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Die Bagger rollen

05.06.2020, 16:07 Uhr

Die Alpen haben eine neue Großbaustelle: Die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) hat mit dem Bau des zweiten Speichers für ein neues Pumpspeicherkraftwerk begonnen. Im Längental in den Stubaier Alpen bei Kühtai dominieren nun tatsächlich Bagger und erste Baustellen das alpine Landschaftsbild.

Baustelle statt Hochtal

Seit Mai werden nun tatschlich die Fakten geschaffen, wogegen sich viele Naturschutzverbände, darunter DAV und ÖAV, vehement über Jahre eingesetzt haben. In dem naturbelassene Längental in den Stubaier Alpen rollen aktuell Bagger und Baufahrzeuge um das Tal für die Flutung vorzubereiten. Am nach Kühtai zugewandten Talbeginn kam es in den vergangenen Wochen bereits zu massiven Erdumlagerungen und Baumentwurzelungen. Das Tal wird in naher Zukunft bis in den Talschluss ausgefräst und eine 500 Meter breite und 100 Meter hohe Staumauer für den zweiten Pumpspeicher der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz errichtet werden.  

Zerstört werden dadurch Niedermoore, eine intakte mäandrierende Flusslandschaft und hochwertige alpine Lebensräume. Das Tal wird geflutet und durch die Zuleitung alpiner Wildbäche aus den Nachbartälern wird der Wasserhaushalt der Stubaier Alpen schweren Schaden nehmen.

 

Früher Baubeginn trotz offener Revision

Das Vorhaben wurde vor etwa einem Jahr vom Bundesverwaltungsgericht mit der Argumentation des "übergeordneten öffentlichen Interesses" genehmigt, somit liegt der Baubescheid vor. Gleichzeit liegen die von ÖAV, DAV und Umweltdachverband eingebrachten Revisionen noch offen, und dies seit August 2019, beim Bundesverwaltungsgerichtshof. Das umweltrechtliche Verfahren ist somit noch nicht abgeschlossen. Auch wenn das Gericht den Einwänden statt geben würde, sind bereits jetzt unwiderbringliche Schäden am alpinen Ökosystem angerichtet worden, ein Rückbau ist schon nicht mehr möglich. 

DAV, ÖAV und Umweltschutzverbände kritisieren dieses Vorgehen, da es die umweltrechtliche Verfahrenspraxis in Frage stellt. 

 

 

Wasserkraftwerk bedroht alpine Natur

Die TIWAG plant bzw. startet den Bau eines großen Pumpspeichers im Längental mit einer 500 Meter breiten und 100 Meter hohen Staumauer und einem Nutzinhalt von rund 31 Mio. km³. Durch ein 25 Kilometer langes Stollensystem wird Wasser aus sechs intakten alpinen Wildbächen aus benachbarten Tälern in besagten Speicher abgeleitet. In den Sommermonaten fehlen diesen Bächen dann bis zu 80% ihres natürlichen Abflusses. Das Vorhaben wird somit nicht nur intakte Natur und wertvolle Lebensräume im Längental dauerhaft zerstören, durch die Ableitungen wird auch der Wasserhaushalt und der natürliche Abfluss in den Stubaier Alpen massiv beeinträchtigt.

Seit 2011 setzen sich diverse Naturschutzorganisationen sowie ÖAV und DAV und die Gemeinde Neustift im Stubaital aktiv gegen dieses Vorhaben ein. Das Verfahren lief durch mehrere Instanzen und wurde letztendlich durch das Bundesverwaltungsgericht in Wien im Juni 2019 genehmigt. ÖAV, DAV und Österr. Umweltdachverband haben in Form einer Revision Einwände gegen diese Genehmigung eingereicht, worauf aber bis dato vom Gericht keine weiteren Schritte eingeleitet wurden.

 

Weitere Informationen zum Vorhaben Sellrain-Silz

 

Naturjuwel Längental - bald unter Wasser

Schon jetzt ist das Tal kaum mehr zugänglich, in Zukunft wird hier ein Speichersee die Flussmäander und Moorflächen ersetzt haben. 

 

 

 

#unserealpen

Ende 2018 starteten die Alpenvereine AVS, DAV und ÖAV die gemeinsame Kampagne "Unsere Alpen". Sie möchten damit in einer breiten Öffentlichkeit deutlich machen, wie einzigartig, vielfältig und wertvoll die Alpen sind – und dass dieser Natur- und Kulturraum massiv bedroht ist. Wer die Kampagne unterstützen möchte, kann dies zum Beispiel auf Instagram tun und unter #unserealpen ein Bild sowie seinen Kommentar posten.

 

Ausbau der Wasserkraft in den Stubaier Alpen

Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz (Kühtai)

Mehr erfahren
Der Verwaltungsgerichtshof in Wien hat in höchster Instanz die Baugenehmigung für das Großprojekt "Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz" erteilt. Die TIWAG hat mit dem Bau des neuen Pumpspeichers im Längental bei Kühtai begonnen. Zusätzlich werden sechs Wildbäche in den Stubaier Alpen durch Wasserfassungen in den Speicher abgeleitet.