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Waltenberger-Haus - Modernste Technik auf 2085 Meter

Neue Hütte an historischem Standort

07.08.2018, 12:57 Uhr

Das Waltenberger-Haus der DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt musste aufgrund von Behördenauflagen wegen mangelhaften Brandschutzes neu gebaut werden. In drei Jahren von 2015 bis 2017 wurde die alte, teils verrottete Hütte durch einen modernen Neubau ersetzt.

Nach 1885 ist dies bereits der zweite Neubau an dieser Stelle, nachdem im oberen Bockkar in den Allgäuer Alpen 1875 die Urhütte als erste DAV-Hütte in Bayern errichtet worden war.

 

Annehmlichkeiten für die Hüttengäste

Der neue Baukörper nach den Plänen von Architekt Peter Fischer aus Oberstdorf fügt sich harmonisch entlang der Höhenlinien in das Gelände ein.

 

Ziel der Sektion Allgäu-Immenstadt war es von Anfang an, den Gästen der Hütte einen Großteil der Annehmlichkeiten zu bieten, die sie auf fast allen anderen Hochgebirgsunterkünften vermissen. So gibt es dort kleine, helle Schlafeinheiten mit genug Platz für Gepäck, für jeden Schlafplatz einen Sitzplatz, einen großen, warmen Trockenraum, helle Waschräume und auch für den Hüttenwirt und sein Personal genug Platz zum schlafen und arbeiten.

 

Weiter verfügt die Hütte nun über genügend Lagerräume und zwei große Besucherterrassen.

 

Herausforderung für die Planer

Hatte die alte Hütte kaum Energie zu Verfügung und musste mit dem Wenigen auskommen, war die Vorgabe für den Neubau ebenfalls eine möglichst komplette Versorgung mit regenerativer Energie.

 

Dank des großen Engagements der zuständigen Planer, der Einsicht der Behörden und nach vielen Diskussionsrunden konnte dies tatsächlich realisiert werden!


Hierbei galt es vor allem, die westseitige und in den Wintermonaten komplett schattige Lage des Gebäudes zu berücksichtigen.

 

Ausgeklügelte Energieversorgung

So wurde das Dach des neuen Gebäudes  mit 100 durchscheinenden PV-Modulen bestückt, die eine entsprechend große Batterieanlage aus ihren 30 KWp speisen.

Der mögliche Überschuss wird in 3 großen 1000 L Warmwasserspeichern eingeleitet oder zur Not in die Heizkreise der Waschräume geführt. Das System wird zusätzlich unterstützt durch eine kleine Wasserturbine mit max. 4 KW Leistung, die in die ehemals vorgeschriebene Löschwasserleitung eingebaut wurde. Die Wärmeabgabe der gesamten Kühlgeräte wird zur Erwärmung des großen Trockenraumes genutzt. Die Kompressoren wurden im Keller daher direkt unter diesem Raum platziert.

 

Quasi als „backup“ stehen noch eine kleine Gastherme und das Aggregat aus der Bauzeit zur Verfügung. Beides wird zur Energieversorgung der Hütte aktuell aber nicht benötigt.

 

Nicht zu vergessen: Reinigung der Hüttenabwässer

Die Abwässer werden weiter in der bereits vorhandenen, biologischen Kläranlage bearbeitet.

 

Allein die Feststoffe müssen nach den neuen Vorgaben der Behörden im Tal entsorgt werden. Hierzu wurde der ehemals vorhandene  „Alpimat“  durch eine Eigenkonstruktion der Hüttenreferenten ersetzt, die ohne Strom und Steuertechnik auskommt und nur mit der Schwerkraft funktioniert.

 

Engagement des Hüttenwirts gefragt

Auch der Hüttenwirt trägt seinen Teil zu diesem Konzept bei.

Das Waltenberger-Haus kann nur mit dem Hubschrauber versorgt werden. Soweit mit der zwingenden Versorgung aus der Luft möglich, werden die Vorgaben des DAV beim Einkauf berücksichtigt.

Über die Speisekarte informiert Hüttenwirt Markus Karlinger die Gäste ausführlich und witzig über die Besonderheiten des Waltenberger-Hauses.

 

Jury Umweltgütesiegel überzeugt sich vor Ort

Auf Antrag der Sektion Allgäu-Immenstadt waren mit Peter Weber, dem ehemaligen Leiter des DAV-Ressorts Hütten und Wege noch zwei weitere Kollegen aus der Jury Umweltgütesiegel auf dem Waltenberger-Haus.

Die DAV-Jury hat die Hütte zwei Tage gründlich in Augenschein genommen und die Einhaltung der Kriterien des Umweltgütesiegels überprüft.

 

Aufgrund des hervorragenden Ergebnisses konnte das Gütesiegel gleich vor Ort an die für das Waltenberger-Haus Verantwortlichen übergeben werden: Hüttenwirt Markus Karlinger und Matthias Hill, Geschäftsführer der Sektion Allgäu-Immenstadt.

 

Bauarbeiten Waltenberger-Haus - Schritt für Schritt

Mehr erfahren
Nach dem Hüttenabbruch im vergangenen Herbst und der Winterpause gehen seit April die Arbeiten auf der Baustelle Ersatzbau Waltenberger-Haus in den Allgäuer Alpen weiter.