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MontEO – Was rüttelt an der Beständigkeit von Hütten und Wegen?

20.12.2021, 06:45 Uhr

Satellitengestützte Beurteilung der Auswirkungen von Massenbewegungen auf die alpine Infrastruktur

Stetige Erosion und wiederkehrende Massenbewegungen wie Steinschlag, Hangrutschungen oder Muren gehören zu den Hauptverursachern von Schäden an den Berg- und Wanderwegen. Verstärkt wird das Problem noch durch steigende Nutzerzahlen und die Klimaerwärmung. Für die Instandhaltung und das Wegemanagement benötigen die Wegewart*innen des DAV daher geeignete und verlässliche Informationen zu Erosion und Massenbewegungen. Zu diesem Zweck wird im Forschungsprojekt MontEO ergründet, inwieweit durch die Auswertung von Satellitenbildern und digitalen Höhenmodellen praxisrelevante Informationen über Massenbewegungen für das Management alpiner Infrastruktur bereitgestellt werden können.

 

Alpenvereine: steigender Aufwand zur Erhalt der Infrastruktur

Die Alpenvereine unterhalten die alpine Infrastruktur an Wegen und Hütten, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Pionierzeit des Bergsports, errichtet wurden. Die Unterhaltung der Infrastruktur im Gebirge ist aufwendig, weil natürliche Prozesse wie Niederschlag und Abfluss stetig für Erosion auf den Wegen sorgen. Darüber hinaus führen Naturgefahren wie Rutschungen, Muren, Felsstürze und Steinschläge immer wieder zu Schäden am Wegenetz. Diese erschweren den Zugang zu Hütten oder verursachen eine zeitweilige Unterbrechung beliebter Wanderrouten. Auch die Versorgungsinfrastruktur von Hütten kann betroffen sein, wenn etwa Hangbewegungen die Wasserzuleitung beschädigen. Zwei aktuelle Trends verstärken diese Dynamik: erstens nimmt die Beanspruchung der alpinen Infrastruktur mit den steigenden Nutzerzahlen zu, und zweitens ist wegen des Klimawandels mit häufigeren und intensiveren Starkniederschlägen und infolgedessen mit mehr Schadensereignissen durch Naturgefahren zu rechnen. Die Alpenvereine als Wegehalter sehen sich mit einem steigenden Erhaltungsaufwand für die alpine Infrastruktur konfrontiert und benötigen daher geeignete und verlässliche Informationen zu Massenbewegungen.

 

Das MontEO-Projekt

Neue Lösungsansätze können aus Techniken und Methoden der Erdbeobachtung kommen. Die Satelliten des europäischen Weltraumprogramms „Copernicus“ machen regelmäßig flächendeckende Bildaufnahmen der Erdoberfläche, die die Erfassung von Massenbewegungen ermöglichen. Die so erhobenen Daten ergänzen bestehende Dokumentationen und erlauben, in Kombination mit weiteren Geodaten zu Topographie, Landbedeckung und Geologie, die Modellierung von rutschanfälligen Bereichen. Derartige Zonierungen haben ein großes Potenzial um den Umgang mit Naturgefahren im Wegemanagement zu verbessern.

 

DAV ist Teil des Projekts

Zur Ergründung dieses Potenzials leitet der Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS der Universität Salzburg das Forschungsprojekt MontEO. Projektpartner sind die Firma MJP Ziviltechniker, der Österreichische Touristenklub (ÖTK) und der Deutsche Alpenverein (DAV). Ziel von MontEO ist es, aus Satellitenbildern und digitalen Höhenmodellen Informationen abzuleiten, mit denen der Einfluss von Massenbewegungen auf das alpine Wanderwegenetz beurteilt werden kann. Das Forscherteam hat für mehrere Untersuchungsgebiete in Salzburg, Tirol und Oberösterreich unter anderem digitale Karten der Rutschanfälligkeit erstellt. Ergänzend wurden Modellierungen für Steinschlag und Erosion erarbeitet. Diese Informationen wurden für jedes Untersuchungsgebiet mit den Wanderwegen überlagert und jeder Wegabschnitt nach seiner Anfälligkeit für Rutschungen, Steinschlag und Erosion bewertet.

 

Damit ergibt sich ein Überblick, der das Wegenetz in leichter zu erhaltende Bereiche unterscheidet, die wenig durch Massenbewegungen beeinflusst sind, und in schwieriger zu erhaltende Bereiche, in denen mehr Schäden an Wegen und stärkere Auswirkungen auf das alpine Wegenetz zu erwarten sind.

 

Erste Ergebnisse im Frühjahr 2022

Im Frühling 2022 sind Validierungsworkshops mit den Wegewart*innen geplant, in denen die Praxistauglichkeit der Ergebnisse für verschiedene Aufgaben im Wegemanagement diskutiert wird. Dazu gehören besonders die strategische Bedarfsplanung für Wegewartungsaufwand sowie die Planung von Wegebauprojekten und Wegverlegungen unter Berücksichtigung des Einflusses von Massenbewegungen. Danach lässt sich einschätzen wie die im Projekt MontEO entwickelten Methoden den Erhalt der alpinen Infrastruktur erleichtern können.