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3 Fragen zum Risikocheck mit der SnowCard

Bevor der Risiko-Check durchgeführt werden kann, müssen die drei Hauptfragen beantwortet werden. Basis hierfür ist der Lawinenlagebericht (LLB) und die Hangsteilheit im Einzugsbereich.

Frage 1: Gefahrenstufe?

Welche Gefahrenstufe ist für das Gebiet meiner Tour vorhergesagt/ beschrieben?
Die Lawinenwarndienste geben in ihren LLB täglich Auskunft über die Schnee- und Lawinenverhältnisse in ihrem Zuständigkeitsbereich. Sie differenzieren dabei verschiedene Regionen und Höhenstufen. Lokale Abweichungen sind möglich, die Übergänge fließend!

  • Gefahrenstufe 5 - sehr groß
    Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.
    Spontan sind viele, sehr große, mehrfach auch extrem große Lawinen zu erwarten, auch in mäßig steilem Gelände.
  • Gefahrenstufe 4 - groß
    Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen (>30 Grad) schwach verfestigt.
    Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele große, mehrfach auch sehr große Lawinen zu erwarten.
  • Gefahrenstufe 3 - erheblich
    Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt.
    Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung, vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige große, vereinzelt auch sehr große Lawinen möglich.
  • Gefahrenstufe 2 - mäßig
    Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt.
    Lawinenauslösung ist besonders bei großer Zusatzbelastung, vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich.
    Sehr große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten.
  • Gefahrenstufe 1 - gering
    Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.
    Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung, an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur kleine und mittlere Lawinen möglich.

Alarmzeichen

Alarmzeichen im Gelände erlauben es, die Gefahrenstufe aus dem LLB mit den lokal herrschenden Bedingungen abzugleichen. Treten solche Zeichen auf, liegt die Gefahrenstufe in der Regel bei drei
(erheblich) oder höher:

  • frische Lawinenabgänge
  • Wumm-Geräusche
  • Risse in der Schneedecke
  • viel Neuschnee
  • starker Wind
  • frische Windzeichen
  • starke Erwärmung
  • Regen
 

Frage 2: Hangsteilheit und Einzugsbereich?

Die Hangsteilheit ist ein Hauptfaktor bei der Abschätzung der Lawinengefahr: Je steiler der Hang, desto größer die Gefahr der Lawinenauslösung. Maßgeblich ist die steilste Stelle mit einer Fläche von etwa 20 mal 20 Metern!

 

Steilheitsklassen
In den Zusatzinformationen des Lageberichts wird auf folgende Steilheitsklassen Bezug genommen:

  • mäßig steil unter 30 Grad
  • steil 30 – 35 Grad
  • sehr steil 35 – 40 Grad
  • extrem steil mehr als 40 Grad

Da das Messen und Schätzen der Steilheit im Gelände nicht auf den Grad genau möglich ist, denkt man dort am besten auch in diesen Kategorien.

In diesem Artikel findet man die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Messung der Hangsteilheit.

 

Einzugsbereich

Je höher die Gefahrenstufe ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir durch unser Zusatzgewicht eine Lawine auch entfernt von unserem Standort auslösen („Fernauslösung“). Bei der Bestimmung der Hangsteilheit, die für einen Risiko-Check in die SnowCard eingespeist werden muss, muss man deshalb den mit der Gefahrenstufe anwachsenden Einzugsbereich mitbeachten:

Folgende Einzugsbereiche gelten für die Gefahrenstufen

  • 1/gering: unmittelbarer Bereich der Spur
  • 2/mäßig: Umkreis von 20 bis 40 Metern um die Spur
  • 3/erheblich: gesamter Hang mit Auslaufbereich, auch wenn er durch Verflachungen gegliedert ist
  • 4/groß: gesamter Hangbereich, weite Auslaufbereiche und Gegenhänge
 

Frage 3: Ungünstig oder günstig nach LLB?

Der LLB gibt über die Gefahrenstufe hinaus detaillierte Informationen darüber, welche der fünf Lawinenprobleme vorrangig zu beachten sind. Zunächst gilt es, folgende Fragen zu beantworten:

  • welche Lawinenprobleme herrschen heute vor?
  • in welcher Höhenlage kommt es vor?
  • in welcher Exposition kommt es vor?
  • was sind typische Geländeformen oder Hangbereiche, in denen das Lawinenproblem vorkommt beziehungsweise auslösbar ist?

