Zahlen und Fakten zum Klettersteiggehen

Was ist eigentlich ein Klettersteig? Warum sind Klettersteige so beliebt? Wie hoch ist das Unfallrisiko? Welche Schwierigkeiten gibt es? Wie stehen die Alpenvereine zur Entwicklung der Klettersteige? Und was gilt es beim Klettersteiggehen zu beachten? Im Folgenden finden Sie Zahlen und Fakten zu Klettersteigen. Stand: April 2022

Ganz spektakulär verläuft die schräge Leiter am Donnerkogel im Salzburger Land. Foto: Andreas Jentzsch

Klettersteiggehen - eine beliebte Trendsportart

Klettersteige oder auch auf Italienisch „Via Ferrate“ – Eisenwege – sind komplett oder stellenweise mit Stahlseilen, Tritthilfen und Leitern abgesicherte Wanderwege, die es auch Nicht-Kletter*innen ermöglichen, steileres Gelände am Fels zu begehen.

Klettersteige genießen in den letzten Jahren eine immer größere Beliebtheit. In der letzten Umfrage des DAV-Mitgliedermagazins "Panorama" 2017 gaben 41 Prozent der Befragten an, regelmäßig Klettersteige zu nutzen. In den Umfragen zuvor waren es 45 Prozent (2013) und 42 Prozent (2009). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Mitglieder allerdings von 813.000 auf 1.184.000 deutlich gestiegen. 2017 nutzten dementsprechend über 485.000, 2009 lediglich 341.000 DAV-Mitglieder Klettersteige.

Im gesamten Alpenraum gibt es aktuell bereits weit über 1000 Klettersteige. Die meisten davon – etwas mehr als 400 – befinden sich in Österreich. In den bayrischen Alpen gibt es über 100. Aber auch in anderen Regionen Deutschlands, beispielsweise in der Eifel, der Sächsischen Schweiz, im Frankenjura oder Schwarzwald, ist Klettersteiggehen möglich. Besonders Sportklettersteige liegen im Trend. Im Gegensatz zu klassischen alpinen Steigen sind sie durchgehend drahtseilversichert, meist ohne besonders langen Zustieg zu erreichen und enthalten oft spektakuläre Elemente wie beispielsweise Hängebrücken oder Seilbahnen.

Mit adäquater Sicherung und Schutzausrüstung ist der Klettersteig sicher zu bewältigen. Foto: Primoz Senk

Unfallrisiko an Klettersteigen

Anders als bei den meisten anderen Bergsportarten und entgegen dem allgemeinen Trend stieg die Zahl an Notlagen und Unfällen beim Klettersteiggehen 2020 an. Trotzdem entfallen bei insgesamt 920 Fällen im Jahr 2020 lediglich 69, also 7,5 Prozent, auf das Klettersteiggehen, wie die DAV-Bergunfallstatistik zeigt. Die Quote der tödlichen Unfälle ist dabei nur minimal höher: Mit 3 von insgesamt 28 Toten verunglückten knapp 11 Prozent beim Klettersteiggehen.

Die Hauptursache der Unfälle und Notlagen an Klettersteigen ist deutlich auf Überforderung zurückzuführen: 54 Prozent der Notfälle passierten aufgrund von Blockierungen (die Person kann sich weder vor noch zurückbewegen), während 24 Prozent sich aufgrund von Stürzen ereigneten. Vor allem Kinder und Jugendliche waren von Überforderung am Klettersteig betroffen. Eine gute Tourenplanung und eine ehrliche Selbsteinschätzung sind deshalb wichtig, um Blockierungen zu vermeiden.

Auch wenn Klettersteiggehen einige Gefahren birgt, ist das Risikopotenzial nicht besonders groß. Statistisch gesehen gerät eine Person lediglich einmal in 50.000 Tourentagen in eine Notsituation.

Klettersteig Schwierigkeitsskala Quelle: DAV

Klettersteigschwierigkeiten

Ein Anhaltspunkt zur ehrlichen Selbsteinschätzung ist die Schwierigkeitsskala für Klettersteige. Die Gängigste ist die sogenannte Schall-Skala, die von A bis G reicht. Mit der Schwierigkeit F ist der Karola-Steig an der Jakobswand im Odenwald der Härteste in Deutschland, wohingegen der schwierigste Steig überhaupt - der „Ferrate Extraplomix“ auf Gran Canaria – sogar mit G bewertet wird.

Foto: DAV

Neuerschließungen von Klettersteigen

Die Erschließung der Alpen sieht der DAV im Rahmen seines Grundsatzprogramms (s. Download) und Leitbildes als abgeschlossen. Deshalb stehen die Alpenvereine der Neuerschließung von Klettersteigen kritisch gegenüber. Um den Klettersteig-Trend trotzdem nachhaltig mitzugestalten, haben DAV und ÖAV einen Kriterienkatalog (s. Download) entwickelt, der die ökologischen, sicherheitstechnischen und bergsportlichen Prinzipien berücksichtigt. Aus bergsportlicher Sicht sollen zum Beispiel Gipfel, die Sportkletternden vorbehalten sind, nicht durch Klettersteige einfacher zugänglich gemacht werden. Mit Sicherheits- und Naturschutztipps unterstützt der DAV aber vor allem die vielen privaten Anbieter*innen von Klettersteigen.

Mit Kindern am Klettersteig. Foto: DAV/Hans Herbig

Der erste Klettersteig - die wichtigsten Tipps