logo-dav-116x55px

Seilbahn auf den Kilimandscharo?

13.05.2019, 11:57 Uhr

Tourismusförderung um jeden Preis: die Regierung von Tansania hat eine Machbarkeitsstudie über eine Seilbahn auf den Kilimandscharo in Auftrag gegeben. Bald Burgerladen und Kühlschrankmagnete auf dem "Kibo"?

Nur eine Utopie oder ernste Pläne?

Sechs bis acht Tage braucht man aktuell für die Besteigung des höchsten Gipfels Afrikas: Rund 50.000 Touristinnen und Touristen nehmen jedes Jahr den langen Weg zum 5.895 Meter hohen Gipfel des Kilimandscharo in Angriff. Das soll sich, wenn man den Wünschen des Tourismusministers von Tansania, Constantine Kanyasu, nachkommt, bald ändern. Eine Seilbahn soll den Gipfel erschließen und damit die Besucherzahlen verdoppeln. Medienberichten zufolge hat die Regierung von Tansania eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um herauszufinden wohin genau und bis in welche Höhe eine Seilbahn führen könnte. Ebenfalls soll es dazu bereits Gespräche mit Chinesischen Investoren gegeben haben. Wie ernst und wie realisierbar diese Pläne sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch spekulativ. 

 

Ein unerschlossener "Kibo" für eine nachhaltige Entwicklung

Der Kilimandscharo ist umgeben vom gleichnamigen und 756 km² großen Nationalpark. Seit der Gründung 1973 ist es Zweck des Nationalparks, das Landschaftsbild und die einzigartige Flora und Fauna am Kilimandscharo zu schützen und für die Zukunft zu bewahren. Dass eine technische Erschließung des Berges mit einer Seilbahn im klaren Konflikt mit den Zielen des Nationalparks steht, ist eindeutig. Eindeutig fragwürdig ist auch die Nachhaltigkeit dieser "Vision".

 

Die touristische Entwicklung der Alpen in der Vergangenheit hat uns eines gelehrt: Intakte Natur und unerschlossne Gipfel sind die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung in die Zukunft. Parallelen sind durchaus erkennbar: Zwischen 1920 und 1960 gab es immer wieder sehr ernsthafte Pläne, eine Seilbahn auf den Gipfel des Watzmanns zu bauen. Ein Glück, dass dieses Vorhaben nie realisiert wurde und dadurch einer der bedeutendsten Nationalparks nun eine unverzichtbare Säule der regionalen Entwicklung des Berchtesgadener Lands werden konnte. Und auch gerade aktuell mahnen in den Alpen wieder mehrere Großprojekte zur Vorsicht und rufen uns Naturschutzverbände auf, die Stimme zu erheben. Und das gilt sicher auch für den höchsten Berg Afrikas, der auch in Zukunft ohne Seilbahn und ohne kommerzorientierten Erschließungswahnsinn der Region zu einer nachhaltigen Entwicklung verhelfen sollte.