Während der Tourenplanung musst du für alle Bereiche, in denen nach LLB ein Problem vorhanden ist, zur Bestimmung des Risikos auf der DAV SnowCard die orange Risikografik „ungünstig nach LLB“ verwenden. Für alle anderen Bereiche kann man die grüne Risikografik „günstig nach LLB“ annehmen, die einen größeren Bewegungsspielraum zulässt.
Wenn du ausreichend Lawinenkundewissen hast, kannst du auf Tour versuchen herauszufinden, ob das beschriebene Lawinenproblem im fraglichen Hang auch tatsächlich vorhanden ist. Wenn du das Vorhandensein des Problems sicher ausschließen kannst, kannst du auch hier die grüne Risikografik „günstig nach LLB“ verwenden, um das Risikopotenzial zu bestimmen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob das im LLB genannte Lawinenproblem vorhanden ist oder du es nicht erkennen kannst (z.B. Altschneeproblem), dann nimm die gesamte vom LLB angegebene Geländebeschreibung (Höhenlage und Exposition) für „ungünstig“ an.

Ab Gefahrenstufe 3 ist die Verteilung der Gefahrenstellen im Gelände in der Regel so hoch, dass nur noch wenig „günstiges Gelände“ übrig bleibt. Hier ist die Beobachtung und Beurteilung im Gelände gefragt: Erst vor Ort können zum Beispiel das Ausmaß von Windverfrachtungen oder kleinräumige Expositionswechsel erkannt werden. Dementsprechend wächst die Bedeutung einer analytischen Gefahrenbeurteilung im Sinne der DAV-Entscheidungsstrategie Lawinen-Mantra.

 

Auswertung

Risikopotenzial bestimmen und Vorsichtsmaßnahmen beurteilen
Nach der Beantwortung der drei Fragen kann man nun das entsprechende Risikopotenzial anhand der Farben ablesen. Man wählt dazu die richtige Grafik (günstig oder ungünstig nach LLB) mittels Kippen des Wackelbildes und ermittelt den Kreuzungspunkt von Gefahrenstufe (mittig ablesen zwischen den Teilstrichen) und Hangneigung. Die Farbe an diesem Kreuzungspunkt ergibt das Risikopotenzial.

Die Farben stehen im Wesentlichen für drei Risikobereiche – grün für geringes Risiko, rot für hohes Risiko und somit Empfehlung auf Verzicht oder Umgehung. Gelb (mit den farblichen Übergängen) steht für „mittleres Risiko“ – hier empfehlen sich folgende Vorsichtsmaßnahmen: Im Aufstieg große Entlastungsabstände von mindestens zehn Metern, in der Abfahrt konsequentes Einzelfahren.

 

Mehr zu den Vorsichtsmaßnahmen im Artikel Risikomanagement: Tourenplanung, vor Ort und unterwegs.

 

Illustration: Georg Sojer

 

Was ist die DAV SnowCard?

Basics

Mehr erfahren
Lawinen-Risiko-Check: Die DAV SnowCard ist ein Hilfsmittel für einen schnellen und einfachen Risiko-Check zur Lawinengefahr. Sie hilft dir zudem, lawinenbezogene Informationen bei der Tourenplanung und im Gelände zu strukturieren. Die DAV SnowCard hat sich über viele Jahre als Entscheidungshilfe auf Skitouren, Freerides, Schneeschuhtouren etc. bewährt. Im Jahr 2000 von Martin Engler und Jan Mersch entwickelt, ist die SnowCard heute ein fester Bestandteil der DAV-Entscheidungsstrategie Lawinen-Mantra. Die DAV SnowCard ist ein Tool, um bei der Tourenplanung zu Hause, vor Ort und am Einzelhang eine probabilistische (wahrscheinliche) Grundeinschätzung des Risikos zu erhalten. Mit ihrer Hilfe kann man die Wahrscheinlichkeit abschätzen, bei bestimmten Bedingungen in einem Hang in einen Unfall zu geraten. 

Wie funktioniert die DAV SnowCard?

Funktionen kurz erklärt

Mehr erfahren
Die DAV SnowCard bietet folgende Funktionen: grün-gelb-rote Risiko-Grafiken (durch Schwenken des Prismabildes sichtbar) für ungünstige Bereiche nach Lawinenlagebericht (LLB) und günstige Bereiche nach LLB Hangneigungsmesser: Skala zum Messen der Steilheit im Hang Skala zum Ablesen der maximalen Hangneigung in Grad Bohrung für die Aufhängung des Hangneigungsmessers (Pendel) Skala von vier der fünf Gefahrenstufen im Lawinenlagebericht (Europäische Gefahrenskala). Bei Gefahrenstufe 5 (=sehr große Lawinengefahr) sind keine Unternehmungen mehr möglich. Deshalb wird sie hier nicht aufgeführt.  

Hangsteilheit messen

Praktische Tipps fürs Gelände

Mehr erfahren
Durch wiederholtes Messen der Hangneigung im Gelände wird die Fähigkeit trainiert, die Steilheit mit bloßem Auge einschätzen zu können. Wenn man die eigenen Schätzungen immer wieder durch Nachmessen überprüft, wird man schnell treffsicher. Die Fähigkeit, Steilheiten schätzen zu können, ist wichtig, denn lawinenverdächtige Hänge sollte man nicht betreten, um mittendrin zu messen!