Die angesprochenen Sachverhalte betreffen Trainings- und leistungsdiagnostische Maßnahmen aus den Jahren 2023 und 2024 im Kontext des Aufbaus einer neuen olympischen Sportart. Konkret geht es insbesondere um Beschwerden über Blutentnahmen am Ohrläppchen unter Belastungsbedingungen, im Raum steht eine Anzeige gegenüber beteiligten Personen.
Ein Laktattest mit kapillarer Blutentnahme am Ohrläppchen ist ein gängiger Leistungstest zur Bestimmung der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit. Dabei wird während einer stufenweise ansteigenden Belastung in regelmäßigen Abständen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen. Gemessen wird der Laktatwert, also ein Stoffwechselprodukt, das bei intensiver Muskelarbeit entsteht. Anhand der Werte lässt sich erkennen, bei welcher Belastung der Körper zunehmend an seine Grenzen kommt und wo die sogenannte anaerobe Schwelle liegt. Der Test liefert damit eine fundierte Grundlage für eine gezielte Trainingssteuerung und hilft, Über- oder Unterbelastung zu vermeiden.
Die konkret genannten Leistungstests erfolgten im Rahmen sportwissenschaftlicher Untersuchungen in Kooperation mit externen Partnern und wurden durch Fachpersonal durchgeführt. Kapillare Blutentnahmen am Ohrläppchen sind im Leistungssport ein übliches Verfahren zur Leistungsdiagnostik. Nach Rückmeldungen aus dem Athletenkreis wurden Abläufe überprüft und organisatorisch weiterentwickelt. Die Sicherheit der Athletinnen und Athleten hat für den DAV höchste Priorität.
Timeline der Leistungstest-Studie
Herbst 2023: Erste Testmaßnahmen im Olympia-Stützpunkt Ruhpolding (I) mit der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS).
April 2024: Zweite Testmaßnahme in Ruhpolding (II)
im Nachgang werden dem Bundestrainer und dem Sportlichen Leiter mündlich Beanstandungen mitgeteilt.
Mai 2024: Kick-Off-Meeting für die nächste Saison
Aktiv eingeräumte Gelegenheit, sich zu Testungen und Bedingungen von Ruhpolding (II) zu äußern.
14.07.24: E-Mail mit Sachverhaltsdarstellung durch damalige Athletensprecherin zu Ruhpolding (II) per Mail an den Sportlichen Leiter.
August 2024: Lehrgang in Obertauern
Erneut aktiv eingeräumte Gelegenheit für alle Athlet*innen, sich zu den Testungen und Bedingungen in Ruhpolding (II) zu äußern
Nach offener Diskussion wurde festgelegt, dass bei künftigen Maßnahmen ein größerer Fokus aller Beteiligten auf Hygiene und Sicherheit zu legen ist
Oktober 2024: Dritte Testmaßnahme Ruhpolding (III)
Keine Beanstandungen bzgl. Hygiene oder Sicherheit
Hinweise zu Konflikten im Trainingsumfeld wurden unabhängig aufgearbeitet. Es wurden Gespräche geführt, Verfahren überprüft und Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Governance- und Schutzstrukturen eingeleitet. Der Verband hat daraus Konsequenzen gezogen und Prozesse weiter verbessert. Der DAV nimmt Hinweise ernst, prüft sie sorgfältig und entwickelt Strukturen weiter. Entscheidend ist, dass daraus Verbesserungen entstehen. Genau das ist erfolgt.
Die Mitgliedschaft in Kaderstrukturen sowie die Nominierung für internationale Wettkämpfe und olympische Startplätze erfolgen auf Grundlage veröffentlichter Kriterien, dokumentierter Wettkampfergebnisse und formal geregelter Entscheidungsprozesse. Ziel ist sportliche Fairness und Transparenz.
Skibergsteigen ist derzeit eine Sportart mit begrenzten finanziellen Ressourcen. Der DAV investiert erhebliche eigene Mittel in den Leistungssport, ohne daraus wirtschaftliche Erträge zu erzielen. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Athletinnen und Athleten weiter zu verbessern.
Der Deutsche Alpenverein wird die Entwicklung dieser neuen olympischen Disziplin weiterhin verantwortungsvoll gestalten und die Strukturen im Sinne der Sportlerinnen und Sportler kontinuierlich weiterentwickeln.
Skibergsteigen wird bei den Olympischen Winterspielen erstmals ausgetragen. Der DAV musste dafür innerhalb kurzer Zeit Strukturen entwickeln, die in anderen Sportarten über viele Jahre gewachsen sind.