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In den Belluneser Dolomiten

Fast 50 Prozent des UNESCO-Weltnaturerbes Dolomiten liegen in der norditalienischen Provinz Belluno. Wer hier unterwegs ist, findet fantastische Bergziele und interessante Geschichten. Mehr Infos zum Artikel in DAV Panorama 3/2017

In der Provinz Belluno

„Io dico che la mia terra è uno dei posti più belli non già dell’ Italia, ma dell’ intero globo terracqueo… la mia patria si chiama Belluno” – „Ich sage, dass meine Heimat eine der schönsten Plätze nicht nur Italiens, sondern des gesamten Globus ist… meine Heimat heißt Belluno“. Die Begeisterung von Dino Buzzati (1906-1972, italienischer Schriftsteller, Journalist, Redakteur und Maler) für seine Heimat kann man bei einer Reise durch Belluno schnell nachempfinden. Die nördlichste Provinz der Region Venetien reicht von den sanften Belluneser Voralpen im Süden, keine 100 Kilometer nördlich der Adriaküste bei Venedig, bis zum Karnischen Hauptkamm bei Sappada, an der Grenze zu Tirol. 46 Prozent des Dolomiten-Weltnaturerbes Dolomiten stehen in Belluno, neben der bekannten 3343 Meter hohen Marmolada, dem höchsten Dolomiten-Gipfel auf der Grenze zum Trentino, auch weniger bekannte Stöcke wie die Civetta-Moiazza-Gruppe, die Tofanen, die Sorapiss, der Monte Pelmo oder die Bosconero-Gruppe.

Neben den einfacheren Wegen im Umfeld der mit Bergbahnen erschlossenen Dolomiten-Massive gibt es eine unglaubliche Fülle attraktiver Bergtouren in anspruchsvollerem Gelände. Bellunos Berge erlebt man vor allem auf lohnenden Mehrtagestouren, etwa auf Etappen des bekannten Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 vom Pragser Wildsee nach Belluno und des Weitwanderwegs von München nach Venedig. Aber auch Touren von Hütte zu Hütte und Rundwanderungen um einzelne Dolomiten-Stöcke bedienen viele Erwartungen.

Weitere Infos unter www.infodolomiti.it (auch auf Deutsch), www.dolomitiunesco.info, adorable.belluno.it (Stadt Belluno), new.muenchenvenedig.de (Weitwanderweg München-Venedig)

 

Belluneser Voralpen

Südlich der Provinzhauptstadt Belluno im Piavetal und den Dolomiten vorgelagert liegen die „Prealpi Bellunesi“, eine sanft geschwungene Berg- und Hügelkette, die im 1763 Meter hohen Col Visentin gipfelt. Um die kleinen Orte wie Trichiana, S. Antonio Tortal, Valmorel oder Tassei herrscht ruhige Beschaulichkeit, und man kann auf entspannenden Wanderungen regenerieren. Über ein Dutzend interessanter Schluchten locken abenteuerlustigere Entdecker in die teilweise zugänglichen Canyons aus gebändertem Schichtkalk mit vielen Farben und bizarren Formen.

Infos unter dolomitiprealpi.it; ruhige Unterkunft im Rifugio Pranolz, rifugiopranolz.com (die Juniorchefin bietet u.A. auch Nordic-Walking-Kurse an); Karte Tabacco 1:25.000, 024 Prealpi e Dolomiti Bellunesi.

 

Nationalpark Belluneser Dolomiten

Der „Parco Nazionale Dolomiti Bellunesi“ ist einer von 24 italienischen Nationalparks, wurde 1990 eingerichtet und erstreckt sich auf knapp 320 Quadratkilometern zwischen den Flüssen Sismun, Piave und Agordino. Das durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen geprägte Schutzgebiet bietet viele Wandermöglichkeiten, beispielsweise auf der Route des Dolomitenhöhenwegs Nr. 1, die den Park von Norden nach Süden durchquert (siehe Tourenbeschreibung im Panorama-Text). Die Durchquerung in zwei Tagen berührt die Hütten Rifugio Sommariva al Pramperet, rifugiosommarivaalpramperet.it und Rifugio Pian de Fontana, piandefontana.it. Die Etappe vom Rifugio Pian de Fontana über die Schiara nach Belluno verläuft auf einem anspruchsvollen Klettersteig und benötigt entsprechende Erfahrung und Ausrüstung. Alternativ kann man über das Rifugio F. Bianchet, rifugiobianchet@hotmail.com, ausweichen und die Schiara umgehen.

Weitere Infos zum Nationalpark: Besucherzentrum „Il Sasso nello Stagno“ in Feltre-Pedavena, Kulturzentrum „Piero Rossi“ in Belluno, www.dolomitipark.it; Karte Tabacco 1:25.000, 025 Dolomiti di Zoldo Cadorine e Agordine.

