logo-dav-116x55px

Felssturz am Flüela Wisshorn

08.04.2019, 10:06 Uhr

Am 19. März 2019 ereignete sich am Flüela Wisshorn bei Davos in Graubünden ein größerer Felssturz, der in der Folge eine Schneelawine auslöste. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos liefert nun Zahlen und Hintergrundinfos.

 

 
 

250 000 Kubikmeter Fels

Mehr als 250 000 Kubikmeter Fels - das entspricht in etwa dem Volumen von 250 Einfamilienhäusern - lösten sich am 19. März 2019 kurz nach Mitternacht aus der Nordwestflanke des Flüela Wisshorns (3085 m ü. M., Davos GR).

Beim Sturz lösten die Felsmassen zusätzlich eine sehr grosse Schneebrettlawine aus. Die grobblockigen Felsmassen sind nun im Hochtal unterhalb des Wisshorn-Gipfels abgelagert, die Schneelawine erreichte fast die (geschlossene) Flüelapassstraße. Der Felssturz und die Lawine befinden sich im Bereich der Skitourenroute auf das Wisshorn.

 

Geltscherrückgang und Permafrost

Die Instabilität, die zum Felssturz führte, dürfte zum einen mit der geologischen Struktur zu tun haben. Zum anderen ist durch die Erwärmung der Gletscher unterhalb des Gipfels abgeschmolzen, was zu einem Stabilitätsverlust und erhöhter Erosion der Felswand geführt hat. Auch die Erwärmung von Permafrost kann eine zusätzliche Rolle gespielt haben, denn der Anrissbereich liegt mit hoher Warscheinlichkeit im Permafrost.

 

Felsstürze im Winter nichts aussergewöhnliches

Größere Felsstürze und Bergstürze kommen nicht nur im Sommer vor, sondern häufig auch bei kühlen Temperaturen in den Wintermonaten. So z.B. der Felssturz am Piz Kesch (150 000 Kubikmeter) im Februar 2014 oder am Piz Cengalo im Dezember 2011 (1,5 Mio. Kubikmeter). Warum das so ist, ist bislang noch wenig erforscht.

 

Ablagerungen bis 15 Meter

Mit Hilfe von digitalen Geländemodellen und Drohnenbefliegungen kann die Geländeveränderung durch den Felssturz ziemlich genau vermessen werden.

Im Hochtal unter dem Gipfel liegen zum Teil mehr als 15 Meter mächtige Schutt- und Felsmassen.

Die schwarze Linie markiert den Umriss des ganzen Ereignisses.

 

Alpiner Permafrost

Klimazeiger und stabilisierendes Element in den Alpen

Mehr erfahren
Permafrost ist ein wichtiges Element der Cryosphäre in den Alpen, jedoch bleibt er im Vergleich zu den Gletschern unsichtbar. Nur Blockgletscher sind eindeutig erkennbare Landschaftsformen des Permafrosts. Die Bedeutung von Permafrost kann nicht hoch genug eingestuft werden: er ist ein sensibler Klimazeiger und erfüllt eine bedeutende Rolle in Sachen Hangstabilität, Hydrologie und Naturgefahren. Die Erwärmung des Permafrost macht mittlerweile auch uns Alpenbewohnern und -besuchern zu schaffen: alpine Schutzhütten, die auf Permafrost gebaut sind, beginnen zu sacken; früher sichere Übergänge und Normalrouten sind zunehmend steinschlaggefährdet.   

Permafrost am Kitzsteinhorn: So wird die Gefahr von Steinschlag und Felssturz abgeschätzt

Aktuelle Forschung: Permafrost & Naturgefahren

Mehr erfahren
Das Kitzsteinhorn wird seit Jahren von Forschern überwacht: Wie verändert sich der Permafrost und welche Gefahren entstehen dadurch?