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Inklusion und Integration im DAV

„Dabei sein ist alles“, lautet der altbekannte Sportslogan. Aber nicht nur mitmachen, sondern auch mitgestalten ist die Botschaft des Inklusionsmodells. Und wie verhält sich Integration dazu? Inklusion und Integration sind zwei Begriffe, die in unterschiedlichen Kontexten verschieden verwendet werden. Grundsätzlich werden eine gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit Behinderung als Inklusion, die von geflüchteten Menschen als Integration bezeichnet, obwohl es bei beidem eigentlich um das Gleiche geht. Dem DAV ist es unabhängig von sprachlichen Begrifflichkeiten ein Anliegen, alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt am Bergsport und Vereinsleben mitmachen zu lassen.

 

 

 

Menschen mit Behinderung einerseits und Geflüchtete andererseits haben jedoch auch jeweils unterschiedliche Erwartungshaltungen und Bedarfe. Beim gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung müssen Kletteranlagen, Hütten und Wege gut zugänglich sein, während beim Aufeinandertreffen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund vor allem kulturell bedingte Verschiedenheit oder sprachliche Barrieren zu überwinden sind. Das Projekt Alpen.Leben.Menschen (A.L.M.) versucht, diese Bedarfe auf Touren, Veranstaltungen und in Workshops gewinnbringend für alle zu verbinden.

 

Was ist Inklusion?

Mit Inkrafttreten des „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ (UN Behindertenrechtskonvention) in Deutschland im Jahr 2009 ging ein Perspektivenwechsel einher. Die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung sowie ihre selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe in der Gesellschaft, kurz gesagt: die Inklusion von Menschen mit Behinderung, wurden als elementare Ziele benannt. Das DAV-Positionspapier „Inklusion leben!“ möchte Möglichkeiten und Chancen für ein Miteinander im Verband und den Sektionen aufzeigen.

 

Die Aktion Mensch erklärt Inklusion knapp und verständlich in einem Video:

 

Inklusion im Bergsport

Bergsport haftet bisweilen die Vorstellung an, er sei nur als „völlig gesunder“ Mensch auszuüben. Einzelne prominente Bergsteiger*innen mit Behinderungen und ihre herausragenden Leistungen und das zunehmende Engagement für Menschen mit Behinderung auf breitenbergsportlicher Ebene tragen dazu bei, dass sich dieses Bild allmählich wandelt.

 

Als Sport- und Naturschutzverband sowie als Jugendverband sind DAV und JDAV jedoch weder sonder- noch heilpädagogische Fachverbände. Die Kompetenzen des Alpenvereins liegen in der Bergsportausübung. Hier begreifen DAV und JDAV Menschen mit einer Behinderung als wertvolle Mitglieder ihrer Gruppen. Dazu bedarf es vor allem einer Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung, die Vielfalt und Heterogenität als Bestandteil unserer Gesellschaft anerkennt und als Bereicherung erlebt. Echte Teilhabe geht aber über ein bloßes Mitmach-Angebot (Teilnahme) hinaus. Menschen mit Behinderung sollen auch die Chance haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen. Der DAV hat in diesem Prozess im November 2014 ein Positionspapier verabschiedet.

 

Integration im Bergsport

Die Natur und Berge der Mittelgebirge und Alpen gehören für viele zum Heimats- und Lebensgefühl dazu. Geflüchteten Menschen dies näher zu bringen, verbunden mit einer Einbindung in die Gemeinschaft, hilft beim Ankommen und bei der Eingliederung im neuen Land. Daher lädt A.L.M. Geflüchtete ein, auf Wanderungen und Ausflügen ihre neue Heimat und die Menschen, die hier leben, kennenzulernen. Schon manches Mal sind auf einer A.L.M.-Wanderung echte Freundschaften entstanden. Auch Arbeitsstellen und Jobmöglichkeiten konnten durch das Netzwerk gewonnen werden.

