacht. Die hat auch einen Info-Stand, der dann mit Schautafel über die aktuelle Schnee und Wettersituation informiert. Über die Gefahrenstellen zusammen mit dem Naturpark haben wir natürlich auch unsere Informationstafeln, die die verschiedenen Aufstiegs Varianten kennzeichnen. JK: Außerdem ist es wichtig, dass man tagsüber unterwegs ist. Thema Dämmerungs ist ja nicht nur – wie der Tobi ja erzählt hat - für die eigene Sicherheit und die der Mitgehenden wichtig, sondern es ist auch einfach eine Zeit in der die Birkhühner dann z.b. die Nahrung suchen und da aktiv sind. Deshalb ist eine Störung einfach besonders schwierig. Also die sind dann einfach sensibel und reagieren dann auch auf die Störungen. Das heißt in der Dämmerungszeit, ich sag mal in der Früh bis 8 Uhr dreißig und dann ab 16 Uhr dreißig Uhr ist man für die eigene Sicherheit und für das Wohl von den Wildtieren besser beraten das Tourengehen zu vermeiden.

 

AK: Dann gehen vielleicht wir noch ein kleines Stück weiter. Letztes Jahr war es ja so, dass die Skigebiete zum Teil gar nicht aufmachen durften. Zum Teil glaube ich nur kurz oder ich weiß gar nicht mehr ganz genau. Wie war das denn bei Euch und wie hat sich das ausgewirkt? Wie hat's funktioniert hier?

TL: Also wir hatten den Parkplatz in diesem Corona Winter geöffnet um die Menschen zu lenken und den Menschen irgendwie ein Angebot zu schaffen, Skitouren zumachen, rauszugehen in die Natur – es war ja Lockdown – Schlitten zu fahren und Schneeschuhwandern. Unsere Pisten waren nicht geöffnet und wir haben sie nicht präpariert. Aber es war dann dort in Zusammenspiel mit Naturpark und mit den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang uns wichtig, dass die Leute hier im Raum gelenkt werden rund ums Riedberger Horn.

AK: Jetzt dieses Jahr sind ja auch die Lifte wieder offen. Wie wirkt sich das denn aus auch wenn man jetzt die Besucherinnen betrachtet die hier im freien Gelände unterwegs sind?

JK: Also der Trend für den individual Wintersport wie Skitourengehen bleibt natürlich einfach: Outdoorsport ist gefragt nach wie vor, aber durch die öffnen die Skigebiete sehen wir schon, dass das Ausmaß an Skitourengehenden und Schneeschuhgehenden wie im letzten Jahr, die im freien Gelände unterwegs waren, nicht mehr ganz so erreicht wird. Also es gehen doch erheblich viele dann wieder zum Pisten Skifahren und der Druck im freien Gelände nimmt im Vergleich zum letzten Jahr wieder bisschen ab. Wir sehen auch, dass eigentlich die Besucherlenkung jetzt und die Kampagne „Dein Freiraum mein Lebensraum“ ganz gut funktioniert weil wir natürlich auch dann draußen im Gelände unterwegs sind mit den Leuten sprechen, sensibilisieren und auch die Spuren im Schnee danach verfolgen können. Gerade die Bereiche, in den Erlen, die wir vorhin gesehen hatten, die eigentlich ausgespart werden sollten, sind überwiegend unverspurt, was ein Erfolg ist denke ich, also für die Informationskampagne. Natürlich großes Danke an alle Skitourengeher die draußen unterwegs sind und sich das zu Herzen nehmen damit ein Miteinander auch langfristig gut funktioniert. Es wird auch noch weiter ausgebaut werden, also wir zusammen mit dem Tobi planen wir hier auch noch die Beschilderung neu zu erweitern mit großen Übersichtstafeln auch am Parkplatz. Mit den ganzen Infos und den tollen neuen Hintergrundkarten sind alle super ausgerüstet.

AK: Was wünscht ihr euch denn vielleicht für die nahe und bisschen fernere Zukunft.

JK: Weiterhin ein so gutes Miteinander. Ein Reagieren auf die aktuellen Verhältnisse, dadurch dass wir es so einen engen Austausch stehen, was denke ich schon einzigartig ist hier für die Region. Und ja, dass das es eigentlich so gut weiterläuft wie bisher.

TL: Ja ich finde irgendwie, dass die verschiedenen Interessengruppen weiterhin so gut zusammenarbeiten sollten, denn wir haben hier alle Naturschutzverbände die es Deutschland gibt, aber auch die Grundstückseigentümer, die Einheimischen, mit in der Runde um dieses Berg Naturerlebnis weiterzuentwickeln. Und wir vom Skigebiet haben großes Interesse, dass hier auch alle Interessensgruppen in dem Grasgehren Kessel auch angesprochen werden.

AK: Gut, liebe Jenny, lieber Tobi. Vielen Dank, dass ihr mir heute so viel hier erklärt habt und ich hoffe, dass das was ihr euch vornehmt und wünscht für euch und natürlich auch für alle, die hier jeden Tag Spaß haben in Erfüllung geht. Vielen Dank.

TL: Ja, danke schön und komm bald wieder.

JK: Danke dir gute Heimreise.

AK: Danke, Ciao. So und ich werde noch ein Stückchen weiter Richtung Riedberg Erhorn laufen und das Wetter ausnutzen. So ich habe es geschafft, ich bin am Gipfelkreuz mit einem super Ausblick. Bei dem Wetter mache ich hier kurz Pause ich genieße es ein bisschen. Dann muss ich noch die Felle wieder runter machen und dann kommt noch die Abfahrt. Aber es war auf jeden Fall eine sehr schöne Tour. Die Anstrengung hat sich gelohnt.

 

Das war sie, unsere Podcast Folge zum naturverträglichen Skibergsteigen. Wie ihr hört habe ich es auch wieder gut den Berg runter geschafft. Ich war übrigens nicht allein unterwegs denn grundsätzlich gilt, dass man Skitouren nicht einfach auf eigene Faust unternehmen sollte, besonders wenn es ins alpine Touren Gelände geht. Wenn ihr also auch Einsteigerinnen seid dann schließt euch am besten einer geführten Gruppe oder Freunden an, die schon alpine Erfahrung haben und bitte denkt daran: Haltet euch an die Regeln und respektiert die Natur und auch alle anderen Menschen, die in den Gebieten unterwegs sind. Nehmt euch Zeit für eine genaue Planung und schätzt euer Können realistisch ein. Alle wichtigen Infos zum Thema Skibergsteigen findet ihr auch noch mal unter alpenverein.de/natürlich-winter. Wenn Ihr Feedback, Fragen oder Anregungen zum Podcast hanz, dann schreibt uns gerne eine Mail an Kommunikation@alpenverein.de. Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid. Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund - tschüss und auf Wiederhören.