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Dänemark: Zum Klettern an die Ostsee

Dänemark ist Dünenland. Ganz Dänemark? Nein! Bornholm, eine von unbeugsamen Felsen bevölkerte Insel bietet hunderte Routen in bestem Granit. Mehr Infos zum Artikel in DAV Panorama 2/2019

Skandinavische Skala!

Aktuell gibt es auf der Insel rund 750 Kletterrouten und Boulder in mehr als 20 Gebieten. Rund 150 davon sind bestens abgesicherte Sportkletteraufstiege in den Steinbrüchen Moseløkken, Almeløkkebruddet und Vangbruddet. Auch die „Freunde der kleinen Blöcke“ entdecken Bornholm immer mehr als wahrhaft lohnendes Ziel.

 

Aufgepasst bei den Schwierigkeitseinstufungen! Was aussieht wie „UIAA“, ist in Realität die „Skandinavische Skala“, die ab 5- deutlich von der gewohnten Einstufung differiert. Auch ich falle regelmäßig darauf herein und stehe mitunter wie der letzte Depp vor einer 6-, die so gar nicht gehen will.

Alle Küstenklippen der Insel sind komplett selbst abzusichern (clean climbing). Das Anbringen von Bolts oder ähnlichem ist strengstens untersagt. Also bitte ausreichend Sicherungsmaterial (Keile, Friends, Ufos, Schlingen etc.) einpacken.An den Ausstiegen finden sich in einzelnen Fällen Abseilösen. Meist heißt es jedoch, Felsblöcke oder Bäume zu benutzen, um wieder auf den Boden zu gelangen.

 

 

 

Klettertraum an der Westküste

Schönstes Klettergebiet an der Westküste ist mit Sicherheit „Vang Syd“. Es beginnt südlich des Ortes, wo sich der Vang Pier befindet. An acht Massiven finden sich einige der besten Kletterrouten der Insel. Auch einer der beiden Gipfel Dänemarks der „Krogeduren“ steht hier.

Dieser ist ab 3 recht „billig“ zu haben. Die Schwierigkeiten an den Massiven reichen von 3 bis 8, die Routenlängen liegen zwischen 7 und 25 Metern. Die Felsen sind zumeist westlich ausgerichtet, so daß man am Nachmittag Sonne hat. Manchmal kann es allerdings sehr windig sein. Durch die Lage in unmittelbarer Küstennähe verzichtet man bei auflandigem Wind besser auf einen Besuch. Sonst liegen nicht nur nasse Füße im Bereich des Möglichen.#

Da der Zugang zu den Küstenklippen über Granitblöcke unterschiedlichster Größe erfolgt, bitte geeignetes Schuhwerk tragen. Spätestens nach dem ersten Eiergang in Flip-Flops wird man dies bereuen. Und gemäß Murphy wackeln immer genau die Steine, von denen man es nicht erwartet.

 

Sportklettergebiet

Der in der Nähe von Allinge gelegene „Moseløkken Stenbrud“ ist das bedeutendste und am besten erschlossene Sportklettergebiet Bornholms. Ein Parkplatz in unmittelbarer Nachbarschaft gewährleistet familienfreundlichen Zugang. Alle Routen sind mit Klebehaken in sehr moderaten Abständen gesichert, verfügen über Umlenkpunkte mit Doppelhaken oder gefädelten Schlingen und Karabinern. Die Wandhöhen liegen zwischen 6 und 35 Metern. Bitte für Begehung der langen Routen ein Seil mit mindestens 70 Metern Länge einpacken. Der Steinbruch bietet vielfältiges Potential in fast allen Schwierigkeitsgraden, Kletterstilen sowie in allen Himmelsrichtungen. So kann man alternativ in der Sonne oder im Schatten klettern. Seine geschützte Lage in „Kesselform“ sind Segen und Fluch zugleich. Während des Klettern läßt sich bequem die Familie „parken“, allerdings kann es im Sommer ab den späten Vormittagsstunden sehr warm werden.

 

 

Klettern und Bouldern

Ungefähr in der Mitte zwischen Gudhjem und Nexø befindet sich eine der Inselattraktionen - das „Randkløve Skåret Diese tiefe Kluft erstreckt sich in der Längsrichtung quer über die Insel in generell nordöstlich-südwestlich verlaufenden Gräben. Riesige Granitblöcke bilden mit Randkløve eine 50 Meter lange, nur fünf bis sechs Meter breite und ca. 15 Meter tiefe Schlucht. Durch den bestehenden Naturschutz ergeben sich keine Einschränkungen bezüglich des Kletterns. In der Umgebungsbeschreibung des Umweltministeriums wird die Überwucherung als eigentliche Bedrohung der natürlichen Werte genannt. Für uns als Kletterer bedeutet dies, daß wir hier im Sommer oder Herbst an den Einstiegen teilweise Büsche vorfinden, die wir aber getrost entsorgen können. Die östliche und südliche Ausrichtung direkt am Meer sichert auch bei stärkerem Wind unbeschwertes Klettern in griffigem und festem Fels. Bei klarer Sicht kann man von hier aus die in reichlich 20 Kilometern Entfernung liegenden Erbseninseln sehen. Diese markieren den östlichsten Punkt des dänischen Hoheitsgebietes und tragen den Namen auf Grund ihrer Größe bzw. Winzigkeit. Christiansø mißt nur 710 Meter in der Länge und 430 Meter in der Breite, ist damit aber noch fünfmal größer als Frederiksø.

 

Als Besonderheit findet man in diesem Gebiet die einzige Sportkletterroute der Insel an einer Küstenklippe - Røde Mor (6a+). Dies stellt allerdings keinen Freibrief für das Einbohren weiterer Routen dar! Der Zugang ist für Bornholmer Verhältnisse mit rund 20 Minuten ziemlich lang, aber nicht beschwerlich. Vom Parkplatz am „Randkløvegård“ folgt man einem Feldweg ca. 100 Meter in östlicher Richtung, danach biegt man links ab und läuft am Waldrand entlang eines Baches. Man hält sich konsequent auf dem Pfad an der Waldkante um das Feld herum, bis ein Weg hinunter zum Wasser führt. Das Randkløve Skåret befindet sich auf der rechten Seite. Das Ambiente ist einfach großartig. Etwa 60 Routen an 7 Massiven - meist östlich oder südlich ausgerichtet - und Schwierigkeiten ab 2 (bis 7+) schaffen Betätigungsfeld für die ganze Familie.

 

Bouldern

Boulderer werden sich mit Sicherheit am liebsten im Gebiet um die Ørnebjergkysten betun. Auch hierfür muß ein Anmarsch von rund 20 Minuten eingeplant werden. Entlohnt wird man mit einem grandiosen Blick über das Meer bis nach Schweden sowie einer traumhaften Landschaft. Einige der Boulder liegen in Küstennähe, diese sind bei windigen Verhältnissen nicht zu empfehlen. Die Mehrzahl liegt geschützt, teilweise auch in kleinen sonnenbadtauglichen Tälern. Bei Schwierigkeiten ab Fb1 kommen sogar Anfänger zum Zug. Auf das Crashpad kann zumeist verzichtet werden, wenn man einen Spotter dabeihat. Das Absprunggelände besteht meist aus grasigem Untergrund.

 

Infos zu Anreise, Unterkunft und Kletterführer gibt es in DAV Panorama 2/2019