Welche Gefahrenstufe ist für das Gebiet meiner Tour sowie die Höhenlage der Gefahrenstelle vorhergesagt?
Die Hangsteilheit ist ein Hauptfaktor bei der Abschätzung der Lawinengefahr: Je steiler der Hang, desto größer die Gefahr der Lawinenauslösung. Maßgeblich ist die steilste Stelle mit einer Fläche von etwa 20 mal 20 Metern!
Abhängig vom Lawinenproblem gibt der LLB an, in welchen Höhenlagen, Expositionen und/oder typischen Geländeformen (Piktogramme und Zusatzinformationen im Text) vorwiegend Gefahrenstellen zu finden sind. Die Frage ungünstig – günstig bezieht sich also zunächst auf die sog. Kernzone laut LLB.
Frage 1: Ermittlung der zutreffenden Gefahrenstufe
In den allermeisten Fällen ist die gültige Gefahrenstufe einfach und eindeutig aus dem LLB zu ermitteln. An den Grenzen der Zuständigkeitsbereiche der Warndienste sowie der Unterregionen und Höhenabstufungen sind die Übergänge defacto jedoch fließend. Ein Ablesen z.B. zwischen Gefahrenstufe 2 und 3 auf der SnowCard ist dann sinnvoll.
Frage 2: Beurteilungsbereich zur Ermittlung der Hangsteilheit
Grundsätzlich gilt es, die steilste Stelle im gesamten Hang zu berücksichtigen. Wenn Gefahr spontaner Lawinen besteht (v.a. Nassschneee- und Neuschneeproblem), ist zusätzlich auch die steilste Stelle im gesamten darüber liegenden Einzugsbereich mit einzubeziehen. Da bei niedrigeren Gefahrenstufen (1 und 2) die Wahrscheinlichkeit für Spontan- und Fernauslösungen kleiner ist und Lawinen im Allgemeinen weniger groß werden, kann man sich hier auf die steilste Stelle in der näheren Umgebung beschränken.
Konkrete Empfehlung für den Beurteilungsbereich der SnowCard in Abhängigkeit der Lawinengefahrenstufe:
1/gering: unmittelbarer Bereich der Spur
2/mäßig: Umkreis von 20 bis 40 Metern um die Spur
3/erheblich: gesamter Hang mit Auslaufbereich, auch wenn er durch Verflachungen gegliedert ist
4/groß: gesamter Hangbereich, weite Auslaufbereiche und Gegenhänge
Achtung: Beurteilungsbereich ist nicht gleich Einzugsbereich!
Die gefahrenstufenabhängige Empfehlung eines Beurteilungsbereiches ist eine Anleitung zur Bedienung der SnowCard. Sie gibt bei niedrigen Gefahrenstufen einen größeren Freiraum, bei hohen Gefahrenstufen hält sie den Anwender aus komplexen Hangsystemen fern. Sie darf nicht mit dem tatsächlich relevanten Einzugsbereich einer Lawine bei lokaler Beurteilung der Schneedecke bzw. des Lawinenproblems verwechselt werden. Dessen Größe hängt primär vom Relief, der möglichen Lawinenart und dem konkreten Lawinenproblem ab.
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Lawinen-Risiko-Check
Was ist die DAV SnowCard?
Die DAV SnowCard ist ein Hilfsmittel für einen schnellen und einfachen Risiko-Check zur Lawinengefahr.
Frage 3: Unterscheidung günstig – ungünstig nach LLB
Während der Tourenplanung wird für alle Bereiche, in denen nach Lawinenlagebericht (LLB) ein Problem vorhanden sein könnte, zur Bestimmung des Risikos die orangefarbene Risikografik „ungünstig nach LLB“ verwendet. Für alle anderen Bereiche kann man die grüne Risikografik „günstig nach LLB“ verwenden, die einen größeren Bewegungsspielraum zulässt.
Auswertung: Unfallwahrscheinlichkeit bestimmen
Nach der Beantwortung der drei Fragen kann man das entsprechende Unfallpotenzial anhand der Farbe an den Schnittpunkten ablesen. Die Farben stehen im Wesentlichen für drei Kategorien: grün für geringe Unfallwahrscheinlichkeit, rot für hohe Unfallwahrscheinlichkeit und somit Empfehlung auf Verzicht oder Umgehung. Gelb (mit den farblichen Übergängen) steht für eine „mittlere Unfallwahrscheinlichkeit“ – hier wird die Einhaltung von an die Situation angepassten Vorsichtsmaßnahmen empfohlen.
Download der SnowCard-Grafiken
Die Farbgrafiken der DAV SnowCard kannst du hier als PDF-Version downloaden.