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Müll-Berge?

21.11.2017, 11:45 Uhr

Europäische Woche der Abfallvermeidung

Zigarettenstummel liegen um eine Aussichtsbank verteilt, in einer Felsspalte klemmt eine leere Bierdose und die Bananenschale baumelt an einem Latschenast lässig im Wind – kein Berg ist mehr von Müll verschont.

 

Dem Problem Abfallbeseitigung nimmt sich der Alpenverein seit Jahren an – und jährlich auch die EU: Vom 18. bis 26. November 2017 findet die 8. Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Gefragt sind nachhaltige Initiativen im privaten Umfeld, in Firmen, in Schulen – und natürlich auch in der Natur.

 

Gerade dort, wo es keine Müllabfuhr gibt, sollte man besonders sensibel mit Müll umgehen: Achtlos weggeworfene Gegenstände verrotten draußen nur sehr langsam. „Selbst organisches Material wie eine Bananenschale ist erst nach zwei bis fünf Jahren vollständig abgebaut. Und eine Aluminiumdose liegt da oben bis zu 500 Jahre“, so Dr. Tobias Hipp vom Ressort Naturschutz und Kartographie des DAV.

 

Abfallvermeidung beginnt zuhause

Rund 460 Kilogramm Haushaltsmüll verbrauchte eine Person 2014 durchschnittlich in Deutschland. „Darum fängt Abfallvermeidung am Berg bereits zu Hause an“, meint Tobias Hipp. Die Logik dahinter: Wer keinen Müll einpackt, kann oben keinen wegwerfen oder verlieren. Bereits mit wenigen einfachen Schritten kann man seinen persönlichen Müllberg schrumpfen:

 

  • Auf Verpackung verzichten: Viele Lebensmittel sind heute unnötig in Plastik verpackt: Obst und Gemüse, Sonntagsbrötchen, Wurst, und vieles mehr. Wer statt fertig abgepackten Produkten einzelne Nahrungsmittel kauft (zum Beispiel Äpfel aus der Kiste oder Brötchen beim Bäcker), vermeidet Plastikmüll.
  • Mehrwegflaschen kaufen: Die dünnwandigen PET-Einwegflaschen werden nach der Rückgabe zerkleinert und zu neuen Flaschen gemacht. Damit ist dem Recyclingprozess zwar genüge getan, der Vorgang kostet aber sehr viel Energie. Besser fährt, wer Mehrwegflaschen benutzt oder gleich auf Glasflaschen umsteigt: Sie können viele Male wiederverwendet werden. Übrigens: Auch Joghurt, Milch und Sahne gibt es im Glas.
  • Plastiktüten vermeiden: Die wohl am einfachsten umzusetzende Maßnahme: Wer dauerhaft auf Plastiktüten verzichtet und zum Beispiel zum Einkauf im Supermarkt seine eigene Stofftasche mitbringt, sammelt fleißig Umwelt-Plus-Punkte.
 

Reparieren statt Wegwerfen

Nicht nur Nahrungs- und Verbrauchsmittel verursachen unnötig Müll, sondern auch unsere Ausrüstung: Oftmals kann man die Hardschell oder die Wanderhose noch reparieren und muss sie bei einem Riss oder einem defekten Reißverschluss nicht gleich entsorgen. Der DAV-Partner Vaude hat zum Beispiel gemeinsam mit der Reparaturplattform ifixit.com für viele Produkte Reparaturanleitungen online gestellt. So kann man mit etwas Geschick seine Ausrüstung wieder flott bekommen. Hier geht es zu den Anleitungen.

 

#Upcycling

Upcycling meint das Wiederverwerten von gebrauchten Gegenständen. Beispiel: Ein Kletterseil muss nach einer gewissen Zeit ausgetauscht werden – man braucht es aber nicht gleich in die Mülltonne zu werfen, sondern kann es noch für andere Einsatzzwecke gebrauchen: „In Verbindung mit einem Holzbrett wird daraus schnell eine Schaukel für Kinder. Und spezielle Flechttechniken machen aus Seilresten stylische Badvorleger“, so Tobias Hipp. Tipp: Wer seine Seile nicht selbst weiterverarbeiten möchte, kann sie zum Beispiel an die Macher von felsliebe.de schicken. 

 

Haltet die Berge sauber!

Und am Berg? „Wer ohne Müll in die Berge gehen möchte, sollte das schon bei der Tourenplanung berücksichtigen – und Verpackungen im Tal lassen“, rät Tobias Hipp. Das erste Augenmerk liegt darum auf dem Transport von Wasser und Brotzeit: Statt Einwegflaschen kann man BPA-freie Trinkblasen verwenden oder eine gute Thermoskanne (erhältlich zum Beispiel im DAV-Shop). Die Verpackung der Speisen übernehmen nicht mehr Plastiktüten oder Alufolien, sondern eine Brotzeitbox. Der Vorteil: Man kann die Obstschalen von Banane, Orange & Co. in ihnen wieder mit ins Tal nehmen.

 

Übrigens: Im Zuge der Kampagne „Saubere Berge“ stehen an allen bewirtschafteten Hütten leuchtend rote Mülltütenspender. „Natürlich sind die Mülltüten auch biologisch abbaubar“, so Tobias Hipp. Ziel der Aktion ist es, die Bergsteigerinnen und Bergsteiger für die eigenverantwortliche Müllvermeidung und -entsorgung zu sensibilisieren.

 

Mehr Infos zur Woche der Abfallvermeidung und den Initiativen: wochederabfallvermeidung.de

 

Aktion "Saubere Berge"

Mehr erfahren
Die Kampagne „Saubere Berge“ betreibt der DAV zusammen mit seinem Partner "Versicherungskammer Bayern" für seine Hütten in den Alpen und Mittelgebirgen. In den Alpenvereinshütten wurden praktische – leuchtend rote - Abfalltütenspender montiert. Bei Bedarf können sich die Gäste hieraus eine Abfalltüte nehmen, um ihren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen - oder auch das ein oder andere Papier am Wegesrand einzustecken. Die Abfalltüten basieren auf Maisstärke und sind zu 100% kompostierbar.   Ziel der Aktion  „Saubere Berge“ ist es, die Bergsteiger für die eigenverantwortliche Müllvermeidung und -entsorgung zu sensibilisieren.