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„Wir erleben die Folgen des Klimawandels live“

Deutschlandwetter in 2021 – DWD zieht Bilanz

10.01.2022, 15:54 Uhr

Dauer- und Starkregenfälle im Juli mit katastrophalen Überschwemmungen: Das waren die Ausreißer in einem statistisch gesehen eher durchschnittlichem Wetterjahr.

„Unter dem Strich war das Jahr 2021 durchschnittlich nass, leicht zu sonnig und zu warm“ – so fasst der DWD die Auswertung der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen zusammen. Im Jahresverlauf gab es dennoch große Schwankungen. Auf starken Frost im Februar in der Mitte Deutschlands folgte ein fast sommerlicher März, der wiederum vom kältesten April seit 40 Jahren abgelöst wurde. Durch ausreichend Niederschlag konnten sich die Wälder von der Trockenheit der letzten drei Jahre erholen. Doch an manchen Orten regnete es viel – und zu viel auf einmal. Im Juli ereignete sich an den Flüssen Ahr und Erft die schlimmste Flutkatastrophe seit Jahrzehnten, ausgelöst durch Dauer- und Starkregenfälle.

 

Kälterekord im Februar, Hitze im Juni

„Wir wissen, dass der Klimawandel dazu bereits beigetragen hat. Das zeigt: Wir erleben die Folgen des Klimawandels live. Wetterextreme können jeden von uns treffen. Wer das Klima schützt, schützt sich selbst." So kommentiert Tobias Fuchs, Klimavorstand des Deutschen Wetterdienstes (DWD). 2021 gilt als elftes zu warmes Jahr in Folge. Mit 9,1 Grad lag die Durchschnittstemperatur um 0,9 Grad über dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990. Extreme gab es eher im unteren Bereich des Thermometers: Mühlhausen, 40 km nordwestlich von Erfurt, meldete am 10. Februar mit -26,7 Grad einen neuen Rekord. Dies war gleichzeitig der tiefste Wert deutschlandweit im ganzen Jahr. Der Juni kann demgegenüber als Drittwärmster nach 2019 und 2003 gelten: An etlichen Wetterstationen wurden über 35 Grad gemessen. Auch die Sonnenscheindauer war mit insgesamt 1650 Stunden etwas höher als normal, der langjährige Durchschnitt liegt bei 1544 Stunden (Periode 1961 bis 1990).

 

Sonne und Starkregen in den Alpen

Besonders der Süden und Südwesten wurden von der Sonne verwöhnt. Örtlich wurden in Südbayern am Alpenrand sogar über 2000 Sonnenstunden gezählt. In einigen Mittelgebirgsregionen hingegen schien die Sonne 700 Stunden weniger.

In den Alpenregionen brachten Gewitter häufig Starkregenfälle mit Überflutungen und Hochwasser mit sich. Am 16. August bildete sich nach einem Unwetter in der Höllentalklamm im Zugspitz-Massiv eine Flutwelle. Zwei Wandernde wurden mitgerissen, eine Frau überlebte das Unglück nicht. Die Unwetter ebbten erst im September ab und machten Platz für einen goldenen Oktober. Kräftige Schneefälle sorgten am 29.11. an den Alpen für eine frühwinterliche Stimmung, zum Jahresende wurde es dann wieder mild und nass.

 

Einen umfassenden Rückblick und eine Vorschau bietet der DWD unter www.dwd.de/klimastatus