 

Doch diese Begegnungen sind nicht einseitig: Auch für die Einheimischen ist die interkulturelle Begegnung eine wertvolle Erfahrung. Sie haben die Möglichkeit, Geflüchtete in ihrer Nähe kennenzulernen und können sich so ihr eigenes Bild machen. Und die heimischen Berge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, ist nicht nur interessant, sondern kann das ein oder andere Mal auch zum Schmunzeln und gemeinsamen Lachen mit den Geflüchteten anregen.

Die Vernetzung von Geflüchteten und Menschen mit Behinderung ist ein weiteres Ziel von A.L.M. Gemeinsam gilt es, die Natur und den Bergsport zu erleben, sowie in Kontakt mit dem Gegenüber zu kommen und Barrieren zu überwinden.

 

DAV und JDAV sind der Meinung, dass...

  • Bergsport, Bergsteigen und Alpinismus allen Menschen offenstehen müssen.
  • die Ansicht „Menschen mit Behinderung können nicht Bergsport treiben“ eine gedankliche Barriere ist, die durch Überlegungen über das „wie können Menschen mit Behinderung Bergsport treiben“ überwunden werden muss.
  • persönliche Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Behinderung und Geflüchteten zum Abbau von Vorbehalten beitragen und die gegenseitige Wertschätzung sowie die Entwicklung eines inklusiven Bewusstseins für das Zusammenleben fördern.
 

DAV und JDAV wollen sich einsetzen für...

  • den Dialog zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und Geflüchteten im Rahmen von laufenden und mit Hilfe von gezielten Veranstaltungen.
  • die Netzwerkbildung mit anderen (Behinderten)Sportfachverbänden und Einrichtungen der Behindertenhilfe, um über die Lebenswelten und Bedarfe von Menschen mit Behinderung zu erfahren.
  • die Sensibilisierung und Information zu den Themen Inklusion & Integration in allen Ausbildungen von DAV und JDAV.
  • Initiativen zur Bewusstseinsbildung von Kindern und Jugendlichen v. a. durch Begegnung mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung sowie Geflüchteten.
  • die Berichterstattung in allen eigenen Medien über generelle Themen von Menschen mit Behinderung, über behindertenspezifische Bergsporttechniken und über praktische Umsetzungen.
  • eine Sprache, die gleichermaßen Geflüchtete sowie Menschen mit und ohne Behinderung anspricht, und die die Vorteile von Vielfalt bzw. Unterschiedlichkeit benennt und kommuniziert.

 

Die ausführliche Fassung und eine Fassung in einfacher Sprache stehen unten zum Download zur Verfügung.

 

Weiterführende Links

 

Integration und Inklusion beim DOSB

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verbindet mit den Begriffen Integration und Inklusion vergleichbare inhaltliche Konzepte: beide fordern eine gleichberechtigte Partizipation, Teilnahme und Teilhabe an den Angeboten des Sports; die dahinterstehenden Prozesse müssen gezielt unterstützt werden. Detaillierte Info gibt es auf der Seite des DOSB.

 

Auch der Deutsche Olympische Sportbund stellte sich dieser Aufgabe und veröffentlichte dazu im Jahr 2013 ein Informations- und Positionspapier (siehe Download), in dem er sich klar zur Inklusion bekennt und zu einem verstärkten Engagement für die Belange von Menschen mit Behinderung verpflichtet.

 

A.L.M. 2.0

Das Projekt Alpen.Leben.Menschen geht weiter. Inklusion und Integration in Bayerns Bergen.

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A.L.M. geht weiter! Die Integrationsmaßnahmen des Projekts Alpen.Leben.Menschen (A.L.M.) werden um Inklusionsziele in den Handlungsfeldern Begegnung, Kultur und Sport erweitert. Demnach werden Geflüchtete und Menschen mit Behinderung gleichermaßen als Zielgruppen im Projektgebiet der Bayerischen Alpen und in der Metropolregion München angesprochen. Die Sektionen des DAV und Dienststellen der Malteser im Projektgebiet organisieren und führen die Angebote durch.

Was in den Bergen möglich ist

Bergsport mit Behinderung

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Behindertensport ist schon lange etabliert. Auch die Paralympics, Deaflympics und Special Olympics finden vermehrt Raum in den Medien. Aber Klettern und Bergsteigen mit Behinderung? Geht das?