 

 

Civetta/Aleghe

Das schon im 12. Jahrhundert erwähnte Aleghe liegt am gleichnamigen See zwischen Marmolada und Civetta und ist günstiger Ausgangspunkt für Bergtouren in beide Dolomitenstöcke. In den Bannkreis der berühmten, über 1000 Meter hohen Civetta-Nordwestwand kommen Tagesausflügler dank Seilbahnauffahrt zum Col dei Baldi. Über die private Pioda-Hütte und das Rifugio Sonino al Coldai erreicht man auf Weg 556 die Forcella Coldai und den beliebten Lago Coldai. Vom kleinen Bergsee kann man unterhalb der grandiosen Kulisse der Civetta-Nordwestseite über den Col Negro di Coldai zum Rifugio A. Tissi weiterwandern und die Tour bis zum Rifugio Vazzoler im Süden des Civetta-Moiazza-Massivs fortsetzen.

Rund um die Civetta sind trainierte Bergsportler in einer ausgedehnten Tagestour von 11 bis 13 Stunden Gehzeit mit über 1600 Höhenmeter unterwegs. Genussvoller ist diese großartige Umrundung des Gebirgsmassivs mit einer oder zwei Hüttenübernachtungen. Hierfür steigt man vom Rifugio Vazzoler auf den Wegen 555/558 in das Hochtal des Van del Sasse und folgt Weg 558 zur Forcella delle Sasse. Über die Sentieri Angelini und Tivan gelangt man entlang der Civetta-Ostflanke zum Rifugio Rifugio Coldai (siehe oben). Wer sich die ausgesetzten und schwierigen Klettersteige Tissi und Alleghesi zutraut, kann bei der Abzweigung zur Forcella delle Sasse nach links abzweigen, über den Tissi-Klettersteig durch die Civetta-Südwestwand zum Rifugio Torrani aufsteigen und den Gipfel der Civetta erreichen. Auf der Via Ferrata degli Alleghesi geht es dann bergab zum Sentiero Tivan und zum Rifugio Coldai weiter. Die Civetta-Überschreitung bleibt routinierten Bergsteigern/Klettersteiggehern vorbehalten, die sich auch in alpinem Schrofengelände und ungesicherten Kletterstellen (I-II) wohl fühlen. Zu berücksichtigen sind auch die große Höhe über 3000 Meter und mögliche vereiste Passagen auch im Sommer.

Infos unter www.dolomiti.org, Unterkunft in Aleghe z.B. Hotel Barance (Inhaberfamilie bewirtschaftet auch das Rifugio Coldai, www.hotelbarance.com); Rifugio A. TissiRifugio Vazzoler, Rifugio Torrani, Karte Tabacco 1:25.000, 015 Marmolada – Pelmo – Civetta-Moiazza.

 

Sappada

Die deutschsprachige Enklave liegt im Norden Bellunos, auf der Südseite der Karnischen Alpen. 15 Weiler bilden den Ort, der sich entlang des Piave erstreckt, der wiederum zu Füßen des Monte Peralba/Hochweißstein (2694 m) entspringt. Sappada oder Plodn/Bladen wurde von Zuwanderer aus dem Hochpustertal/Villgraten ab etwa 1000 n.Chr. gegründet. Der östlichste Ortsteil Cima Sappada/Zepodn wurde in Art eines Freilichtmuseums hergerichtet – hier lässt sich viel über die Geschichte der Gemeinde erfahren, ebenso wie im Heimatmuseum, das ebenfalls in Cima Sappada steht. Die „Associazione Plodar“ kümmert sich mit viel Engagement um die historischen Zeugnisse und auch darum, die eigene Kultur mitsamt der Sprache am Leben zu erhalten und für die Zukunft zu retten. Hier zwei Beispiele, wie sich Plodnerisch liest: „In herbischt vòòlt s’laap va me pame òver in lòngas beart òis bider grien unt de vèlder plienint – Im Herbst fallen die Blätter vom Baum, aber im Frühjahr wird alles wieder grün und die Wiesen blühen.“ „Trinkmer a pudile pròmpan? – Trinken wir ein Glas Schnaps?“

Sappada liegt abseits des Mainstreams und bietet lohnende Bergtouren. Südlich des Piave locken die Kalkgipfel von Terza Grande, Clap Grande, Creta Forata oder Monte Cimon Bergsteiger, auf der Nordseite wurden die Hänge bis kurz vor die Laghi d‘Olbe mit einigen Liftanlagen erschlossen. Im Umfeld des kleinen Skigebiets lässt sich im Sommer eine lohnende Wanderung zum Monte Lastroni/ Schaibmkouvl (2449 m) unternehmen. Von dessen Gipfel blickt man auf das weite Val Visdende mit seinen Almflächen und auf die Berge des Grenzkammes, vor allem auf den Monte Peralba/Hochweißstein, der für routinierte Bergsteiger ebenfalls problemlos z.B. über das Rifugio Calvi (Tel.: 0039/0435/469232) zu besteigen ist.

Info unter altedolomiti.it, sappadadolomiti.com, plodn.info, sprachinseln.it; Unterkunft in historischen Häusern bieten B&B Graz Trojar Haus und Voltan Haus, antichecasesappada.com; Karte Tabacco 1:25.000, 01 Sappada - S. Stefano - Forni Avoltri