Der Sommer 2026 war extrem heiß und das besonders in den Alpen. Geben das auch die Zahlen wieder?
Ja das stimmt: Der Sommer war im Alpenraum außergewöhnlich heiß. In Österreich beispielsweise wurde in den Sommermonaten Juni, Juli und August eine Abweichung von plus 2,5 °C im Vergleich zum Zeitraum 1991 bis 2020 gemessen. Das ist ein sehr hoher Wert. Dieser Sommer ist somit der heißeste der Messgeschichte. Wir haben an mehr als 100 von unseren Messstationen neue Höchsttemperaturen gemessen. Die Spitzenwerte lagen in den beiden Hitzewellen bei über 40 Grad. Zu den Rekorden gehören auch: Die meisten Hitzetage und die meisten tropischen Nächte mit Temperaturen über 20 Grad.
Und das gilt natürlich nicht nur für Österreich: In Südtirol war es an 27 Tagen über 35 Grad heiß. Hier spricht man sogar von insgesamt fünf Hitzewellen. Während dieser gab es zum Beispiel 32 Tropennächte in Bozen. Auch in der Schweiz gab es an vielen Orten noch nie so viele Hitzetage.
Und was sagen die Zahlen über die Trockenheit aus?
In ganz Österreich gab es im Durchschnitt ein Drittel weniger Niederschlag als in der Periode 1991 bis 2020. Besonders hart hat es den Osten des Landes getroffen. Die Trockenheit setzte sich nach einem bereits trockenen und niederschlagsarmen Winter und Frühling in allen drei Sommermonaten fort. In der heimischen Landwirtschaft hat diese Dürre historische Schäden verursacht. Und viele Berghütten hatten mit der Wasserversorgung zu kämpfen.
Wie lässt sich eine solche Trockenheit erklären?
Der Sommer war geprägt durch sehr stabile Hochdrucklagen. Es ist durchaus üblich, dass der Alpenraum in den Sommermonaten nur selten von Fronten berührt wird. Dann sind oft lokale Faktoren ausschlaggebend für Trockenheit und konvektive Niederschläge, also solche, die durch das Aufsteigen feuchter Luftmassen entstehen. Ist es sehr heiß, dann ist die Verdunstung stärker und die Böden werden trockener. Und wenn der Boden einmal trocken ist, kann auch nur wenig Wasser verdunsten. Die Luft enthält also wenig Wasserdampf und die Wahrscheinlichkeit für Niederschläge aus Schauern und Gewittern sinkt.
Wie stark ist denn der Alpenraum im Vergleich zu anderen Regionen betroffen?
Die extreme Hitze im Sommer ist ganz klar ein Signal des globalen Klimawandels. Alarmierend ist, dass die Erwärmung über dem europäischen Festland stärker ausfällt als über anderen Kontinenten. Ein heißer Sommer ist die neue Normalität und solche werden wieder auftreten, wenn sie auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein werden. Und auch lange sommerliche Trockenperioden mit beträchtlicher Waldbrandgefahr passen ganz ins Bild des Klimawandels.
An vielen Orten gab es im Sommer auch punktuelle Starkniederschläge. Wodurch werden die ausgelöst?
Der Sommer 2026 reiht sich in die klimatische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein, allerdings in sehr ausgeprägter Form. Generell stellen wir durch den Klimawandel in der warmen Jahreszeit mehr Tage ohne Niederschlag fest im Vergleich zu früheren Zeiten. Diese gehen, wie gerade erwähnt, einher mit längeren Trockenperioden. Gleichzeitig nehmen in der Tat Starkniederschläge zu. Das heißt, wenn die atmosphärischen Bedingungen passen, fallen die Niederschläge stärker aus, weil durch die klimawandelbedingte Erwärmung mehr Energie und auch mehr Feuchte in der Luft vorhanden sind.
Wie wird es weitergehen - kann man schon Vorhersagen für den Spätherbst und Frühwinter wagen?
Dazu gibt es saisonale Prognosen und Monatsprognosen, etwa des Europäischen Zentrums für Wettervorhersage. Auch wenn deren Qualität in unseren mittleren Breiten Schwächen hat, sprechen sie eine eindeutige Sprache: Es wird wärmer als im Mittel weitergehen. Ein solches Signal ist für den Herbst deutlich zu sehen. Auch für Dezember und Januar sagen diese Prognosen derzeit deutlich zu warme Verhältnisse voraus. Weniger eindeutig ist das Signal beim Niederschlag. Hier rechnet man für den Herbst mit einer leichten Tendenz zu feuchteren Verhältnissen als üblich. Aber mal schauen, ob sich das nach der langen Phase zu trockenen Wetters wirklich bewahrheitet...
Vielen Dank für das Gespräch, Manfred!